Böhm: Junge Menschen für den Lehrerberuf gewinnen, „nicht jammern und lamentieren“

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BERLIN. Gut ausgebildete Lehrkräfte sind die Basis für gute Bildung und der Garant für eine starkes demokratisches Gemeinwesen – meint der Bundesvorsitzende des Realschullehrerverbands (VDR), Jürgen Böhm. Er fordert deshalb anlässlich des Weltlehrertags eine differenzierte schulartbezogene Lehrerausbildung und die Übernahme aller Lehrkräfte ins Beamtenverhältnis. Um Berufsnachwuchs gewinnen zu können, nimmt er auch die eigene Klientel in die Pflicht.

Wirbt für den Beamtenstatus: Jürgen Böhm, Bundesvorsitzender des VDR. Foto: Marco Urban / VDR

„Unsere Demokratie braucht starke und gut ausgebildete Lehrkräfte, die unsere Kinder und Jugendlichen gerade in diesen schwierigen Zeiten effektiv individuell fördern können. Dafür ist die differenzierte Lehrerausbildung elementar! Lehrkräfte vermitteln fundiertes Wissen, Werte und Fähigkeiten, die junge Menschen lebenslang benötigen, um beruflich und privat gut durchs Leben zu kommen. Sie sind daher äußerst wichtige Bezugspersonen für junge Menschen. Um auch in Zukunft die Qualität der Bildung hochzuhalten, wollen wir Anreize schaffen, damit sich viele junge motivierte Menschen für den Lehrberuf entscheiden“, äußert sich Jürgen Böhm, Bundesvorsitzender des Deutschen Realschullehrerverbands (VDR), anlässlich des internationalen Weltlehrertages am 5. Oktober.

Eine fundierte und differenzierte Lehrerausbildung mit einem 24monatigen Vorbereitungsdienst bildet die Grundlage, damit Schüler in der Schule erfolgreich sein können. „Mit der universitären Ausbildung, die klar auf das Profil einer Schulart oder eines Bildungsganges ausgerichtet ist, haben die Lehrkräfte optimale Möglichkeiten, um auf die Belange der Kinder und Jugendlichen einzugehen. Die Schulart Realschule bietet hierbei die ideale Basis für einen Bildungsweg in Verwaltung, Handwerk und Industrie, hat aber auch gute Übergangsmöglichkeiten in eine akademische Bildung“, so Böhm.

„Wir wollen jungen Leuten ein positives, zukunftsorientiertes Bild des Berufs vermitteln und sie motivieren, diesen Beruf zu ergreifen und sie nicht durch anhaltendes Jammern und Lamentieren vergraulen und abschrecken“, betont Böhm. Als Beamte übten die Lehrkräfte hoheitliche Aufgaben aus und seien eine verlässliche Größe in der Bildung. „Der Beamtenstatus ist eine Grundvoraussetzung, um Schülerinnen und Schüler zuverlässig und mit Qualität zu unterrichten. Lehrkräfte sind dadurch dem Staat und der Bildung verpflichtet“, so Böhm.

„Gerade in den vergangenen Monaten haben die Lehrkräfte gezeigt, wie bedeutend die Arbeit von Lehrkräften ist, die Schülerinnen und Schülern auch in den Zeiten der Pandemie wichtige Bildungsinhalte vermittelten“, hebt Böhm hervor. Die Lehrkräfte hätten außerordentlichen Einsatz gezeigt und hätten es so geschafft, ihre Schüler gut durch diese schwierigen Zeiten zu führen und ihnen auch einen guten Abschluss zu ermöglichen. „Das verdient höchsten Respekt und Anerkennung“, schließt Böhm. News4teachers

Nein, wir ziehen nicht immer die gleichen Materialien aus der Schublade – Philologen räumen zum „Tag des Lehrers“ mit Vorurteilen auf

 

 

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24 KOMMENTARE

  1. „Wir wollen jungen Leuten ein positives, zukunftsorientiertes Bild des Berufs vermitteln und sie motivieren, diesen Beruf zu ergreifen und sie nicht durch anhaltendes Jammern und Lamentieren vergraulen und abschrecken“, betont Böhm.
    Ich finde es nur fair, wenn Interessierte am Lehramt wissen, worauf sie sich einlassen. Solange die Bedingungen für LuL so sind, wie sie sind, werde ich jedem Menschen abraten. Ein an sich beglückender Beruf, aber unter den aktuellen Umständen – rette sich, wer kann!
    Da hilft auch der Beamtenstatus nix, wenn der Dienstherr seiner Fürsorgepflicht nicht nachkommt… Für andere ArbeitnehmerInnen gelten wenigstens die Arbeitsschutzbestimmungen. Dass wir uns in diesem Winter wieder den A**** abfrieren werden und den Kindern beim Frieren zugucken müssen, ist nur ein Beispiel…

      • Auch ich mache es so!
        Ich liebe meinen Beruf sehr, gehe aber jetzt schon seit 2 Jahren täglich mit Magenschmerzen in die Schule, schlafe sehr schlecht!
        Bin beinahe durchgängig im Präsenzunterricht gewesen, da fast nur Abschlussklassen!
        Habe in über 40 Jahren Dienst noch nie Schuljahre durchlaufen, welche so mit Angst behaftet waren!
        Im Moment sind in einer Klassengruppe (9 Jugendliche) 4 infiziert! Angesteckt haben Sie sich wohl bei einer doppelt geimpften Kollegin, bei welcher sie genau 1 Std. Unterricht hatten!
        Die Kollegin ist auch erkrankt zu Hause!
        Ich unterrichte Praxisfächer, in welchen ein enger Kontakt zu den Schülern üblich ist!
        Die Schüler bleiben nach der Besprechung auch nicht am Platz, sondern holen sich ihre benötigten Materialien und arbeiten an verschiedenen Stellen!
        Keiner bekommt bei mir die Empfehlung Lehrer zu werden!
        Wie mit uns umgegangen wurde und wird ist unmenschlich!

  2. Stimmt, die ewige Jammerei der Lehrer müsste mal aufhören. Das schreckt auch andere ab!

    Die 7 Jahre Ausbildung sind auch eventuell abschreckend. Der universitäre Teil kann gekürzt werden, mindestens um 1 Jahr, finde ich. Der Praxisteil ist hundertmal wichtiger.

    • Wenn der universitäre Teil aber um ein Jahr gekürzt wird, dann entfällt der Anspruch auf E13/A13. Dann würde das Lehramtsstudium als „Kurzstudiengang“ gelten wie früher an der PH. Außerdem sollten dann Vorschläge auf den Tisch, was konkret gestrichen werden soll, die Fachausbildung oder die sog, Bildungswissenschaft?

    • Das ergibt sich von ganz allein.
      Es gibt ja immer mehr Klassen, die durch ungelernte Kräfte beaufsichtigt werden.

      Sparen wir uns einfach eine qualifizierte Ausbildung im sozialen Sektor, also in der Schule und auch gleich im Krankenhaus.

      Dann jammern auch keine ausgebildeten Fachkräfte mehr über die schlechten Arbeitsbedingungen, weil es diese Fachkräfte nicht mehr gibt.

  3. Unser Job ist toll!!

    ….viele Jobs sind toll….meinen mache ich eigentlich sehr gerne – fühle mich auch gut und ausreichend besoldet…schade nur, dass den Verantwortlichen stellen im bürokratischen und ministeriellen Überbau meine Befindlichkeit und ggf meine Sorgen völlig egal ist.

    RUDERN ist eine wunderbare Betätigung!!
    Auf dem Deutschland-8er kann ich Bestleistungen erbringen, habe hervorragendes Material, ein gutes und zweckerfüllendes Trainig, erhalte Zuspruch, Motivation und Anerkennung und v.a. Rückhalt und Unterstützung von den Übergeordneten Verbandschefs, man achtet darauf, dass ich gesund bleibe, setzt mich nicht unnötigen Risiken aus, damit ich erfolgreich und leistungsstark meinen Job machen kann.
    Rudern ist klasse!!!
    Schade nur, dass wir das z.Z. auf einer Geleere tun müssen…die Tätigkeit an sich ist dieselbe….aber die Bedingungen können anders nicht sein.
    Niemanden interessiert es, wie es uns geht, die Peitsche wird geschwungen, wenn man krank wird oder einfach nicht mehr kann ist es dem Käptain völlig wumpe. Er hat nur das Ziel vor Augen, sich so zu profilieren, dass am Ende der Fahrt ein Orden für ihn drin ist….oder eine gute Anstellung im Anschluss seiner aktiven Dienstzeit.
    Wie viele Galeerensklaven dabei am Ruder sterben, krank werden, ihren Job hassen lernen spiel keine Rolle.

    Allerdings kann dieser Pott ohne Ruderer nicht bewegt werden, weil er zu schwerfällig ist…und neue Rudersklaven werden dringend gebraucht.
    Deshalb wirbt die Marine: „Komm zu uns, da erlebst du Abenteuer und siehst gerne Länder, die du dir in deinen Träumen nicht auszudenken in der Lage bist.“

    Früher nannte man das „Shanghaien“ … heute wirbt man mit Sprüchen wie. „Lehrer*in – ein Job mit Pultstatus“

    • @Andre: Ganz genau!!
      Wir hatten gerade einen Studientag zur Lehrer*innengesundheit. Da habe ich der Moderatorin zurückgemeldet, dass es dem Ministerium nicht um die Beseitigung von krankmachenden Ursachen geht – dann müsste ja systemisch was passieren. Es geht nur darum, die Slav*innen so fit zu machen, dass sie weiter ihren Galeerendienst tun können.
      Noch mal deutlich an alle, die ein Lehramt anstreben: Dies ist ein ausdrückliche Warnung, denn in den nächsten Jahren wird es wohl eher noch schlimmer für uns Lehrer*innen!! So groß kann Idealismus gar nicht sein, als dass man auf Dauer Freude am Galeerendienst hat!

      • Hallo Kathrin, das ist „witzig“, dass du das mit dem Studientag ansprichst…wir haben genau so etwas Anfang November bei uns im Haus vor uns…ein sog Pädagogischer Tag, an dem am Nachmittag das Thema „Lehrergesundheit“ dran ist… und der kommende PädTag ist gäntätlich diesem Thema gewidmet.
        Auch meine Überlegung war, dass es nicht darum geht, die Belastungen zu senken oder besser zu verteilen, sondern insbesondere das Thema Resilienz zu fördern, damit wir in Zukunft besser und länger Rudern können, ohne das lästige Phänomen der Überlastung, Erkrankung, Demotivation oder Depression zu zeigen…
        Gibt es auf der Ebene der SL gerade in unserer Stadt (Bi) vielleicht eine Weisung an die SL, dieses Thema zeitnah unter zu bringen….das würde erklären, dass ihr an eurer Anstalt genau das gerade auch hattet.
        Ganz liebe Grüße und schöne, erholsame und gesunde Herbstferien!!!

  4. Alle Die Lehramt studieren wollen, sollten VOR Studienbeginn ein Langzeitpraktikum an einer Schule absolvieren. Kann ja auf das Studium angerechnet werden!
    Dann kann sich jeder selbst ein Bild davon machen!

  5. „„Der Beamtenstatus ist eine Grundvoraussetzung, um Schülerinnen und Schüler zuverlässig und mit Qualität zu unterrichten. Lehrkräfte sind dadurch dem Staat und der Bildung verpflichtet“, so Böhm.“

    Allerdings habe ich mich nie und durch nichts zum Lügen verpflichtet.
    Wenn SuS mich direkt auf verschiedene Punkte ansprechen, antworte ich ehrlich und für diese Ehrlichkeit werde ich von ihnen geschätzt. (Ich bin aber auch in einer priviligierten 😉 Position … als Lehrer – und führe nicht das – besonders moralisch – fordernde Leben als Partei- oder Verbandsbonze.)
    Btw: Diese Fragen werden von SuS kaum noch gestellt, DENN – Überraschung! – die SuS sind ja selber vor Ort! Die bekommen doch 1:1 mit, was da läuft …
    Und den „Perspektivwechsel“ von SuS zu LK schaffen diejenigen, die für den Lehrerberuf in Frage kämen, auch selbst. Was auch ein Grund von vielen sein dürfte, dass diese o.g. Fragen kaum noch gestellt werden.

  6. Nun muss ich mich doch mal äußern:
    Grundsätzlich stimme ich den Worten Böhms zu. Doch das Problem des Lehrermangels ist ein so differenziert zustande Gekommenes, dass da ein bisschen Motivation mit Lobgesängen auf leuchtende Kinderaugen wohl keine Abhilfe schaffen wird.

    Mittlerweile rate auch ich von der beruflichen Orientierung in den Lehr- und Erziehungsberuf ab.
    Das hat zwei entscheidende Gründe: Die nahezu schuljährliche Vervielfältigung der Arbeitsbelastung und das berufliche Image.

    In aller Kürze und dem Wissen, dass dies nur der Versuch eines Anrisses sein kann:

    Dass dem Beruf des Lehrers schon viele Jahre keine Achtung und Wertschätzung mehr entgegenschlägt, habe ich (ohne mich als „Lehrerin“ zu outen) bereits in vielen alltäglichen Gesprächssituationen erfahren, was mir aber (sozial-)medial in den letzten Jahren da an unreflektierten Unterstellungen, ja Hass entgegenschlägt, ist oft nur noch schwer zu ertragen. Ich bin gerne Lehrerin, gehe jeden Tag mit Freude zur Arbeit, liebe die Kids, halte guten Unterricht, komme gut mit den Eltern klar und schmeiße mich mit hohem Engagement in Projekte.

    Und klar könnte mir die Meinung von Menschen, die seit dem letzten Schultag keinen Fuß mehr in eine Schule gesetzt haben und im Prinzip keine Ahnung davon haben, schnurzpiepegal sein. Ist sie aber nicht. Die Haut ist dünn geworden. Und der Krug wird nunmal nur so oft zum Brunnen getragen, bis er bricht.

    In den letzten anderthalb Jahren hat sich dieses öffentliche, völlig scham- und grenzenlose Aburteilen meines ganzen Berufsstandes nicht nur verschärft, es hat sich nun auch auf den gesamten Erziehungssektor gezogen. Mittlerweile sind selbst Mitarbeiter von Kitas vor dem offen zu Markte getragenen Anfeindungen nicht mehr sicher. Und das ist ungleich bitterer.

    Vor diesem Hintergrund erscheint die nahezu ständig steigende Mehrbelastung der Sache nicht gerade zuträglich, bzw. macht den Beruf nicht unbedingt attraktiver. Und: Nein, ich denke nicht an Vor- und Nachbereitung. Die zunehmenden -v.a. häuslichen- Belastungen, die Schüler in die Schule tragen, müssen aufgefangen werden. Mittlerweile nehmen Gespräche mit Eltern, Jugendamt und sonstigen Behörden mehr Platz ein, als Unterricht. Dass das ein gewisses Maß an Sensibilität, professioneller Gesprächsführung, Kenntnisse in Bereichen, die nicht zu den Alltagserfahrungen des Privatmenschen „Lehrer“ (häusliche Gewalt, Drogenmissbrauch, (Cyber-)Mobbing usw., usw.) gehören, ist jedem Kollegen in entsprechenden Schulformen wohl klar. Einem Anwärter aber vielleicht nicht.
    Dazu kommt, dass unter fehlenden Rahmenbedingungen Inklusion und Integration (v.a. Sprachförderung geflüchteter Kinder) mal eben so nebenher gewuppt werden müssen. Es fehlt Personal und Lehrmaterial, Zeit. Die Klassengrößen tun ihr Übriges dazu.

    Was hier vielleicht wie Jammern und Wehklagen erscheint, ist im Grunde nur die (überaus verkürzte) sachliche Feststellung des Tatsächlichen.

    Ein Vergleich: Hätte ich Verkäuferin gelernt, wären es mittlerweile darüber hinaus meine Aufgaben, den Einkauf der Kunden nach Hause zu bringen, ohne Strom für sie zu kochen, mit kaltem Wasser im Anschluss den Abwasch zu erledigen, sie zu waschen, ins Bett zu bringen und mit einer netten Geschichte zum Einschlafen zu bringen. Danach müsste ich mir sagen lassen, wie schlecht ich gekocht habe und meine Kunden geschlafen haben, weil die Geschichte blöd war. Anschließend zurück zur Kasse, an der schon 29 ungeduldige andere Kunden stehen, die bekocht werden wollen…

    Das war ein langer Text – manchmal muss es eben runter von der Seele. Ist ja niemand gezwungen, es zu lesen.

    Viele liebe Grüße, das originale Bauklötzchen!

  7. Solange ich Wie Dreck behandelt werde, empfehle ich diesen Beruf niemandem weiter.

    Aktuellstes Beispiel aus BaWü: Da ich geimpft bin (vollständig), darf ich mich in der Schule nicht mehr testen und muss die Tests selbst bezahlen. Von Impfdurchbrüchen hat unsere Kuh-Mi wohl noch nichts vernommen oder ist es der schwäbische Geiz?

    Frage mich schon, ab wann ich meine FFP2-Masken wieder selbst kaufen muss…

  8. Wir haben vor 2Wochen erstmalig in der Pandemie jeder 10 FFP2 Masken bekommen.
    Auch bei uns stehen die Selbsttest eigentlich nur für Kinder und ungeimpftes Personal zur Verfügung. Trotzdem ist unsere SL sehr dafür, dass wir uns alle in der Klasse mittesten. Als gutes Vorbild!
    Impfdurchbrüche hatten wir noch nicht, aber die Tests sind auch nicht sonderlich empfindlich (40% – 60%).

  9. Naja es fehlen ja vorallem Grundschullehrer. Mit A12 werden sie weiterhin am schlechtesten bezahlt. Keinerlei Aufstiegschancen außer Leitungsfunktionen. Mehr Unterrichtsverpflichtung, weniger Entlastungsstunden.

    In NRW auch noch exakt gleiche Ausbildung wie alle anderen Lehrer auch mit Bachelor und Master. 10 Semester. In meinem Umkreis warne ich daher jeden davor Grundschullehrer zu werden. Man wird eindeutig besch*ssen vom Land. Und das bewusst.

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