Schopper blitzt mit Forderungen nach Lehrer-Stellen ab – Philologen: „Offenbarungseid“

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Baden-Württembergs Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) ist bei den Haushaltsverhandlungen der grün-schwarzen Koalition mit ihren Wünschen für Hunderte weitere Stellen abgeblitzt. Das geht aus einer Liste der Haushaltskommission mit den abgelehnten Vorschlägen hervor, die der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart vorliegt. Der Philologenverband spricht von einem „Offenbarungseid“.

Abgeblitzt: Baden-Württembergs Kultusministerin Theresa Schopper. Foto: Kultusministerium Baden-Württemberg.

So hatte die Grünen-Politikerin für den Etat 2022 allein 254 neue Stellen für Lehrkräfte beantragt, um die absehbare Zunahme von Schülerinnen und Schülern abzufedern. Der Wunsch wurde – wie jetzt erst bekannt wurde – Mitte September ebenso abgelehnt wie 105 zusätzliche Stellen für die Reserve der Krankheitsvertretungen. Die SPD und die Lehrergewerkschaft GEW kritisierten unmittelbar vor Beginn der Etatberatungen im Landtag am Mittwoch, Bildungspolitik habe bei Grün-Schwarz keine Vorfahrt. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) verteidigte dagegen die Entscheidungen und sprach am Dienstag von einem «erheblichen Stellenaufwuchs». Die Kritik könne er nicht nachvollziehen.

Kein Geld für Hilfs-Lehrkräfte in Sommerferien

Wegen der Folgen der Corona-Pandemie für den Haushalt gab es diesmal nur einen vergleichsweise geringen Spielraum für Investitionen. Das bekam auch Schopper zu spüren, die im Etat für das nächste Jahr 212 neue Stellen bewilligt bekam. Das Ministerium bestätigte zudem, dass es nun doch kein Geld gebe, um die angestellten Hilfs-Lehrkräfte über die Sommerferien zu bezahlen. «Nein, diese Mittel wurden nicht bewilligt», sagte ein Sprecher. Und obwohl das Land sich im September verpflichtet hat, den Ausbau der Ganztagsbetreuung in Grundschulen massiv voranzubringen, lehnte die Haushaltskommission 27 Neustellen für die notwendige Schulaufsicht für diesen Bereich ab.

SPD und GEW sehen Versprechen aus Koalitionsvertrag gebrochen

SPD-Chef und Ex-Kultusminister Andreas Stoch sagte der dpa: «Grün-Schwarz hat den Ernst der Lage an den Schulen offensichtlich überhaupt nicht erkannt.» Die Bildungspolitik habe bei dieser Landesregierung keine Priorität. Und: «Die Kultusministerin ist nicht in der Lage, die Interessen unserer Kinder durchzusetzen.» Erneut werde das Versprechen nicht eingelöst, Tausende Lehrerinnen und Lehrer auch über die Sommerferien zu bezahlen. «Damit bricht die Landesregierung ein wichtiges Versprechen des grün-schwarzen Koalitionsvertrages.» Allerdings steht der Vertrag noch immer unter Finanzierungsvorbehalt.

GEW-Landeschefin Monika Stein hält es für unhaltbar, dass die Hilfskräfte über die Sommerferien kein Geld bekommen sollen. «Das wird das bisher gute Ansehen von Kultusministerin Theresa Schopper und der grünen Bildungspolitik stark beschädigen. Es gab nur wenige konkrete Zusagen nach dem Start der ersten grünen Kultusministerin.» Wenn sie nicht einmal dieses Versprechen einlöse, werde sie sich im nächsten Sommer «auf viele Proteste arbeitsloser Lehrkräfte einstellen müssen».

«Bloß noch zum Fremdschämen»?

Hart geht auch der Philologenverband mit der Regierung ins Gericht. «Eine absolute Schande und bloß noch zum Fremdschämen», kommentierte der Landesvorsitzende Ralf Scholl. «Wir benötigen dringend mehr Lehrkräfte, um die Corona-Folgen abzumildern und kleinere Lerngruppen zu bilden.» Das sei teuer, aber eine Investition in die Zukunft der nächsten Generation und nicht bloß ein Kostenfaktor. Schopper habe mehr Stellen beantragt, weil sich Klassen vergrößerten, wenn sich bei steigenden Schülerzahlen nicht auch die Zahl der Lehrkräfte erhöhe.

Schopper will bei neuen Etatgesprächen wieder vorstellig werden

Das Kultusministerium kündigte an, bei den weiteren Etatberatungen nach der Steuerschätzung Mitte November die 254 Stellen für Lehrkräfte erneut anmelden zu wollen. «Auch die Durchzahlung der Sommerferien bei Lehrkräften mit einem befristeten Vertrag ist ein wichtiges politisches Ziel, welches das Kultusministerium umsetzen möchte», sagte ein Sprecher. Finanzminister Danyal Bayaz (Grüne) hatte angekündigt, nach der Steuerschätzung könne es womöglich nochmal Spielräume für Investitionen geben.

Ein Sprecher von Schopper erklärte, infolge höherer Schülerzahlen sei es möglich, dass die Vertretungsreserve im Vergleich zum Vorjahr «verstärkt gleich zu Schuljahresbeginn zur Sicherung des Pflichtunterrichts eingesetzt werden» müsse. Dazu sagte SPD-Chef Stoch: «Wieder einmal will das Kultusministerium die Krankheitsvertretungsreserve, die ja eigentlich als Sicherheitspuffer vorhanden ist, schon zu Beginn des Schuljahres für den Pflichtunterricht einsetzen.»

Bisher bewilligte Stellen nur ein «Nasenwasser»?

Bisher hat Schopper 160 Stellen zur Entlastung von Schulleitungen bewilligt bekommen – das kostet im Etat 2022 knapp 4,5 Millionen Euro. 25 Stellen wurden genehmigt für den letzten Ausbauschritt der Inklusion. Stoch sagte: «Im Bereich der inklusiven Bildung hat die Landesregierung ganz offenbar keinerlei Ahnung, wie die Realität an Schulen aussieht.» Die GEW ergänzte, mit den Stellen sei man sehr weit entfernt vom Versprechen im Koalitionsvertrag, was die Doppelbesetzung bei inklusiven Unterricht angehe. Hinzu kommen noch 10 Stellen für den Islamischen Religionsunterricht, 11 Stellen für Pflegeschulen und 6,5 Stellen für den Ausbau der praxisintegrierten Erzieherausbildung. Stein sprach von einem «Nasenwasser». Fast an allen Fachschulen fehlten Lehrkräfte, die Erzieherinnen ausbilden können. News4teachers

Abschaffung der Maskenpflicht im Unterricht: Kretschmann und Schopper nehmen die Durchseuchung der Schülerschaft in Kauf

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16 KOMMENTARE

  1. Das ist alles ganz ätzend (jedoch nicht verwunderlich). Was ich aber am schlimmsten finde ist, dass Stoch schreit und zetert, aber in seiner Amtszeit genau das angestellt hat, was er den anderen nun vorwirft. Hat er denn vergessen, dass bei Grün-Rot die Eingangsbesoldung der frisch eingestellten Kollegen heruntergeschraubt wurde, ebenfalls schon vergessen, dass auch unter seiner Herrschaft die Anwärter ohne Gehalt in die Sommerferien geschickt wurden, schon vergessen, dass er die Inklusion ohne zusätzliche Kräfte in die weiterführenden Regelschulen gekippt hat, schon vergessen, dass er nicht der Meinung war, dass es mehr Lehrkräfte braucht, obwohl die Schullandschaft von ihm umgekrempelt wurde? Schon vergessen, dass er Ella total verbockt hat?
    Mich ätzt diese Verlogenheit und Arroganz absolut an. Er sollte besser schweigen.

  2. Frau Schopper schickt Ihren Sprecher vor und versteckt sich und steht nicht zu Ihren Fehlern.https://www.zeit.de/news/2021-10/26/schopper-blitzt-mit-forderung-nach-hunderten-stellen-ab Auch ein Aufholprogramm ist nie angekommen und Frau Schopper verbreitet die Lernrückstände als etwaige Rückstände und nimmt die Notlage der G8 Schulen nach einem G7 Schuljahr nicht ernst. Eine Ernsthaftigkeit und Ehrlichkeit hat Frau Schopper den Schulen, Schulleitungen, Lehrern, Schülern und Elternschaft nicht entgegengebracht. Leider hilft die Mogelpackung vom Rückenwindwind-Programm keinem Schüler etwas, denn in der Mogelpackung war kein Inhalt drin. Herr Kretschmann sendet einem Fußballspieler viel Ansehen zu und die Schülerschaft wartet in Dauerschleife auf Verbesserungen um die Lernrückstände für alle sozialen Schichten zu ermöglichen. In BW beginnen ab nächste Woche die Herbstferien und viele Schüler nehmen erneut eine schwere Last mit in die Ferien.

  3. In BW -Mannheim hat das Zentralinstitut (ZI) ein Appell gesendet und die Situation braucht von Jugendlichen und Kindern dringend Aufmersamkeit. Die Perspektiven und Lichtblicke fehlen den heranwachsenden und Verständnis für Ihre festgefahrene Situation in vielen Lebensbereichen. An den Schulen fehlt es an Fördermöglichkeiten und Aufarbeitung und dies ist eine große Belastung für eine Schülerschaft und deren Eltern. Die Versprechungen die Frau Schopper den Schulen gegenüber ausgesprochen hat, sind nicht angekommen und viele sind durch die falschen Versprechungen noch weiter abgerutscht. Viele fühlen sich vergessen und wissen nicht wo Sie Hilfe erhalten können. Die Therapie Plätze sind vergeben und eine lange Wartezeit hilft der jungen Generation in Ihrer aktuten Lebenskrise nicht weiter.https://www.tagesschau.de/newsticker/liveblog-coronavirus-mittwoch-255.html#Nachfrage-nach-Psychotherapie-fuer-Kinder-hat-sich-erhoeht

  4. Frau Schopper hat Ihre Hausaufgaben nicht erledigt!https://www.swr.de/wissen/schulbarometer-bildung-in-zeiten-von-corona-100.html Die letzten in der Reihe haben in der Pandemie außergewöhnliches geleistet und deren Eltern und Frau Schopper hat Blendwerk und Augenwischerei verteilt an Schulen und in der Öffentlichkeit. Es sind angehäufte Lernlücken und haben sich im neuem Schuljahr vermwehrt, weil keine Abhilfe geschaffen worden ist von Frau Schopper. Es ist eine Lüge und als etwaige Lernrückstände ab zu tun. Knutschen langt den Jugendlichen nicht um die Lernrückstände aufzuasrbeiten. Es gibt nicht nur Gemeinschaftsschulen und die anderen Schularten wie G8 Schulen stehen ganz schlecht da.

  5. Frau Eisenmann hat die Forderung von Herrn Ralf Scholl vom PhV-BW nicht wahrgenommen und schamlos übergangen.https://www.phv-bw.de/phv-bw-zu-einem-corona-aufholjahr-fuer-schueler-am-allgemeinbildenden-gymnasium-durch-uebergang-auf-g9-ab-september-2021/ Die G8 Schulen haben schon ein verkürztes Schuljahr und haben durch die Pandemie noch ein verkürztes Schuljahr absolviert ein G7 Schuljahr. Frau Schopper und Ihre Zusatzstunden es sind keine Lhrer da, die dies leisten können und G8 Schulen haben schon eien sehr langen Schultag. Welchen Wert hat Bildung noch für Schopper an G8 Schulen……Die Schulart gibt es und hat eine Berechtigung eine faire Aufarbeitung angeboten zu bekommen. Eine Schülerschaft wird unverschuldet abgestraft….

  6. Mit anderen Worten: auch die Grünen kochen nur mit Wasser. Das wird in der Bundesregierung auch so sein, da kann Sancta Annalena noch so nett lächeln.

  7. @Rosa
    Liebe Rosa,
    Sie schütten beinahe jeden eingestellten Artikel mit ihren vielen Antworten komplett zu!
    Am Anfang habe ich ihre Kommentare sehr interessier gelesen, in der Zwischenzeit lese ich beinahe keinen mehr von Ihnen, da sie sehr, sehr oft das Gleiche vortragen, was sehr ermüdend ist und nichts Neues enthält!
    Wunsch, weniger ist mehr, da Sie wirklich gute Beiträge bringen!

  8. Der Kultusministerposten als Resterampe für politische Aufstreber, die sonst keinen Platz bekommen … Tut mir lied, aber diesen Eindruck habe ich. Was man da ertragen muss, in den meisten Bundesländern, und nicht nur wegen Corona, ist schon unfassbar. Bitte gebt den Schulen richtige Experten mit echter Berufserfahrung auf dem ihnen angetrauten Gebiet!!

    • Einer, der sich auskennt auch nicht, weil kein Geld für echte Unterstützung des Schulsektors locker gemacht wird. Deswegen sitzen dort doch die Marionetten.

  9. Ja leider bewegt sich für Kinder und Jugendliche gar nichts in eine Richtung der Lichtblicke. Ja es ist ermüdend. Auch viele erfahrene Personen haben sich zurückgezogen weil Sie mit Ihren Mahnungen in Daueschleife nicht gehört werden.Fr. Brinkmann, Herr Wieler, Herr Drosten….) Herr Lauterbach spricht sich als einziger massiv für Schutz von Kindern und Jugendlichen aus und tut dies in Dauerschleife. Die Bedingungen für eine heranwachsende Generation sind beschissen. Ich bin nicht hier auf der Seite um jemanden zu gefallen oder Punkte zu sammeln ob man meine Beiträge gerne liest und neues Enthalten. Die Entwicklung bewegt sich leider nicht und die junge Generation startet in die vierte Welle und es sind keine Verbesserungen in Sicht. Kliniken schalten auch erneut den Aufruf um Hilfe und fordern erneut und es landet nicht…..Leider sieht das wahre Leben so aus….

  10. Klinik Ulm Aufruf am 1.10. gestern ZI- Mannheim Aufruf am 27.10.https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/ulm/prof-fegert-kinder-und-jugendliche-nach-der-pandemie-100.html Leider wideholen sich die Forderungen der Kliniken…….Viele haben schwere Erkrankungen durch Corona bekommen und sind immer noch gebeutelt, weil jegliche Hilfeleistung an Schulen fehlt.https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/ulm/prof-fegert-kinder-und-jugendliche-nach-der-pandemie-100.html

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