Künftige Lehrer bereits frühzeitig zu erkennen – Einfluss der Eltern zentral

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TÜBINGEN. Wer später einmal Lehrer wird, lässt sich bereits in der Sekundarstufe erkennen, zeigt eine aktuelle Studie. Die wichtigste Rolle für Aufnahme eines Lehramtsstudiums spielen der Wunsch der Eltern und die Arbeitsbedingungen.

Gesellschaftlich betrachtet stellt der Schulunterricht in der Regel eine Ausnahmesituation dar. Wenn ein Lehrer vor seiner Klasse steht, bedeutet dies in den meisten Fällen, dass ein Akademiker junge Menschen unterrichtet, die nicht aus einem akademischen Milieu kommen.

Schüler, die schließlich ein Lehramtsstudium aufnahmen, hätten sich in den meisten Variablen signifikant von ihren Mitschülern unterschieden, so die Wissenschaftler. Foto: Shutterstock

An Lehrerinnen und Lehrer stellen diese Bedingungen hohe Ansprüche und zwingen sie nicht zuletzt zur permanenten Reflexion eigener habitueller Orientierungen. Grundsätzlich sind inhaltliche und soziale Bildungsprozesse allen Schülerinnen und Schülern gleichermaßen zu eröffnen.

„Natürliche“ Rollenvorbilder sind für Schülerinnen und Schüler aus nicht akademischen oder gar bildungsfernen Milieus unter ihren Lehrerinnen und Lehrern kaum zu finden. Zugleich sind sozial- und bildungspolitische Ansätze, die Diversität von Lehramtsstudierenden in Hinblick auf ihre soziale und kulturelle Herkunft zu erhöhen, seit Langem ähnlich erfolglos, wie die Versuche, den Anteil männlicher Grundschullehrer zu steigern.

Beinahe erstaunen mag es da, dass es „nur sehr wenige empirisch fundierte Untersuchungen über die Aufnahme einer Lehrerausbildung“ gibt, wie Corey Savage, Adama Ayaita und Nicolas Hübner im Vorwort ihrer jüngst erschienen Studie „Who Chooses Teacher Education and Why?“ (Wer entscheidet sich für ein Lehramtsstudium und warum?) schreiben. Laut ihrer Studie gelingt es den Wissenschaftlern von der Universität Tübingen und der RWTH Aachen bereits in der Sekundarstufe zu erkennen, wer wahrscheinlich Lehrer wird.

Dazu werteten Daten aus einer Langzeitstudie von rund 3.600 Schülerinnen und Schülern aus, die später ein Studium aufnahmen, sowie von deren Eltern. Die erstmalige Befragung fand statt, als die Schülerinnen und Schüler die 9. Klasse besuchten, die letzte der jährlichen Befragungen sechs Jahre später. Nun verglichen die Wissenschaftler die früheren Angaben derer, die später ein Lehramtsstudium aufnahmen, mit denen, die sich für ein anderes Studienfach einschrieben.

Zentrales Ergebnis: Der Einfluss der Eltern spielt eine erhebliche Rolle bei der Berufswahl von Lehrkräften. Wünschen sich Eltern, dass ihre Kinder ein Lehramtsstudium aufnehmen, ist die Wahrscheinlichkeit besonders hoch, dass diese dem folgen. Ist ein Elternteil als Lehrkraft tätig, erhöht dies ebenfalls die Wahrscheinlichkeit, dass die Sprösslinge in ihre Fußstapfen treten. „Mit unserer Studie konnten wir zeigen: Jugendliche im Alter von etwa 15 Jahren, deren Eltern den Wunsch äußerten, dass ihr Kind Lehrer wird, begannen später tatsächlich deutlich häufiger ein Lehramtsstudium als andere Jugendliche“, so der Aachener Personalwissenschaftler Adam Ayaita.

Daneben gibt es weitere Merkmale, die die Wahrscheinlichkeit erhöhen, ob Schülerinnen und Schüler ein Lehramtsstudium aufnehmen: unter anderem soziale Interessen, das Bedürfnis nach einem sicheren Arbeitsplatz und der Wunsch, Kinder zu haben. Entwicklungs- und Aufstiegsmöglichkeiten dagegen waren erwartungsgemäß von untergeordneter Bedeutung für die Wahl des Lehrerberufs. „Dies könnte auch damit zusammenhängen, dass die Gehälter für Lehrkräfte in Deutschland trotz geringer Aufstiegsmöglichkeiten relativ hoch eingeschätzt werden“, so Ayaita.

Das Ergebnis ist nach Meinung der Studienautoren nicht zuletzt wichtig für die Steuerung des Bedarfs an Lehrkräften. Begabte Schülerinnen und Schüler, die möglicherweise nicht an eine Lehrtätigkeit denken, könnten über die Eltern in diese Richtung gelenkt werden, aber auch Beratungslehrerinnen und -lehrer können eine wichtige Rolle spielen. Durch die Veränderung der Arbeitsbedingungen, etwa das Schaffen von Aufstiegsmöglichkeiten, könnten zudem auch diejenigen für das Lehramt gewonnen werden, die durch die fehlenden Entwicklungsmöglichkeiten im Lehrerberuf bisher davon abgeschreckt wurden. (zab, pm)

Warum nicht jeder, der Lehrer werden möchte, dafür auch geeignet ist – ein Interview

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25 KOMMENTARE

  1. Lehrerkinder wollen nicht Lehrer werden!
    Eine grundlegende Ursache für den sich beständig ausweitenden Lehrermangel dürfte darin bestehen, dass unter uns gestandenen Kolleginnen und Kollegen viele sein dürften, die ihre eigenen Kinder dringend davor warnen, selbst den Lehrerberuf zu ergreifen – schließlich wollen auch wir Lehrerinnen und Lehrer nur das Beste für unsere Kinder!
    Die meisten „Lehrerkinder“, die ich kenne, dürften schon aus eigenem Antrieb auf den Wunsch verzichten, selbst Lehrerin oder Lehrer zu werden, da sie ja von klein auf mitbekommen haben, wie stark der Beruf ihre Eltern belastet und möglicherweise krank gemacht hat.
    Sollte es dennoch dazu kommen, dass unsere Töchter und Söhne uns „Lehrereltern“ die Idee präsentieren, möglicherweise selbst den Lehrerberuf ergreifen zu wollen, dann werden die meisten von uns wohl alles daran setzen, ihr Kind von einer glücklicheren Berufswahl überzeugen. Was, wie ich in meinem Bekanntenkreis sehe, den meisten von uns auch gut gelungen ist: Von den zahlreichen Kindern meiner Lehrerkolleginnen und -kollegen, meine eigenen Töchter eingeschlossen, hat nur eine (!) Tochter einer Kollegin (!) sich dazu entschlossen, Lehrerin zu werden, alle anderen haben gänzlich andere Berufslaufbahnen ergriffen, wie wir „Lehrereltern“ zu unserer großen Freude feststellen!

    • Auch ich habe meine Töchter mit Erfolg davon abgehalten, den Lehrerberuf zu ergreifen: ich unterrichte zwar gerne und das seit 40! Jahren. Meinen Kindern wūnschte ich aber nicht einen Beruf, auf dem alle unfähigen, unverschämten Eltern und z.B. auch dumme Journalisten wahllos herumtrampeln

    • Ich habe meinen Kindern auch davon abgeraten, denn als Lehrer muss man vorher schon unterschreiben, dass man nicht streiken darf, wir sind angehalten unsere eigene Meinung nicht zu vertreten alles was der Staat für richtig und gut empfindet weiterzugeben, also keine eigene Meinung haben. Weiter haben meine Kinder gesehen, dass es immer schwieriger wird, Kinder zu unterrichten, denn ein Lehrer muss sich alles gefallen lassen, ist einer enormen psychischen Belastung ausgesetzt, da die Kinder nicht mehr erzogen sind und die Lehrer auch hierfür in großem Umfang zuständig sind, sodass die Lehrer teilweise den Lehrauftrag nach hinten anstellen müssen. Der Staat steht nicht hinter seinen Lehrern, das ist eindeutig. Wenn ein Lehrer gegen den Staat etwas sagt, droht man ihm damit, keine Pension zu bekommen. Dann kann es sein, dass die Lehrer das ganze Leben umsonst gearbeitet haben. Die Lehrer werden von vornherein unter Druck gesetzt staatskonform zu sein, keine eigene Meinung haben und vertreten.

  2. Ja, auch bei mir waren es meine Eltern, die mich zum Lehrberuf geradezu gedrängt haben, wobei ich jetzt bitterlich bereue, ihrem Wunsch gefolgt zu sein. Aber zum Glück wird sich mein Kind nicht in dieses moderne Sklaventum begeben und das ganz ohne meine Beratung, denn es erlebt meinen Berufsalltag mit, mehr braucht es als abschreckendes Beispiel nicht. Auch werde ich mit Sicherheit keine Werbung mehr für diesen Beruf machen.

    Wer sich mit dem Gedanken trägt, den Lehrberuf zu ergreifen, den werde ich gewissenhaft auch auf die NACHTEILE dieser Berufswahl aufmerksam machen und nicht zuletzt dabei auf den Umgang mit Lehrkräften und Kindern in der momentanen Situation verweisen, außerdem auf die immer weiter steigenden Anforderungen seitens Politik und auch Eltern, ebenso wie die immer schwieriger werdende Schülerklientel erwähnen, genauso wie den unmöglichen Umgangston, der sich durch die Hierarchien zieht und auch immer mehr in der täglichen Kommunikation Einzug hält. Nicht zuletzt werde ich die Tatsache erwähnen, dass man niemals abschalten kann, niemals fertig ist und sich trotzdem immer wieder anhören darf, man sei ein „fauler Sack“, sei überbezahlt, unfair, hätte zu viel Urlaub, würde zu wenig tun und so weiter, diese Kommentarliste ließe sich unendlich fortführen.

    Bildung hat im ehemaligen Land der Dichter und Denker keinerlei Stellenwert mehr, soll nichts kosten und das spiegelt sich deutlich im Umgang mit dem vermittelnden Personal, das sollte jeder wissen, der sich auf diesen Beruf einlassen will. Das wiegt meines Erachtens auch die Sicherheit einer eventuellen Verbeamtung nicht auf, aus der es aber leider sehr schwierig ist wieder herauszukommen.

    Also, wer sich gerne anzeigen lassen möchte, nur weil er Dienstanweisungen umsetzt (bei mir wg. Maskenverordnung geschehen), Wochenenden durchkorrigieren, bis spät in die Nacht Unterricht vorbereiten möchte, weil an den Nachmittagen häufig wegen Konferenzen, Dienstbesprechungen und vielem Anderen mehr keine Zeit bleibt, wer sinnlose Vorgaben übers Wochenende abarbeiten will, nur damit hinterher gesagt werden kann „Wir haben es gemacht“, wer gerne einen Teil seines Gehalt immer wieder für seinen Beruf ausgeben möchte, da der Arbeitgeber es nicht für nötig hält, das Nötige bereitzustellen, wer sich dem gesellschaftlichen Ruf eines überbezahlten, faulen und inkompetenten Mistkäfers verbunden fühlt, der seitens des Arbeitgebers sowieso schon unter den Generalverdacht der Bestechlichkeit gestellt wird (auch hier ließe sich endlos weitermachen), der soll diesen Beruf ergreifen.

    Diejenigen, die jetzt sagen, Lehrer hätten keine Ahnung vom wahren Leben, da sei es viel schlimmer und sie sollten doch mal in der freien Wirtschaft arbeiten, da war ich schon, kommt ihr erst einmal in die Schulen, mal sehen wie lange ihr das durchhaltet. Ich werde, sobald mein Plan B greift aussteigen, denn außerhalb der Schule war die Arbeit so viel besser!
    Ich wünschte wir alle würden mal einen Monat nur Dienst nach Vorschrift machen und auch nur mit dem von oben zur Verfügung gestellten Equipment, das wäre ein Spaß, was gäbe das für einen Aufschrei!

      • Wir haben jetzt SEK2 Anfänger für 3 Wochen an der GS, die vor Beginn des Studiums mal „hineinschnuppern“ sollen, Pflichtpraktikum. Grund: Viele Studienabbrecher!

        Der erste war schon geschockt, als ein Erstklässler auf seine Aufforderung „Wir sind alle mal ganz leise!“ antwortete: „Halt erstmal du deine Klappe, Alter!“

        Was für eine Weichei- Generation! So wird das nix mit dem Lehrerberuf!
        ( Ironie????)

        • Will irgendjemand bestreiten, dass vor 50 Jahren von Schulkindern allgemein ein bessere Benehmen erwartet und auch geleistet wurde (auch ohne Rohrstock, der war abgeschafft) ? Und will irgendjemand bestreiten, dass das selbstverständlich auch in die Belastungen für Lehrkräfte aller Art und das Engagement im Beruf eingeht? Und warum hat man das alles einreißen lassen?

  3. Das Jammern darüber, dass akademisch gebildete Lehrer die Kinder von Nicht-Akademikern unterrichten, sind doch einfach lächerlich. Der ursprüngliche Volksschullehrer in der einklassigen Dorfschule war gerade KEIN Akademiker, vgl. das Spottlied über das „arme Dorfschulmeisterlein“, aber das große Erfolgsmodell war er dennoch nicht. Nur die Gymnasiallehrer (oder Gymnasialprofessoren) hatten damals ein akademisches Studium hinter sich. Im Laufe der Zeit hat man aus gutem Grund die Ausbildung aller Lehrer immer weiter verlängert und akademisiert, inzwischen wegen des Bologna-Prozesses auf 10 Semester Regelstudienzeit an Universitäten. Natürlich wusste man, was man da tat, und bekanntlich sollen immer mehr Leute Akademiker werden. „Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass.“ Welche Alternative soll es denn geben?

  4. Nun, wenn die Eltern tatsächlich den beschriebenen Einfluss auf die Berufswahl ihrer Kinder haben, sehe ich schwarz für die Behebung des Lehrermangels. So, wie die Lehrer durch Politik und Eltern während der Pandemie behandelt wurden und werden, gibt es wohl nur wenige Eltern, die ihren Kindern den Lehrerberuf ans Herz legen.

  5. „Begabte Schülerinnen und Schüler, die möglicherweise nicht an eine Lehrtätigkeit denken, könnten über die Eltern in diese Richtung gelenkt werden, aber auch Beratungslehrerinnen und -lehrer können eine wichtige Rolle spielen.“
    … wie raffiniert! :o)

    „auch diejenigen für das Lehramt gewonnen werden, die durch die fehlenden Entwicklungsmöglichkeiten im Lehrerberuf bisher davon abgeschreckt wurden“
    … momentan entwickelt sich doch alles Mögliche im Lehrerberuf. Wenn das mal nicht die Attraktivität in die Höhe jagen wird.

  6. Der Hauptgrund, weshalb ich Lehrerin geworden bin, war meine Lehrerin in der 1. Klasse. Ich fand Schule so toll, dass ich das auch machen wollte.

  7. Wenn unser Kind Lehrer werden will, dann wird es enterbt! Ist aber unwahrscheinlich, da es an zwei Beispielen sehen wird, warum das keine gute Idee ist.

    Was sagte eine sehr gute Schülerin (nicht nur mit sehr gute Noten, sondern auch einem scharfen pädagogischen und didaktischen Blick) im Schülerpraktikum an einer Grundschule zu mir: für das Geld mache ich so einen Job nicht.

    Of you feed peanuts you get Monkeys ….

    Ich denke das Problem ist, dass Lehrereltern von jetzigen Lehrern noch andere Zeiten erlebt haben. Die Veränderungen der letzten 20 Jahre dürfte dafür sorgen, dass kaum noch ein Lehrer seinen Beruf weiter empfiehlt. Auch nicht Stunden Schülern.

    • „für das Geld mache ich so einen Job nicht“
      Aber im internationalen Vergleich liegen die Gehälter der deutschen Lehrer am oberen Ende, nicht am unteren. Die PISA-Sieger haben nicht unbedingt höhere Lehrergehälter, sondern andere Strukturen. That’s it!

      • Nur, dass beim Vergleich gerne der Durchschnitt oder die oberen Gehälter genommen werden, was den Lehrkräftemangel und die daraus resultierenden zusätzlichen Aufgaben in den GS+SekI-Schulen nicht abbildet,
        und das Jahreseinkommen nicht gegen die gleisteten Arbeitsstunden gestellt wird … wie auch, sie werden ja in Deutschland gar nicht erhoben.

      • Die deutschen Kanalreiniger liegen im internationalen Vergleich weit vorne mit ihren Gehältern. In der schweiz erreichen Linienbusfahrer höhere gehälter als Piloten bei RyanAir und Eurowings.
        Btw mein Gehalt sieht auf den ersten Blick super aus, auf den zweiten fällt auf, dass es eine Nettolücke gibt zu meinen verbeamteten Kolleg*innen. Auf den dritten Blick fällt auf, dass lediglich die Relation mit Blick auf das Deputat einen ordentlichen „Stundenlohn“ ergibt. Nimmt man jetzt noch die Klassenfrequenzen und die hohe Anzahl von Stunden, die für „sonstige“ Tätigkeiten neben Unterrichtsvor- und Nachbereitung aufgewendet werden müssen, sowie den extrem niedrigen Satz für die regelmäßig anfallende Mehrarbeitsvergütung und die eigenen Aufwendungen für fehlende Ausstattung u.a. im IT-Sektor dazu, sieht der internationale Vergleich plötzlich ganz anders aus.

        Fragen Sie doch einmal eine britische oder australische Lehrkraft, wie viel fachfremden Unterricht sie in letzter Zeit erteilt hat, wie hoch die Zahl der Unterrichtsstunden in ihrem Zweit- und Drittfach ist, wie viele Stunden sie für Aufsichten aufbringen musste und vor allem, wie viele Klassen- und Abschlussarbeiten sie im Laufe eines Schuljahres sie korrigieren musste.

        Die Antwort wird Sie verstören. Die meisten haben keine Arbeiten mehr korrigiert, seit ihr Häuschen bzw. der fällige Kredit abbezahlt war.

        Ja, es liegt an den Strukturen. Es hat ja Gründe, warum es keine Arbeitsplatzbeschreibung für Lehrkräfte in D gibt. Arbeitsverträge in der freien Wirtschaft, die ich – einmal abgesehen von meinen mehrjährigen Anstellungen als Dipl.-Ing. – selbst für die Zeiten studentischer Praktika oder Beschäftigungen als Werkstudent vorgelegt bekommen habe, waren ausführlicher als der zweiseitige Arbeitsvertrag gem. TV-L den ich mit dem Land NRW habe. der überwiegende Teil der Arbeit erfolgt auf der Grundlage von Erlassen und dienstlichen Anordnungen, ohne das für weitere zusätzliche Arbeitsbelastungen irgendeine Kompenstion angeboten wird.

        Nehmen Sie die Bildungsaufwendungen je Schüler*in im internationalen Vergleich, Sie werden erstaunt sein. Aber Äpfel-Birnen-Vergleiche führen grundsätzlich zu Ergebnissen, die die bereits bestehende Meinung, untermauern.

      • Bei news4teachers gab es am 11. Sept. 2018 einen Artikel:
        „Internationaler Vergleich: Deutschlands Lehrer verdienen mit am besten.“
        Einfach nochmal nachlesen. Man kann ja wohl nicht erwarten, dass diejenigen, die besonders viel zu arbeiten haben, dann am wenigsten verdienen, oder umgekehrt. Jedenfalls verdienen finnische Lehrer wenig. Die Gehaltsstrukturen (und auch die Altersversorgung) haben sich unabhängig von der Arbeitsbelastung entwickelt, das gab’s alles schon vor den neuen bürokratischen Belastungen und vor der gigantischen „Heterogenität“. Die Klassen waren früher größer (bis zu 50), und der Gehaltsunterschied zwischen Volksschullehrer und Studienrat war vor 120 Jahren viel größer als heute, nicht nur eine Gehaltsstufe.
        Die Nicht-Verbeamtung ist eine Spezialität in Berlin, die man jetzt wohl korrigieren wird. Ich weiß nicht, was ein englischer, französischer oder finnischer Lehrer nach Eintritt in den Ruhestand bekommt, aber ein deutscher bekommt immerhin bis zu 71 % dessen, was er im aktiven Dienst bekäme. Bei A 13 sind das derzeit ca. 4000 €, bei A 12 ca. 3500 € brutto (hängt vom Bundesland ab). Selbst mit Abschlägen nach Frühpensionierung ist das doch wohl nicht allzu schlecht.
        Es sind doch wohl eher die ins Unvernünftige gestiegenen Erwartungen, welche (Förder-)Wunder Lehrer vollbringen sollen, die das Unbehagen auslösen, und weniger das Gehaltskonto. Aber warum äußern die Lehrergewerkschaften das nicht mal klar und deutlich?

  8. Es ist ja schön einfach, wenn man Eltern die Verantwortung übertragen möchte, dafür dass es genügend Junglehrkräfte gibt,
    andernfalls müsste man sich womöglich über Arbeitsbedingungen Gedanken machen und diese zu Gunsten der Lehrkräfte verändern. Das kann man nun wirklich nicht verlangen.

  9. Ich rate jedem vom Lehrerberuf ab. Meistens – gottseidank- unnötig, denn die junge Generation hat null Bock auf modernes Sklaventum.

  10. Sollten meine Kinder jemals auf die dumme Idee kommen, Lehrer werden zu wollen, werde ich definitiv versuchen, es ihnen freundlich auszureden.

    Zu sehr habe ich (nicht erst) in den letzten 1,5 Jahren mitbekommen, wie erbärmlich man vom Dienstherren, den Vorgesetzten, vielen Eltern und nicht zuletzt den Kindern selber behandelt wird.

  11. In den USA habe ich mal ein riesiges Plakat am Straßenrand gesehen, auf dem stand:

    „If you think it’s hard to be a student, try to be a teacher!“

  12. Nur eine Kollegin hat ihrem Kind den Lehrerberuf ans Herz gelegt!

    Das Mädchen hat geantwortet, sie wolle wenigstens abends und am Wochenende Zeit für ihre Familie haben!
    Und sie habe auch gar keine Lust, sich von jedem „Dahergelaufenen“ beleidigen und beschimpfen zu lassen und dabei freundlich zu bleiben.

    Sie war halt, mit 2 Lehrerelter, ein gebranntes Kind!

  13. Ach herrje, so viel Verbitterung. Was läuft da schief? Ich bin rechtzeitig aus dem staatlichen System ausgestiegen und an meiner Privatschule recht glücklich. Ich kann mir dennoch vorstellen, wieder an die Front zurück zu gehen. Ich bin nur glücklich, wenn ich fachfremd unterrichten darf und die Klasse dadurch mindestens 20 h die Woche habe. Nur so kann man Beziehung aufbauen. Sonst ist man Freiwild, das ist klar. Kinder und Jugendlichen von heute kann man keinen Fachlehrerwechsel alle ein bis zwei Stunden vorsetzen. Aber vor 30 Jahren haben wir unsere auch schon fertiggemacht, wenn sie sich nicht durchsetzen konnten.

    So schlecht war der Dorfschullehrer übrigens nicht, nur hatte er 60 u.U. Kinder zwischen 6 und 14 Jahren zu „bespaßen“, das war natürlich kein Zukunftsmodell. Mit 20 Kindern und maximal 3-4 Jahrgangsstufen in einer Klasse, einer guten Ausbildung und viel Idealismus funktioniert das ganz wunderbar. Brecht aus aus diesen Molochen von staatlichen Anstalts-Schulen! Geht an eine christliche oder reformpädgogische Privatschule! Da ist auch mal ein Griff ins Klo dabei, aber spätestens im zweiten Anlauf klappt es dann! Beamtentum wird überbewertet!
    LG und viel Glück!

  14. Ach und übrigens: Hat man das mal für Ärzte, Anwälte, Bahnmitarbeiter erforscht, welchen Einfluss der Elternwille (nach wie vor) hat? Insofern: Welchen Nutzen hat dann die Feststellung im Bezug auf Lehrer?

  15. Verläuft sich in einer Schule ein Hochschulabsolvent beliebiger Fachrichtung in einer Schule, so stehen ihm heutzutage alle Wege offen, als Lehrer eingestellt zu werden.
    Die Berufsbezeichnung Lehrer ist nicht geschützt. Jeder, der sein Wissen verbreiten will, ist ein Lehrer. Eiche fachdidaktische Ausbildung, psychologische Einstiegskenntnisse oder eine Ausbildung in Pädagogik sind nebenrangig und können / sollten in einem einjährigen berufsbegleitenden Lehrgang mit dem Ziel einer Gleichbehandlung zum grundständig ausgebildeten Lehrer erworben werden. Der Lehrberuf wurde in den letzten Jahren seitens der Politik einschließlich der Kultusbehörde abgewrackt. Die Folgen liegen bereits heute auf dem Tisch und werden uns noch über Jahrzehnte schwer zu schaffen machen.
    Kein Bäckermeister stellt zum Brotbacken einen Konditor ein oder umgekehrt!
    Und ein Feuerwehrmann ist kein Schornsteinfeger! Auch Kinder haben einen Anspruch auf grundständig gut ausgebildete, engagierte und für Leistungen gut besoldete Lehrer.

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