Luftfilter für alle Schulen und Kitas! Ist Söders Versprechen ein Flop?

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MÜNCHEN. Luftfilter in Klassen- und Gruppenräumen sollen in Bayern ein wichtiges Mittel sein, damit Schüler und Schülerinnen wieder in Präsenz lernen und Eltern ihre Kinder wieder unbesorgt in die Kita bringen können. Doch kurz vor Schulstart ist klar: Söders Versprechen, alle Klassenräume in Schulen und alle Gruppenräume in Kitas bis zum Herbst mit den Geräten auszustatten, entpuppt sich in den meisten Fällen als heiße Luft. In vielen Klassen müssen weiterhin offene Fenster als Schutz gegen möglicherweise Corona-belastete Aerosole reichen.

Bei den meisten Kommunen hat Bayerns Ministerpräsident Markus Söder mit seinem Luftfilter-Programm wenig Begeisterung ausgelöst (hier ein Foto vom Kirchentag 2019). Foto: Shutterstock / Maik Meid

«Im Herbst soll es in jedem Klassenzimmer und den Kitas mobile Lüfter geben. Das sind über 100.000 Lüfter. Bayern trägt bis zu 50 Prozent der Kosten für die Kommunen. Dazu empfehlen wir, an der Schule künftig 3x pro Woche zu testen. Wir wollen im Herbst nicht bei Null anfangen», so twitterte Markus Söder (CSU) am 29. Juni. Das Programm, das die Staatsregierung dafür aufsetzte, funktioniert allerdings bei Weitem nicht so, wie
Bayerns Ministerpräsident in Aussicht stellte: Zum bevorstehenden Schulstart werden wohl zahlreiche Klassenräume in Bayern nicht mit Luftfiltern ausgestattet sein.

Wie viele das sind, ist zwar unklar, aber bis Ende August waren beim bayerischen Kultusministerium nach Angaben eines Sprechers erst für rund 23.000 Klassenräume Fördergelder beantragt worden – von insgesamt rund 75.000. Allerdings gebe es auch Schulen, die die Luftfilter ohne Fördergelder beschafft hätten, betonte ein Ministeriumssprecher. Die Zahl der tatsächlich mit einem Filter ausgestatteten Klassen dürfe darum höher sein. Wie hoch wisse er aber nicht.

«Die beantragte Summe erhöht sich jedoch täglich», sagte der Sprecher außerdem. Nach Angaben von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) waren nur zwei Wochen vor Beginn des Schuljahrs aber erst zehn Prozent der Gelder aus dem jüngsten, im Sommer aufgelegten Förderprogramm abgerufen worden. Das Kultusministerium betonte allerdings, dass früher ausgezahlte Fördergelder dagegen schon zu 100 Prozent abgerufen worden seien.

«Schulträger wollen nicht investieren, weil sie nicht wussten, ob mit Luftreinigern wirklich mehr Präsenzunterricht stattfinden kann»

«Das ist uns schlicht zu wenig. Hier wurde furchtbar viel Zeit verschenkt», sagte die stellvertretende Vorsitzende des Bayerischen Elternverbandes, Henrike Paede zu den Zahlen aus dem Ministerium. «Viele Schulträger wollen nicht investieren, weil sie nicht wussten, ob mit entsprechender Ausstattung auch wirklich mehr Präsenzunterricht stattfinden kann. Dazu hat die Politik leider nie eine Ansage gemacht.»

Auch für die Präsidentin des bayerischen Lehrerverbandes BLLV, Simone Fleischmann, ist diese Situation untragbar. Denn die Schulen, die es sich leisten konnten, auch ohne Fördergelder Luftfilter anzuschaffen, seien diejenigen, die finanziell gut ausgestattet sind. «Und nicht diejenigen aus einem schwierigeren sozio-ökonomischen Umfeld, in denen die Schüler besonders dringend auf Präsenzunterricht angewiesen sind.»

Sie kritisierte scharf, dass auch nach anderthalb Jahren Pandemie noch immer nicht überall die Möglichkeit für guten Unterricht unter Corona-Bedingungen geschaffen worden sei. «Und so reden wir wieder nur über Corona-Rahmenbedingungen und nicht über Inhalte oder darüber, wie wir es unseren Schülern erleichtern können, mit der Pandemie umzugehen.»

Der Landeselternverband Bayerischer Realschulen forderte «bis spätestens Ende 2021 ein Raumluftreinigungsgerät und Plexiglastrennwände in jedem Klassenraum» und schrieb einen «Brandbrief» an Kultusminister Michael Piazolo. «Unsere Kinder sind die Leidtragenden, weil Sachaufwandsträger sich vor Kosten scheuen, deren Ausgabe die Gesundheit unserer Kinder sichern sollen und die Erhaltung des Bayerischen Bildungsstandards gewährleisten», heißt es darin.

Dass es auch anders geht, zeigt das Beispiel Hamburg: Die Schulbehörde des Stadtstaates hat 21.000 mobile Luftfilter kurzerhand selbst bestellt – alle Klassenräume werden bis Oktober ausgestattet, wie News4teachers berichtet. News4teachers / mit Material der dpa

Spahn kritisiert Kultusminister: Luftfilter hätten im Sommer 2020 angeschafft werden können

 

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13 KOMMENTARE

  1. Da der Präsenzunterricht auch ohne Filter in vollem Umfang stattfinden soll und vermutlich auch wird, brauchen sich die klammern Schulträger nicht um den Antrag und die Ausschreibung zu kümmern. Dadurch entfallen darüber hinaus die Wartungskosten.

    • Sehr geehrter Georg,

      es gibt praktisch keine Wartungskosten für mobile Luftfilter. Die Goethe-Universität Frankfurt hat ausgerechnet, dass die Ausstattung der Schulen mit den Geräten – einschließlich der Anschaffungskosten – nicht einmal 50 Euro pro Schüler und Jahr beträgt (und deshalb eine Investition auch ökonomisch Sinn macht, weil die Krankheitskosten sinken). Hier nachzulesen: https://www.news4teachers.de/2021/08/mobile-raumluftfilter-fuer-schulen-sinnvoll-oder-zu-teuer/

      Herzliche Grüße
      Die Redaktion

      • Mag alles sein. Nur bezahlen die Krankheitskosten die Krankenkassen und nicht die Schulträger. Außerdem dürften die coronabedingten Krankheitskosten weit geringer sein als 50€ pro Schüler (egal, ob infiziert oder nicht) und Jahr.

        • Das stimmt nicht, weil Eltern müssen ja zu Hause bleiben, wenn ein Kind infiziert ist. Da fallen nicht stattfindende Arbeitskosten der Eltern an sowie hohe Verdienstausfälle bei Selbstständigen.

  2. Als ehemaliger Wirtschaftsminister von Bayern hätte Söder wissen müssen, wie das Beschaffungswesen in den Kommunen funktioniert. Das es so kommen mußte war absehbar, weil es mit den Lehrer-PC ja auch schon so lief.
    Das Thema Luftfilter hätte er ja schon früher angehen können und nicht kurz vor den Sommerferien.
    Und das ein Stadtstaat wie Hamburg anders agieren im Beschachungswesen kann als ein Flächenstaat ist auch klar.

  3. Der Drops ist geluscht- es wird immer wieder das Mantra wiederholt: Kinder haben keine schweren Verläufe! Die Quarantäneregeln sind gelockert und bis zu den Herbstferien ist es ja nicht so lang…..Luftfilter wird es einfach nicht geben! Und Long-Covid bei Kids und Jugendlichen? Kein aktuelles Problem. Also schön auf Sicht fahren. Warum noch aufregen? Schlecht belüftbarer Raum? Egal. Haben wir doch schon im letzten Schuljahr gehabt! Es gibt halt keinen anderen Raum. Also wieder Start von vorne. Es wird schon gut gehen……

    • Eigentlich extrem traurig, dass nicht einmal eine Pandemie die Verantwortlichen dazu bewegen kann, mal irgendwas vernünftiges in die Schulen zu investieren und umzusetzen (im Sinne der Schulgebäude).

      Was wenn nicht eine Pandemie wird dies jemals erreichen können? Es sagt so viel aus über die Prioritäten die dieses Land mittlerweile setzt. Dazu gehört sicher nicht die Bildung und die Kinder.

  4. Auch in anderen Bundesländern werden die Luftfilter von den Kommunen und Schulträgern komplett mit viel viel Begründung abgelehnt.
    Aktuell sehe ich das für uns nicht als Problem, da die Temperaturen das Lüften erlauben und ich nichts gegen offene Fenster habe
    Aber: Wir haben eine Dorfschule in einer ruhigen Gegend ohne Verkehr.
    Was ist mit Stadtschulen? Und was machen wir im Winter? Dann doch wieder die altbewährte Methode? Fenster auf, Kniebeuge und in die Hände klatschen.
    Ich bin wirklich nicht gut übertriebenen Schutz und Angst und Panik.
    Aber Luftfilter wären eine gute Lösung gewesen und ein Weg zur Mitte.

  5. @Minna
    Genauso ist es.
    Lüften im Moment geht bei uns auch einigermaßen, wie hoch der Luftaustausch wirklich ist, keine Ahnung.
    Im Herbst und bei Regen und erst recht im Winter geht das definitiv nicht mehr.
    Aber auch bei uns wurden die Luftfilter, trotz immenser Anstrengungen der SL, kategorisch abgelehnt.
    Wir haben also keine Chance.
    Solange die Infektionen der Kinder unter dem Radar verlaufen, halten alle Eltern und einige KuK stille und sinds zufrieden. Warum auch? Ist doch schön ohne Tests, Masken und Quarantäne. Abstand funktioniert sowieso nicht. Also Freiheit juhuu und alles laufen lassen.
    Es wird uns einholen!
    Ich bin es so sehr müde!
    Es werden sich unausweichlich viele viele anstecken, auch viele Impfdurchbrüche passieren. Wieviele es dann hart trifft? Wer weiss? Wenn ich sage schade für die Gefährdeten, hört sich das schon sehr sarkastisch an…

  6. Dennoch: Hier werden vorwiegend die Ministerpräsidenten von der Union kritisiert und die der SPD nicht. Es riecht nach Wahlkampf, denn in zweieinhalb Wochen ist Bundestagswahl.

    • Kritisieren Sie doch gern auch mal selbst die anderen. Hier ist Meinungsfreiheit und meine Unterstützung haben Sie dabei. Da sind doch überall wahlkampfgestörte Marionetten am Start, unabhängig der Partei und Gesinnung. Gilt auch für die SPD, aber für die CDU halt ebenso.

    • Ich zitiere gern das Grundgesetz. Darin heißt es, „die Parteien wirken bei der politischen Willensbildung“ mit, mehr nicht! Und über Abgeordnete heißt es, sie seien nur ihrem Gewissen verantwortlich, von ihrem Partei- oder Fraktionsvorsitzenden ist nicht die Rede. Das ganze Parteien-Hickhack ist mir zuwider, ganz besonders bei der Schulpolitik.

  7. Die Gelder sprudeln bei uns in Berlin ja. Jeder Klassenraum hat – nach dem Lockdown – ein eigenes mobiles Internet bekommen, da man technisch keinen Videounterricht aus den Klassenzimmern bieten konnte. Und nachdem es keine Geräte gab, die das nutzen könnten, wurden die sogenannten Lehrerlabtops angeschafft, die eigentlich Minitablets mit Tastatur sind und nicht selten im Schrank verkommen. Interessant wäre mal, wie viel Geld jeden Monat für diese gut gemeinte Maßnahme verpulvert wird, ein paar Luftfilter könnte man sich dafür bestimmt leisten…

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