Was macht eine gute Lehrkraft aus? Lehrerpreis-Träger sagt: «Da muss ein Funke sein!» Sein Schulleiter sieht etwas anderes…

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Holger Kellmeyer, Pädagoge aus der Pfalz, wurde nun – neben neun anderen aus ganz Deutschland – als «Ausgezeichnete Lehrkraft» mit dem Deutschen Lehrerpreis geehrt. Seine Schülerinnen und Schüler hatten ihn dafür vorgeschlagen. Was ist das Geheimnis erfolgreicher pädagogischer Arbeit? Kellmeyer selbst spricht von einem «Funken». Für Kellmeyers Schulleiter gibt es einen weiteren entscheidenden Punkt.

Zwischen Lehrkraft und Schülern muss es „funken“. Illustration: Shutterstock

An einen Tag als Schüler kann sich der rheinland-pfälzische «Lehrer des Jahres» besonders gut erinnern. «Einmal kam ein kreativer Lehrer als Napoleon verkleidet in den Unterricht und plante mit uns schauspielerisch den Russlandfeldzug», erzählt Holger Kellmeyer. Historisches Wissen auf diese Art erlebbar zu gestalten, habe ihn sehr beeindruckt. «Ich weiß bis heute, woran Napoleon gescheitert ist. Weil ich das Gefühl hatte, dabei gewesen zu sein. Wenn ein Schüler wirklich lernen soll, muss er dabei sein.»

Kellmeyer ist Pädagoge für Deutsch, Philosophie und Ethik am Carl-Bosch-Gymnasium Ludwigshafen. Die Napoleon-Anekdote hat er nie vergessen. Mehr noch: Sie war für ihn Inspiration, den eigenen Unterricht abwechslungsreich zu gestalten. Experimentierfreude statt trockene Theorie. Wie gut das bei Schülerinnen und Schülern ankommt, zeigt der jüngste Wettbewerb «Deutscher Lehrerpreis – Unterricht innovativ 2020»: Kellmeyer wurde als einer von bundesweit zehn Preisträgern in der Kategorie «Ausgezeichnete Lehrkräfte» geehrt.

„Sechser im Lotto“: Lehrer Holger Kellmeyer. Foto: Deutscher Lehrerpreis

So heißt die Auszeichnung offiziell. Seit 2020 tragen der Deutsche Philologenverband und die Heraeus Bildungsstiftung den Wettbewerb aus. Gewürdigt würden damit innovative Unterrichtsideen, die von engagierten Lehrkräften im Team umgesetzt würden, sagt die Bundesvorsitzende des Philologenverbands, Susanne Lin-Klitzining. «Das klappt mit Lehrkräften, die besonders motiviert und offen sind für eine konstruktive Zusammenarbeit, um Schülerinnen und Schüler in ihrer Bildungsentwicklung voranzubringen. Diese vorbildlichen Unterrichtsprojekte tragen dazu bei, Schule zu einem besonderen Ort zu machen und Schülerinnen und Schüler für das Lernen zu begeistern.»

In der Kategorie „Ausgezeichnete Lehrkräfte“ sind Schülerinnen des Abschluss-Jahrganges  an weiterführenden Schulen aufgerufen, besonders engagierte und von ihnen geschätzte Lehrkräfte vorzuschlagen, die sich für ein verantwortungsvolles Miteinander in der Schule einsetzen. So kam Kellmeyer auf die Liste der Nominierten. Nach Meinung seiner Schülerinnen und Schüler ist er «hoch motiviert, herzlich, diskussionsfreudig und hilfsbereit», verfügt über ein «ausgeprägtes Fach- und Allgemeinwissen» und gestaltet kreativen Unterricht. «Wir wussten relativ schnell, dass wir einen Sechser im Lotto bekamen», wird ein Schüler in der Laudatio zitiert (weitere Statements: unten)

Kellmeyer hat selbst drei Kinder, davon bald zwei in der Schule. Die Nachricht von der Auszeichnung konnte er zunächst kaum glauben. «Es war ein sehr surreales Gefühl.» Erst später schwappten Stolz und Aufregung seiner Schülerinnen und Schüler auf ihn über. «Was da vor mir lag, war ein helles Licht in diesen oft dunklen Pandemiezeiten.»

«Natürlich ist diese Auszeichnung auch ein ganz besonderes Ereignis für die Schulgemeinschaft des Carl-Bosch-Gymnasiums»

Seine Frau habe die Urkunde in seinem Büro gut sichtbar aufgehängt. «Denn wenn ich je wieder vom Alltagsfrust zum Selbstzweifel komme, soll mir ein Blick darauf den Kopf wieder zurechtrücken», erzählt er.

In der Schule ist man stolz über die Ehrung. «Natürlich ist diese Auszeichnung auch ein ganz besonderes Ereignis für die Schulgemeinschaft des Carl-Bosch-Gymnasiums», sagt Schulleiter Ulf Boeckmann. Die öffentliche Anerkennung sei gerade in Pandemiezeiten «Balsam für die Seele». Als entscheidenden Faktor für das Gelingen von Unterricht sehe er das gegenseitige Vertrauen und Zutrauen zwischen Lehrern und Schülern an. «Dies ist auch der Schlüssel für den Unterrichtserfolg von Herrn Kellmeyer», meint der Oberstudienrat.

Hinter Kellmeyer liegt ein kompliziertes Schuljahr. Die Pandemie diktierte auch in der zweitgrößten Stadt in Rheinland-Pfalz oft den Lehrplan. «Corona ist ein Brennglas, unter dem sich allgemeine bildungspolitische und gesellschaftliche Probleme, die sich schon vorher etabliert hatten, mit Vehemenz ans Tageslicht drängten», meint der 39-Jährige. Das Carl-Bosch-Gymnasium sei zum Glück bereits auf den Zug der Digitalisierung aufgesprungen und verfüge über ein Kollegium, «das sich in der Krise selbstbewusst in den Wind stellte».

Doch die Pandemie habe alle viel gelehrt, sagt Kellmeyer. «Wir haben uns alle neu erfinden und Unterricht neu denken müssen.» Kritiker hätten das Potenzial der neuen Medien am eigenen Leib erfahren, aber Anhänger des Digitalen hätten auch deren Grenzen erleben müssen. «Es fehlt auch das Zwischenmenschliche. Über ein Video kann ich ein verzweifeltes Kind nicht trösten, und die Diskussionskultur verändert sich, sobald ein Mikrofon zwischen den Diskutanten steht.»

Für den Lehrerpreis hat Kellmeyer zahlreiche Glückwünsche erhalten – unter anderem von der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD). Die Nominierung durch die eigene Schülerschaft zeige die ausgezeichnete Beziehung zwischen Lehrer und Schülerinnen und Schülern, meinte sie.

«Nur wenn ich für mein Fach brenne, kann es diesen Funken überhaupt geben.»

Mit einem Startgeld von zehn Millionen Euro will die Landesregierung das Projekt «Schule der Zukunft» auf den Weg bringen, wie Dreyer Mitte Juni mitteilte. Dieser Fonds soll Schulen unterstützen, «die sich aufmachen möchten, neue Wege zu erproben». Die Konzepte für mehr gemeinschaftliches Lernen sollen in einem breiten Beteiligungsprozess mit jenen entwickelt werden, die den Schulalltag genau kennen.

Und wie sieht Kellmeyers Schulalltag aus? Der Pädagoge kommt zwar nicht als Napoleon zum Unterricht, ist aber fest überzeugt, dass da ein «Funke» zwischen Lehrer und Klasse sein sollte. «Nur wenn ich für mein Fach brenne, kann es diesen Funken überhaupt geben.» News4teachers / mit Material der dpa

Hier gibt es mehr Informationen zum Deutschen Lehrerpreis.

Das sagen Schüler über ihn

Mit diesen Worten begründeten Schülerinnen und Schüler, warum für sie der Pädagoge Holger Kellmeyer ein besonders guter Lehrer ist:

  • „Wir waren ab dem Moment ein Team, an dem er uns zusammengeführt und uns – anders als jeder Lehrer vor ihm – den Inhalt verschiedenster Themen nähergebracht hat. Niemals durfte die Kreativität zu kurz kommen, niemals wurden wir unterschätzt, niemals haben wir an ihm und seiner Überzeugung, uns alle durch das Abi zu bekommen, gezweifelt. Das hat den Ehrgeiz nur so zum Lodern gebracht und ehe ich mich versah, waren wir eine eingespielte Truppe, die sofort auf neue Inhalte reagierte.“
  • „Heute kann ich sagen, das mir nichts Besseres hätte passieren können, als Holger Kellmeyer als meinen Lehrer zu haben.“
  • „Mit einem scharfen Blick erkennt er die Talente und Nöte seiner Schüler und lässt jedem eine individuelle Betreuung zuteilwerden.“
  • „Quasi nach der ersten Stunde war mir klar, dass er als Lehrer der Hauptgewinn war, und obwohl ich nie den Respekt vor ihm oder seinem Wissen verloren habe, so wurde er doch menschlich und nahbar, wenn er mit uns lachte und scherzte.“
  • „…wenige Wochen später hielt ich den Scheffel-Preis für das beste Abitur in den Händen. Eine Ehre, die mit Sicherheit auch mit Holger Kellmeyers Wirken zu tun hat. Er hat jeden von uns genommen als den Rohdiamanten, der wir waren, und uns die Steine zum Feinschliff gereicht. Ohne Holger Kellmeyer wäre ich nicht dort, wo ich jetzt bin. Ich wäre eine andere, unsicherere Version meiner selbst, die sich niemals getraut hätte, an einem schriftstellerischen Wettbewerb teilzunehmen und die damit auch niemals veröffentlicht worden wäre.“

Quelle: https://lehrerpreis.com/preistraeger/holger-kellmeyer-preistraeger-deutscher-lehrerpreis-2020/

Welche PädagogInnen mit dem Lehrerpreis ausgezeichnet wurden – und wofür

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9 KOMMENTARE

  1. Das will die KMK hören.
    Es zählt nur ein ominöser Funke beim Lehrer.
    Dinge wie Kontinuität, kleine Klassen, gute Ausstattung psychologische Unterstützung und sonstiger Firlefanz der Geld kostet ist obsolet.
    Gute Bildung scheitert nur an den dummen, unmotivierten und faulen Lehrern.
    Sorry, wir sind Menschen. Man kann engagiert und pädagogisch konsequent , mit guten Voraussetzungen ein komplettes Arbeitsleben im Steinbruch der Bildung hinter sich bringen. Das sollte man sogar erwarten dürfen.
    Wer aber den Funken in sich so sehr anfacht, dass er brennt und damit alle Widrigkeiten ignoriert, der brennt schnell aus.
    Keiner kann nur durch persönlichen Einsatz über 40 Jahre zu große Klassen, Problemschüler, fehlende Unterstützung, miserable Ausstattung und sinnlose Reformen umbiegen und auf Dauer Scheiße in Gold verwandeln.
    Die Verwandlung von Dreck zu Gold ist jedoch ein Traum den die KMK mit den Fürsten der Renaissance teilt. Daher sind solche preise für die Überlehrer äußerst populär. Das passt ins Gesamtkonzept. Wenig Realität viel Bla Bla. Hauptsache es kostet nichts.

    • Ein geheimnisvolles, ungreifbares, unplanbares Funkenstoben der Pädagogischen Romantik, verglimmend vor dem Heraufziehen der Neuen Sachlichkeit:

      [Ein ANFANG:]
      Klassenteiler unter 25
      Lehrerteams im Unterricht
      Schulpsychologen, Schulsozialarbeiter, vor Ort, dauerhaft
      Arbeitsnischen, – räume, -bibliotheken
      Arbeitsgeräte für SuS und LuL, inkl. Wartung und Administration
      funktionierende Schulplattformen
      Arbeitsschutzstandards
      moderne Ausstattung aller Räume
      Seife, saubere WCs
      Ehrlichkeit

      … aber dieser gewisse Funke – was käme da schon heran, seufz.

      ***
      Nachschub:
      Die Klassen und Kollegen, die schon ausgezeichnet wurden, hatten sicher eine gute Zeit und Arbeit miteinander, meinen Glückwunsch!
      Leider interessieren mich aber herausragende Einzelbeispiele nicht besonders in einem Lebensbereich, den jede/r (!) durchläuft. Da kommt es mir auf eine breite, solide Basis an, die gute Arbeit grundsätzlich möglichst wahrscheinlich macht, unabhängig vom nichtplanbaren „gewissen Etwas“ der Beteiligten, eben weil der gegebene Rahmen stimmig vorliegen muss. Ich glaube nämlich, wir finden nicht für jedes Fach, für alle SuS, für jedes Schuljahr eine dermaßen symbiotische Passgenauigkeit zwischen Lehrkraft, die eben gerade da ist und der Klasse, die eben gerade da ist, mit den SuS, die eben gerade darin sind. Täglich Schwarzbrot statt einmal Hochzeitstorte: Das ZEN des kleinen Lehrers. – Könnte ich jetzt dafür bitte einen Preis haben? Ich bin nämlich nur saumäßig neidisch auf die wenigen engagierten, echten LuL, wie ein paar Commentatores gleich analysieren werden.

      Jedoch einen Preis für Hr. Kellmeyer von mir für: «Corona ist ein Brennglas, unter dem sich allgemeine bildungspolitische und gesellschaftliche Probleme, die sich schon vorher etabliert hatten, mit Vehemenz ans Tageslicht drängten». Und nun hoffen viele auf baldige Sonnenfinsternis.

  2. Humor, klare Ansagen, fachliche Kompetenz – das sind die Dinge, die laut einer Umfrage vor Jahren Schüler an Lehrern schätzen. Mir wird zu oft nur eins davon herausgesucht oder aber verwirklicht. Der nette Lehrer ist oft auch der, der viele Unterrichtsstörungen hat. Der strenge und anspruchsvolle Lehrer gewinnt wohl nie so einen Wettbewerb wie im Artikel. Dazwischen gibt es viele weitere Varianten. Ob es die Mischung macht? Humor, klare Ansagen und fachliche Kompetenz?

    Wie kann man herausfinden, bei wem die Kinder am meisten/am besten gelernt haben? Fast immer gab es auch Schuljahre vorher, in denen Grundlagen gelegt wurden oder auch nicht. Immer gibt es ein familiäres Umfeld, das unterstützt und schulisches Versäumnisse auffängt oder eben nicht.

  3. Ich brenne für meine Fächer. Nur leider nicht alle SchülerInnen… die Funken, die ich versprühe entfachen nunmal nicht bei allen ein Feuer. Und nun?

    Dieser ominöse Funken – wir wissen doch alle, dass er bei manchen überspringen kann und bei anderen eben gar nicht. Manche SchülerInnen sehen einen sofort als Vorbild und hängen einem an den Lippen, anderen ist man mit jedem weiteren Schuljahr verhasster.

    Es gibt nicht DEN/DIE GUTE LEHRER/IN. Es gibt einfach die unterschiedlichsten Typen, Faktoren, Eigenschaften, die einen „gut“ oder „weniger gut“ machen. Es wird wohl dabei vergessen, dass auch LehrerInnen MENSCHEN sind, gute und schlechte Tage oder Phasen haben, mal mehr, mal weniger brennen, mal ausbrennen… LehrerInnen sind doch keine Maschinen, die man programmieren kann?

  4. „Nur wenn ich für mein Fach brenne, kann es diesen Funken überhaupt geben.“

    Dann hoffe ich mal, daß dieser Funke während der kompletten Dienstzeit nicht verglüht, der Lehrer ausbrennt und sich dann vorzeitig mit Burn-Out in den Ruhestand verabschiedet.
    Für mich macht einen guten Lehrer aus, daß er seinen Job bis zum Regel-Pensionsalter, ich rechne für meine Generation mit einem Renten- bzw. Pensionseintrittsalter von 70, durchhält.

  5. Brennen ist brandgefährlich. Sparflamme, die die realen Verhältnisse bei den Einsparungen im Bereich Bildung widerspiegelt, reicht. Die Berücksichtigung der Pensionslasten für Schulbedienstete bei den Bildungsausgaben, sagt doch schon alles. Die Diäten der Bildungspolitiker (m/w/d) sowie die Besoldungen der B-besoldeten Schulminister (m/w/d) sind in der Vergangenheit schneller angestiegen als die Ausgaben je Schüler (m/w/d).

  6. Nur wenn ich für mein Fach brenne…..
    Die Erfahrungen mache ich auch immer!
    Leider müssen die wenigen ausgebildeten GS-Lehrer*innen inzwischen alle Hauptfächer unterrichten, unabhängig davon, welche Fächer sie studiert haben.
    „Brennt“ jemand für Nebenfächer wie Kunst, Sport, Musik usw. wird er diese Fächer an ungelerntes, nichtpädagogisches Personal, das alle paar Wochen wechselt, abgeben müssen, darf nur noch die Vorbereitungen machen.
    Besonders prekär ist es im Fach Religion. Nichtpädagogen, die sich melden um dieses Fach zu unterrichten, haben häufig einen „Sektenhintergrund“ ( Scientology, Mormonen…) . Das ist, meiner Meinung nach, „brandgefährlich“! Also müssen das auch ausgebildete Lehrkräfte übernehmen, egal ob gläubig oder Atheisten. Wie soll man dafür brennen?

    • In welchem Bundesland geht denn das ab?
      In BY muss man sowohl für den evangelischen als auch für den katholischen Religionsunterricht eine Unterrichtserlaubnis verliehen bekommen. Das geht über Studienfach, zwei Staatsprüfungen mit entsprechenden Auflagen und Kontrollen durch die Diözese. Falls diese Unterrichtserlaubnis nachträglich beantragt wird, sind ebenso entsprechende Hürden zu meistern. Ständig durch kirchliche Prüfung kontrolliert. Ansonsten erteilen den Religionsunterricht kirchliche Kräfte wie Religionspädagogen, Pfarrer, Pastoralassistenten.

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