Söder kündigt an: „Im Herbst soll es in jedem Klassenzimmer und den Kitas mobile Luftfilter geben“ – Druck auf Kultusminister steigt

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MÜNCHEN/HAMBURG/DÜSSELDORF. Markus Söder macht offenbar Nägel mit Köpfen:  Bayerns Ministerpräsident hat ein Investitionsprogramm seiner Staatsregierung angekündigt, mit dessen Hilfe alle Kitas und Schulen im Freistaat mit mobilen Luftfiltern ausgestattet werden sollen. In anderen Bundesländern sind es bislang (nur) Oppositionspolitiker, die die Forderung erheben, es dem CSU-Chef gleichzutun – und die nicht über die politischen Mehrheiten verfügen, sie auch durchzusetzen. Gleichwohl steigt der Druck auf die bislang untätigen Landesregierungen.

Luftfilter sorgen nachweislich dafür, die Atemluft von möglicherweise Corona-belasteten Aerosolen zu befreien – kosten aber Geld. Zu viel für Bildungseinrichtungen? Foto: Shutterstock

Bislang gibt es in den Klassenräumen bundesweit nur in Ausnahmefällen Luftfilter. Bayern und Berlin sind die einzigen Bundesländer, die jeweils zumindest nennenswerte Teile ihrer Schulen mit den Geräten ausstatten.

Und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) legt nach, nachdem er zuvor schon laut darüber nachgedacht hatte, die Kommunen zur Anschaffung von Luftfiltern für Kitas und Schulen zu verpflichten, wie News4teachers berichtete: Der Freistaat werde bis zu 50 Prozent der Kosten für die Städte und Gemeinden übernehmen, so twitterte er – und versprach: „Im Herbst soll es in jedem Klassenzimmer und den Kitas mobile Lüfter geben“.

Ein solches Programm sähe Hamburgs CDU-Oppositionsführer Dennis Thering in der Hansestadt auch gerne – er hat für das kommende Schuljahr in jedem Klassenzimmer Luftfilter gefordert. «Neben einer guten Teststrategie brauchen wir vor allem auch gute Lüftungskonzepte. Es kann nicht mehr sein, dass unsere Schülerinnen und Schüler im Winter mit einem dicken Mantel, mit einer Mütze und Schal in den Klassenräumen sitzen und frieren», sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende in der Hamburgischen Bürgerschaft im Sommerinterview des NDR «Hamburg Journals». Da dürfe nicht gespart werden.

Hamburg orientiere sich weiterhin an den Empfehlungen des Umweltbundesamts sowie an der Leitlinie zu «Maßnahmen zur Prävention und Kontrolle der Sars-CoV-2-Übertragung in Schulen» des Expertengremiums im Auftrag des Bundesforschungsministeriums, sagte der Sprecher der Schulbehörde, Peter Albrecht, auf Anfrage. «Die Nutzung von Luftfilteranlagen wird dort nur im Ausnahmefall empfohlen.» Hamburg setze weiterhin auf Masken- und Testpflicht, regelmäßiges Stoßlüften und die weiteren Vorgaben des Musterhygieneplans, sagte der Sprecher. Zwei große wissenschaftliche Studien, die den Einsatz von mobilen Luftfiltern in Klassenräumen untersucht haben, empfehlen die Geräte allerdings uneingeschränkt, wie News4teachers berichtet.

«Die Frage, wie kriegen wir die Schulen sicher, ist überhaupt noch nicht geklärt. Wir laufen der Lage weiter hinterher»

Die Weigerung, die Kitas und Schulen damit auszustatten, war Thema heute auch im Landtag von Nordrhein-Westfalen – wo die Landesregierung es ebenfalls ablehnt, Bildungseinrichtungen in der Fläche damit auszustatten. Angesichts der Lage in Israel und Großbritannien sei dies ein Versäumnis, sagte die Grünen-Abgeordnete Sigrid Beer am Mittwoch in einer Sondersitzung des Schulausschusses. «Die Frage, wie kriegen wir die Schulen sicher, ist überhaupt noch nicht geklärt. Wir laufen der Lage weiter hinterher.» Es brauche einen «Game Changer», sagte Beer – Luftfilteranlagen eben.

«Die Delta-Variante macht uns natürlich Sorgen», entgegnete Franziska Müller-Rech (FDP), die für FDP-Schulministerin Yvonne Gebauer eintrat. Krankenhausaufenthalte und Todesfälle stiegen in Großbritannien aber nicht an. Insofern könnten Infektionszahlen und Inzidenzen nicht mehr der Maßstab sein. Luftfilteranlagen seien kein Allheilmittel und würden vom Umweltbundesamt lediglich als Ergänzung zum Lüften empfohlen.

Im Landtag, in dem die Debatte stattfand, wurden zu Beginn des Jahres 41 Luftfilteranlagen platziert

Pikant: Im Landtag, in dem die Debatte stattfand, wurden zu Beginn des Jahres 41 Luftfilteranlagen platziert. 21 wurden von der Landtagsverwaltung bestellt, um sie unter anderem am Besuchereingang, an Aufzügen und in der Wandelhalle zu postieren. Zudem hatte die Landtagsverwaltung den Fraktionen angeboten, auch für deren Bereiche Geräte zu besorgen. Dadurch kamen noch mal 20 Luftfilter dazu – Geräte also, die die mitregierende FDP für nutzlos hält. Dass die FDP-Fraktion das Angebot abgelehnt hätte, ist nicht überliefert. News4teachers / mit Material der dpa

Überwältigende Mehrheit von Eltern und Lehrern fordert mobile Luftfilter für Kitas und Schulen – Druck auf Politiker wächst

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11 KOMMENTARE

  1. Peinlich an der Argumentation: Der Sprecher der Hamburger Schulbehörde beruft sich auf eine Leitlinie, die zum 31.05.2021 ungültig wurde (Homepage der Leitlinie). Erkenntnisse insb. zu Delta-Varianten etc. sind also nicht aufgenommen. Die Leitlinie taugt also nicht als Ausrede, keine Luftfilter zu beschaffen!

  2. Herr Söder hat begriffen, dass die Luftfiltergeräte einen Klacks kosten im Vergleich zu einer weiteren Lockdown – Serie.

    Jeder Unternehmer müsste sich der Forderung anschließen.

  3. “Krankenhausaufenthalte und Todesfälle stiegen in Großbritannien aber nicht an. Insofern könnten Infektionszahlen und Inzidenzen nicht mehr der Maßstab sein. “

    “Die Zahl der Patienten im Krankenhaus mit COVID-19 ist zum ersten Mal seit Mitte Mai wieder auf über 1.000 gestiegen, wie BBC am Donnerstag (10.6.) berichtet. Vor allem sei der Anstieg der Krankenhausfälle auf Entwicklungen in Schottland und im Nordwesten Englands zurückzuführen.”
    (https://www.vpksh.de/service/news/artikel/grossbritannien-zahl-der-krankenhauspatienten-mit-covid-19-steigt-wieder.html)

    Irgendjemand muss hier lügen.

    • Vielleicht sind statt der Infektionszahlen und der Inzidenzen die Impfquoten der Maßstab. Vollständige Impfung bedeutet ja einen guten Schutz vor schweren Verläufen und damit Krankenhauseinweisung zu haben (je nach Quelle 79 % bzw. 96 % bei der Delta-Variante bei BioNtech und je nach Quelle 60 % bzw. 92 % bei AstraZeneca). Bei der Einfachimpfung kann man zumindest mit einem Teilschutz vor schweren Verläufen (ca. 33% ) rechnen. In Großbritannien sind allerdings 85 % einfach, ca. 62 % vollständig geimpft. Das sind Werte, da können wir bisher nur von träumen … von daher sollte man nicht darauf bauen, dass die Krankenhauseinweisungen hier moderat verlaufen.

      Wir liegen derzeit bei circa 50 % einfach und circa 30 % vollständig Geimpften. Ist ja schon ungefähr halb so viel (wir haben zudem aber noch mal 17.000.000 mehr Menschen hier). Aber es wundert mich nicht mehr, dass man beim Blick auf Großbritannien lediglich rauspickt, was nützen könnte, um die Füße auf jeden Fall nicht bewegen zu müssen…aus verschiedenen Gründen.

      2 x 3 macht 4
      widdewiddewitt
      und drei macht neune!
      Ich mach´ mir die Welt
      widdewidde wie sie mir gefällt…

      Mich wundert auch, dass in Hinblick auf Großbritannien noch nicht mit der Intensivbettenkapazität der Situation in der BRD im Vergleich zu Großbritannien argumentiert wurde. In der „Zeit“ konnte man letztes Jahr im März lesen, dass in Großbritannien 6,6 Intensivbetten auf 100.000 Einwohner kämen, in Deutschland 29,2 Betten auf 100.000 Einwohner. Das ist vermutlich ein großer Rückhalt für Coolness in Sachen Deltavariante & Co.. Es nützt nur den Menschen nichts, die dann trotz eines vorhandenen Intensivbettes „aus dem Leben gerissen werden und fehlen“.

      In NRW passt völlig losgelöst von allem im Ergebnis die unkomplizierte, schnelle und zunächst einmal im Vergleich zur Anschaffung von mobilen Luftfiltern kostengünstigere Durchseuchung unserer Jugend. Das werden die Krankenkassen dann bald sagen können, wie günstig die Masseninfekton vor einer möglichen Impfung ist … auch in Sachen Long- und Post-Covid. Allerdings wird dabei nicht der Bezug zu den sonstigen infizierten und behandlungsbedürftigen Erwachsenen hergestellt werden können. (Abgewälzte) Kosten jedenfalls werden entstehen, auch wenn die Immunität durch Infektion dank Deltavariante ohne mobile Luftfilter in den Schulen „ratzfatz“ erreicht werden wird. In NRW bereits schon genug gestraft, bekommt man dann auch „ratzfatz“ eine Vorahnung, was der BRD in Gänze blühen könnte, wenn Laschet Kanzler werden würde.

      Woanders jedenfalls scheint das Gras viel, viel grüner als in NRW! Kinderdurchseuchung muss nicht mit allen derzeit möglichen Mitteln von Seiten der Politik in NRW bis zur Impfung vermieden werden? Echt krass, dass man es trotz kritischer Stimmen und Andershandelnder erst überhaupt gar nicht versuchen will! Aber auch nicht neu.

  4. Ein genereller Lockdown wird nicht kommen, weil dafür zu viele geimpft sind. Die Frage ist jetzt, ob man die Kinder schützt oder knallhart deren Durchseuchung plant, weil die sich einfach mehr rechnet wirtschaftlich. Wie bei der sonstigen Politik von CDU und FDP werden auch hier die Folgekosten (LongCOVID und kindliche Entwicklung auf lange Sicht mit solchen gesundheitlichen Folgen) in die Zukunft verschoben. Die Lehrer- und die Elternschaft sowie die paar Erstwähler mit Pandemie-Schulerfahrung scheinen zahlenmäßig als Wählergruppe vernachlässigbar zu sein.

  5. Welche Maßnahmen gibt es in NRW?

    Heute feierliches Gedenken im Landtag:

    „Mehr als 17.000 Menschen sind in Norrdrhein-Westfalen im Zuge einer Corona-Infektion gestorben. Für sie gab es heute eine Gedenkstunde im Landtag. Ministerpräsident Laschet bat um Verzeihung.

    Zusätzlich hatte Innenminister Herbert Reul eine Trauerbeflaggung im ganzen Land angeordnet.

    Laschet bittet um Verzeihung
    Ministerpräsident Armin Laschet erinnerte an die bislang über 17.000 Corona-Opfer in NRW. „Sie alle wurden vom Virus aus dem Leben gerissen und sie alle fehlen.“ In Richtung der Angehörigen sagte er: „Allen, die um einen geliebten Menschen trauern, spreche ich mein zu tiefst empfundenes Beileid aus. Unser Land trauert mit Ihnen.“

    Angesichts der sinkenden Infektionszahlen war auch immer wieder von „Hoffnung“ die Rede. So sagte Ministerpräsident Laschet: „Das schnelle Fortschreiten der Impfkampagne gibt berechtigte Hoffnung auf mehr Normalität und ich bin sicher: Wir werden als Land gestärkt aus dieser Krise hervorgehen.“ Einen positiven Ausblick setzte Verfassungsrichterin Dauner-Lieb mit einem Zitat von Sänger Louis Armstrong: „I think to myself: What a wonderful world“ (Ich denke mir: Was für eine wundervolle Welt).“
    https://www1.wdr.de/nachrichten/landespolitik/gedenken-corona-landtag-100.html

    Und weiter geht’s …
    Ich denke mir auch: Was für eine wundervolle Welt …
    🙁

  6. Politiker sollten Eltern nicht unterschätzen. Nur wenige Eltern werden bei einer Durchseuchung ihrer Kinder zusehen. Die Familie ist immer noch das Einzige, was zählt.
    Die Folgekosten einer ungeschützten Öffnung der Schulen bei der sehr viel ansteckenderen Variante könnten zu hoch sein. Wenn das erste Kind im Krankenhaus landet, werden auch skrupellose Politiker zurückrudern müssen. Erkrankte Kinder weil Politiker fahrlässig die Durchseuchung befördert haben? Diese Politiker werden keine Wahlen mehr gewinnen.

  7. Hi-ho Matrosen!
    In die Flaute bläst plötzlich frischer Wind aus Südost. Reicht er zum Sturme oder nur für Pustefixblasen?

  8. NICHT AUFGEBEN – WEITER SCHUTZMASSNAHMEN FORDERN

    https://luftfilterjetzt.de/

    BITTE UNTERZEICHNEN UND WEITERVERBREITEN!!!

    KUMIS, NEHHMT ENDLICH GELD IN DIE HAND – WIR WOLLEN LUFTFILTER IN ALLEN KLASSEN STEHEN SEHEN

    – WIR LASSEN UNS NICHT MEHR MIT SALBUNGSVOLLEN WORTEN ABSPEISEN!

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