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Schul-Chaos: Sachsen lässt die Kitas und Schulen in jedem Fall offen – Söder bremst: Schutz der Schüler ist oberster Maßstab

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DRESDEN. Das Schul-Chaos in Deutschland treibt weitere Blüten: Während im Süden der Republik angesichts der zunehmenden Verbreitung der Corona-Mutante B.1.1.7 weitere Schulöffnungen in weite Ferne rücken, gelten im Osten die steigenden Inzidenzwerte nicht mehr als Hindernis für einen Präsenzbetrieb. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder sieht angesichts des Durcheinanders im Bildungsbereich die Verunsicherung der Bürger wachsen.

Sieht erst einmal keine Chance auf Regelbetrieb in den Schulen: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU). Foto: Shutterstock

Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder sieht die Entwicklung in den Schulen in der Corona-Pandemie nach eigenen Worten derzeit mit «höchster Sorge». Auch bei den Kindern und Jugendlichen steige die Gefahr von schwereren Krankheitsverläufen, sagte Söder. Der Schutz vor einer Ansteckung sei deshalb der oberste Maßstab. «Die Bildungsqualität der Schülerinnen und Schüler zu halten ist das eine, aber ihre Gesundheit ist mindestens genauso viel wert.» Der auch bundesweit zu beobachtende «Flickenteppich» mit einem Mix aus Präsenz-, Wechsel- und Distanzunterricht sorge für große Verwirrung in der Bevölkerung.

«Die Lage ist wirklich ernst», sagt die Gesundheitsministerin – während das Kultusministerium ankündigt, alle Kitas und Schulen offenzuhalten

Dazu trägt aktuell der Freistaat Sachsen bei, dessen Regierung gerade neue Corona-Regeln für die nächsten Wochen beschlossen hat. «Die Lage ist wirklich ernst», sagte Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) mit Blick auf steigende Infektionszahlen. In Kitas und Schulen sind die allerdings künftig egal: Die Bildungseinrichtungen sollen in jedem Fall geöffnet bleiben – unabhängig von den Inzidenzwerten. Muss man das verstehen?

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«Trotz steigender Infektionszahlen wollen wir den Kindern und Jugendlichen den Kita- und Schulbesuch ermöglichen. Unserer aller Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass Schule und Kita möglichst sichere Ort bleiben», sagte Kultusminister Christian Piwarz (CDU). In den Grundschulen findet der Unterricht in voller Präsenz statt. Ab Klassenstufe fünf müssen die Klassen wie bisher im Wechselunterricht geteilt werden. Neu ist: Statt wie bisher einmal müssen sich Schüler dann zweimal pro Woche selbst testen. Die Testpflicht gilt künftig schon ab der ersten Klasse – also auch für Grundschüler. Schüler ab der fünften Klasse müssen im Unterricht mindestens eine medizinische Maske tragen – in der Grundschule also weiterhin nicht. Die Schulbesuchspflicht wird allerdings in allen Bereichen ausgesetzt. Eltern können also entscheiden, ob ihr Kind die Schule besucht.

Allerdings gibt es sozialen Druck durch das Kultusministerium. Dort heißt es nämlich: „Die Kinder oder Jugendlichen können dann die Lernzeit zuhause verbringen und werden mit Lernaufgaben versorgt. Mit einer vollumfänglichen Betreuung der Schülerinnen und Schüler durch Lehrkräfte, wie im Präsenzunterricht, kann allerdings nicht gerechnet werden.“ Heißt also: Eltern, die ihre Kinder zu Hause lassen, riskieren, dass sie beim Lernen abgehängt werden.

In den Kitas des Freistaats werden die Erzieher ebenfalls künftig zweimal pro Woche getestet, Corona-Tests für die Kinder sind aber weiterhin nicht vorgesehen. Eltern sollen ihre Kinder auf dem Außengelände abgeben oder abholen. Wer seine Kinder ins Kita-Gebäude hinein begleiten möchte, muss einen negativen Corona-Test vorlegen, der nicht älter als drei Tage sein darf. Piwarz nannte das umfangreiche Testregime einen „Zwischenschritt auf dem Weg zur Herdenimmunität durch die Corona-Impfungen“.

Anders als Sachsen und Sachsen-Anhalt, das bereits in der vergangenen Woche angekündigt hatte, die Inzidenzwerte für den Kita- und Schulbetrieb künftig ignorieren zu wollen, hat Baden-Württemberg aktuell entschieden, die Schulen nicht – wie eigentlich vorgesehen – nach Ostern wieder weiter zu öffnen.

Schulen nach den Osterferien wieder öffnen? „Zunächst muss sich die pandemische Lage wieder stabilisieren“

Am Mittwoch noch hatte Ministerpräsident Kretschmann (Grüne) im Landtag angekündigt, dass nach den Osterferien alle Schülerinnen und Schüler perspektivisch wieder in die Schulen zurückkehren sollen – allerdings nur im Wechselunterricht und getestet. Wegen der schnellen Verbreitung der Corona-Mutante, die auch durch Kinder und Jugendliche weitergetragen wird, wurden diese Pläne aber wieder gebremst. „Zunächst muss sich die pandemische Lage wieder stabilisieren“, sagte eine Regierungssprecherin. Einen klaren Fahrplan, ab welchen Schwellenwerten was in Kitas und Schulen gilt, mochte Kretschmann auch bei einem Gespräch mit Lehrer-, Eltern- und Schülervertretern gestern nicht in Aussicht stellen. „Da müssen wir ein stückweit auf Sicht fahren“, so erklärte die Sprecherin.

Die bayerische Staatsregierung hat in dieser Woche hingegen ein Konzept vorgelegt, wie es mit Kitas und Schulen in der Krise umgehen will.  So sollen erst bei einem Inzidenzwert unter 50 sämtliche Schulklassen in den Präsenzunterricht zurückkehren, wie Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Dienstag in München sagte. Zwischen 50 und 100 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner binnen einer Woche erfolgt für alle Jahrgänge Wechselunterricht. Bei einem Wert von über 100 gilt grundsätzlich Distanzunterricht – allerdings mit Ausnahmen.

So findet in den Abschlussklassen sowie in der vierten Klasse der Grundschule und den Jahrgangsstufen 11 an Gymnasien, Fachoberschulen und Berufsoberschulen Präsenzunterricht mit Mindestabstand oder Wechselunterricht statt. In die Klassenzimmer dürfen dabei aber nur Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte, die über einen höchstens 48 Stunden alten negativen Corona-Test verfügen oder in der Schule einen entsprechenden Selbsttest mit negativem Ergebnis gemacht haben. Alle anderen müssen per Distanzunterricht lernen. News4teachers / mit Material der dpa

Wissenschaftler fordern: Kultusminister – hört auf, Märchen zu erzählen! Sorgt endlich für Corona-Schutz in Kitas und Schulen!

 

 

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