Einjährige (und Jüngere) haben einen Ganztagsplatz in der Grundschule sicher – aber: Auch mit genügend Personal?

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BERLIN. Der Bundestag hat am Dienstag dem Kompromiss zum Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in der Grundschule zugestimmt. Bund und Länder hatten sich am Abend zuvor nach langem Streit über die Finanzierung des Vorhabens im Vermittlungsausschuss geeinigt. Jedes Kind, das in Deutschland ab dem Schuljahr 2026/2027 eingeschult wird, soll in den ersten vier Schuljahren Anspruch auf einen Ganztagsplatz bekommen. Die Erleichterung über die Einigung ist groß. Allerdings ist unklar, woher das Personal denn kommen soll – der Arbeitsmarkt für Erzieherinnen und Erzieher ist auf Jahre leergefegt.

Sie wird vom Rechtsanspruch profitieren (ihr jüngerer Bruder natürlich auch). Foto: Shutterstock

Beide Häuser müssen dem nun formal noch zustimmen. Das soll an diesem Dienstag bei der letzten in dieser Legislaturperiode angesetzten Bundestagssitzung ohne weitere Aussprache passieren. Voraussichtlich am Freitag ist dann der Bundesrat dran. Nach anschließender Unterschrift durch den Bundespräsidenten kann das «Ganztagsförderungsgesetz» schließlich in Kraft treten. Bund und Länder hatten sich am Montagabend nach langem Streit über die Finanzierung des Vorhabens im Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat buchstäblich in letzter Minute geeinigt.

LETZTES GROSSES GROKO-VORHABEN

Der Rechtsanspruch ist ein letztes großes Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag von Union und SPD, das die scheidende große Koalition noch umsetzt. Geplant ist, dass jedes Kind, das ab dem Schuljahr 2026/2027 eingeschult wird, in den ersten vier Schuljahren Anspruch auf einen Ganztagsplatz bekommt. In einigen Bundesländern – vor allem im Osten, in Hamburg und Berlin – gibt es schon eine dichte Ganztagsbetreuung. In anderen Ländern, etwa Baden-Württemberg, müssen noch viele neue Plätze geschaffen werden. Geschätzt wird, dass ein Bedarf von insgesamt 600.000 bis 800.000 Plätzen besteht.

LANGER STREIT ÜBER KOSTEN

Über die Finanzierung des Projekts hatten Bund und Bundesländer lange gestritten. Die Länder hatten vom Bund eine deutlich stärkere Beteiligung an den Investitions- und den späteren Betriebskosten gefordert, das Vorhaben vor dem Sommer im Bundesrat gestoppt und in den Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat verwiesen. Unklar schien danach, ob es überhaupt noch umgesetzt wird.

Zuletzt hatte vor allem Baden-Württemberg unter dem grünen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann noch einmal Druck gemacht und auf mehr Geld vom Bund gepocht. Die Erste Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen im Bundestag, Britta Haßelmann, sagte: «Uns Grünen war es wichtig, dass das zentrale Thema ganztägige Bildungs-und Betreuungsangebote nicht auf den letzten Metern unter den Tisch fällt.»

EINIGUNG IN LETZTER MINUTE

Ohne Einigung im Vermittlungsausschuss hätte das Gesetz vor der Bundestagswahl voraussichtlich nicht mehr verabschiedet werden können und wäre verfallen: Gesetze, die nicht abschließend in einer Legislaturperiode behandelt werden, unterliegen der sogenannten Diskontinuität. Sie müssen in einem neu gewählten Bundestag noch einmal ganz neu eingebracht und verhandelt werden. Der Vermittlungsausschuss stand am Montagabend unter zusätzlichem Zeitdruck: Eine Einigung bis Mitternacht war nach Angaben von Verhandlungsteilnehmern nötig, um formale Fristen für die Befassung im Bundestag am Tag darauf einzuhalten.

BUND LEGT «SCHIPPE DRAUF»

Der Bund wird sich nun, wie zuvor bereits zugesagt, mit bis zu 3,5 Milliarden Euro an den Investitionskosten für Ganztagsplätze beteiligen: Das kann Geld für den Bau neuer Räumlichkeiten an Grundschulen sein, aber auch für Instandsetzungs- und Sanierungsarbeiten, etwa in Ländern, die schon viele Ganztagsplätze haben. «Eine Schippe draufgelegt», wie es hieß, wurde vor allem bei den laufenden Kosten für den Betrieb der Ganztagsplätze. Hier will Berlin die Länder nun langfristig mit 1,3 Milliarden Euro pro Jahr unterstützen. Das sind gut 300 Millionen mehr pro Jahr, als zuletzt zugesagt.

FAST ALLE SEITEN FROH

Vertreter aus Bundes- und Landespolitik zeigten sich nach den rund dreistündigen Verhandlungen erleichtert und sprachen von einem guten Tag für Kinder und Familien. Unionskanzlerkandidat Armin Laschet (CDU) sagte, der Rechtsanspruch auf Ganztagsplätze an Grundschulen sei ein Meilenstein für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Die stellvertretende Unionsfraktionsvorsitzende Nadine Schön (CDU) sagte: «Nach der Einführung des Rechtsanspruches auf einen Betreuungsplatz für Kita-Kinder schließen wir jetzt endlich die „Betreuungslücke“, die vor allem zahlreiche Frauen in den westdeutschen Bundesländern mit der Einschulung ihrer Kinder in die berufliche Teilzeit zwingt.»

Auf der SPD-Seite betonte Bundesfamilienministerin Christine Lambrecht (SPD), mit dem Gesetz sorge man dafür, «dass alle Kinder gute Chancen haben, unabhängig von ihrer Herkunft und dem Geldbeutel ihrer Eltern». Neben der besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf und der Fachkräftesicherung für Unternehmen, hatte die Koalition auch mit dem Argument der größeren Chancengerechtigkeit für den Ganztagsausbau geworben. Bei Kindern, die nach Schulschluss unbeaufsichtigt vor dem Fernseher säßen oder am Handy zockten, verschenke man deren Potenzial, hatte die ehemalige Familienministerin Franziska Giffey (SPD) gesagt.

… ABER: WO KOMMT DAS PERSONAL DENN HER?

Der geplante Rechtsanspruch wird zwar größtenteils begrüßt. FDP, Linke und Deutscher Städtetag weisen allerdings auf das Problem hin, dass für die Erfüllung dieses Anspruchs noch Zehntausende pädagogische Fachkräfte fehlen. «Auf die nächste Bundesregierung kommt viel Arbeit zu, wenn sie das Versprechen an Kinder und Eltern mit Leben füllen will», sagte der kinder- und jugendpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Matthias Seestern-Pauly. Es brauche eine echte Fachkräfteoffensive. «Ohne ausreichend Personal gibt es nun mal keinen Ganztag», sagte die bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Birke Bull-Bischoff.

Eine «Ausbildungsoffensive» forderte auch der Städtetag: «Schon jetzt suchen viele Städte händeringend nach Erzieherinnen und Erziehern und Sozialpädagogen», sagte Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy am Dienstag. Die Kommunen befürchten zudem auf den Kosten sitzen zu bleiben. Der Rechtsanspruch ist ihrer Ansicht nach nicht genügend ausfinanziert.

Die Bildungsgewerkschaft GEW pocht auf gute Qualität: «Ganztag ist eine Bildungsaufgabe. Die Kinder lediglich zu betreuen, damit die Eltern arbeiten gehen können, wird weder den Bedürfnissen der Mädchen und Jungen gerecht», sagte die Vorsitzende Maike Finnern. News4teachers / mit Material der dpa

Der Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz kommt – aber: Wie viel pädagogische Qualität steckt dann noch im Ganztag?

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27 KOMMENTARE

  1. Bin gespannt für wen das Mehrarbeit bedeutet. Sicher für die Leute, denen auch seit Jahren gerechte Bezahlung verwehrt wird. Ach wäre ich doch mal ans Gymnasium gegangen…

  2. Hat die Politik eigentlich nur die wirtschaftlichen Interessen im Blick? Was ist daran toll für die Kinder?
    Meine Kids freuen sich, dass warmes Essen auf dem Tisch steht, wenn die Schule aus ist und sie zu Hause vom Vormittag erzählen können. Und oft sind sie einfach froh endlich mal Ruhe zu haben, nachdem sie schon einer beachtlichen Geräuschkulisse in der Schule ausgesetzt waren. Die Freunde unserer Kinder, die in die OGS, gehen, freuen sich übrigens auch immer, wenn sie mal nach der Schule zu uns kommen können. Sie freuen sich, weil sie in ruhe essen und ohne Störungen Hausaufgaben machen können.
    Ich verstehe nicht, warum die Ganztagsbetreuung so toll für Kinder sein soll.

    • @Mama hoch 3
      Der Ganztag ist für viele Kinder nicht toll!
      Aber er sorgt dafür, dass Eltern arbeiten gehen können und dem Staat nicht „auf der Tasche liegen“! Oder dass Familien genug Geld haben, das sie in den Binnenmarkt hineinpumpen können!
      Der OGS findet überwiegend in den Klassenräumen statt, und dass diese weder gemütlich noch zum Spielen geeignet sind, kann jedes Elternteil nachvollziehen, das einmal an einem Elternabend teilgenommen hat!
      Der Personalmangel ist groß, so dass ein Erwachsener oder ein Praktikant für bis zu 30 Kinder oder mehr zuständig ist.
      Ebenso groß ist die Fluktuation. Kaum hat sich ein Kind an einen Betreuer gewöhnt, schwupps ist er/sie schon wieder weg!
      Der allgegenwärtige Lärm und die ständigen Auseinandersetzungen belasten viele Kinder sehr.
      Es ist toll, dass Sie Ihren Kindern den Stress ersparen können!

  3. Für G9 ist man nicht bereit in BW einen neuen Weg nach diesem langen Ausnahmezustand zu gehen. Die Ganztagsbetreuung nur außer Haus finde ich eine Entfremdung über den Entwicklungsverlauf des eigenen Kindes. Welchen Einfluss haben dann noch Eltern auf den Entwicklungsweg Ihrer Kinder. Ich finde das Familienleben in den eigenen vier Wänden geht verloren und es wird nur noch von fremden Personen erledigt.Auch das Freizeitleben ob in den eigenen vier Wänden, Natur, Vereine tritt alles in den Hintergrund und der Veranstaltungsort ist nur noch Schule. Die Grundschulzeit und die Begleitung unseres Kindes war eine sehr schöne Zeit und als Eltern konnte man wichtige Grundsteine legen. Auch die Beziehung zwischen Freunden konnte gepflegt werden und wichtige Erfahrungen gesammelt werden. Bedient wird man dann außerhalb der Schule und ob man mit dem Konzept einverstanden ist, oder die Betreuungspersonen für geeignet hält und der Umgnang in der Gemeinschaft überprüft wird, ist fraglich. Der Betreuungsschlüssel ist auch fraglich und welche Ausbildung für die Betreuung der Grundschüler angestrebt wird.

  4. Hauptsache die Kinder lassen sich jetzt offiziell weg organisieren und Mutti hat Zeit am Tag die Seele baumeln zu lassen.
    Ganz ehrlich Leute: wozu schaffen wir uns überhaupt Kinder an? Damit irgendwer sie erzieht?
    Woher kommen wohl die ganzen Störungen? ADHS, Angst, Depressionen, Fettleibigkeit und so weiter und sofort. Die Kinder bekommen keine Geborgenheit, keine Liebe, kein normales Familienleben. Das Urgefüge unseres sozialen Zusammenlebens, die Familie, es gibt sie gar nicht mehr.
    Erzeugerpaare, die ihre Nachkommen in öffentlichen Einrichtungen abgeben, damit diese sie formen. Mutti und Vati stehen weiter der Volkswirtschaft zur Verfügung.
    Bravo! Wie sollen diese Kinder später selbst einmal eine Familie gründen und Geborgenheit und Liebe vermitteln?
    Ich finde es nur noch abnormal.
    Guckt lieber, dass die Familien dazu in der Lage sind sich um die eigenen Kinder selbst kümmern zu können. Das ist in unserer Gesellschaft nämlich nicht vorgesehen!
    Und eine Pandemie wirft dann alle aus der Bahn!
    Armes Deutschland!

    • Mutti, Abitur und Studium, ist raus, wenn sie länger ausscheidet. Papa sowieso!

      2 Autos, 2 Urlaube im Jahr, ein Haus abzahlen, kann man mit nur einem Verdiener schon mal vergessen, wenn man den Gürtel nicht ganz eng schnallt.

      Während früher ein Verdiener noch für eine Familie sorgen konnte, ist das heute kaum noch möglich. Und es gibt immer mehr Alleinerziehende, die irgendwie zurecht kommen müssen.

      Kinder in die Krippe, in den Ganztag, die Wirtschaft braucht ihre Fachkräfte und die Kinder leiden in der Massenkinderhaltung!

      Aber solange noch alles schöngeredet wird, wird sich wohl nichts ändern !

  5. Die Kommentare hier klingen sehr pauschal negativ und verurteilend …
    Ich möchte einmal eine Lanze für die OGT brechen: Mein Sohn geht an drei Tagen in die Nachmittagsbetreuung. Nicht weil er es muss, ich als halbtags arbeitende Lehrerin könnte ihn durchaus betreuen, sondern weil er es gerne so möchte. Sein bester Kumpel ist auch dort, er mag die Kurse und die Betreuer gerne. Ihm schmeckt sogar das Essen! Ich bekomme ein sehr entspanntes und glückliches Kind nach Hause, das mir von seinen Erlebnissen berichten möchte. Ich hätte ein schlechtes Gewissen, wenn ich ihm das verwähren würde.
    Und erziehen kann ich meine Kind trotzdem noch selbst!

    • Toll, dass es in einigen Bereichen klappt.

      Bei uns soll ein Anbau erfolgen. Die Kinder wurden auch nach ihren Wünschen gefragt.
      Die OGS Kinder wünschten sich ALLE: Ruhezonen, Platz sich mit Freunden zurückzuziehen oder zu entspannen.
      Gestern kamen die Baupläne!
      Spezielle Ruheräume konnten aufgrund des Platzmangels leider nicht berücksichtigt werden.
      Dafür gibt es einen überdachten Fahrradparkplatz!

  6. Die Einjährigen jubeln! Sie können ihr Glück kaum fassen! Ich habe heute schon die ersten Einjährigen mit den kleinen Fäustchen an geschlossene Schultüren (BW) hämmern sehen, weil sie es nicht erwarten können, von zu Hause, diesem trostlosen Ort ohne jegliche Förderung, endlich raus zu kommen. Es gibt keinen schöneren Platz auf Erden als die Schulen. Es formen sich auf den Entbindungsstationen des Landes erste Neugeborenenverbände, die dafür protestieren, gar nicht erst nach Hause zu müssen, sondern im Krankenhaus bleiben zu dürfen, an diesem faszinierenden Bildungsort, an dem man sich sehr umfassend frühkindlich bilden kann. Kinderärzte und-psychologen sind sich einig, dass damit auch das lästige Bindungsverhalten an das Elternhaus wegfallen würde, das mit einem Jahr die Eingewöhnung in die Kita erschwert und in hartnäckigen Fällen zum längeren Ausfall eines Elternteils für die Wirtschaft bedeutet. An dieser Stelle haben sich auch schon die Wirtschafts- und Finanzminister zustimmend geäußert. Die Klinikleitungen zeigten sich angesichts des Fachkräftemangels ebenfalls aufgeschlossen. Außerdem bescheinigt das RKI den Säuglingen und Kleinkindern eine unverwüstliche Gesundheit, was sie gerade in Pandemiezeiten in Krankenhäusern unersetzlich macht. In Quarantäne müssen sie nicht und geimpft werden sie nicht. Die Kostenersparnis ist immens. Ein entsprechender Gesetzesentwurf wird heute noch heimlich vor der Bundestagswahl durchgezogen. Morgen werden deutschlandweit auch die Neugeborenen jubeln!

  7. Wenn die Kinder nur aufbewahrt werden und sie bei den Hausaufgaben nicht betreut werden, werden viele keine weiterführende Schule schaffen und etliche werden ein Schuljahr wiederholen müssen.

    • Mein zunehmender Eindruck ist der, dass es zu Hause nicht ganz anders aussieht. Das Kind macht die Hausaufgaben, kontrolliert wird aber nichts. Es wird nicht Lesen geübt, Elternbriefe werden nicht gelesen, Eintragungen im Hausaufgabenheft schon gar nicht.

  8. Zur Personalfrage: Das Gesetz ist durch und die Länder haben jetzt 5 Jahre Zeit um alles in die Wege zu leiten.
    Nun ja, die nächsten 4 Jahre wird nichts passieren, dann ist wieder Wahl und dann kommt „ups sind die 5 Jahre schon wieder“ vorbei.

  9. Mütter bekommen Kinder, damit andere Menschen sich um diese kümmern, am besten ab 6 Monaten schon. Sonst langweilen sich die Kleinen zuhause. Das Traurige ist, dass die Mütter inzwischen ganz früh arbeiten gehen müssen, weil das Geld sonst vorne und hinten nicht reicht.
    Ich arbeite seit 20 Jahren in der Schule. Die Zahl der auffälligen Kinder wächst von Jahr zu Jahr.
    Traurige Welt….

    • Vielleicht sollte man auch die Väter miteinbeziehen?
      Aber ich arbeite seit 41 Jahren in der GS und unsere Gesellschaft ist fast noch genauso vaterlos wie damals!
      Und ja, die auffälligen SuS nehmen von Jahr zu Jahr zu. Ist zumindest die Erfahrung von mir und meinen Kollegen. Eine Studie dazu habe ich nicht gefunden.

  10. Ich muss sagen, dass ich damals eine tolle Kindheit hatte. Bis Mittag in der Schule, schnell was gegessen und dann bis Sonnenuntergang auf dem Fußballplatz. Vorbei für die Kids von heute! Dicke Kinder gab es damals nur sehr sehr wenige ….

  11. Ich finde es schlimm, daß so wenig Erziehung in Familien stattfindet. Vielleicht sollte man darüber nachdenken sich keine Kinder anzuschaffen wenn man sie nicht betreuen kann. Meine Kinder waren froh, zuhause immer einen Ansprechpartner zu haben. Auch wenn ich beruflich stark zurück stecken musste so habe ich das nicht bereut. Die Zeit mit meinen Kindern verbringen zu dürfen, hat nicht nur meinen Kindern was gebracht und ist viel zu schnell vorbei gewesen. Vielleicht sollte man die Erziehungszeit einfach mehr würdigen. Der Dank später dafür eine geringe Rente zu bekommen , ist einfach nicht gerecht.

    • @Leser, da bin ich ganz bei Ihnen. Jeder schreit nach Ganztagesbetreuung, keiner denkt darüber nach, was das für das Kind bedeutet. Wer Kinder möchte, sollte auch die Verantwortung übernehmen und sie nicht abgeben an fremde Einrichtungen, zumindest die ersten drei Jahre nicht, aber auch das geht schon nicht mehr. Die Erziehungszeiten werden oft als Langzeiturlaub/Fernreisen genutzt, das ist nicht Sinn und Zweck der Sache. Also kann es am Geld nicht mangeln. Ohne Luxus zu leben können offensichtlich viele Eltern nicht mehr. Ich bin auch froh, meine Knder zuhause erzogen zu haben, auch wenn ich das in der Erwerbstätigkeit und in der Rente massiv merke. Dafür habe ich aber dem Staat zwei gute Steuerzahler präsentiert, wird aber leider nicht honoriert. Einschränkungen habe ich gerne gemacht, die Kinder danken es mir heute.
      Ganztagesbetreuung wird uns eine gesteuerte Generation ohne Kreativität und Eigeninitiative präsentieren, man merkt es heute an den Schülern bereits.

  12. Kinder gehören nicht bereits als Säuglinge in eine ganztägige Betreuung.
    Und Grundschüler nicht in Ganztagsschulen.
    Kinder sind nicht dazu da, wegorganisiert zu werden.
    Dann lieber keine bekommen.

  13. Finde ich auch. Wegorganisieren ist eine Frechheit! Die Mütter (meist. Leider. Oder manchmal auch die Väter) sollen sich um die Kinder kümmern, anstatt der Wirtschaft zur Verfügung zu stehen. Vielleicht kann man auch einfach nur die Mädchen/Jungen unterrichten, die Lehrerinnen oder Lehrer werden. Als Lehrerin kann man prima Job und Familie vereinen, man ist nachmittags zuhause, kann die Ferien abdecken etc. Alles andere ist einfach eine Frechheit! Oder das Kinderkriegen soll aufhören. Beides – Mädchen an den Herd oder keine Kinder mehr – führt zu kleineren Klassen, was der Bildung zugute kommt.
    „Dafür habe ich aber dem Staat zwei gute Steuerzahler präsentiert, wird aber leider nicht honoriert.“: Hoffen wir mal, dass die beiden kinderlos bleiben.

    • @Simsalabim

      Vielen Dank für Ihren (sarkastischen?) Kommentar!
      Er beleuchtet sehr gut das Missverständnis, dass in Hinsicht auf die „Kinderbetreuung“ hierzulande herrscht!

      In der ein oder anderen Gemeinde und für einen Teil der Kinder läuft es ganz gut, wie der Kommentar von @Sorry ja zeigt.

      Für andere läuft es aber auf eine „Kinderaufbewahrung“ sprich „Massenkinderhaltung“ hinaus.
      Ein Sparkonzept mit Minimalbudget, so wie schon bei der Inklusion geschehen und gescheitert!

      Das kritisch zu beleuchten ist wichtig, wenn Kinder zu ihrem Recht kommen sollen!
      Es kann nicht nur darum gehen Kinder „wegzuorganisieren“, die Rahmenbedingungen, unter denen diese Kinder aufwachsen, ist wichtig!

      Und da besteht nun mal ein Missverhältnis zwischen Wunsch und Wirklichkeit!

      Kurzfristig ist Kinderaufbewahrung nur ein Kostenfaktor, den jeder Steuerzahler, egal ob er Kinder hat oder nicht, zumindest ansatzweise mittragen muss! Das führt zu Unmut, auch wenn ja ein kinderloser Steuerzahler irgendwann von diesen Kindern profitieren möchte. Sei es, weil so ein Kind im Erwachsenenalter sein Auto repariert, in seinem Lieblingsrestaurant kocht oder serviert, als Arzt oder Pfleger sich um seine Gesundheit kümmert oder als Steuerzahler seine Rente finanziert!

      Dass Eltern auf der Mehrheit der Erziehungskosten sitzenbleiben, ist eigentlich nicht zu verstehen! Eine GUTE Kinderbetreuung, die ihren Namen auch verdient, sollte im Interesse Aller sein!

      Aber das Ergebnis fällt erst nach 5-6 Legislaturperioden auf und dann will es wieder keiner gewesen sein.

      Deshalb sollten ALLE daran interessiert sein, die Schwächen des jetzigen Betreuungs- und Bildungskonzepts anzuprangern, denn es schlägt in einigen Jahren auf ALLE zurück!

      • Sarkasmus ist alles, was übrig bleibt.
        Ich sehe große Vorteile in einer verbindlichen Ganztagesbeschulung/-betreuung. Kinder können mit ihren Peers aufwachsen, lernen, spielen, aber auch streiten und Konflikte lösen. Das alles funktioniert sehr gut mit anderen Kindern (wer übt schon Konfliktlösekompetenz mit seinem Kind, indem er es mit Sand bewirft?! Hier ist Unterstützung und Begleitung durch kompetenze Erwachsene hilfreich, ersetzt aber nicht die Interaktion in der Peergroup), Lehrpläne könnten entzerrt werden, (gerne auch Ferien gekürzt, da Sport, Kultur, Ausflüge,… in das Curriculum aufgenommen werden können), Lehrkräfte könnten zu einem gleichmäßigen udn weniger stressvollen Arbeitsrythmus kommen (weg von: Ferien, gemächlich raus aus den Ferien, 2 Wochen Gas geben, Test schreiben, gemächlich rein in die Ferien,…).
        So sehr ich das Argument „warmes Essen zuhause“ charmant finden will, ich kann es nicht. Ich höre das Argument des „minderwertigen Fraßes“ oft, allerdings (und leider) vor allem von Müttern, die Lehrerinnen sind. Solange keine breite Masse und somit auch eine Lobby vorhanden ist, wird sich an der Qualität leider nicht viel ändern.
        Die Glorifizierung der Halbtagesschule kann ich nicht nachvollziehen. Die Schwächen des Sytems sind strukturell. Und sie sind strukturell gefördert und manifestiert.
        Ich fürchte, 5-6 Legislaturperioden werden nicht reichen, bzw. die Aufgabe ist mittlerweile so groß, dass niemand bereit ist, echte Reformen anzustoßen. Und dazu gehört auch, die Schuljahresstruktur vorrangig an Lern- und Aufmerksamkeitszyklen, an abwechselnde Inhalte etc. anzupassen und nicht an den katholischen Feiertagskalender.

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