Trotz Aufhebung der Präsenzpflicht bleiben nur wenige Schüler zu Hause

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Die seit Montag in vielen Jahrgangsstufen ausgesetzte Präsenzpflicht in den Schulen wegen der angespannten Corona-Lage wird nach Einschätzung des Brandenburger Bildungsministeriums zunächst nur von wenigen Schülerinnen und Schülern genutzt. «Nach unserer Einschätzung haben nur einige Eltern von dem Recht Gebrauch gemacht, ihre Kinder zuhause zu lassen», sagte Ministeriumssprecherin Ulrike Grönefeld am Montag. Die Inzidenzen unter Kindern und Jugendlichen liegen in den Städten und Landkreisen Brandenburgs durchgängig über 500 – im Landkreis Elbe-Elster sogar bei 3.657. 

Haben Eltern überhaupt die Chance, ihr Kind zu Hause zu lassen – wenn nicht mal Distanzunterricht angeboten wird? Foto: Shutterstock

Bei den vier Schulämtern seien nicht viele Anfragen von Eltern eingegangen. «Das zeigt, es ist kein großes Aufregerthema und die Abläufe funktionieren», meinte Grönefeld. Die Ergebnisse einer Abfrage bei zahlreichen Schulen zum Präsenzunterricht lägen allerdings erst am Dienstag vor. Was die Sprecherin verschweigt: Viele Eltern haben überhaupt keine andere Wahl, als ihr Kind zur Schule zu schicken – ein Anspruch auf Distanzunterricht besteht nämlich nicht.

Der Vorsitzende des Landeselternrats, René Mertens, sprach von einer klaren Entscheidung der meisten Eltern. Abfragen bei einigen Schulen hätten ergeben, dass jeweils nur eine Handvoll Schüler zuhause geblieben sei. «Die Eltern wollen ihre Kinder in der Schule haben, denn zuhause lernen sie nichts», sagte Mertens. Brandenburg habe seit eineinhalb Jahren gezeigt, dass es Distanzunterricht nicht kann. «Daher muss man die Schulen mit täglichen Tests, Luftfiltern und dem ganzen Programm zu sicheren Orten zu machen», forderte Mertens.

Die Eltern von Kindern der Klassen 1 bis 5, 7 und 8 sowie die Jahrgangsstufen 5 und 6 der Leistungs- und Begabtenklassen und der Förderschulen können seit Montag entscheiden, ob ihr Kind am Präsenzunterricht teilnimmt oder nicht. Die Präsenzpflicht gilt dagegen weiter für Schüler der Klassen 6, 9 und 10 sowie für die der gymnasialen Oberstufe und der Oberstufenzentren. dpa

Landkreis: Corona nicht mehr beherrschbar („Tsunami“) – vor allem unter Kindern

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14 Kommentare
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naste
8 Monate zuvor

Ich möchte gern mein Kind von der Präsenzpflicht befreien. Solange die Schulen nicht geschlossen sind, macht der Arbeitgeber nicht mit, obwohl es Home-Office Pflicht gibt und ich durchaus von Zuhause aus arbeiten könnte. Leider reicht ein Gehalt nicht aus. Zum Leben zu wenig zum Sterben zuviel. Wir müssen beide arbeiten. Von wegen es macht keiner Gebrauch von der Regelung. Vielen Eltern sind die Hände gebunden.

Ich muss da mal was loswerden
8 Monate zuvor
Antwortet  naste

Außerdem gibt es von vielen Schulen kaum Support für diejenigen, die davon Gebrauch machen.

Mika
8 Monate zuvor

Wie auch, die KollegInnen in den Schulen stemmen den Präsenzunterricht und machen zusätzlich Vertretung für erkrankte oder sich in Quarantäne befindende Lehrkräfte (das Streamen von Unterricht von daheim aus scheitert zumeist an den technischen Gegebenheiten in der Schule, zudem muss eh eine Lehrkraft als Aufsicht im Raum sein – die kann dann allerdings auch selbst unterrichten).
Es ist einfach keine Luft mehr da für auch nur das kleinste Bisschen an zusätzlicher Arbeit. Es geht einfach nicht mehr, selbst wenn ich wollte. Im Bildungsministerium weiß man um die Situation, aber die Verantwortung wird trotzdem an die Schulen geschoben. Die Eltern sind sauer auf die faulen oder unfähigen oder unwilligen Lehrer, und im Bildungsministerium ist man fein raus. Ich bin müde.

Lanayah
8 Monate zuvor
Antwortet  Mika

So wenig Arbeitist das auch gar nicht. Nur mit Aufgaben samt Erklärung bereitstellen und kontrollieren kam ich im Frühjahr bei 5 Schülern aus zwei Klassen auf ca. 5 Wochenzeitstunden Mehrarbeit.

Monika, BY
8 Monate zuvor
Antwortet  naste

Das ist so flustrierend und so unnötig! Wir hatten da Glück. Mein Mann darf von zu Hause arbeiten, tut er aber nicht iimmer, weil wir eine kleine Wohnung haben, und die Firmenräume stehen leer. Dort hat er 500 m2 für sich alleine. Ganze Firma ist schon seit einem Jahr zu Hause! Buchstäblich alle arbeiten in Homeoffice. Es wird befürwortet. Häufig bleibt er aber doch zu Hause und es funktioniert. Wir alle haben uns schon sehr gut eingespielt.

Wenn man den Menschen eine Wahl lässt, ist alles möglich.

Am schlimmsten ist der Zwang. Und wir denken, wie wir schon ewig von Sklavengesellschaft weg sind.

Dil Uhlenspiegel
8 Monate zuvor

„es ist kein großes Aufregerthema“ – quasi nur ein Schnupfen … in den Gefäßen … in den Organen … und im Gehirn.
Kein Aufreger, solange man das nicht (er-)blickt. Wobei bildgebende Verfahren für Gehirnveränderungen durch C. gibt es doch bereits, meine ich gehört zu haben – naja, aber wer hat schon Zeit sich ständig mit solchen Lappalien den TV-Abend zu zerstören.

Jan aus H
8 Monate zuvor

„ein Anspruch auf Distanzunterricht besteht nämlich nicht.“

Damit ist das alles eine selbsterfüllende Prophezeiung.

Dabei wäre es so einfach: Es gibt in DE etliche vollkommen sinnfreie öffentlich rechtliche Regionalprogramme, die meist eh nur irgendwas wiederholen. Dann nimmt man eins davon, dazu eine Handvoll LuL (z.B. aus Risikogruppen, die nicht in Präsenz unterrichten können) und lässt sie eine Art TV-Frontalunterricht machen. Alles, was man dazu braucht, ist da.

Das Ergebnis wird sich sicher nicht mit liebevoll gemachten persönlichen Distanzunterricht mit Feedback usw. vergleichen, aber es ist besser als nichts.

Zudem dürfte jeder Haushalt wenigstens eine Glotze oder ein internetfähiges Endgerät haben. Man würde damit viele Kinder erreichen.

Rike
8 Monate zuvor
Antwortet  Jan aus H

Das habe ich schon vor einem Jahr gesagt! Dann gab es irgendwann letztes (oder erst in diesem?) Frühjahr die Pressemeldung, welche tollen, spannenden Formate bei ARD, ZDF und den Regionalen zur Entlastung zur Verfügung ständen. Das war aber ein ziemlicher Flop. Ich hatte eher so an richtiges Bildungsfernsehen gedacht. Musste ich als Kind immer als Ersatz für Englischunterricht gucken, da die einzige Lehrerin dauerkrank war. Hat auch funktioniert.

Klugscheisser
8 Monate zuvor

Das System ist auf Aufbewahrung aufgebaut, aber keiner sorgte bisher dafür, dass es auch ein Pandemie übersteht.

Ein System ist also auf etwas aufgebaut, das kaputt gespart wurde und wird.

Konsequenzen: keine.

Risikomama
8 Monate zuvor

Ich bin so neidisch auf alle, die ihre Kinder daheim lassen dürfen und sauer auf die, die es trotz Möglichkeit der Betreuung zuhause nicht in Anspruch nehmen (es gibt natürlich welche, da geht es einfach nicht). Dann heißt es, schaut her, die Eltern wollen das gar nicht, das brauchen wir in Bayern gar nicht erst einführen.

Was macht eigentlich der Herr Piazolo? Wo ist er denn? Aber gut, wahrscheinlich muss man froh sein, wenn er seine Klappe hält und keinen Mist verzapft oder Ferien streicht.

Ach menno, wir wollen auch!!!

Mima
8 Monate zuvor

Hier in NRW wären auch viele froh, die Präsenzpflicht würde fallen – auch wir!
Allerdings wird unsere unfähige Bildungsministerin das im bevölkerungsreichsten Bundesland wohl nicht als Instrument aus ihrem Werkzeugkasten erkennen ‍♀️
Hach was haben wir die Schnauze voll von diesen unfähigen Volksvertretern!

Andrea84
8 Monate zuvor

Hier macht uns die Schule die Hölle heiß sollten wir Eltern es wagen die Möglichkeit anzunehmen unsere Kinder zuhause zu unterrichten.

Neu1
8 Monate zuvor

In BW war ein Jahr die Präsenzpflicht ausgesetzt. Auch wenn es nicht gefällt, das nutzten 1% der Familien und 99% der Schüler waren in der Schule. Schulschließung wird es auch nicht mehr geben.

Birkenstock
8 Monate zuvor

Gekniffen sind die Schüler an weiterführenden Schulen, wo es nicht mehr auf ein verlässliches Betreuungsangebot ankommt, also ab etwa Klasse 7, die gerne zum Wohle der Gesundheit und den Zuständen an Schulen von der Präsenzpflicht absehen würden.
(Bsp. in den höheren Klassen werden an unserer Schule mo mi und fr die tollen Selbsttests vom Lehrer aufs Pult gelegt und wer mag, egal ob 2G oder ungeimpft darf sich danneine Test nehmen und in der Gemeinschaft in der Nase bohren. Nachgehalten werden nur die aufgefallenen Positvtests.) Hier attestiere ich eindeutige Systemfehler!

Es ist unwahrscheinlich anzunehmen, dass die Mehrzahl der Kinder der Schule fern bleiben.
Bereits für jedes Kind zwischen 1 und 3 Jahren muss ein Platz in einer Kindertagesstätte (Kita) verfügbar sein. Ab dem 4. Lebensjahr bis zur Einschulung besteht ein solcher Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz bereits seit 1996.
Weiter geht diese Anspruchshaltung dann mit verlässliche GS oder Offener Ganztag und an den weiterführenden Schulen der gebundene Ganztag mit gesicherter Betreuung der Klassen 5 und 6 bis Nachmittags.
Da diese Angebote von den Kommunen auch über bindende Verträge und erhobene Elternbeiträge finanziert sind, werden die Eltern, bei denen diese Beiträge erhoben werden in der Mehrzahl kaum auf das vorausbezahlte Betreuungsangebot verzichten, da es bei Nichtteilnahme keine Rückvergütung vorsieht. Bequemlichkeit und Kinderverwahrung sei dazu nur erwähnt.
Die Zahl der verantwortungsbewussten Eltern, die ihre Kinder zum Schutze der Gesundheit nicht in Präsenzunterricht schicken dürfte eklatant gering sein.