Weil mobile Luftfilter fehlen, wird es in den meisten Klassenräumen ab jetzt wieder kalt – Kultusminister: „Frische Luft ist gesund“

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BERLIN. Mobile Luftfilter gibt es in den wenigsten Klassenräumen in Deutschland, die Maskenpflicht im Unterricht wird nach und nach abgebaut, eine Abstandsregel gibt es nicht – bleibt als einziger Corona-Schutz für Millionen von ungeimpften Schülerinnen und Schülern: offene Fenster. Allerdings beginnt jetzt die kalte Jahreszeit; der zweite Corona-Winter steht bevor. In vielen Klassenräumen werden die Arbeitsbedingungen damit wieder unzumutbar.

Schülerinnen und Schüler können sich auf einen kalten Winter einstellen. Foto: Shutterstock

„Bitte, liebe Minister, stellt Euch selbst mal wie wir Lehrer eine Woche bei Minustemperaturen stundenlang in den Durchzug, setzt Euch selbst wie die Kinder bei Minustemperaturen in Jacke und Decken still in die Klasse und versucht dabei, Euch auf den Unterricht zu konzentrieren, kommt selbst durchgefroren aus einer einstündigen Mittagspause in einen total ausgekühlten Raum, der nach Vorschrift über die gesamte Pause bei kaltem Ostwind gelüftet wurde“, so bittet News4teachers-Leser und Lehrer „kanndochnichtwahrsein“ in einem Kommentar.

Man muss kein Hellseher sein, um vorhersagen zu können: Dass ein Kultusminister diesen Wunsch erfüllt und sich einen Schultag lang in ein kaltes Klassenzimmer setzt, wird nicht passieren – auch in diesem Winter nicht. Dass es kalt wird in den meisten Schulen – hingegen schon.

„Das richtige Lüften ist eine wichtige und wirkungsvolle Maßnahme im Gesamtpaket der Hygienemaßnahmen, um die potentielle Viruslast in der Lernumgebung zu senken und eine Ausbreitung des Corona-Virus einzudämmen“, so meinte die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD), seinerzeit noch KMK-Präsidentin, im Dezember vergangenen Jahres. „Eltern sorgen sich vielleicht, dass es zu kalt in den Räumen werden könnte. Beim richtigen Lüften, so die Experten, kühlt sich die Raumtemperatur allerdings nur um zwei bis drei Grad Celsius ab.“ Die „Experten“, auf die sich Hubig bezog – sie selbst bekräftigte mehrfach: Stoßlüften in Schulen sei auch bei frostigen Temperaturen kein Problem –, waren Ingenieure des Bundesumweltamts.

Die schulfernen Experten haben im Auftrag der KMK ein „Lüftungskonzept“ für die Schulen erarbeitet. In der kalten Jahreszeit soll demnach während des Unterrichts alle 20 Minuten mit weit geöffneten Fenstern für 3 bis 5 Minuten gelüftet werden – sogenanntes Stoßlüften. Zudem solle während der gesamten Pausen gelüftet werden.

Einen anderen Schutz vor Infektionen vor dem Coronavirus haben die vielen ungeimpften Schülerinnen und Schüler bis heute nicht: Die Abstandsregel im Klassenraum wurde von den Kultusministern verworfen; die Maskenpflicht im Unterricht gilt vielerorts, wenn überhaupt noch, nur für ältere Jahrgänge – und Luftfilter wurden in den meisten Bundesländern lediglich für Räume angeschafft, die sich schlecht nur per Fenster lüften lassen und deshalb eigentlich gar nicht für den Unterricht geeignet sind (schon aufgrund des steigenden CO2-Gehalts in der Atemluft).

Dabei gilt die Gefahr durch Corona-belastete Aerosole im Unterricht als besonders hoch. Schüler und Lehrer einer weiterführenden Schule ohne Maske in einem vollbesetzten Klassenraum tragen ein 11,5 Mal so hohes Risiko, sich über Aerosole mit dem Coronavirus anzustecken, als Menschen in einem Supermarkt – und selbst im Wechselunterricht, also bei halbierter Klassenstärke, mit Maske ist das Risiko im Klassenraum noch 2,9 Mal höher. Das haben Berechnungen von Wissenschaftlern der TU Berlin ergeben.

„Wie das werden soll, wenn es kälter wird, weiß ich nicht. Und Ideen vom Ministerium oder den Schulträgern dazu gibt es keine“

„Mit dem Lüften hat es bisher aufgrund des milden Herbstes gut funktioniert“, berichtete ein Chemie- und Physiklehrer an einem Kölner Gymnasium im vergangenen Dezember. Aber: „Da es in der Nacht von Sonntag auf Montag zum ersten Mal Nachtfrost in Köln gegeben hat, war es am Montag sehr kalt im Klassenraum – zwölf Grad zeigte das Thermometer an. Vor einem Jahr hätte man bei so einer Temperatur die Schule geschlossen, weil das keine akzeptablen Lern- und Arbeitsbedingungen sind. Heute sitzen die Schüler den ganzen Tag mit Jacke, teilweise auch mit Handschuhen und Schals da. Der Alarm des CO2-Messgeräts geht in Klassen mit 30 Schülerinnen und Schülern schon in weniger als zehn Minuten nach dem letzten Lüften wieder los, sodass fast ständig gelüftet werden muss. Wie das werden soll, wenn es noch kälter wird, weiß ich nicht. Und Ideen vom Ministerium oder den Schulträgern dazu gibt es auch keine.“

Obwohl das Problem der Ansteckungen mit dem Coronavirus durch Aerosole bereits seit spätestens Mai 2020 bekannt war, hatten die Kultusminister das Thema schnell abgehakt: mit der Handreichung des Umweltbundesamtes eben. Erkenntnisse, nach denen mobile Luftfilter die gefährlichen Schwebeteilchen in Klassenräumen größtenteils beseitigen können, wurden erst ignoriert und dann nur zögerlich von Landesregierungen aufgenommen. Dabei kann das Lüften in Klassenräumen, die mit den Geräten ausgestattet sind, auf ein Normalmaß beschränkt werden. Offensichtlich rechneten die Kultusminister aber nicht damit, dass die Coronakrise auch im kommenden Winter noch ein Thema wäre. Sie haben gezockt – und Schüler, Lehrer und Eltern haben verloren.

Erst nachdem die Bundesregierung im Juni 2021 (sic!) ein 200-Millionen-Euro-Förderprogramm für mobile Luftreiniger aufgelegt hat, kam Bewegung in die Angelegenheit – ein wenig. Hamburg und Bremen haben als einzige Bundesländer angekündigt, alle Klassenräume bis Oktober mit mobilen Luftfiltern auszustatten. Bayern wollte das ursprünglich ebenfalls erreichen, scheitert aber aktuell am Widerstand der Schulträger, die den geforderten Eigenanteil nicht aufbringen wollen, wie News4teachers berichtete. Lediglich Berlin hat darüber hinaus einen nennenswerten Anteil seiner Schulen mit den Geräten bestückt. In den übrigen Bundesländern passiert wenig bis gar nichts. Letztlich hängt es vom Engagement des Schulträgers ab, ob mobile Luftfilter für die Bildungseinrichtungen angeschafft werden. Und die haben meistens keine Lust, Geld für Kinder auszugeben, die angeblich ohnehin nicht schwer erkranken, meistens jedenfalls nicht.

Die Folgen bekommen Millionen von Schülern und Lehrern in Deutschland in diesen Tagen  zu spüren. Der Leiter einer Grundschule im westfälischen Vörden machte im Rat seiner Stadt mit einem Lüftungsprotokoll anschaulich, wie wenig praktikabel das „Lüftungskonzept“ der KMK ist. Demnach wurden die Temperaturen am 25. und 30. November 2020 jeweils von 8.15 bis 11.45 Uhr im Raum EG05 (Außenseite nach Süden, innen grenzt die Aula an) gemessen. „Das Thermometer lag dabei auf einem Tisch im Klassenraum genau mittig zwischen Fensterfront und der gegenüberliegenden Innenwand. Für die Tests wurde außerdem die automatische Heizsperre bei geöffnetem Fenster aufgehoben – es wurde also dauerhaft auf 23 Grad geheizt“, so berichtete der Schulleiter.

Am ersten Testtag mit einer morgendlichen Außentemperatur von sechs Grad habe der Höchstwert nach einer Lüftung um 11.20 Uhr bei 14,6 Grad gelegen, der niedrigste Wert nach dem Öffnen der Fenster sei um 10.55 Uhr mit 11,7 Grad erreicht worden. Noch deutlich kälter sei es am zweiten Testtag geworden, der um 8 Uhr bei minus vier Grad Außentemperatur begann. Hier kühlte sich der Raum zu Schulbeginn innerhalb von fünf Minuten von 21,5 auf 4,9 Grad herunter.

„Ich persönlich werde die Verantwortung für die Gesundheit der Kinder in diesem Fall ablehnen“

Am wärmsten blieb es laut Bericht nach einer fünfminütigen Lüftung um 11.45 Uhr mit 8,3 Grad, der kälteste Wert wurde nach Ende der großen Pause erreicht: Die Schüler begannen die Unterrichtsstunde um 10.25 Uhr bei einer Raumtemperatur von nur noch 2,4 Grad. „Wir haben uns sowohl bei den Tests auch als im Schulalltag genau an die Vorgaben bezüglich der Lüftungsintervalle und -zeiten gehalten“, erklärte der Schulleiter und betonte: „Ich persönlich werde die Verantwortung für die Gesundheit der Kinder in diesem Fall ablehnen.“

Zu kalt für den Unterricht? Iwo – befand Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) noch im Juni. In einem Brief, über den News4teachers berichtete, schrieb er: „Zur Reduktion des Übertragungsrisikos von Covid-19-Viren ist auf eine intensive Lüftung der Räume zu achten. Etwa alle 20 Minuten soll eine Stoßlüftung oder Querlüftung durch möglichst vollständig geöffnete Fenster vorgenommen werden. Hier gilt das sog. 20-5-20-Prizinp. In Abhängigkeit von der Außentemperatur dauert eine solche Lüftung nur 3 bis 10 Minuten und ist somit auch im Herbst und Winter problemlos möglich. Die Raumluft kühlt beim Stoßlüften in Räumen über wenige Minuten lediglich um ca. 2 – 3 Grad ab, was für Schülerinnen und Schüler als gesundheitlich unproblematisch anzusehen ist. Frische Luft ist gesund, das Lüften verursacht keinerlei gesundheitliche Risiken, auch keine Erkältungen – im Gegenteil, das regelmäßige Lüften wirkt hier sogar vorbeugend.“

Wie wenig das Lüftungskonzept der KMK im Herbst und Winter wirkt, zeigt sich in einer Statistik des Robert-Koch-Instituts, über die News4teachers ebenfalls berichtete: Corona-Ausbrüche in Schulen nahmen ab September 2020, also vor genau einem Jahr, drastisch zu – pünktlich mit Beginn der kalten Jahreszeit. News4teachers

Dokumentiert

Eine Lehrerin hat die Temperaturen im Klassenraum während eines Tages im Dezember 2020 mithilfe eines CO2-Messgeräts dokumentiert – und auf der Facebook-Seite von News4teachers veröffentlicht. Bei Temperaturen über 15 Grad stieg der CO2-Gehalt in den Risikobereich.

Screenshot

Sie schreibt dazu: „So sah gestern eine Doppelstunde nach Lüftungskonzept der Schulbehörde aus. An Unterricht ist während und nach der Lüftung nicht zu denken, weil es einfach zu kalt ist und alle sich dick anziehen müssen. Der eisige, norddeutsche Wind fegte sämtliche Blätter vom Tisch. Die Heizung läuft auch Hochtouren. Was das für die Umwelt und den Klimawandel bedeutet…“

Und sie betont: „Laut Arbeitsschutzgesetz muss die Raumtemperatur bei überwiegend sitzender Tätigkeit 20 Grad betragen. Tja! Arbeitsschutz scheint in den Schulen nicht zu gelten, denn auch alle anderen Schutzmaßnahmen nach ‚Sars-Cov-2 Schutzstandard Schule‘ der DGUV gelten ja nicht.“ Über den fehlenden Arbeitsschutz in der Schule hat News4teachers auch schon berichtet – hier nachzulesen.

Neue RKI-Übersicht zeigt auf: Mehr als 6.000 Corona-Ausbrüche in Kitas und Schulen wurden bislang offiziell registriert

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23 KOMMENTARE

    • Es schweigen auch die Fridays for Future Schüler zum Thema „Wir heizen die Umwelt und frieren in der Schule“ – das wäre doch mal ein Thema für den nächsten Schulstreik – dann vielleicht mal alle Schüler und Lehrer und nicht nur freitags, vielleicht mal eine ganze Woche.

      • Aber warum denn,die Kinder sind doch alle üüüüüüüberglücklich,wieder zur Penne zu dürfen…Ironie off.Im Ernst,ich habe den FFF Kuds schon vorgeschlagen,für besseren Schutz an den Schulen zu streiken.Ich selbst habe einen Grundschüler,und da bemerke ich bei den Eltern leider eher,dass alles so hingenommen wird,hauptsache Schule….

  1. So kann man wohl konstatieren, dass die noch verbleibenden anderthalb Wochen bis zu den Herbstferien in NRW – wenn wir Glück haben – noch ohne Skikleidung, Mützen, Handschuhe und evtl sogar noch zusätzliche Decken zu bewältigen sein werden.
    Spätestens nach der Herbstpause ist damit Schluss.
    Dann werden sich die Kältedramen in den Klassenzimmern wiederholen. Im letzten Winter kam es zu Weinattacken bei jüngeren SuS, bei den älteren SuS war der immer lauter werdende Protest nur noch schwer zu überhören resp. zur Würdigung anzunehmen.
    Wenn die grundlegenden Arbeitsdchutzbedingungen ausgesetzt werden, dann kann man doch auch die geltenden Jugenschutzgesetze aushebeln und im großen Stil Grog mit ganz viel Rum oder Glühwein mit Schuss ausschenken, damit die SuS wieder aufgewärmt werden.
    Das würde ggf die beschädigte gute Laune, die körperliche Anspannung, gehemmten Sprechfluss usw. wieder instand setzen.
    Reichlich Hochprozentiges könnte sogar im Rachenraum einen desinfizierenden Effekt sorgen und somit einer Coronainfektion vorbeugen.

    Das ist etwas, das ich mittlerweile nicht mehr verstehe:
    Die eine Regel bzw gesetzliche Vorgabe wird leichtfertig aufgegeben, um einer tumben Idee den Weg zu bahnen, zum anderen werden andere Regeln und Gesetze beinhart verteidigt und Verstöße massiv sanktioniert.

    Dann doch lieber eine klare und nachvollziehbare Linie:
    Auf alle Regeln und gesetzlich Vorgaben pfeifen oder sie verantwortungsbewusst einhalten.

    Ich übernehme als unterrichtender Lehrer auf keinen Fall die Verantwortung für drohende massive Erkältungskrankheiten oder auch Lungenentzündungen.
    Ich werde dieses Mal bei durchgängig zu niedrigen Raumtemperaturen den Unterricht abbrechen, diese Entscheidung auf der argumentativen Basis meiner SL mitteilen und dann eine Wiederaufnahme des Unterrichts erst vornehmen, wenn die notwendigen Arbeitstemperaturen wieder gemäß der Arbeitsschutzverordnung feststellbar sind.

  2. Wenn die Raumluft durch das Lüften auch nur EINMAL ausgetauscht werden soll, wird es ar….kalt im Raum!
    Geht es aber nur darum, das Fenster aufzureißen bis die CO2 Ampel aufhört, Alarm zu schlagen, dann sinkt die Temperatur nur um wenige Grad!
    Allerdings geht der Alarm dann auch schon nach wenigen Minuten wieder los, da nur ein Bruchteil der Luft ausgetauscht wurde und der Wert sofort wieder die kritische Marke übersteigt!
    An einen kontinuierlichen Unterricht ist dann nicht zu denken! Alle paar Minuten Fenster auf, wieder zu und wieder auf, ohne das auch nur EIN Luftaustausch stattfindet!
    Im Durchzug sitzen wir aber kaum, da ein Querlüften in keinem einzigen Klassenzimmer unserer Schule möglich ist. Die Flurfenster, soweit vorhanden, lassen sich nicht öffnen.
    BEWEGUNG an der frischen Luft ist gesund, aber ständiges Frösteln senkt die Abwehrkräfte!

      • Wir auch nicht. Maskenpflicht im Unterricht ist weg, Testpflicht ebenfalls, in Phase Grün wird überhaupt nicht mehr getestet.
        Thüringen hat die zweitschlechteste Impfquote, die zweitmeisten Todesfälle und steht mit der Inzidenz von 71 schon wieder auf Platz 4. Wohin soll das führen? In der Schule tut man so, als sei alles quasi normal. Elternabende in Vollbesetzung, also ohne Abstand, ohne Maske, Ungeimpfte, Ungetestete haben in Phase Grün uneingeschränkt Zugang. Ähnlich bei anderen Zusammenkünften wie Dienstberatung. Und alles, was erlaubt ist, wird leider auch gemacht, statt etwas vorsichtig zu sein. Schließlich haben wir keinerlei Ahnung, wie viele Infizierte SuS in den Klassen sitzen und ob sich nicht auch geimpfte SuS oder LuL angesteckt haben. Ein Wahnsinn. Klassenfahrten werden geplant, Unterricht und AGs finden wieder klassenübergreifend statt, …Infektionsketten braucht man nicht mehr nachvollziehen, denn wo nicht getestet wird, gibt es keine Infizierten und also auch keine Notwendigkeit der Kontaktverfolgung…Viele Kinder sind krankgemeldet, aber ob die Eltern mit Kindern, die Symptome haben, tatsächlich zum Arzt gehen, ist eine ganz andere Frage. Thüringen hat viele Coronaleugner, Impfgegner, … Jedefalls niest es sich ohne Maske super, da hat die ganze Klasse was davon…

  3. „Die Raumluft kühlt beim Stoßlüften in Räumen über wenige Minuten lediglich um ca. 2 – 3 Grad ab“

    Herr Tonne sollte mal Nachhilfe in Physik nehmen!

    Das Ziel der Corona-Lüftung ist der vollständige Tausch der Raumluft. Wenn wir mal annehmen, dass unser Raum 200 Kubikmeter Luft enthält (das sind 66 Quadratmeter bei 3 m Höhe), dann benötigt man 200*0.34*20=1360 Wh zum Erwärmen dieser Luftmenge.

    Im Text haben wir gelesen….

    „Der Alarm des CO2-Messgeräts geht in Klassen mit 30 Schülerinnen und Schülern schon in weniger als zehn Minuten nach dem letzten Lüften wieder los, sodass fast ständig gelüftet werden muss.“

    … also muss 10-5-10… gelüftet werden. Das sind also 4 Lüftungen pro Stunde und damit etwa 6 KWh, die ausgeglichen werden müssen. Dazu braucht man eine durchschnittliche Heizleistung von 6 KW – ZUSÄTZLICH zu dem, was das Klassenzimmer sowieso benötigt. Das kann keine Heizanlage einfach mal so nebenher leisten.

    6 KW ist in etwa das, was ein großes Einfamilienhaus (Neubau allerdings) als Heizleistung braucht, wenn draußen zweistellige Minustemperaturen sind.

    In Wahrheit wird sogar noch mehr gebraucht, weil ich dabei nur die Wärmekapazität der Luft beachtet habe, nicht aber die Abkühlung der Einrichtung und der Wände, die ebenfalls beachtet werden muss. Diese Dinge kühlen zwar nur wenig ab, haben aber eine deutlich höhere Wärmekapazität, so dass da auch nochmal was zusammenkommt.

    Die Lösung wären mehrere Raumheizlüfter, die zusätzlich gegen den Wärmeverlust anheizen. Wird sicherlich aus Brandschutzgründen nicht erlaubt sein und zudem dürfte das Stromnetz einer üblichen Schule mit 3 2KW-Heizungen pro Klassenraum deutlich überfordert sein.

    • Interessiert keinen, bis auf die Beteiligten.

      Und ich frage mich wie ich damit umgehen soll. Ich werde definitiv nicht mehr im eiskalten Luftzug sitzen. Und der Winter soll übel werden, wenn man den Voraussagen glauben mag.

      Ich werde den Schüler während des Lüftens wahrscheinlich die frei einteilbare Maskenpause empfehlen. Und wenn ich wieder durch Nackenverkühlungen ausfalle, werde ich dieses Mal zuhause bleiben. Bis sie weg sind. Oder Lüfter da.

  4. Ich weiß gar nicht was Ihr für ein Problem habt? Unsere Kinder werden zu Hause beschult, wer schickt sein Kind auch schon in solch Irrenhäuser?!? Sollen die Lehrer doch alleine frieren!

      • Tut mir leid für die Lehrkräfte. Aber die sind schon selber groß und müssen sich halt wehren. Es gibt die Möglichkeit zu Remonstrieren, durch die ganzen Maßnahmen gäbe es hierzu Anlass genug.
        Die Schüler haben diese Möglichkeit nicht und können nur auf die Unterstützung der Eltern hoffen.

        • @BenKly
          Sie schreiben hier ja schon seit einiger Zeit, dann haben Sie sicher auch mitbekommen bzw. gelesen, dass die Remonstrationen
          – entweder nichts bringen, weil sie einfach nur abgeheftet werden
          – oder aber Lehrer sogar davon berichtet haben, dass sie massiv unter Druck gesetzt worden sind.
          Ich erinnere über die letzten Monate ( ! ) besonders letzten Winter mehrere Posts, die davon berichtet haben.

          Wäre doch schön, wenn man sich gegenseitig unterstützen würde, oder? Eltern erwarten doch auch Unterstützung durch Lehrer – und wie so oft im Leben, auf Gegenseitigkeit beruht oft der Erfolg. Auf jeden Fall stünde am Ende gegenseitige ( ! ) Wertschätzung!

          Ansonsten festigt sich Ihre Einstellung ( „… schon selber groß und müssen sich halt wehren“ ) auch bei den Lehrern, wenn es um die Probleme der Eltern geht. Was dann ja auch wieder Gegenseitigkeit wäre, aber eben kein Gewinn.

          Die Leute, die sich darüber freuen, frieren sich ganz bestimmt nicht den Hintern ab, denn in den Verwaltungen und Ministerien laufen Luftfilter und Heizungen.

      • Bei uns ist auch „Präsenzpflicht“. Aber unsere Kinder verweigern sowohl die Maske als auch die Tests. Tja, und nu? Jetzt dürfen die nicht in die Schule rein, (Ironie an) wie schade (Ironie aus). Gab ein wenig Diskussion mit der Schule, aber da muss man dann halt für seine Kinder gerade stehen. Klar, bedeutet für uns aktuell mehr Aufwand zu Hause mit dem Beschulen, aber was tut man nicht alles damit die Kinder sicher sind.

  5. Es ist unbegreiflich! Letztendlich sind es die Lehrer, die dieses Jahr etwas dagegen tun können. Denn auch für sie gelten die Regeln des Arbeitsschutzes. Die ASR 3.5 gilt auch für sie und besagt unter Punkt 4.2 (Lufttemperaturen in Räumen): „(1) In Arbeitsräumen muss die Lufttemperatur in Abhängigkeit von der Arbeitsschwere und Körperhaltung mindestens den Werten in Tabelle 1 entsprechen, wobei diese Lufttemperatur während der gesamten Nutzungsdauer zu gewährleisten ist. “
    Tabelle 1 besagt bei leichter stehender und gehender Tätigkeit einen Mindestwert von 19°C, bei sitzender Tätigkeit Mindestens 20°C.
    Das heißt im Klartext: werden die Mindesttemperaturen unterschritten, ist der Raum nicht als Arbeitsraum geeignet und darf eigentlich nicht genutzt werden. Vllt können das die Lehrer bei ihrer Leitung verwenden?
    (Und ja, ich bin „nur“ ne Mama, aber mir geht das mit der Kälte so auf den Zeiger, das ich Null Problem habe, sollten die Schulen auf Distanzunterricht umschwenken. Eurer Gesundheit und der unserer Kinder zuliebe!)

    • Genau das habe ich letztes Jahr mehrfach bei der SL versucht. Die Antwort war immer die gleiche: diese Regelung gilt nicht für Schulen, außerdem ginge Coronaschutz vor.

  6. Unsere Klassenräume in der Schule sind so eng und vollgepropft, ich wüsste nicht, wo da auch noch so’n Lüftergerät stehen sollte…Die „Lüftungsdisziplin“ hat enorm nachgelassen, ich muss von Raum zu Raum wandern und in jedem Raum, wo ich ankomme, erstmal um Fensteröffnung kämpfen.

  7. Hamburg hat ja nun so gut wie alle Klassenzimmer plus ein paar Fachräume mit mobilen Luftfiltern ausgestattet. Was übrigens so ziemlich die Jahresproduktion aller Hersteller von geeigneten Geräten ist, also viel Erfolg, andere Bundesländer…
    Jetz der Hammer: Die Geräte filtern ja nur die Luft, also soll weiterhin wie bisher gelüftet werden! Vorher gab es nie CO2 Ampeln und es wurde natürlich nicht in diesem Umfang gelüftet…also warum jetzt? Die Schulbehörde schweigt.

  8. @Jan aus H

    Vielen Dank für Ihre Berechnungen und die interessanten Informationen.

    Gibt es Fachleute oder gegebenenfalls Fachfirmen oder andere „Stellen“, die mehrere oder am besten dauerhafte Temperaturmessungen in Klassenräumen durchführen können?
    Ich möchte diese Temperaturmessungen per Eingabe nämlich beim Gemeinderat beantragen, weiß jedoch noch nicht wer für „professionelle“ Temperaturmessungen in Frage käme.

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