„Kann Wendepunkt sein“: Giffey will Kinder-Impfungen in Schulen und Kitas

14

BERLIN. Ab Mitte Dezember soll es möglich sein, Kinder zwischen fünf und elf Jahren gegen Corona zu impfen. Doch wie soll das vonstatten gehen? Die ehemalige Bundesfamilienministerin und künftige Berliner Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey hat da einige Ideen.

„Zügig und unkompliziert „: die designierte Regierende Bürgermeisterin von Berlin, Franziska Giffey. Foto: SPD Berlin / Jonas Holthaus

Berlins designierte Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey hat vorgeschlagen, die bald geplanten Corona- Impfungen für Kinder zwischen 5 und 11 Jahren direkt in Schulen anzubieten – mit Hilfe mobiler Teams. «Wir müssen Kindern zügig und unkompliziert ein Impfangebot machen, am besten dort, wo sie sowieso täglich sind – in der Schule und auch für die fünfjährigen Kitakinder», sagte die SPD-Politikerin. «In Berlin bereiten wir genau das gerade vor.»

«Man könnte bei den Dinosauriern im Naturkundemuseum impfen oder im Olympiastadion»

Nötig seien aber auch niedrigschwellige Angebote an anderen Orten, gerade im Hinblick auf die Weihnachtsferien, in denen Schulen ja geschlossen seien: «In den Impfzentren, mit besonderen Impfstraßen für die Kinder, an Orten, an denen Kinder vielleicht noch etwas erleben können.» Denkbar sei eine Impfung beim Zoobesuch. Giffey hat aber noch andere Ideen: «Man könnte bei den Dinosauriern im Naturkundemuseum impfen oder im Olympiastadion», so die Politikerin, die am 21. Dezember im Abgeordnetenhaus zur Regierungschefin gewählt werden soll.

«Ich glaube, dass Kinderimpfungen ein echter Wendepunkt sein können, was die Frage der höheren Impfquote betrifft», sagte sie. Denn gerade in dieser Altersgruppe sei die Inzidenz sehr hoch in Berlin. «Wenn über 200 000 Kinder geimpft werden können, würde das einen großen Unterschied machen», so Giffey. «Ich weiß, dass viele Kinder sich das wünschen, damit sie sich sicherer fühlen können. Sobald der Impfstoff da ist, muss so schnell wie möglich alles unternommen werden, um den Kindern diese Impfung zu ermöglichen, ihnen mehr Sicherheit, mehr Schutz zu geben.»

Die europäische Arzneimittelbehörde EMA hatte vor kurzem das Vakzin von Biontech als ersten Corona-Impfstoff für Fünf- bis Elfjährige zugelassen – mit einer niedrigeren Dosierung als für Erwachsene. Eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) für Kinderimpfungen steht noch aus, ist aber in Aussicht gestellt. Am 13. Dezember soll der erste Impfstoff ausgeliefert werden. «Wenn der Impfstoff da ist, müssen wir alles daran setzen, dass die Kinder ihre Impfung auch bekommen», so Giffey.

«Wir müssen die Wartezeiten reduzieren und auch da zu weiteren Angeboten kommen»

Parallel sollte die Zahl der Impfstellen für Erwachsene aus ihrer Sicht weiter ausgebaut werden. «Wir müssen die Wartezeiten reduzieren und auch da zu weiteren Angeboten kommen», so Giffey. «Ich finde es richtig, das Impfungen nun auch in Apotheken angeboten werden sollen und dass auch Zahnarztpraxen dazukommen sollen», sagte die Politikerin. «Ich bin auch dafür, dass Veterinärmediziner, die ebenso eine medizinische Ausbildung dafür absolviert haben, impfen dürfen.»

In Berlin ist die Corona-Lage sehr angespannt, auch wenn die Inzidenz, also die Zahl der Infektionen je 100 000 Einwohner und Woche, mit zuletzt rund 360 (Stand Donnerstag) niedriger ist als in etlichen anderen Bundesländern. Bei den Kindern liegt der Wert weit über dem Landesdurchschnitt. Am Donnerstag gab die Gesundheitsverwaltung die Inzidenz in der Altersgruppe der fünf- bis neunjährigen Kinder mit rund 730 an. In der Altersgruppe der 10- bis 14-Jährigen betrug sie rund 830. News4teachers / mit Material der dpa

Die Durchseuchung der Kinder in Deutschland läuft weiter: RKI meldet erstmals Schüler-Inzidenz von über 1.000

Anzeige


Abonnieren
Benachrichtige mich bei

14 Kommentare
Älteste
Neuste Oft bewertet
Inline Feedbacks
View all comments
Mrs.Braitwhistle
9 Monate zuvor

Naja, viele Experten sagen, der Beitrag der Kinder wird keine Wende bringen und es ginge bei der Impfquote vor allem um die der Erwachsenen. Hängt auch noch davon ab, ob die Stiko überhaupt eine allgemeine Empfehlung für unter 12 ausspricht und selbst da, wo sie ausgesprochen wurde – wie in Israel – läuft die Kinderimpfung nicht so kräftig wie erhofft. Ob dieser Plan also die Wende bringt, bleibt abzuwarten. Vom Totimpfstoff Valneva für die vielen erwachsenen mRNA-Skeptiker unter den Impfverweigerern verspräche ich mir da einen größeren Schritt nach vorn.

Klugscheisser
9 Monate zuvor
Antwortet  Mrs.Braitwhistle

Gehe auch von einer hohen Impfskepsis aus…

Die Medien und Politiker haben auch alles dafür getan:
Kinder sind nicht ansteckend
Nicht mehr als ein Schnupfen
Meist symptomlos

Also alles kein Problem. Auch sind die Schulen ja auch total sicher.

Alles wird gut
9 Monate zuvor
Antwortet  Klugscheisser

Kein Problem. Nach 3 Monaten sperrt man alle Kinder aus, die nicht geimpft sind.
Bayern macht es vor bei den über 12 Jährigen.
Und dann kommt die Impflicht. Dann gibt es noch ein paar handfeste Bußgeldzahlen. Und alles wird gut.

Emil
9 Monate zuvor
Antwortet  Klugscheisser

Nur die Lehrer werden krank. Aber das interessiert ja keinen in diesem Land. Lehrermangel – warum bloß???

Jan aus H
9 Monate zuvor
Antwortet  Mrs.Braitwhistle

„Naja, viele Experten sagen, der Beitrag der Kinder wird keine Wende bringen“

Naja… wenn die Schulen aus Virenverteilzentrum weitgehend wegfallen, wird das schon deutliche Auswirkungen haben. In sehr vielen Familien dürften die Kinder momentan diejenigen sein, die mit Abstand am meisten Kontakte haben. Wenn die Kinder infiziert sind, wird der Impfschutz der Eltern auch kaum noch nutzen, denn zu den Kindern haben sie ja intensiven und langandauernden Kontakt in Innenräumen.

Die Kinderimpfungen sollten aber nicht als Ausrede herhalten, nichts für den Infektionsschutz in den Schulen tun zu müssen!

Minna
9 Monate zuvor

Jetzt hackts aber langsam!!!!
Impfteams an Grundschulen und Kitas!!!
Wer sein Kind impfen lassen möchte, kann zum Kinderarzt gehen. Den Rest sollte man gefälligst in Ruhe lassen damit.
Viele Eltern werden ihre Kinder nicht impfen lassen. Und das ist zu respektieren!!
Wo soll das denn noch hinführen?
In den Kitas und Grundschulen ist die Dunkelziffer an Infektionen wahrscheinlich richtig groß
Was passiert mit einem Kind, dass erst eine Infektion hatte und dann die Impfung noch oben drauf bekommt?
Kann man nicht einmal in dieser Pandemie die Kinder in Ruhe lassen???
Wir gesagt, Eltern, die ihre Kinder impfen lassen wollen, können damit zum Arzt gehen.

Mika
9 Monate zuvor
Antwortet  Minna

„ Kann man nicht einmal in dieser Pandemie die Kinder in Ruhe lassen???“
Das Blöde ist, dass das Virus die Kinder eben nicht in Ruhe läßt, noch nicht mal in den Schulen und Kitas.

Dil Uhlenspiegel
9 Monate zuvor
Antwortet  Minna

Wenn Kinder Erwachsene anstecken können, von denen sie direkt (Familie) oder indirekt (Gesellschaft) abhängen, was würde es dann bringen, die Kinder in der Kontrolle der Pandemie auszuschließen, um sie „in Ruhe zu lassen“? Die Pandemie betrifft die gesamte Population und man kann sie nur beeinflussen oder gar kontrollieren, wenn man die gesamte Population einbezieht. Alles Andere ist außerhalb der naturgesetzlichen Realität.

„Viele Eltern werden ihre Kinder nicht impfen lassen. Und das ist zu respektieren!!
Wo soll das denn noch hinführen?“ – Z.B. zur Ausrottung der Pocken und Einschränkung zahlreicher anderer Infektionskrankheiten. Ich wurde als Kleinkind noch geimpft, wenige Jahre später schon galten die Pocken als ausgerottet weltweit. Hätte man uns damals nicht impfen sollen, weil man die Entscheidung der Eltern respektieren muss, wie Sie sagen? Dann hätten Sie heute vielleicht die Pocken.

Minna
9 Monate zuvor
Antwortet  Dil Uhlenspiegel

Das Pockenvirus mutiert eher wenig bis kaum und deshalb konnte man es ausrotten.
Erkältungsviren mutieren meist recht munter und lassen sich somit schwer bis gar nicht ausrotten. Das sollte mittlerweile auch der klügste Schlaumeier verstanden haben.

Koogle
9 Monate zuvor
Antwortet  Minna

Mit einer Impfpflicht für Eltern hätte man eventuell auf das Impfen der Kinder verzichten können.

Nun braucht man allerdings die Impfung der Kinder der Impfbereiten Eltern, um die verheerenden Auswirkungen der ungeimpften Eltern auszugleichen.

Sonst gelingt es nicht, die Pandemie einzudämmen und 2G+ wird zum Dauerzustand.

Minna
9 Monate zuvor
Antwortet  Koogle

2G+ wird sowieso zum Dauerzustand. Jedes Jahr aufs neue.
Aber wir werden uns nächstes Jahr hier wieder begegnen. Mal sehen, wer recht hat am Ende 🙂

Ein Anonymer nutzer
9 Monate zuvor
Antwortet  Minna

isso! lasst die kinder inruhe und auch die erwachsenen die sich nicht impfen lassen wollen! das grenzt ja schon an belästigung!

Georg
9 Monate zuvor

Über den Begriff „Wendepunkt“ könnte ich in der Tat verhandeln, wenn die zeitliche Abfolge umgekehrt wäre: Also Maßnahmen treffen und verschärfen, Impfkampagne fahren, Lockerungen sobald alle Impfwilligen (ab 5) geimpft sind. Aber auch nur dann.

Die Vorgehensweise aus der vergangenen Zeit ordne ich nach wie vor unter sehr optimistisch, zeitlich falsch (Verschärfungen zu spät, Lockerungen zu früh) und Glück gehabt ein.

naste
9 Monate zuvor

Ich persönlich hadere noch meine kleinen Kinder impfen zu lassen. Habe mich darüber informiert. Ich bin kein Impfskeptiker. Erst die Erwachsenen mit Impfpflicht. Es kann nicht sein, dass unsere Kinder ausbaden müssen, dass andere sich partout nicht impfen lassen wollen. Das ist und bleibt kein Kinderimpfstoff, nur weil man niedriger dosiert. Ich werde das erstmal beobachten und dann schauen, ob ich meine Kinder impfen lasse. Und in Einrichtungen zu impfen geht schon Mal gar nicht. Beim Kinderarzt mit vorheriger Aufklärung und im Beisein der Eltern. Alles andere ist inakzeptabel. Solange in Deutschland keine ausreichenden Kontaktbeschränkungen gelten und nur halbherzige Regelungen zum Infektionsschutz ist es unverschämt von den Eltern sowas zu verlangen. Mit Distanzunterricht und Schulschließungen kann man viel erreichen. Da braucht es erstmal keine Impfung für Kinder. Erst wenn alles ausgeschöpft ist wird man sehen, ob es noch nötig ist, die Kinder zu impfen.