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Keine Quarantäne mehr, keine Masken, keine Tests: KMK beendet die Pandemie in Schulen „bis spätestens Mai“

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LÜBECK. Sämtliche Corona-Schutzmaßnahmen an Schulen sollen spätestens bis Mai aufgehoben werden. Das gelte für das Tragen von Masken ebenso wie für anlasslose Tests sowie für die Quarantäne. Dies kündigte die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK) und schleswig-holsteinische Bildungsministerin Karin Prien (CDU) am Freitag zum Ende der KMK-Beratungen am Freitag in Lübeck an. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) und RKI-Präsident Prof. Lothar Wieler warnten unterdessen vor einem sorglosen Umgang mit der Pandemie.

Macht sich für Präsenzunterricht stark: KMK-Präsidentin Karin Prien (CDU). Foto: Frank Peter / Land Schleswig-Holstein

Die Öffnungen der Gesamtgesellschaft könnten an den Schulen nicht vorbeigehen, befand KMK-Präsidentin Prien. Man wolle einen vorausschauenden und behutsamen Weg in «die Normalität» gehen. «Dabei ist für uns die Richtschnur immer das Wohl der Kinder und Jugendlichen.» Für ein solches «schrittweises und behutsames» Vorgehen bedürfe es allerdings einer bundesrechtlichen Grundlage über den 20. März hinaus – und die ist offenbar noch strittig. Gestern hatte „Bild“ unter Berufung auf Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) berichtet, dass mit dem neuen Infektionsschutzgesetz den Ländern schon ab dem 20. März die Maskenpflicht im Unterricht verboten werden soll. Ausgenommen seien davon nicht näher definierte Corona-Hotspots.

„Die häusliche Quarantäne hat eine unnötige Unterbrechung des Kita- und Schulalltags zur Folge“

Bei der KMK heißt es jetzt (im Wortlaut einer Presseerklärung): «In den kommenden Wochen wird ein vorausschauender und behutsamer Weg zurück in die Normalität verfolgt, bei dem die weitere Entwicklung der Pandemie achtsam im Auge behalten wird. Angepasst an die spezifische Lage in den Ländern sollen die an Schule bestehenden Einschränkungen sukzessive zurückgenommen werden. Dies betrifft sowohl Beschränkungen der Unterrichtspraxis, wie zum Beispiel in den Fächern Musik und Sport, als auch das Tragen von Masken und die anlasslosen Testverpflichtungen für Schülerinnen und Schüler. Auch die häusliche Quarantäne, die für Kinder und Jugendliche eine hohe psychosoziale Belastung darstellt und eine unnötige Unterbrechung ihres Kita- und Schulalltags zur Folge hat, soll abgeschafft werden.“

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Die KMK-Erklärung steht in einem bemerkenswerten Gegensatz zu den Aussagen auf einer gemeinsamen Pressekonferenz von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD), RKI-Chef Prof. Lothar Wieler und der Chefärztin der Median-Klinik in Heiligendamm, Jördis Frommhold, die Long-Covid-Patienten behandelt.

Lauterbach warnte vor Sorglosigkeit in Bezug auf die Corona-Pandemie. «Die Lage ist objektiv viel schlechter als die Stimmung», sagte der SPD-Politiker am Freitag in Berlin mit Blick auf wieder stark steigende Infektionszahlen. Er bezeichnete die Lage als kritisch und wandte sich gegen pauschale Einschätzungen, dass die Omikron-Variante milder sei. «Wir können nicht zufrieden sein mit einer Situation, wo 200 bis 250 Menschen jeden Tag sterben.» Dies sei eine unhaltbare Lage, auf die man reagieren müsse.

Der Bundesgesundheitsminister verteidigte die von der Bundesregierung vorgeschlagenen Neuregelungen zu weiter möglichen Schutzmaßnahmen über den Frühling hinaus. Nach einem Entwurf für eine neue Rechtsgrundlage sollen allgemeine Basismaßnahmen möglich sein und weitergehende Eingriffsmöglichkeiten in «Hotspots» mit kritischer Infektionslage. Lauterbach sagte, er erwarte wegen der Infektionslage solche «Hotspots» in zahlreichen Bundesländern.

Auch der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, hält die derzeitige Corona-Lage in Deutschland für angespannt und mahnt zu großer Achtsamkeit. «Nach wie vor erkranken viel zu viele Menschen schwer an Covid und nach wie vor sterben auch zu viele Menschen an dieser Erkrankung. Und nach wie vor erleiden auch viele Menschen Langzeitfolgen von Covid», sagte Wieler. Vor dem Hintergrund der zuletzt steigenden Infektionszahlen machte er erneut auf den kontinuierlich steigenden Anteil des besonders leicht übertragbaren Omikron-Subtyps BA.2 aufmerksam. Der Infektionsdruck, so der RKI-Chef, sei weiterhin sehr hoch.

„Wir haben es mit einer chronischen, bisher noch nicht heilbaren Krankheit zu tun“

Wieler ging auch besonders auf mögliche Langzeitfolgen nach einer Infektion ein, von denen Erwachsene, und – obgleich wohl seltener – auch Jugendliche und Kinder betroffen sein könnten. Ein Teil dieser Menschen bleibe längerfristig stark eingeschränkt. Die Datenlage zu den Langzeitfolgen sei aber noch begrenzt.

Die Chefärztin der Median-Klinik in Heiligendamm, Jördis Frommhold, warnte in der Pressekonferenz davor, die langfristigen Beschwerden nach Covid-19-Erkrankungen zu unterschätzen. „Long Covid ist längst kein Einzelfall mehr“, sagte sie. Mehrere Hunderttausend Personen seien davon in Deutschland betroffen, oft auch junge und sportliche Menschen, häufig auch nach zunächst milden Verläufen. „Wir haben es mit einer chronischen, bisher noch nicht heilbaren Krankheit zu tun“, sagte Frommhold.

Das Robert Koch-Institut meldete den neunten Tag in Folge einen Anstieg der Sieben-Tage-Inzidenz auf nun 1439,0 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen. Die Gesundheitsämter meldeten demnach 252.836 neue Fälle an einem Tag, registriert wurden zudem 249 weitere Todesfälle binnen 24 Stunden. News4teachers / mit Material der dpa

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