Deutscher Kitaverband fordert Luftfilter – und eine dritte Impfung für ErzieherInnen

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WIESBADEN. Der Deutsche Kitaverband – der Verband unabhängiger Träger – fordert weitere Corona-Schutzmaßnahmen, damit die Betreuung der kleinen Kinder auch im Herbst und Winter in den Einrichtungen erfolgen kann. Die Corona-Pandemie werde auch mit einem Voranschreiten der Impfquoten nicht verschwinden, sagte die Vorsitzende Waltraud Weegmann. Sie fordert Luftfilter – und eine dritte Corona-Impfung für die Erzieherinnen und Erzieher. Die GEW pflichtet bei.  

Corona-Schutz? Gibt es in Kitas praktisch nicht. Foto: Shutterstock

«Mutationen und regionale Ausbrüche werden den Alltag zukünftig immer wieder prägen», sagte Weegmann. Umso wichtiger sei es für Kitas, Tagespflegestellen und Horte, jetzt Konzepte für einen neuen Normalbetrieb zu entwickeln, betonte die Vorsitzende des Kitaverbands. Wichtig seien dabei weiterhin Hygiene-Maßnahmen für den Infektionsschutz, freiwillige Tests für das Fachpersonal und die Kinder, ab höheren Inzidenzen auch verpflichtende Tests sowie endlich die Förderung für Luftfiltergeräte in Kitas. Auch  möglicherweise zügige Auffrischimpfungen für Kita-Fachkräfte seien notwendig, erklärte die Vorsitzende. «Mit all diesen Maßnahmen können die Kitas nach aktuellem Stand auch im Herbst und Winter weiter offengehalten werden.»

Auch die GEW macht sich für eine dritte Corona-Impfung im Herbst für das Kita-Personal stark. Bei den kleinen Kita-Kindern sei es kaum möglich, Abstand zu halten, sagte die hessische Landesvorsitzende Birgit Koch. Deshalb sei es auch dringend nötig, ausreichend Luftreinigungsgeräte für die Einrichtungen anzuschaffen. Ebenfalls sollte geprüft werden, ob zusätzliche Räume für die Betreuung der kleinen Kinder angemietet werden können.

In den hessischen Kitas ist seit wenigen Tagen der Regelbetrieb mit Hygienemaßnahmen wieder möglich. Die Gruppen können damit wieder gemischt werden. Für die Einführung dieser Regelungen gilt nach der Verordnung der Landesregierung eine Übergangsfrist bis zum 5. Juli. Die Maskenpflicht für die Kita-Fachkräfte entfällt.

Studie zeigt: Corona-Variante Alpha hat in hessischen Kitas offenbar kaum Schaden angerichtet

Die Ausbreitung der Alpha-Variante des Coronavirus hat nicht zu einem erhöhten Infektionsgeschehen in hessischen Kindergärten geführt. Dies habe die «Safe-Kids-Studie III» vom 17. Mai bis 11. Juni ergeben, sagte Sozialminister Kai Klose (Grüne) am Donnerstag in Wiesbaden. Obwohl die Inzidenz in dieser Zeit vergleichsweise hoch gewesen sei, seien bei der Studie mit 756 Kita-Kindern und 226 Mitarbeitern keine Corona-Infektionen entdeckt worden, erläuterte die Virologin Prof. Sandra Ciesek, Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt.

Sie verwies darauf, dass zum Zeitpunkt der Tests in den 46 Kitas rund 80 Prozent der Erzieherinnen und Erzieher mindestens einmal geimpft gewesen seien. Bei der vorangegangenen «Safe-Kids-Studie II» im Januar und Februar seien bei sieben Kindern und einer Mitarbeiterin das Coronavirus festgestellt worden. Welche Rolle Kitas in der Corona-Pandemie spielen, wurde in Hessen erstmals im Sommer 2020 in der «Safe-Kids-Studie I» untersucht.

Die Alpha-Variante habe sich nicht als Infektionstreiber herausgestellt, sagte Klose. Konkrete Aussagen, welche Auswirkungen die Ausbreitung der Delta-Variante auf Kitas hat, ließen sich anhand der «Safe-Kids-Studie III» allerdings nicht treffen. Die Varianten Alpha und Delta sind laut Robert Koch-Institut ansteckender als das ursprüngliche Virus von Sars-CoV-2. Ob es eine weitere «Safe-Kids-Studie» – etwa zur Delta-Variante – geben wird, sei noch offen, sagte Ciesek. Derzeit ergebe eine solche Untersuchung keinen Sinn, weil die Infektionszahlen insgesamt zu niedrig seien.

„Wo das Virus einen Wirt findet, wird es auch versuchen, den zu infizieren“

Ciesek warnte Politiker allerdings schon Anfang Juni davor, den Sommer nicht zu verschlafen. Kitas und Schulen könnten im Herbst ein zentraler Bereich des Infektionsgeschehens sein, weil dort viele Menschen aufeinandertreffen, die nicht geimpft sind. „Da sollte man gute Konzepte in der Hinterhand haben“, sagt die Virologin. Wichtig bleibe, eine Teststrategie in Kitas und Schulen zu verfolgen und Maßnahmen wie Abstand halten, Maske tragen und Lüften beizubehalten. Auch Luftfilter könnten eine große Rolle spielen. Man werde im Herbst womöglich wieder mehr Ausbrüche dort sehen, wo es zu großen Menschenansammlungen mit nicht Geimpften kommt, sagt Ciesek: „Wo das Virus einen Wirt findet, wird es auch versuchen, den zu infizieren.“

Mindestens jede zweite Corona-Ansteckung in der laufenden Woche dürfte in Deutschland nach Schätzung des RKI bereits auf die ansteckendere Delta-Variante zurückgehen. Es sei damit zu rechnen, dass die zuerst in Indien entdeckte Mutante derzeit «mindestens die Hälfte aller Neuinfektionen ausmacht», schreibt das RKI, die Bundesbehörde für Infektionskrankheiten. News4teachers / mit Material der dpa

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5 KOMMENTARE

  1. -Doppelbelastung-
    Mich wundert immer wieder das Betonen der Hygienemassnahmen in der Kindertagespflege, um Infektionen mit Corona zu verhindern. Natürlich sind diese Maßnahmen wie Händewaschen, Putzen, Lüften und Desinfektion wichtig, das waren sie schon immer. Aber so lange die Kinder atmen, lachen, schreien und singen, Körperkontakt haben, ihre orale Phase leben (Ein- und Zweijährige), gemeinsam Mittagsschlaf halten und sich ganz normal kindgerecht verhalten, sind sämtliche vorgegebenen Hygienemassnahmen der Unfallkasse bis auf Lüften ungeeignet, um eine Infektion zu verhindern, falls jemand infiziert ist. Bei uns werden nur fest eingebaute RLT-Anlagen gefördert, was absurd ist, denn diese erfordern größere bauliche Maßnahmen und kosten wesentlich mehr, als mobile Virenfilter und sind gerade für Tageseltern in gemieteten Wohnungen unmöglich. Naheliegend und leistbar wären mobile Geräte, die sich aus finanziellen Gründen ungefördert vermutlich so gut wie keine von uns anschaffen wird. Immerhin werden wir in unserem Landkreis mit Lollitests für die Kinder versorgt, es gibt aber viele Eltern, die die Tests ablehnen und Kolleginnen, die auch ungetestete Kinder betreuen, auch um den Ärger mit den Eltern zu vermeiden. Dazu kommt, dass die Vorgaben aus dem „Schnupfengipfel“ verschnupfte Kinder in der Kindertagespflege ausdrücklich erlauben, so lange sie nicht zusätzlich die längst überholten Symptome wie Geschmacksverlust (bei Einjährigen nicht leicht feststellbar) aufweisen. Dabei weiß man mittlerweile, dass gerade bei Delta oft nur Schnupfen und Halskratzen auftreten.
    Das wird ein ganz normaler Winter in der Kindertagespflege und die Kinder werden dabei auf natürliche Weise immunisiert, wobei wie immer die Ausreißer in Kauf genommen werden, die es früher auch schon gab, denn nicht jedes Kind hat die Dauerinfektionen von Oktober bis April bisher gut weg gesteckt. Es gab häufig Mittelohrentzündungen (Antibiotika), heftige Bronchitis und immer mal Lungenentzündung mit Krankenhausaufenthalt. Jetzt ist es eben außerdem noch PIMS. Das ist Zeitgeist und einer sich wandelnden Gesellschaft geschuldet, die sich insgesamt so aufgestellt hat, dass immer mehr Kinder ab dem ersten Geburtstag ebenso „arbeiten“ gehen müssen, wie ihre Eltern und im Grunde genommen nur 20 Tage im Jahr krank sein dürfen.
    Von daher habe ich als Tagesmutter tatsächlich den Eindruck, dass Kinder die „Verlierer“ sind, nicht aber, weil sie plötzlich kein Recht mehr auf ihre Betreuung hatten während dem lockdown, sondern weil von ihnen die ganze Zeit unisono von der Doppelbelastung für die Eltern gesprochen wurde, und zwar von der Seite der Doppelbelastung, die schwerer wiegt und weil sie das jeden Tag erlebt und gehört haben. Hat irgendein Chef jemals das überforderte Telefonat mit der besten Freundin „ich dreh hier gleich durch, was hier jeder von mir will, ich kann nicht mehr, hoffentlich ist das bald zu Ende. ..“ mit gehört? Nein? Das Kind aber schon, wochenlang, nur weil es zu Hause sein musste, wo es eigentlich als Freude und Bereicherung gesehen werden sollte, um sich gut zu entwickeln und weil seine Bedürfnisse ebenfalls befriedigt werden mussten. Die Bedürfnisbefriedigung des Kindes bringt den Eltern im homeoffice aber kein Einkommen, davon können sie nicht leben, die Tagesmutter allerdings schon, aber die durfte/sollte wegen Corona nicht. Deshalb waren aus meiner Sicht die Kinder die Belastung und nicht die Chefs und deshalb sind viele Kinder verstört und traurig und zumindest psychisch verletzt. In jedem Alter waren sie alt genug, um diese Dysfunktion zu spüren. Irgendwie waren sie nicht „das Wichtigste“. Sie waren die Belastung und es ist nie um sie gegangen.
    Sie sollen jetzt einfach wieder in Betreuungen gehen, die nicht mehr geschlossen werden, auch ohne Schutz und ohne Impfung. Das ist tatsächlich besser für sie, denn damit werden sie sich nicht mehr als Belastung fühlen, sondern das Gefühl haben, wieder einen Beitrag dazu leisten zu können, dass das Familienleben wieder glücklich ist. Sie haben damit nicht das „Recht auf Frühkindliche Förderung“, sondern die Pflicht, sich frühkindlich fördern zu lassen, um keine Doppelbelastung zu sein, auch wenn sie dabei krank werden.
    Ich werde alles dafür tun, sie möglichst gut zu schützen, selbstverständlich durch meine eigenen Impfungen sowie die meiner ganzen Familie, bin aber traurig und in Sorge, weil der gesellschaftliche Blick auf das Kind sich so gewandelt hat.

  2. Und warum kommt niemand auf die Idee, das Naheliegende zu fordern?
    Ein Gehalt für Erziehungsarbeit in der Familie? Damit würde die Pflicht für Kinder, schon mit einem Jahr das Pensum eines Erwachsenen zu erfüllen, entfallen. Und das Risiko, sich ständigen Infektionen auszuliefern, reduziert.

  3. So wie Masken und strenge Hygiene nicht das aller Heilmittel für die Allgemeinheit sind, sind es die Luftfilter leider ganz und gar nicht. Zumindest nicht in Kita und Schule. Messungen haben gezeigt, dass normales, regelmäßiges Lüften reicht und für einen guten Luftaustausch sorgt als Luftfilter. Nur in ganz speziellen Konstellationen können Luftfilter einen Vorteil bieten, z. B. wenn der Straßenverkehr lauter ist als die Luftfilter. Ansonsten bergen sie ein hohes Gefährdungsrisiko, da sie bei falscher Positionierung auch gerade mögliche mit Viren belastete Luft durch den Raum verteilen und keine Frischluft zuführen. Gerade das ist aber oberste Priorität. Frische Luft! Außerdem sind sie teuer in der Anschaffung und die Folgekosten sind erheblich: Energie, regelmäßige Filterwechsel, fachgetechte Wartung, Entsorgung der Filter. Zudem sind sie laut. Man muss daher lauter sprechen, was den Aerosoleintrag ansteigen lässt. Auch, dürfen sie keine Unfall-, Stolpergefahr (Leitungen) darstellen und Zuglufterscheinungen verursachen. Und ganz wichtig, da warme Luft immer zuerst nach oben steigt, befindet sich die gereinigte Luft eine ganze Weile zunächst unter der Decke. Wo soll hier der Nutzen sein? Insbesondete für Krabbelgruppe. Nonsens. Es gibt keinen Mehrwert, außer dass es wieder ein neues Geschäftsmodell für einige Firmen darstellt, analog Masken und Schnelltests. Und die Schulden für die nachfolgenden Generationen steigen weiter emens. An alle Kita Beschäftigte: geht mit den Kindern raus an die Luft bei jedem Wetter. Das stärkt die Immunabwehr. Auch wird die in den letzten Jahren vermehrt auftretende Bindehautentzündung wieder verschwinden. Achtet auf die richtige Luftfeuchtigkeit im Raum: mindestens 40 %. Trockne Luft fördert Erkältungskrankheiten und Corona. Auch wenn Ihr es nicht glaubt, Erzieher, Lehrer und Zugbegleiter haben das beste Immunsystem aller Menschen!

    • Sehr geehrte Frau Baumert-Huff,

      Sie geben hier Positionen wider, die auch von Kultusministern und Bürgermeistern so behauptet werden – nichts davon ist belegt. Die Redaktion hat mit Prof. Christian Kähler, Physiker, Leiter des Instituts für Strömungsmechanik und Aerodynamik an der Universität der Bundeswehr in München und Erst-Autor mehrerer Untersuchungen zur Wirkung von mobilen Luftfiltern, gesprochen. Weder bergen die Geräte ein „hohes Gefährdungsrisiko“ noch gibt es erhebliche Folgekosten (die dürften bei weit offenen Fenstern im Winter wesentlich höher sein). Es sind auch keine „regelmäßigen Filterwechsel“ nötig. Gute Geräte sind auch nicht laut. Stolpergefahr? Echt jetzt? Wegen eines Kabels?

      Sie fragen, wo der Nutzen sein soll? Darin, dass die Geräte möglicherweise Corona-belastete Aerosole aus der Luft filtern.

      Zu den deutschen Studien, die die Wirkung belegen, kommt aktuell noch eine US-amerikanische, auf die uns ein Leser hingewiesen hat:

      Tweet gestern von Carsten Watzl, Immunologe der TU Dortmund:

      „Studie der amerikanischen CDC. HEPA Filter können Aerosole (und damit die Ausbreitung von Corona Viren) um bis zu 65% reduzieren. In Kombination mit Masken wird Reduktion von 90% erreicht. Also: Luftfilter und Masken in Schulen.“

      https://www.cdc.gov/mmwr/volumes/70/wr/mm7027e1.htm

      Herzliche Grüße
      Die Redaktion

  4. @TaMu
    Danke, danke, danke. Ich hab mich in jedem Wort wiedergefunden! Einziger Unterschied: Bei uns gibt es nichtmal Lollitests. Und die Förderung von Personaltests wurde uns auch -Tadaaaa- erst am 15. Tag nach unserer Zweitimpfung, also wenn die mögliche Virenlast zu gering für die Sensitivität wäre. Dafür wäre aber für jeden Test Protokoll zu führen und einzureichen, die Kosten (bis max. 6 € pro Stück) vorzulegen und dann 14tägig jeweils hälftig bei der Stadt und beim Land zu beantragen. Ernsthaft?

    Herzliche Grüße von einer Tagesmutterkollegin einer GTP, die sich gerade ernsthaft überlegt, aus ethischen Gründen aus diesem fragwürdigen System auszusteigen und umzuschulen

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