Abwanderung: Elternssprecher fordern Verbeamtung von Berliner Lehrern

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Im Endspurt des Berliner Wahlkampfs hat der Landeselternausschuss den Senat aufgefordert, Lehrer in der Hauptstadt wieder zu verbeamten. Grundsätzlich bestehe dazu zwar keine Notwendigkeit, teilte der Ausschuss nach seinem Beschluss am Wochenende mit. Berlin stehe mit seinen Schulen aber in Konkurrenz zu anderen Bundesländern, die ihren Lehrkräften eine Verbeamtung anböten. Dazu zählt auch Brandenburg. Deshalb solle die Hauptstadt ihre Sonderrolle aufgeben, forderte das Gremium.

Wer Beamter werden will, muss einen Amtseid leisten. Foto: Shutterstock

Unter Regierungschef Klaus Wowereit (SPD) war 2004 die in vielen anderen Bundesländern übliche Verbeamtung abgeschafft worden. Über sie wird seitdem immer wieder debattiert. Im Schuljahr 2020/21 war nach Angaben der Senatsbildungsverwaltung nur noch ein gutes Drittel (34,4 Prozent) der Lehrkräfte verbeamtet. Nach Angaben der Gewerkschaft GEW können sich Bezüge und Renten von beamteten und angestellten Lehrern erheblich unterscheiden. Angestellte verdienten über die gesamte Berufslaufbahn gerechnet deutlich weniger.

Auch die Berliner Schulleiter sind für die Wiedereinführung und hatten bereits im Juni Alarm geschlagen. Während der Corona-Pandemie seien die Probleme an den Schulen noch deutlicher geworden. «Die wichtigsten Akteure sind und bleiben die Lehrerinnen und Lehrer. Die sind so knapp wie Goldstaub. Und es wird jedes Jahr enger», sagte damals die Vorsitzende des Interessenverbands Berliner Schulleitungen, Astrid-Sabine Busse.

In Berlin sind mehrere Parteien für eine Verbeamtung von Lehrern, darunter SPD, CDU und AfD. Die Grünen-Spitzenkandidatin Bettina Jarasch sagte jüngst in Interviews, sie sei bereit, über Verbeamtung zu reden. Der Lehrkräftemangel in Berlin hat sich zum Start des Schuljahres 2021/22 nach Angaben der GEW weiter zugespitzt. Rund 60 Prozent der neu eingestellten Lehrerinnen und Lehrern hätten kein Lehramtsstudium absolviert. Zudem blieben Hunderte Stellen unbesetzt.

Ursache ist nach Auffassung der Gewerkschaft aber nicht die fehlende Verbeamtung. Vielmehr habe Berlin den Ausbau der Lehramtsstudienplätze verpasst und bleibe hinter dem Bedarf zurück. Die Berliner Universitäten hätten sich in den Hochschulverträgen verpflichtet, bis 2022 jährlich 2000 Studentinnen und Studenten mit dem Lehramtsabschluss (Master of Education) auszubilden. Auch der Koalitionsvertrag habe das vorgesehen. Dieses Ziel wird nach GEW-Angaben deutlich verfehlt: 2018 seien es 910 Absolventen gewesen, 2019 noch weniger – 878. Zahlen für 2020 lägen noch nicht vor.

Das Durchschnittsalter der Berliner Lehrkräfte lag im Schuljahr 2020/21 laut Schulstatistik bei 46,7 Jahren. dpa

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5 KOMMENTARE

  1. Die GEW behauptet natürlich gerne, es sei nicht die fehlende Verbeamtung das Probmem. Jeder Angestellte ist nämlich ein potentielles GEW-Mitglied. Wären die Berliner Lehrer verbeamtet hätten sie mehr Auswahl. Das wäre für die Berliner GEW ein Probmrö, müsste sie auf einmal ihren Kuschelkurs mit der Senatsverwaltung aufgeben.

    Aber grundsätzlich stelle ich mir sowieso die Frage, warum man Mitglied in einer Gewerkschsft wird, bei der die Interessen der Mitglieder viel zu oft hinten anstehen. Mehr Diversität (=Mehr Gewerkschaften, die nicht eine Agenda der Mittelmäßigkeit fährt, welche weite Teile der Eltern eher in Privatschulen treibt, wenn sie das Spiel durchschauen würden) wäre hier wünschenswert, auch im Interesse der angestellten KuK.

  2. Selbstverständlich ist die fehlende Verbeamtung ein großes Problem, und zwar nicht nur, weil Berlin damit für viele Lehrkräfte weniger attraktiv ist als die Nachbarbundesländer, sondern auch, weil die Verbeamtung Streiks verhindert und somit für eine Kontinuität bei der Erteilung vo Unterricht sorgt. 60% unqualifiziertes Personal vor die Klassen zu stellen ist für das ohnehin niedrige Berliner Bildungsniveau eine Katastrophe – gerade in den Schulformen, die eine hohe pädagogische und didaktische Kompetenz der Lehrkraft abverlangen.

  3. Mal aus meiner Erfahrung: Lehramtsstudium Englisch und Geschichte im Frühjahr 2011 in Berlin abgeschlossen. Wollte in Berlin bleiben, hätte aber mit dem Schnitt von 1,35 im Ersten Staatsexamen knapp zwei Jahre bis zum Refendariat warten müssen, da es zu viele potentielle Anwärter mit Geschichte gab. Bin dann zurück nach NRW und schlussendlich auch da geblieben. Bin dann immer recht amüsiert, wenn ich lesen muss, wie händeringend seit Jahren Englischlehrer in Berlin gesucht werden…
    Es liegt nicht allein an den mangelnden Studienplätzen oder an der Nicht-Verbeamtung.

  4. An unserer Schule, wie sicher auch an anderen stehen viele Lehrer in den Startlöchern kurz vor der Abwanderung nach Brandenburg.

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