Staatliche Desinformation: Wie Schulträger und Umweltbundesamt das Märchen „Luftfilter bringen nicht viel“ in die Welt setzen

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BERLIN. Die Wirkung von mobilen Luftfiltern in Kitas und Schulen ist wissenschaftlich belegt – eigentlich. Angesichts der Kosten (von jährlich unter 50 Euro pro Schüler und Jahr, wie eine Untersuchung unlängst ergab) scheuen aber viele Schulträger die Anschaffung. Das Förderprogramm des Bundes übernimmt nur die Hälfte. Um das Nichtstun zu begründen, setzen Landesregierungen und Kommunen – nach „Schulen sind keine Treiber der Pandemie“ – ein neues Märchen in die Welt. „Luftreiniger allein bringen nicht viel“, so lautet die Erzählung. Das Umweltbundesamt assistiert dabei.  

Es geht ums Geld. Foto: Shutterstock

„Ich möchte dazu animieren, dass die Kommunen jetzt Geräte bestellen und nicht erst bis zum Ende der Sommerferien warten – sonst kommen wir in zeitliche Bedrängnis“, sagte Heinz-Jörn Moriske, Direktor im Umweltbundesamt am vergangenen Donnerstag in der „Rheinischen Post“. Dass die Mahnung viel zu spät kommt, weil das Schuljahr in mehreren Bundesländern schon längst wieder begonnen hat und bereits morgen mit NRW das bevölkerungsreichste in den Unterrichtsbetrieb startet, ist das eine.

Das andere: Das UBA hat mit seiner Informationspolitik stark dazu beigetragen, dass bislang kaum Kitas und Schulen mit mobilen Luftfiltern (um diese Geräte geht es nämlich) ausgestattet wurden und bis zum Winter wohl auch nicht werden. Fast ein Jahr lang redete die Behörde die Technik schlecht und lieferte Kultusministern und Bürgermeistern ein Alibi zum Nichtstun. Als immer deutlicher wurde, wie falsch diese Einschätzung ist, schwenkte das UBA vor wenigen Wochen um – und empfahl plötzlich den Einsatz mobiler Luftfilter in Kita-Gruppenräumen und Schulen, wie News4teachers berichtete. Die Folge: Die Bundesregierung legte kurzfristig ein Förderprogramm auf, aus dem sich die Schulträger bedienen können.

„Wir haben immer gesagt, dass einfaches Lüften wesentlich effektiver ist als der Einsatz dieser Geräte“

Damit gibt es aber Probleme. Zum einen wird daraus nur die Hälfte der Kosten übernommen, sodass viele Kommunen nach wie vor zögern. Zum anderen aber ist das Programm mit 200 Millionen Euro viel zu klein dimensioniert, um alle Kitas und Schulen in Deutschland damit ausstatten zu können. Experten kalkulieren mit einem Finanzbedarf von mindestens einer Milliarde Euro allein für die Schulen.

Um die Begrenzung zu rechtfertigen, musste allerdings eine sachlich klingende Argumentation her („mehr sind uns die Schülerinnen und Schüler nicht wert“ macht sich eben nicht gut, kurz vor der Bundestagswahl schon gar nicht). Und diese Argumente liefert jetzt das Umweltbundesamt: Infrage kämen die Virenfilter nur für jene etwa 15 bis 25 Prozent der Klassen- und Kita-Räume, die nicht gut zu belüften seien, befand Moriske. Und siehe da: Plötzlich passen Finanzen und Bedarf in etwa zusammen. Tatsächlich ist das Förderprogramm des Bundes auf „Räume mit eingeschränkter Lüftungsmöglichkeit“ beschränkt.

Die investitionsunwilligen Schulträger und Bundesländer haben die Steilvorlage sofort aufgenommen: „Luftreiniger allein bringen nicht viel“, so behauptet aktuell der Städtetag NRW. Man solle die Bedeutung der Geräte „nicht überbewerten“. Sachsens Kultusminister Christian Piwarz (CDU) erklärt: „Wir haben immer gesagt, dass einfaches Lüften wesentlich effektiver ist als der Einsatz dieser Geräte.“ Und Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke) sagt: „Wir stützen uns insgesamt auf die Aussage des Umweltbundesamtes: Luftfilter sollen besonders in den Räumen eingesetzt werden, die schlecht zu lüften sind – das beste Mittel ist und bleibt aber immer noch das Lüften.“ Im Klartext: Die allermeisten Kitas und Schulen in Deutschland hoffen wohl vergeblich auf Luftfilter.

Das wirft Fragen auf: Wie kommt das UBA überhaupt darauf, dass 15 bis 25 Prozent der Klassen- und Gruppenräume nicht gut zu belüften seien? Die Kultusminister erklären seit fast einem Jahr, die Kitas und Schulen seien dank Fensterlüftung sicher – und das Amt warnt selbst auf seiner Homepage seit vergangenem Herbst grundsätzlich davor, nicht gut belüftbare Räume für den Unterricht zu nutzen. Wo kommen also jetzt auf einmal die nicht gut zu belüftenden Räume her?

„Unter diesen Bedingungen können wir den Präsenzbetrieb in den Schulen gut und sicher aufnehmen“

Zweitens, noch gravierender: Woher nimmt Moriske seine Einschätzung, in welchen Räumen Luftfilter nötig sind – und in welchen nicht? So behauptet er in der „Rheinischen Post“: Wenn sich in einem Klassenzimmer zwei Fenster weit öffnen ließen, sei von ausreichender Belüftung auszugehen, selbst wenn kein Durchzug möglich ist. Virenfilter brauche es dann nicht. „Unter diesen Bedingungen können wir den Präsenzbetrieb in den Schulen gut und sicher aufnehmen.“ Fensterfronten mit Oberlichtern, die nur gekippt werden können, reichten hingegen für die Belüftung nicht aus, meint er; hier könnten Luftfilter helfen.

In den Empfehlungen des UBA für die Schulen findet sich nichts dazu, dass es ausreichend sei, wenn zwei Fenster in einem Klassenzimmer zu öffnen sind – im Gegenteil: Dort heißt es, „alle Fenster müssen weit geöffnet werden (Stoßlüften)“. Das klingt nach mehr als zwei. Und: „Noch besser als Stoßlüften ist Querlüften. Das bedeutet, dass gegenüberliegende Fenster gleichzeitig weit geöffnet werden.“ Das Problem hier: Es gibt in Klassenräumen in aller Regel keine gegenüberliegenden Fenster.

Folgt man den Erkenntnissen von Aerosol-Forschern, die den Einsatz von mobilen Luftfiltern in Klassenräumen tatsächlich untersucht haben (das UBA selbst hat das nicht getan), so sind Moriskes Behauptungen – schlicht falsch.

So riet die Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG) bereits im Januar, bei der Belüftung von Klassenzimmern – und zwar von allen – auf technische Lösungen zu setzen, die einen kontrollierten Luftwechsel gewährleisten. Der Einsatz technischer Geräte zur Belüftung ist nach Ansicht der Fachgesellschaft grundsätzlich jeder Art passiver Lüftung durch bloßes Öffnen von Fenster und Türen weit überlegen, da bei der technischen Belüftung der Luftaustausch bzw. die Luftreinigung in kontrollierter Art und Weise geschieht. Bei der momentan empfohlenen passiven Lüftung von Klassenräumen mit Außenluft über die Fenster sei dies in einem typischen Klassenzimmer dagegen nicht zu erreichen, da diese stark von Faktoren wie Wind, Temperatur, Fensteröffnungen oder der Lage der Heizkörper abhänge.

In die gleiche Kerbe schlägt ein aktuelles Positionspapier der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). „Ein schneller Luftaustausch durch Fensterlüftung erfordert regelmäßiges Querlüften (6-mal pro Stunde, Durchzug durch Öffnen von Fenstern auf gegenüberliegenden Raumseiten, ggf. auch in benachbarten Räumen) oder ebenso häufiges Stoßlüften (durch vollständiges Öffnen aller vorhandenen Fenster in dem genutzten Raum)“, so heißt es darin. Trotzdem könne die Fensterlüftung physikalisch unwirksam sein, wenn kein Temperaturunterschied zwischen drinnen und draußen und kein ausreichender Wind vor den Fenstern herrsche. Das gilt natürlich für alle Klassenräume – nicht nur für Räume, die über zu wenige Fenster verfügen (und die deshalb grundsätzlich nicht für den Schul- und Kitabetrieb infrage kommen, schon aufgrund des steigenden CO2-Gehalts in der Atemluft nicht).

„Luftreinigungsgeräte können das Senken der Aerosolkonzentration bei schlecht belüftbaren Räumen unterstützen bzw. verbessern“

Eine aktuelle Studie der Universität Stuttgart kommt zu bemerkenswerten Ergebnissen: Luftreinigungsgeräte seien „meist“ wirksamer als die Stoßlüftung, heißt es in dem Papier. Wie viel wirksamer, das haben die Forscher im Rahmen eines Modellprojekts an zehn Schulen ermittelt: In den untersuchten normalen Klassenräumen sank die Infektionswahrscheinlichkeit durch den Einsatz von hinreichend dimensionierten mobilen Luftfiltern ohne Maske von 38 Prozent auf sechs Prozent, mit Maske von knapp zehn Prozent auf unter zwei Prozent – heißt: Die Wahrscheinlichkeit für Schülerinnen und Schüler, sich während des Unterrichts anzustecken, ist ohne mobile Luftfilter im Schnitt mindestens fünf Mal größer als ohne.

Quelle: Abschlussbericht Pilotprojekt Luftreiniger an Stuttgarter Schulen

Trotzdem kommen die Autoren der Auftragsstudie – die Stadt Stuttgart hat dafür bezahlt – zu der Schlussfolgerung: „Basierend auf den Erkenntnissen aus dem Pilotprojekt ist der flächendeckende Einsatz von Luftreinigungsgeräten nicht indiziert.“

Nicht nötig, obwohl der starke Effekt eindeutig nachgewiesen wurde? Eltern- und Lehrervertreter ziehen das von der Abteilung Kommunikation der Landeshauptstadt medial verbreitete Fazit der Studie (Stuttgarter Zeitung: „Mobile Luftfilter nur in wenigen Klassenräumen sinnvoll“) in Zweifel. Aus den Ergebnissen der Experimente ließe sich die Empfehlung überhaupt nicht ableiten, kritisiert etwa der Vorsitzende des Landeselternbeirats, Michael Mittelstaedt, in der „Rhein-Neckar-Zeitung“. Die Studie ergebe eindeutig, dass mobile Luftfilter das Infektionsrisiko stärker mindern als das Lüften über Fenster. „Betrug ist ein hartes Wort, aber es geht schon in die Richtung“, sagt er. „Es erweckt schon den Eindruck, dass der Auftraggeber ganz klar gesagt hat, was er rausbekommen möchte.“

Eben das neue Narrativ: „Luftreiniger allein bringen nicht viel“ – die Anschaffung für Kitas und Schulen ist deshalb verzichtbar. News4teachers

Hier lässt sich die komplette Studie der Universität Stuttgart herunterladen.

Luftfilter in Schulen werden international Standard – US-Gesundheitsministerium: „effektiv“

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30 KOMMENTARE

  1. Auf Luftfiltergeräte zu verzichten, ist so sinnvoll wie auf Impfen zu verzichten.

    Technikfeindlichkeit und Geiz, Ignoranz, Wunschdenken und Faulheit haben dazu geführt.

    • Genau das wird an den Kitas und Grundschulen gemacht. Man verzichtet auf das Impfen UND auf technische Luftfilter, da ja nun bald ALLE geimpft sind!

      Nur, dass diese Kinder gar nicht geimpft werden können!

      Und die Fensterlüftung HÄTTE heute klappen können. Eine Temperaturdifferenz von 4° zwischen innen und außen, starker Wind mit noch stärkeren Böen.
      Nur leider schüttete es wie aus Eimern, so dass die Böen nicht nur frische Luft sondern auch jede Menge Wasser in die Klassenräume spülten.

  2. Uff.
    Nur soviel: an anderer Stelle fand sich hier in den Kommentaren ein sehr interessanter Link, den ich mir gespeichert habe und hier gerne mal wiedergebe:

    https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/376/publikationen/180416_uba_flyer_schuleluften_bf.pdf

    Natürlich sind fest verbaute Lüftungsanlagen die beste, ideale, zu bevorzugende Lösung. Weil man aber die wahnsinnig tollen Schulgebäude Deutschlands in ihrem hervorragenden Grundzustand nicht mal eben (während des Unterrichtes) damit auf Vordermann bringen kannn (und das aus diversen Gründen) – tja, da müsste man eben einsehen, dass die mobilen Geräte der derzeit passendste Kompromiss sind, der den Infektionsschutz in Klassenzimmern (in denen gerne 30 Schüler:innen zusammen mit mindestens einem Lehrer oder einer Lehrerin ein- und ausatmen, manche bis zu 10 Schulstunden am Tag) deutlich verbessern würde.

    Lüften allein sorgt in den seltensten Fällen für die Beseitigung von all dem CO2, wie sollen da die feinen Aerosole verschwinden?
    Und nichts anderes hat das Umweltbundesamt bereits vor Jahren in diesem Flyer festgehalten! Ganz ohne hochansteckendes Coronavirus.

    Man lernt angeblich nicht für die Schule, sondern für das Leben.

    Zum allerersten Mal in meinem Leben kann ich behaupten:
    Meine Kinder lernen in der Schule seit März 2020 wirklich für ihr Leben: Kinder und Jugendliche, Familien sind der Politik nichts wert (und nicht nur wir). Auch grundsätzlich zählt unsere Zukunft nichts, wir haben keine Lobby.

    Ich bin müde!

  3. Eine Kollegin ist zwei Jahre lang zu Hause geblieben- offiziell war sie immer wieder aus diversen Gründen krank. Inoffiziell war es vermutlich der fehlende Schutz an den Schulen und gerade die wenigen Lüftungsmöglichkeiten. Sie kam auch immer wieder für paar Tage. Aber war dann wieder zwei Wochen krank.

    Das hat sie jetzt so lange durchgezogen ohne irgendwelche Konsequenzen. Nun hat sie einen Versetzungsantrag gestellt und verlässt die Schule.

  4. Nur bedingt auf’s Titelthema bezogen, aber vielleicht doch sehenswert:
    heut Abend auf rbb:
    „Themenabend Schule“,
    glaube, um 20:15 Uhr….sorry, hab’s gerade eilig….

  5. Luftfilter, wozu brauchen wir die noch? Kinder ab 12 können jetzt auch laut StIKo-Empfehlung geimmpft werden und jüngere Kinder sind nicht ansteckend. Lehrer/innen, die das Virus ja in die Schulen tragen, sind überwiegend geimpft.
    Das spiegelt nicht meine persönliche Meinung und auch nicht die Erkenntnisse der Wissenschaft wider, ist aber die Argumentation der Politiker, auf die ich jetzt nur warte.

  6. „Wenn sich in einem Klassenzimmer zwei Fenster weit öffnen ließen, sei von ausreichender Belüftung auszugehen, selbst wenn kein Durchzug möglich ist.“

    Hmm… vielleicht sollte dem mal jemand die ASR A3.6 Lüftung auf den Tisch knallen und dazu einen Taschenrechner. Damit kann man mit normalen Schulkenntnissen nachweisen, dass obige Behauptung schlichtweg Unsinn ist.

  7. Gar nichts mehr wird jetzt passieren: Kinder werden auf „auf dem Schulhof“ wie gestern die grüne Frau G-E sagte, zum Impfen gezwungen- pardon, vom Impfen überzeugt- und gut. Man braucht spätestens nach der Wahl nichts mehr zu bedenken an Schulen.
    Und für die jüngeren Kinder wird die STIKO auch noch gezähmt und brav die Empfehlung geben.

    LuL, spart euch Adrenalin und Zeit fürs Posten hier- es wird nichts nützen.

  8. Lieber Andi,
    hier etwas vom Impfzwang zu faseln ist einfach nur dümmlich. Impfen schützt, nützt und ist die einzig wirklich sinnvolle Schutzmöglichkeit. Die STIKO war zwar unter Druck, hat sich aber weder drängen noch beeinflussen lassen. Die weltweiten Ergebnisse sind eindeutig und auch gut übertragbar.

    Auch wenn Luftfilter 3x besser die Luft reinigen als dies durch einfaches Lüften erfolgt, wird eine dreimal ansteckendere Virusvariante diesen Schutz „neutralisieren“. Folglich hilft nur eine möglichst durchgeimpfte Schülerschaft und Lehrerschaft! Angebote dort, wo die Menschen sind, ist zielführend.

    • Guten Tag Herr oder Frau CMW,
      1. Zu „faseln“ pflege ich nicht.
      2. Gemeint mit dieser ironischen Formulierung ist, dass Druck aufgebaut wird, auch ja Kinder und Jugendliche impfen (zu lassen), um alle anderen/ weiteren Maßnahmen nicht mehr durchdenken und schon gar nicht durchführen zu müssen.
      3. Impfungen sind medizinische Eingriffe und gehören in die Privatheit bzw. in die Arztpraxis und nicht in die Schule. Auch finde ich nicht, dass Kinder/ Jugendliche ohne die Anwesenheit von Erziehungsberechtigten geimpft werden sollten.
      4. Schön, dass Sie mich überzeugt haben, dass die STIKO unbeeinflussbar ist.
      5. Danke für Ihre höfliche und wertschätzende Ansprache.
      6. An den Osterhasen glaube ich auch wieder.

      • Würde selber noch in großer Aktion im Gymnasium gegen Röteln geimpft. Direkte Reaktion war totale Verwirrung. Ich war so durch den Wind, ich bin einfach weg aus der Schule. Hat direkt nach dem Impfen keiner aufgepasst, Hauptsache Spritze rein. Erst in der Stunde fiel dann auf, ich fehle und dann würden alle nervös. Meine Kinder wurden beim Kinderarzt geimpft, das ist der richtige Ort dafür.

  9. Wenn Luftfilter so unzureichend und wenig zuverlässig sind, stelle ich mir immer noch die Frage:
    Warum wurden sie so früh schon im Landtag verwendet?

    https://www.wn.de/nrw/41-luftfilteranlagen-fur-nrw-landtag-1084291

    Unsere Gesundheit wird riskiert, unsere Forderungen mit fadenscheinigen Begründungen vom Tisch gewischt. Der eigene Ar… wird natürlich gerettet und in Watte gepackt.

    Wenn Lüften der Heilsbringer ist, warum lassen Gebauer, Laschet und Co. die angeblich so unzureichenden Geräte dort laufen, statt einfach die Fenster zu öffnen?

    Ich fühle mich als Mensch, als Mutter und als Lehrerin komplett veräppelt von diesen heuchlerischen Lügnern und wünsche mir so sehr, dass die Verantwortlichen irgendwann die Quittung für ihr unprofessionelles Handeln bekommen.

    Ab morgen wird mein Sohn zur Teilnahme am heiligen Präsenzunterricht gezwungen.
    Er ist geimpft, er trägt ffp2, aber er teilt die Raumluft mit ungeimpften Kindern von Leugnern und Idioten, die sich an keine Schutzmaßnahme halten.

    Sollte mein Kind erkranken, vergesse ICH alle Regeln und fahre persönlich nach Düsseldorf.

  10. Ich muss jetzt mal was los werden. Passt nicht 100 % zum Thema, aber …
    Es geht mir so auf die Nerven. Was ist in unserem Land los?
    Was tun unsere Politiker? Nichts
    Es geht nicht um uns, die Bevölkerung. Schon lange nicht mehr. Einzig und allein um Wahlkampf, um die Frage „Was hat es für Auswirkungen für mich, wenn ich dies oder jenes entscheide, sage!“ Es geht nur darum Pöstchen zu retten oder zu verbessern, potentielle Wählerstimmen zu generieren, ja nichts tun was den eigenen Stand gefährdet, nur nicht unbequem für Teile der Bevölkerung sein, immer das Fähnchen nach dem Wind.
    Das sieht man im Umgang mit der Pandemie , sowie auch jetzt in Afghanistan. Einfach nur schrecklich und beschämend.
    Wir haben keine „Macher“ mehr, nur zögerliche Fähnchen.
    Da dreht man sich lieber 10 mal im Kreis, überlegt welche Anforderungsformulare ausgefüllt werden müssen, hört auf Kommisionen, bestehende aus alten Männern, die eigentlich keine Entscheidungsgewalt haben, nur Empfehlungen abgeben, und ihrer Zeit hinterherhinken. Das hat nichts mit Sorgfalt und Vorsicht zu tun. Sorry, andere Länder sind da weiter und schneller. Bei uns müssen 25 Gremien gehört werden, wo einer wichtiger ist als der andere.
    Ja, Sorgfalt ist wichtig, aber dann, wenn man die richtigen, dazu ausgebildeten Experten befragt. Aber diese sitzen in der Regel nicht auf den zu protegierenden Posten.
    Politiker entscheiden und arbeiten nicht mehr für uns, sie wollen nur den eigenen A …. retten. (sorry)
    Deshalb habe ich keine Hoffnung mehr, dass sich an der Situation in der Pandemiebekämpfung etwas ändert.
    Egal was bei den Wahlen passiert , ich glaube nicht, dass irgendetwas in den Schulen und Kitas verbessert wird.
    Stringente Entscheidungen und Maßnahmen würden immer bedeuten, dass ein Teil der Bevölkerung nicht einverstanden ist. Also wird weiter versucht sich irgendwie durchzulavieren, ohne eigenen größeren Schaden zu nehmen. Viel Gelaber und Gesülze, aber Taten fehlen.
    Ich könnte gerade in die Tischkante beissen…..

    • Es ist ja im Grunde auch schon zu spät, um an der Pandemiesituation in den Schulen noch etwas verändern zu können. Luftfilter wären eine nicht zu verachtende Größe für eine Kehrtwendung gewesen. Nun setzt man ausschließlich auf die Impfung. Wir werden aber nicht die Impfquote hinbekommen, die uns vor weiteren Verlusten schützen wird. Meiner Meinung nach sind unsere Politiker ganz schlechte Kalkulatoren und als Präventatoren gar nicht zu gebrauchen. Ich weiß zwar, was ich wählen werde, aber im Großen und Ganzen bin ich durch mit den Galionsfiguren.

      Ich hätte mir von den Politikern in erster Linie „care“ gewünscht, einen Kampf um jeden einzelnen – egal, was es kostet. Der Wert des Lebens wird eiskalt in Frage gestellt von Menschen, die Verantwortung für uns tragen. Das grenzt an ein Trauma!

      Das Einzige, was wir noch tun können, ist auf uns selbst aufzupassen und auf jeden, den man im Alltag begegnet. Man könnte es theoretisch immer besser machen als verlangt würde. Im Kleinen. Da sind sicher auch die Schulleitungen gefragt.

      Dasdarfwahrsein, volle Zustimmung zu deinem Kommentar! Der traf auf den Nerv! Es ist schön, wenigstens noch ein paar ehrliche Seelen zu treffen – mittlerweile fast unmöglich! Danke dafür!

    • Ach, liebe(r) @Darfdaswahrsein:

      Meine Gedankengänge heute tendierten doch sehr in eine ähnliche Richtung (getriggert durch die aktuelle Situation in Afghanistan).

      „German Gründlichkeit“ mutiert zu Opportunismus, Feigheit, Inkompetenz, Berechnung (nicht nur im mathematischen Sinn), Trägheit und Intransparenz.
      Sicherlich gibt es Lagen, die vorzugsweise mit Bedacht und reiflicher Überlegung bearbeitet werden sollten, doch genauso gibt es Situationen, in denen zügig gehandelt werden muss;
      aus dem Schulalltag kennen wir dies zur Genüge.

      Mich beschleicht das Gefühl, dass wir von „egozentrischen Schnarchnasen“ regiert werden.
      Wo sind bei den Damen- und Herrschaften da oben Toughness, Arsch in der Hose, Charisma, Alltagsbezug und Rückgrat, Eigenschaften, die man in einer Führungsposition besitzen sollte!?
      „To be everybody`s darling“ hat noch nie langfristig funktioniert.

      (Allerdings fehlen mir einige der oben angeführten Eigenschaften auch bei einem gehörigen Teil der Bevölkerung, daher gebe ich die Verantwortung zumindest nicht ausschließlich an die PolitikerInnen ab).

      Ich persönlich habe meine Konsequenzen gezogen, wenn auch zu meinem finanziellen Nachteil. Zu mindestens 50% war es eine politische Entscheidung.
      Ein System, das nicht funktioniert, sollte man verlassen. In meinem Fall das Schulsystem.

      Lass uns die bedauernswerte Tischkante teilen, irgendwo muss der Frust ja hin!

      • PS: In der Relation bin ich froh, dass mein Sohn in der Pandemie lediglich auf den letzten Metern seines Studiums war, wenn es mich auch sehr viel Geld gekostet hat. Seine Nebenjobs (Bandauftritte, Stadttheater, Musik-AG an Schule) waren allesamt gestrichen, sodass er seine WG-Miete nicht bezahlen konnte und die staatliche Unterstützung eine komplette Luftnummer war.

        Stelle ich mir aber vor, er wäre noch schulpflichtig, womöglich noch Grundschulkind: einfach nur fürchterlich, und zwar täglich aufs Neue.
        Mein Verständnis für alle besorgten Eltern in dieser Zeit!

        • Immer wieder gut, wenn man hört, dass andere ähnlich denken, von ähnlichen Sorgen umtrieben werden.
          Mancher belächelt es, nennt es Panikmache….
          Aber viele denken eben nicht über die eigene Nasenspitze hinaus, wollen es vielleicht auch nicht.
          Es ist ja auch nicht so, dass ich wie ein aufgescheuchtes Huhn durch die Gegend renne und alle verrückt mache.
          Aber ich mache mir ein Bild von der Gesamtsituation, mache mir meine Gedanken, beobachte genau, verfolge vieles in den unterschiedlichsten Medien, höre meinen Mitmenschen zu. Und daher ergibt sich dann ein Bild für mich, das manchmal fast unerträglich ist, Frust und Enttäuschung, Unverständnis und Fassungslosigkeit macht sich dann breit bei mir.
          Glücklicherweise bin ich ein von Grund auf optimistischer und fröhlicher Mensch, das hilft immer wieder.
          Auch meine Kinder haben die Schulzeit hinter sich gelassen. Worüber ich in der aktuellen Zeit sehr froh bin.

          • @ Mary-Ellen 18. August 2021 um 22:11

            „Insgesamt verschafft die standardisierte Video-Entschuldigung den verantwortlichen Politikern mehr Zeit, sich in Krisenfällen auf die wirklich wichtigen Dinge wie das Ignorieren von Experten und Betroffenen zu konzentrieren.“

            Wenn es nicht so traurig wäre … dann: 🙂

        • Danke für Ihr Verständnis für SuS unter 12 und ihre Eltern. Ja, es wird für uns gruselig werden. Die „Durchseuchung“ ist vorprogrammiert – gerade mit Laschet als vermutlich neuem Kanzler. Aber Scholz würde auch nicht anders auf die Krise reagieren. „Schule“ muss billig sein und die Kinder günstig „versorgt“.

  11. Gar nichts mehr wird jetzt passieren: Kinder werden auf „auf dem Schulhof“ wie gestern die grüne Frau G-E sagte, zum Impfen gezwungen- pardon, vom Impfen überzeugt- und gut. Man braucht spätestens nach der Wahl nichts mehr zu bedenken an Schulen.
    Und für die jüngeren Kinder wird die STIKO auch noch gezähmt und brav die Empfehlung geben.

    LuL, spart euch Adrenalin und Zeit fürs Posten hier- es wird nichts nützen.

  12. @S. Ich bin seit heute in der zehnten Klasse und es ist bei uns doch auch nicht viel besser als bei euch meinen geplanten Abschluss kann ich jetzt schon vergessen denn durch das ewige Hin und her zwischen Distanz und Präsenzunterricht und der ständigen Unsicherheit wie es weiter geht habe ich mich in jedem Fach um mindestens 2 Noten verschlechtert. Die Lehrer möchte ich an dieser Stelle aber nicht kritisieren denn ich weiß dass sich die meisten von ihnen sehr viel Mühe gegeben haben uns so gut wie möglich zu unterstützen was ihnen jedoch von den Politikern unnötig erschwert wurde. Ich denke auch dass das deutlich besser gelaufen wäre wenn die Ness Politiker ihre Entscheidungen nicht immer so kurzfristig getroffen hätten.

    • @“Hoffnungsloser Schüler“
      Viele Politiker*innen sind mit der Krise überfordert. Anstatt schonungslos den Tatsachen ins Auge zu blicken, wird verharmlost, um Wähler*innenstimmen einzufangen. Zudem war es schon immer unpopulär, Geld in das Bildungssystem zu stecken. Dies zu erkennen, ist frustrierend – für alle, die mit dem Schulsystem verbunden sind. Aber es sollte uns einen Anreiz geben, trotz aller Widrigkeiten das Beste aus der jeweiligen Misere zu machen.
      Dass du dich in der Schule verschlechtert hast, liegt an den Umständen. Für viele war es sehr schwer, stärker selbstständig zu lernen. Es ist keine Schande, ein Jahr zu wiederholen oder zu schauen, ob es zusätzliche Fördermöglichkeiten an deiner Schule für dich gibt. Am besten sprichst du eine Lehrerin/einen Lehrer deines Vertrauens an, was sie oder er dir rät. Vereinbare doch einen Gesprächstermin. Für alle Probleme gibt es Lösungen.
      Viel Glück!

  13. @Hoffnungsloser Schüler…:

    Bitte verliere die Hoffnung nicht!
    Ich weiß, es klingt nicht sehr tröstlich, aber zurückblickend und aus Erfahrung kann ich dir nur sagen, dass du in deinem weiteren Leben öfters Pläne verwerfen werden wirst müssen. Im Nachhinein hat sich meist herausgestellt, dass dies auch von Vorteil sein kann – leider weiß man es erst hinterher.
    Wäre es schlimm, den Abschluss ein Jahr später zu machen? Oder ist das nicht möglich?
    Mein Sohn hatte für 2021 für sein Studienende auch einen festen Plan, den er streichen musste, weil wegen der Pandemie die Stelle in besagtem Jahr nicht vergeben wurde.
    Nun überbrückt er mit einer anderen Tätigkeit und merkt, dass ihm dies einen unerwarteten Erfahrungshorizont beschert, obwohl er zunächst sehr enttäuscht und wütend war.
    Auch ihm hatte ich gesagt: Wer weiß, wozu es gut ist.
    Deine Feststellung zu den Politikern kann ich nur unterschreiben; du liest es sicher aus vielen Kommentaren hier heraus, dass nicht nur du allein es so siehst.
    Ich drücke dir die Daumen und hoffe, dass du für deinen Abschluss (egal wann) gute Unterstützung findest!

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