Immer mehr Druck auf Scheeres: Bleibt Berlin beim Wechselunterricht?

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BERLIN. Der Druck auf Berlins Bildungssenatorin Scheeres wächst. In Brandenburg sollen alle Grundschüler ab Montag wieder ins Klassenzimmer. In der Bundeshauptstadt soll es hingegen beim Wechselunterricht bleiben. Ist das durchzuhalten?

Ist auf einen vorsichtigen Kurs umgeschwenkt – und wird dafür jetzt kritisiert: Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD). Foto: SenBJF/Reto Klar

Es kommt nicht ständig vor, dass Brandenburg als Vorbild für Berlin gelobt wird – in der Schulpolitik ist das seit Tagen so. Die Landesregierung in Potsdam hat entschieden, dass die Grundschulen am Montag vollständig wieder zum Präsenzunterricht zurückkehren sollen, eine Woche später die weiterführenden Schulen. Voraussetzung ist eine stabile Sieben-Tage-Inzidenz unter 50. Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) hat sich dagegen – nachdem sie monatelang den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts für den Schulbetrieb nicht gefolgt ist und den vollen Präsenzunterricht auch bei hohen Inzidenzen beibehielt („Schulen sind keine Hotspots“) – auf Wechselunterricht bis zu den Sommerferien festgelegt. Und sie steht dafür nun erheblich in der Kritik.

Tatsächlich wäre den RKI-Empfehlungen zufolge (welche die Abstandsregel in den Klassenräumen und, damit verbunden, Wechselunterricht oberhalb einer Inzidenz von 50 vorsehen) Unterricht mit allen Schülern mittlerweile wieder möglich: Die Inzidenz für Berlin ist auf 35 gesunken.

«Organisatorische Gründe wie von der Schulsenatorin vorgebracht, können keine Gründe sein, um Präsenzunterricht zu verwehren»

Der Druck kommt deshalb von vielen Seiten: Eltern, Ärzten, Oppositionsparteien, Koalitionspartnern, Parteifreundinnen. Die Gemengelage ist kompliziert. Grünen-Spitzenkandidatin Bettina Jarasch forderte am Donnerstag eine schnelle Rückkehr zum Präsenzunterricht. Zumindest den Grundschulkindern solle ein Stück Normalität zurückgegeben und regulärer Unterricht noch vor den Ferien ermöglicht werden, sagte Jarasch. «Organisatorische Gründe wie von der Schulsenatorin vorgebracht, können keine Gründe sein, um Berlins Schülerinnen und Schüler die Rückkehr in den Präsenzunterricht zu verwehren.» Ähnlich hatte sich Silke Gebel am Tag zuvor schon geäußert – Fraktionsvorsitzende des grünen Koalitionspartners. Die Bildungsverwaltung möchte den Schulen kurz vor den Sommerferien nicht nochmal eine Umstellung des Betriebs zumuten.

Der Berliner CDU-Vorsitzende und Spitzenkandidat Kai Wegner sprach sich am Donnerstag dafür aus, die Schulen «schnellstmöglich» wieder zu öffnen. «Die Rückkehr zum sicheren Präsenzbetrieb muss nächsten Dienstag im Senat behandelt werden», forderte er. Es gebe eine tiefe Sehnsucht nach Normalität im Schulbetrieb. «Als Vater weiß ich, was den Familien in der Pandemie abverlangt wird. Viele Eltern sind an der Belastungsgrenze.»

Auch SPD-Spitzenkandidatin Franziska Giffey hat dafür plädiert, die bisherige Praxis zu überdenken. Die SPD-Landesvorsitzende forderte in der «Berliner Morgenpost», wenn die Inzidenz auch bei den Kindern dauerhaft unter 50 komme – sie liegen aktuell bei den Zehn- bis 14-Jährigen noch bei 100 -, seien «selbst ein paar Tage Regelunterricht vor den Sommerferien es wert, darüber noch mal zu diskutieren».

Neuköllns Gesundheitsstadtrat Falko Liecke will die weitere Öffnung der Schulen ebenfalls. Der CDU-Politiker schloss sich am Mittwoch ausdrücklich den Forderungen eines offenen Briefs zahlreicher Kinder- und Jugendärzte an, der unter anderem an Bildungssenatorin Scheeres gerichtet war. Sie hatten gefordert, die Schulen sofort wieder für den Regelbetrieb zu öffnen. Und die «Initiative Familien», die das gleiche Ziel verfolgt, lässt genauso wenig locker: Nach Kundgebungen am Pfingstmontag und Dienstag hat sie für Samstag (29. Mai) eine weitere Demonstration vor dem Roten Rathaus angekündigt.

«Wir verstehen die Sorgen in Teilen der Elternschaft und haben die sinkenden Inzidenzen natürlich im Blick»

Die Bildungsverwaltung will am Wechselunterricht bis zu den Ferien festhalten, hat aber mehr Aktivitäten im Klassenverband als bisher in Aussicht gestellt. «Wir verstehen die Sorgen in Teilen der Elternschaft und haben die sinkenden Inzidenzen natürlich im Blick», sagte ein Sprecher der Senatsverwaltung am Donnerstag. Deshalb habe sie den Schulen bereits vor einer Woche ermöglicht, Exkursionen und Projekte im Freien in vollen Lerngruppen oder auch Abschlussfeiern und -veranstaltungen durchzuführen. «Wenn sich die Lage weiter derart verbessert, dann sind in letzten beiden Wochen vor den Sommerferien auch weitere Zusammenkünfte und mehr Projekte im Klassenverband und im Freien möglich und wünschenswert», sagte der Sprecher.

Es bleibe aber wichtig, das Infektionsrisiko an den Schulen möglichst gering zu halten, auch weil noch nicht alle Lehrkräfte vollständig geimpft seien. Für diesen vorsichtigeren Weg erfahre die Senatsverwaltung viel Zuspruch auch von Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften und Eltern. News4teachers / mit Material der dpa

Trotz hoher Inzidenzen unter Schülern zurück zum Regelunterricht? Eltern sind gespalten

 

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13 KOMMENTARE

  1. Brandenburg hat 2,5 Mill. Einwohner auf einer im Vergleich zu Berlin riesigen Fläche mit lockerer Besiedlung und wenigen Migranten, Berlin hat 3,5 Mill. Einwohner, die sich in manchen Stadtteilen (besonders denen mit vielen Migranten) geradezu drängeln. Für die brave Befolgung von Vorschriften sind die Berliner nicht gerade bekannt, besonders auch Zuwanderer aus fernen Ländern und die „Autonomen“. Selbst Polizei und Feuerwehr werden angegriffen. In Brandenburg geht es wohl etwas geordneter zu. Es liegt auf der Hand, dass in Berlin viel mehr Gefahren lauern, was Ansteckungen betrifft, allein schon durch überfüllte U-Bahnen und Stadtbusse. Man hat auch riesige Schulen mit weit über 1000 Schülern, das kann es in Brandenburg allenfalls in den größten Städten Potsdam, Brandenburg, Cottbus usw. geben (nehme ich mal an).
    Ich würde daher keine Vorwürfe gegen Frau Scheeres in diesem Punkte erheben. Problematisch allerdings wird’s am Stadtrand, wo sich beide Bundesländer gewissermaßen vermischen. Aber das ist in Hamburg und Bremen nicht anders.

  2. „Die SPD-Landesvorsitzende forderte in der «Berliner Morgenpost», wenn die Inzidenz auch bei den Kindern dauerhaft unter 50 komme – sie liegen aktuell bei den Zehn- bis 14-Jährigen noch bei 100 -, seien «selbst ein paar Tage Regelunterricht vor den Sommerferien es wert, darüber noch mal zu diskutieren».“

    BlaBlaBla – ich bin wichtig und will Bürgermeisterin werden ….

    Die Entscheidung, die Unruhe aus den Schulen herauszuhalten, ist m. E. verhältnismäßig die einzig richtige. Das Schuljahr ist so gut wie gelaufen, die Strukturen im Wechselunterricht gefestigt. Warum den Motor wieder heiß fahren und damit zu gefährden, dass Schaden entsteht?

    Ich verstehe die Überforderung der Eltern. Aber dann bitte nicht mit Regelunterricht argumentieren, sondern mit Betreuungsbedarf. Das wird Kolleg*innen in diesem Bereich auch nicht gerade erfreuen, trifft aber den Kern der Sache, wenn es auch die Vorstellungskapazitäten von Politiker*innen überfordert.

  3. Zum ersten Mal seit Jahren trifft Frau Scheres eine m.E. richtige Entscheidung und wird dafür von allen Seiten angefeindet. Inzidenzen in Berlin Stand heute 15 bis 19 J: 81, 10 bis 14 J: 109, 5 bis 9 J: 85.
    Und dann müsste man mal die Formulierung ändern:
    “dürfen zurück ins Klassenzimmer” stimmt doch nicht. Durften sie doch schon immer, nur in halber Klassenstärke.

    • Der Ausdruck „dürfen“ ist tatsächlich euphemistisch – wir haben ihn durch „sollen“ ersetzt.

      Herzliche Grüße
      Die Redaktion

  4. Ich hoffe sehr , dass Frau Scheeres bei ihrer klugen Entscheidung bleibt , denn wenige Tage Präsenzunterricht in voller Klassenstärke rechtfertigen das Risiko nicht , die Inzidenz wieder hochschießen zu lassen . Daran sollte sich Frau Gebauer mal ein Beispiel nehmen …

  5. Komische Zeiten sind das! Schulen auf – koste es, was es wolle. Verantwortung für die Gesundheit von LehrerInnen, Schülerinnen und deren Familien zu übernehmen, spielt oft keine Rolle! Das vermeintliche Kindeswohl verfolgend wollen viele Politiker, nicht zuvergessen die meisten Ärzte für Kinder- und Jugendmedizin und einige Eltern zurück in die Normalität. Das können wir alle gut nachvollziehen. Allerdings wird diese Normalität eine andere sein. Abstand wird im Klassenraum abgeschafft, soll aber auf den Schulfluren eingehalten werden. Das verstehe, wer wolle, ich nicht! Schnelltesten bleibt erhalten und wird weiterhin als sicher beworben. Wenn Berlin jetzt den organisatorischen Aufwand der Umstellung auf Vollpräsenzunterricht vermeiden will, wird damit der Infekzionsschutz im derzeit gegebenen Maße, quasi als Nebeneffekt, beibehalten. In den anderen Bundesländern ist dies nicht der Fall, wie schon zuvor beschrieben. Überall AHA und L, nur in den Schulen nicht. Masken ja, ein sichtbares Zeichen der Vorsorge vonseiten der Kultusminsterien, denn der Betrieb muss sichtbar laufen – man hat die Lage im Griff. Hygiene, her mit den Desinfektionsmitteln, aber Waschbecken im Klassensaal fehlen trotz oder gerade wegen Neurenovierung. Obendrein, wer soll die ganzen Oberflächen tagtäglich abwischen – laut Musterhygieneplan Tische, Türen, Treppengeländer usw. Abstand wird aufgehoben, SchülerInnen brauchen Kontakte über das Elternhaus hinaus, ein Unmensch, der ihnen die im Sinne der Vermeidung der Infektion mit dem Virus vorenthalten will. Und Lüften, Fenster auf und rauss ins Freie, alle auf den Schulhof, wer braucht da Luftfilter? Ironie, ich weiß ! Im Vergleich der Unterrichtsmodelle zwischen Distanz, Wechsel und Präsenz aller werden wir sehen, wie sich die Corona-Lage in den Schulen entwickelt. Das ist ein intessantes, aber z. T. auch beängstigendes Experiment. Wahrscheinlich werden wieder nur die Eltern, also Erwachsene, symptomatisch erkranken, die Kinder nicht, die bleiben infolge der elterlichen Infektion ungetestet nur vorsichtshalber in Quarantäne. Daraus entsteht wieder die Schlussfolgerung, dass Kinder nicht merklich erkranken, gar nahezu immun sind, deshalb auch nicht geimpft werden müssen (Kinderärzte), in der Schule betreut werden können, um nicht noch mehr Lernstoff zu verpassen, den sie dann an Wochenenden und in den Ferien nachholen sollen. Unmenschlich, wo bleibt da die Erholung nach all den Corona-Strapazen, die sonst immer so betont werden. Hoffen wir nur, dass auch die mittlere Generation in den Familien dieser erwartbaren Belastung standhält, nämlich ob ihres Nachwuchses sich zu infizieren, zu erkranken, auf den ITS zu landen oder gar Schlimmeres zu erleiden. Davon ist dann auch wieder die jüngere Generation betroffen, wenn sie Angst und Verlust mental, psychisch und organisatorisch verarbeiten muss. Das hat dann mit Normalität und Kindeswohl meiner Meinung nach nichts mehr zu tun. Was meint ihr, wie geht es euch?

    • Ich sehe das genauso. Umso erschreckender, das es für Eltern keine Testpflicht und keine Notbetreuung in den Kitas mehr gibt. Jeder kann wieder rein und schleppt seine Viren an und dann waren es wieder die Erzieherinnen.

      Warum kann man Lehrstoffmässig jetzt nicht einfach nal nen Cut machen und die Kinder erstmal wieder ankommen lassen und auf Noten verzichten für dieses Jahr. Das würde viel Druck nehmen für alle Seiten

      • Auf Noten verzichten hieße auch auf Versetzung verzichten. Außerdem leisten Sie damit den Kindern, die sich doch angestrengt haben, einen Bärendienst. Besser wäre es, die Benotung dieses Jahr besonders streng zu machen und Ausnahmen in der direkten Versetzungsregelung zu streichen. Recht auf Nachprüfungen sollen die Schüler zum Ausgleich aber umfassend bekommen. Die in Berlin geplanten Ferienschulen sollen sich ja lohnen.

    • Ähhhh… nö.
      Belassen wir es!
      Bis zu den Sommerferien!
      Die Kinder haben sich gerade so schön daran gewöhnt!
      Dann machen wir es, ab der Zeugnisausgabe wieder auf “ Normalbetrieb “

      Die Erzieher * innen können ja wieder alles übernehmen, an den Grundschulen.
      Es war ja auch sooo stressig, für die Lehrer*in …
      in der letzten Zeit.
      Doppelte Belastung, 3 Stunden am Tag und sooo…
      Wechselunterricht…
      Und dann noch die eigenen Kinder und der Hund, der brauch ja auch seine Zeit…
      Wann da erst der Feierabend ist…

      Also wirklich, wenn sich hier jemand wirklich mal ausruhen muss, dann wirklich die Lehrer*in !!!!!

      Verbeamtet zu sein, ist auch echt anstrengend!

      Die paar Wochen können ja nun wirklich die Eltern auch noch stemmen, is ja nicht so schwer!

      Die Erzieher springen einfach ein, falls mal Unterricht nicht gewährleistet ist……

      Grrrrrrrr

    • Ich sehe es genauso wie Sie. Leider wohne ich in RLP und muss an der „Zwangsdurchseuchung“ bei Präsenzpflicht und vollen Klassen als Elternteil mitmachen.

  6. Kitas sind seit Wochen ohne Masken voll geöffnet und die Schulen sind wieder der gefährliche Hotspot.
    Jede schulwoche ist mit Blick auf den nicht gegebenen Unterricht wichtig.
    Nach den Ferien wieder das gleiche Spiel „Nein nein nein… Jetzt mit den reiseruekehrern nicht zu verantworten“.
    So hangelt man sich von Ferien zu den nächsten Ferien.
    Naja wo Rauch ist da ist auch Feuer

  7. Alles wird geöffnet, bis auf die Schulen?
    Lasst die Kids/ Jugendliche ihren Alltag leben!

    Die Jugendlichen waren Rücksichtsvoll, haben vieles mitgetragen, nun gebt ihnen ihre Freiheit zurück!!!

    Es ist an der Zeit, Ihnen “ Danke “ zu sagen.

    Lasst sie im Klassenraum lernen, spielen und soziale Kontakte erleben, ihre Abschluss Partys Feiern…

    Wir können ab nächster Woche Reisen?
    Aber nicht gemeinsam lernen?

    Ich finde es Egoistisch, von den Erwachsenen!
    Die Jugendlichen haben zurückgesteckt, nun lasst sie tanzen!!!

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