„Reicht nicht, Flüchtlingskinder in Regelklassen zu stopfen“ – eine Lehrerin berichtet

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BERLIN. Die Kultusminister haben versprochen, die Flüchtlingskinder aus der Ukraine (geschätzt 250.000 werden in Deutschland erwartet) schnell in den Schulen aufzunehmen. Um sie unterrichten zu können, sollen ukrainische Lehrkräfte einbezogen werden. Konzepte, wie der Unterricht vor Ort dann aussehen soll, gibt es bislang nicht. Die Herausforderung könnte größer werden, als sich so mancher Politiker das vorstellt – meint eine Lehrerin, die ihre ersten Erfahrung im Umgang mit ukrainischen Familien gemacht hat und im Leserforum von News4teachers davon berichtet. Wir dokumentieren ihren lesenswerten Post.

„Das ist alles sehr frustrierend“: News4teacher-Leserin „Alla“ berichtet von ihren ersten Erfahrungen. Illustration: Shutterstock

Alla

„Wir haben seit einer Woche ukrainische Flüchtlingskinder an der Grundschule. Die ersten sechs kamen am Montag, inzwischen sind es zehn Kinder. Nächste Woche kommen noch einige dazu, wie viele ist noch unbekannt. Alle Eltern, Lehrer und Kinder freuen sich, helfen zu können, mit Sachspenden (Ranzen, Federmäppchen, Heften, Stiften, Turnbeuteln…) oder durch liebevolle Aufnahme und ‚kümmern‘. Vielleicht sind wir aber etwas naiv herangegangen!

Einige Kinder sind traumatisiert, was sich verschieden äußert. Einige sind völlig zurückgezogen, viele sind nicht in der Lage, auf ihrem Stuhl zu sitzen, rennen schreiend durch den Raum oder rennen aus dem Raum hinaus, setzen sich unter den Tisch, oder hauen andere Kinder. Diese Kinder bräuchten eine Person, die ukrainisch spricht und der sie ihre Probleme erzählen könnten. Auf die russische Sprache reagieren einige ungern oder gar nicht, ist es doch die Sprache des Feindes. Und nicht jedes Kind kann Russisch!

Ukrainische Lehrerinnen wollen teilweise gar nicht an den Schulen arbeiten, weil sie flexibel bleiben möchten um schnell wieder in die Heimat zurückkehren zu können! Oder sie haben noch kleine Kinder, die sie betreuen, oder Omas, die mitgeflohen sind und nicht alleine bleiben wollen.

„Anzunehmen, dass alle ukrainische Lehrerinnen mal eben so bei der Betreuung der Flüchtlingskinder einspringen, ist naiv“

Die Bedürfnisse sind so verschieden wie die Menschen, die zu uns kommen! Wir haben z. B. eine geflüchtete ukrainische Mutter mit zwei Grundschulkindern, Deutschlehrerin mit Bachelor, die aber Angst davor hat, von den Berichten der geflüchteten Kinder ‚getriggert‘ zu werden und das nicht zu verkraften. Deshalb kann sie uns und den geflüchteten Kindern nicht zur Verfügung stehen. Und wahrscheinlich hat sie Recht! Sie selbst hat zwar keine Kriegshandlungen erleiden müssen, ihr Mann muss aber in der Ukraine kämpfen und hat keine Ausreiseerlaubnis bekommen! Das ist für sie, ihre Mutter und die zwei Kinder schon angsterregend genug! Jetzt anzunehmen, dass ALLE ukrainische Lehrerinnen mal eben so bei der Betreuung der ukrainischen Flüchtlingskinder einspringen können ist, gelinde gesagt, naiv!

Leider können wir Lehrkräfte kein ukrainisch, merken aber, dass es nicht reicht, die Kinder einfach in die Regelklassen zu stopfen und zu hoffen, es werde schon gut gehen! Da gibt es Kinder, die Sirenen und Bombeneinschläge erlebt haben, und nicht einfach zur Tagesordnung übergehen können! Die sich nicht verständigen können und deshalb natürlich „am Rad drehen“!

Oder Kinder, die ihr gutes Zuhause verlassen mussten, deren Haustier in irgendeinem Tierheim gelandet ist und die zu viert in kleinen privaten Einliegerwohnungen untergekommen sind und von der Hilfsbereitschaft anderer abhängig sind, Bittsteller geworden sind, gewissermaßen! Kein wünschenswerter Zustand!

Und die dann in Schulen gestopft werden, in denen sie sich im Deutschunterricht langweilen und, selbst im Matheunterricht, nicht annähernd mitkommen! Egal, was die Konsulin sagt, weiter als unsere Kinder sind die ukrainischen Flüchtlingskinder auf keinen Fall. Eher umgekehrt! Das ist alles sehr frustrierend, für die ukrainischen Mutter, die Kinder und auch für uns, die Aufnehmenden!“

Hintergrund: Die ukrainische Generalkonsulin Iryna Tybinka hatte an die Kultusminister appelliert, auf eine Kontinuität der Bildungsprozesse und ein Aufrechterhalten der nationalen Identität ukrainischer Kinder zu achten. Die Konsulin schlug vor, die Kinder über die digitale Plattform e-school.net.ua, die zu Pandemiezeiten aufgebaut wurde, zu beschulen und sehr stark auf den Einsatz von ukrainischen Lehrkräften zu setzen, die zusammen mit den Kindern geflüchtet seien. Es gehe um einen vorübergehenden Aufenthalt in Deutschland. Der Unterricht in der Ukraine sei «intensiver, vollzieht sich in kürzerer Zeit als in Deutschland und hat ebenso höhere Anforderungen», betonte Tybinka laut einem Bericht des „Tagesspiegel“.

Sollen ukrainische Flüchtlingskinder ins deutsche Schulsystem integriert werden? Lehrerverbände skeptisch

 

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Lehrerin aus Leidenschaft
1 Monat zuvor

Ich ergänze: Bei uns 10 neue Schüler/innen in unterschiedlichen Jahrgängen.
Die Kinder sitzen auf einmal in der Klasse, ich weiß nicht, ob die russisch oder unkrainisch können. Ich übersetzte Arbeitsblätter mit google Translater in beide Sprachen.
Egal, wird kurz angekuckt, weggeschoben.
Ich weiß nicht, ob die etwas Traumatisches erlebt haben. Ich weiß auch nichts über die aktuellen Lebensumstände.
Unterstützung NULL. Und welcher pensionierte Lehrkraft wäre so bescheuert in eine Schule zurückzukehren, die Masken-und Testpflicht gerade abschafft.
Bei uns geht das Gerücht, die Klassen sollen bis 32 Schüler/innen vollgemacht werden (Niedersachsen).
Ist das MK noch mit einer Arbeitsgruppe am Schreibtisch??? Wir hätten da JETZT Handlungsbedarf!!!

Lanayah
1 Monat zuvor

Meine ukrainischen Kinder lachen immer, wenn ich den Google-Translator benutze, die Übersetzung scheint da nicht wirklich zu funktionieren. Immerhin, meine beiden Schülerinnen lachen. Ich lese aber weiter oben bereits, was wohl noch zu erwarten ist.

Katerina
1 Monat zuvor
Antwortet  Lanayah

Hallo!) Mein Name ist Katerina.
Ich komme aus der Ukraine und bin Lehrerin. Ich möchte lange in meinem Fachgebiet arbeiten, weiß aber nicht, wo ich mich bewerben soll, um meine Dienste anzubieten.Ich spreche fließend Ukrainisch und Russisch. Vielleicht könnt ihr mir Dienste empfehlen, wo ich hingehen kann. Vielen Dank im Voraus!
history160320@gmail.com

Lanayah
1 Monat zuvor

Wäre ich bereits pensioniert, würde ich mit Sicherheit derzeit nicht in die Schule zurückkehren. Ganz im Gegenteil: Ich war davon ausgegangen bis zum Pensionsalter zu arbeiten und bin dazu auch gesund genug, aber diese ganzen Belastungen sind für ältere Lehrkräfte allmählich nicht mehr zu schaffen, und nicht nur für die. Ich denke eher über eine vorzeitige Pensionierung nach.

TaMu
1 Monat zuvor

Alla, Ihren Bericht aus der Praxis finde ich sehr aufschlussreich und nachvollziehbar, vielen Dank! Für mich ist die Vorstellung der KuMis von einfach Zusammenrücken und dass Kinder Kriegstraumata „vergessen“ können, wenn sie nur mit anderen Kindern egal in welcher Sprache zusammen sind, extrem naiv.

Pension
1 Monat zuvor
Antwortet  TaMu

Die sind nicht naiv, sondern einfach nur dumm-dreist.

Aber wir Lehrkräfte machen`s doch wieder mit. Brav, wie immer und mit dem Totschlagargument, es sei ja für die Kinder…
Wir werfen den Google-Translator an, wir vergessen Abstandsregeln und Klassenmesszahlen, wir kaufen Zusatz- und Arbeitsmaterial, wir meckern und jammern zwar- aber am Ende- siehe oben.

Aber.ich.nicht.

tachelesme
1 Monat zuvor

Wer hätte sich das gedacht. Kinder aus dem Kriegsgebiet haben ein Trauma. Was war da mit Syrien? ( Vorsicht Ironie, im vollen Respekt allen Beteiligten gegenüber) …ich hätte auch gerne eine Generalkonsulin, die sich für Distanunterricht einsetzt, bitte, bitte…

Schattenläufer
1 Monat zuvor

Wer hatte mehr erwartet?

Wer die KMK kennt der hat es geahnt, das seit Jahren übliche Vorgehen.

Schritt 1:
Wir sorgen für eine große Kulisse mit Presse und allem Drum und Dran. Dort versprechen wir das blaue vom Himmel
Wir werden alles menschenmögliche tun, das ukrainische Volk und seine Kinder können sich auf die uneingeschränkte Hilfe des deutschen Bildungssystems verlassen, bla, bla, bla.

Schritt 2:
Wir beschließen einige Schritte die drei Grundkriterien erfüllen:
– Es darf keinen Cent kosten.
– Für die KMK darf weder Arbeit anfallen, noch darf etwas beschlossen werden für das man Verantwortung übernehmen müsste.
– Die Beschlüsse müssen weder sinnvoll noch umsetzbar sein.

Ergebnis: Traumatisierte Kinder ohne deutsche Sprachkenntnisse sollen in schon überfüllten Regelkassen mit unterrichtet werden. Dies übernehmen (nicht vorhandene) deutsche Lehrer.
Diese werden von (nicht dazu bereiten) ukrainischen Lehrern unterstützt.

Schritt 3:
Dieses geniale Konzept wird der ahnungslosen Presse und Öffentlichkeit als revolutionäres pädagogisches Konzept präsentiert.
Nachdem der Jubel der Ahnungslosen verklungen ist, stellt man sich noch einmal im Kreis auf und klopft sich gegenseitig auf die Schultern.

Schritt 4:
In einem Rundschreiben an die Schulen werden die Lehrer aufgefordert das Konzept um zu setzen.
Beschwerden über die Unmöglichkeit der Umsetzung sind nicht erwünscht. Im Falle der Nichtumsetzung werden dienstliche Konsequenzen angedroht.
Problem gelöst.

Das Ergebnis wird das sein, was man erwarten kann.
Für den Laien eine kleine Umschreibung. Es passiert etwa das was passiert wenn ich einem Packpferd das man mehrere Tage nicht gefüttert hat und das schon so sehr überlastet ist das seine Beine zittern, mal schnell noch drei bis vier große Säcke zusätzlich auflädt.
Am Ende landen die Säcke im Graben und das Pferd muss man erschießen.

Epilog:
Man tritt wieder vor die Presse und versichert, dass das von der KMK erarbeitete Konzept einfach genial war. Man hat wirklich alles menschenmögliche getan!
Leider ist das Ganze mal wieder an der Unfähigkeit und Faulheit der Lehrer gescheitet.

Arme KMK. Undank ist eben der Welten Lohn.

Sissi
1 Monat zuvor
Antwortet  Schattenläufer

@ Schattenläufer
Schöne Grüße vom Packpferd, danke für die Vorwarnung, ich suche schon mal nach einem Gnadenhof
@ Schattenläufer im Ernst: mitten ins Desaster getroffen.

Kathrin
1 Monat zuvor
Antwortet  Sissi

@Sissi
Die Frage ist aber, ob wir es überhaupt bis zum Gnadenhof schaffen. Ich sehe es eher wie @Schattenläufer. Hilft wohl nur der Gnadenschuss…
Ich bin die Konzepte und das vollmundige Blablabla der KuMis so was von leid. Mit welcher Selbstverständlichkeit uns ein schwerer Sack nach dem anderen aufgebuckelt wird, ist verachtenswert. Das System MUSS doch in absehbarer Zeit zusammenbrechen…

Palim
1 Monat zuvor
Antwortet  Schattenläufer

Vielen Dank, sehr zutreffend.

Und während sich die Kultusminister:innen sonst nie einigen können, schreiben sie in der Hinsicht alle voneinander ab und setzen alle genau das, was beschrieben ist, um.

Lanayah
1 Monat zuvor
Antwortet  Schattenläufer

Gut zusammengefasst! Zu Schritt 4 möchte ich noch ergänzen, dass bei Beschwerden über die Unmöglichkeit der Umsetzung hierzu Nachmittagsfortbildungen angeboten werden.

Mein Name ist Hase
1 Monat zuvor
Antwortet  Schattenläufer

Genau das. Dieses „blame game“ steht wirklich idealtypisch dafür, was aus dieser Richtung kommt: „wash, rinse, repeat“. Und es nimmt einfach kein Ende – das Spiel ist, aus der Ferne gesehen, einfach zu schön. Wo ist noch gleich die nächste Abfahrt von dieser Straße nach Nirgendwo?

Sissi
1 Monat zuvor

@ Mein Name ist Hase
Nächste Ausfahrt Gnadenhof:
Soll ich auch gleich für Sie Plätze auf dem Gnadenhof reservieren? Für Hase und Packpferd?
……Ironie….brauchts manchmal…..geht dann wieder leichter weiter.

Gebirah
1 Monat zuvor
Antwortet  Schattenläufer

Habe laut gelacht: You made my day! 🙂

Enjoy your chicken Ted!
1 Monat zuvor
Antwortet  Gebirah

Da bricht leider nichts zusammen, weil die KuK sich aufopfern. Unsere soziale Ader wird einfach nur ausgenutzt bis wir dann Herzinfarkt mit 60 oder Burnout mit 45 haben. Man kann leider nur sagen: nicht mit mir.

Indra Rupp
1 Monat zuvor

Ich finde den Einblick in die Praxis auch sehr überzeugend von Alla geschrieben. Allerdings denke ich auch, dass nicht alle Kinder Trauma haben. Manche waren längst weg, bevor sie was mitkriegen konnten und die Eltern erzählen den Kindern, dass es ein Auslandsurlaub ist und halten sie von Presse-Nachrichten fern. Da gab es auch so Beispiele im Spiegel. Wir romantisieren die angeblich so viel besser erzogenen Kinder in anderen Teilen der Welt. Das tun auch Eltern, die Kinder aus Afrika oder anderswo adoptieren und schon auf dem Heimweg in ihren Grenzen getestet werden. Kinder sind im Grunde überall auf der Welt gleich. Soll heißen, kann sein dass das schreiende hauende Kind kriegstraumatisiert ist. Kann auch sein, dass es das hat, was wir heute als ADHS diagnostizieren.

Mumpitz
1 Monat zuvor
Antwortet  Indra Rupp

Wie definieren Sie denn Trauma? Muss es bei Ihnen die Gewalterfahrung und das Ansehen von Schlachtfeldern sein?
Ich finde, wenn ein Kind Hals über Kopf mit nur einem Elternteil, dafür mit dem Wissen, der Vater muss im Krieg kämpfen, das gewohnte Umfeld und Leben verlassen muss, ohne zu wissen, was auf es zu- und ob es zurückkommen wird, dann reicht das völlig aus.
Die Lüge mit den Auslandsurlaub ist dann auch schnell durchschaut. (Im Urlaub in eine bundesdeutsche Schule?!)

Indra Rupp
1 Monat zuvor
Antwortet  Indra Rupp

Und ja, man kann als ukrainische Lehrkraft von Aussagen ukrainischer Kinder getriggert werden. Psychische Krankheiten, entstanden durch Mobbing-Diskriminierung-oder auch Kriegserfahrungen, durch Missbrauch, Hungersnot oder was auch immer wird immer erst für voll genommen, wenn sich körperliche Beschwerden dadurch äußern, wie Herz-oder Schlaganfall Gefahr, PNEA ( psychische nicht epileptischen Anfälle) oder zumindest Alpträume.
Mir ist aber die Überzeugung von ukrainischer Seite, keinen Beitrag in Richtung Schule leisten zu wollen, zu kontinuierlich! Die Konsulin, die Lehrkräfte… und vielleicht haben auch Kinder, die ihre Aufgaben wegschieben von den Eltern gesagt bekommen, sie brauchen nicht mitmachen. Es zeigt sich meiner Meinung nach überall die Verachtung gegenüber unserer nicht – orthodox-heteronormativ-konservativer Erziehung und die Angst, die ukrainischen Kinder werden durch sexuelle Aufklärung verdorben. Dazu das nationalistische Fremdeln und die Einstellung diesbezüglich, wodurch die Ukrainer*innen sich erlauben, hier hin zu kommen, Hilfe zu erwarten, uns eine große Mitschuld an Putins Macht und somit am Krieg zuzusprechen, keine Mithilfe an der Bewältigung ihrer Umstände signalisieren. Und da sie wissen, wie es um unsere Ansichten und Werte bestellt ist, gehen sie wohl auch davon aus, dass sie als Opfer nicht kritisiert werden dürfen.
Nur so viel : Der Krieg kann auch zu uns kommen! Auch wir sind in Gefahr!
Nach dem ich für meine Verhältnisse viel Geld zur Ukraine gespendet hatte (150 Euro) habe ich noch im gleichen Monat gemerkt, wie sehr ich selber schon in Schwierigkeiten komme. Wegen der hohen Spritkosten steht es Mau um die Besucher bei unserem Ponyhof. Kosten laufen weiter, Sachen werden teurer, Billiges ist ausverkauft. Ich fülle nächsten Herbst meinen Gastank nicht auf, sondern hole mir zwei gute Holzöfen-auch aus Prinzip! Außerdem bringe ich meine gerade aufgegebene Selbstversorgung incl Ziegenmilchwirtschaft wieder in Gang. Denn ich muss damit rechnen, dass mein Ponyhof-Geschäft durch den Krieg schlechter läuft, und das in eh schon ein Geringverdienergeschäft. Außerdem kann sich jeder ausrechnen, dass wenn alles teurer wird und mehr Leute ärmer werden, die Kapazitäten des Amtes für Arbeit auch irgendwann erschöpft sind. Sich auf Sozialleistungen verlassen würde ich mich da auch nicht mehr. Und bei der Kirche betteln oder als Straßenmusikerin den Hut aufstellen funktioniert mitunter auch nicht mehr, wenn alle schon zur Ukraine gespendet haben oder selber ärmer werden bzw den „Tunnelblick“ wegen eigener Sorgen haben. Jeder muss nach seinen Möglichkeiten schauen. Ich habe kein Auto und kein Geld auf dem Konto aber ich weiß dafür was in einen Rucksack gehört, damit man alles zum Leben hat – und den packe ich auch vorsichtshalber bald. Und wenn es soweit kommt, bringe ich meine Kinder weit weg und ich plane meine Tiere zur Selbstversorgung mitzunehmen und will versuchen mit meinen Ponys an diesem anderen Ort durch Reit Angebote etwas zu verdienen. Und natürlich Sprachkenntnisse zu erwerben, so lange wir dort wären, auch wenn ich schnell wieder nach Hause wollte. Und ich stände vor einer Entscheidung, die mich ewig verfolgen würde : Bleibe ich wegen meiner krebskranken Mutter, die im Sterben liegt, an Schläuchen hängt und garnicht fliehen könnte doch hier und gefährde meine Kinder oder lasse ich sie, was sie auch wollen würde, zurück? So oder so, hoffe ich, dass meine Mutter es hinter sich hat, bis hier irgendein Krieg ausbricht.
Unter solchen Umständen kann man sich jedenfalls nicht mehr auf irgendeinen Staat verlassen, da muss man stark werden, wenn die Kinder nicht leiden sollen. Da kann ich mich auch zum Schlachten von niedlichen Kaninchen und Lämmern überwinden, aber nur dann, sonst hört’s nach Hühnern bei mir auf.
Ehrlich, ich weiß wie stark die Ukrainer*innen schon sein mussten. 20km Fußweg pro Tag musste ich wegen fehlendem Fahrgeld schon oft zurücklegen und stundenlang im strömenden Regen Flaschenpfand suchen um am Abend Haferbrei kochen zu können. Und ich finde das respektlose, verweigernde Verhalten von den Ukrainer*innen hier und anderswo, von dem man jetzt so oft hört, unmöglich! Sehr wohl beziehe ich dabei Kriegstrauma in Betracht, wie auch, dass man nicht alle über einen Kamm scheren darf, denn das ist sowieso klar!

DerechteNorden
1 Monat zuvor
Antwortet  Indra Rupp

Wo ist da die Aussage? Dass Sie alle Kinder, die neu dazu kommen, einfach in eine Klasse stecken wollen? Egal, wie viele Kinder mit unterschiedlichsten Problemen bereits in einer Klasse sind und man nicht weiß, wie es den Neuankömmlingen geht? Klingt jedenfalls so.
Das weder die Klasse, die Kids und die Lehrkräfte spielen dabei keine Rolle?

Mika
1 Monat zuvor
Antwortet  Indra Rupp

Und was ist jetzt die Schlussfolgerung daraus? Das Kinder, die ‚nur‘ ADHS haben, nichts dringenderes brauchen, als in eine Schule zu kommen, die ihnen nicht mal im Ansatz gerecht werden kann? In der sie weder die Sprache noch die Regeln kennen?Kinder, die gerade mit ihren Eltern, überwiegend getrennt von Vätern, älteren Brüdern und / oder der übrigen Familie, in den ‚Abenteuerurlaub‘ gefahren sind? ADHS- Kinder brauchen möglichst konstante Lebensbedingungen und ein ruhiges Umfeld. Die deutsche Schule kann dies schon zu ‚normalen‘ Zeiten kaum bieten, viel weniger unter den Bedingungen, welche die Pandemie diktiert. Nein, Indra, die Kinder einfach nur in die Regelklassen zu stopfen wird den Kindern nicht gerecht.

Indra Rupp
1 Monat zuvor
Antwortet  Mika

Wo lest ihr eigentlich, dass ich das behauptet habe? Ich habe nur die Interpretation in Frage gestellt. Es gibt auch im Ausland auffällige Kinder, die müssen nicht zwangsweise traumatisiert sein und es sollte nicht mit zweierlei Maß gemessen werden. Das Verständnis für auffällige Kinder hierzulande, egal was ihnen widerfahren ist, sieht hier im Forum ganz anders aus.

Indra Rupp
1 Monat zuvor
Antwortet  Indra Rupp

Ich ergänze noch: Das Verständnis für traumatisierte Menschen aus anderen Regionen sieht hier im Forum ebenfalls anders aus. Diese Doppelmoral ist heuchlerisch! Die Menschen sind emotional gerade so im Übereifer, überhäufen die Flüchtlinge mit nutzlosem Wohlstandskrempel und vergessen gerade alle anderen Orte auf der Welt, wo Menschen leiden. Es geht nämlich nicht um die Hilfe, sondern um die gut tuende Selbstbestätigung, wenn man sich da humanitär eingebracht hat. Und das Gefühl wird durch Hilfe für die Ukraine und durch das fokussieren der Medien auf diesen Ort ausreichend befriedigt, da braucht man nicht mehr anderswohin zu gucken. Gutmenschenheuchelei!
Ich bin gewohnt, dass hier ordentlich auf die Eltern eingedrescht wird, wenn es um unsere Kinder und deren Auffälligkeiten geht, dass Mobbing und sonstiges als Ursache bei auffälligen Kindern hierzulande nicht ernst genommen wird, das Inklusion abgelehnt wird und das alle Kinder, die eine Sonderbehandlung brauchen oder irgendwie die Anderen aufhalten angeklagt werden. Eltern mit leistungsstarken Kindern jammern von ihrem Thron herunter, dass für ihr Superkind im Unterricht keine Zeit ist und werden von allen Lehrkräften, die selber gerne nur leistungsstarke Kinder im Unterricht hätten, heftig beklatscht. Und nun aber bekommt jedes ukrainische Kind eine unüberprüfte Entschuldigung für hauen, schreien und Verweigerung. Ukrainische Lehrkräfte müssen nicht, wenn sie nicht wollen und ukrainische Eltern auch nicht. Wurden andere, zB Syrer auch so behandelt? Haben wir für die auch ein Extra-Schulsystem aufgebaut? Verlegen wir für die Ukrainer jetzt Internet? Gibt es am Ende Luftfilter, damit Ukrainer*innen sich nicht impfen lassen oder Maske tragen müssen, wenn sie nicht wollen? Das ist wirklich Gutmenschenheuchelei! Konzentrieren wir uns lieber darauf, was im Bezug auf die Flüchtlinge wirklich nötig und hilfreich ist.

W.
1 Monat zuvor
Antwortet  Indra Rupp

@Indra Rupp
Vorab: Wenn meine Antwort „kurz angebunden“ klingt, dann liegt das am Zeitmangel – also ganz rasch, knapp und exemplarisch:

Sie schreiben: „das Inklusion abgelehnt wird“.
In der Regel wird hier im Forum von vielen Leuten, nicht nur von LuL, die Inklusion abgelehnt.
In den Diskussionen dazu wurde aber i.d.R. auch sehr schnell klar, dass sich das in erster Linie auf die Umstände der Inklusion bezieht.
( Billig = KEINE notwendige Unterstützung mit Personal, Material und Räumen, stattdessen häufig Förderschulen „dichtmachen“ und Kinder mit Förderbedarf in bestehende Regelklassen „hineinstopfen“. )
Wirklich nötig und hilfreich ist so vieles ( s.o. in der Klammer ), schon seit vielen Jahren.
Gemacht wird/wurde i.d.R. NICHTS davon.

TaMu
1 Monat zuvor

Es tut mir so leid für die Kinder. Das war in den 70igern schon schlimm, als die Gastarbeiterkinder in die Grundschulklassen mit über 30 Kindern gesteckt wurden ohne jegliche Deutschkenntnisse. Die haben sich gelangweilt und häufig deshalb den Unterricht gestört. Diese absolut nicht nachvollziehbare Idee aus der Politik, man müsse Kinder nur zusammen pferchen und schon lösten sich alle ihre Probleme in Luft auf … es gibt ja die Extrovertierten, die können damit vielleicht irgendwie umgehen. Aber was ist mit den introvertierten/ schüchternen/ traumatisierten/ müden/ kranken/ traurigen/ überforderten… Kindern? Die fallen doch schon immer durchs Raster, sollen aber bis 18 im Bildungssystem funktionieren. Und jetzt kommen ganz akut ganz normale Kinder mit den gerade beschriebenen Dispositionen aus der Ukraine dazu, also aus dem Land, dem alle bei der Auslöschung und dem erbitterten Kampf dagegen zuschauen. Ihre Väter und alle männlichen Verwandten, Freunde und Bekannten über 18 mussten dort bleiben. Selbst falls die Kinder sehr frühzeitig und ohne selbst beschossen zu werden hier angekommen sind, was den wenigsten vergönnt war, bekommen sie es doch über ihre Mütter und ihre Community mit. Dann sitzen sie ohne jeden funktionierenden Plan stundenlang in Klassenzimmern, verstehen kein Wort, sind gleichzeitig von der Situation überfordert und unterfordert, können nicht wirklich etwas leisten, langweilen sich und in der Ukraine geschieht solange ihre persönliche Katastrophe. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass sie nach der Schule entspannen können. Schließlich sind die Erwachsenen um sie herum verständlicherweise permanent am Handy und die ganze Zeit geht es um das Überleben der Familienangehörigen in der Ukraine. Der Vormittag ist also frustrierend bei gleichzeitiger emotionaler Belastung durch die reale Situation der Familie und die Zeit außerhalb der Schule ist kriegsbedingt belastet, aber wenigstens muss das Kind sich dabei nicht ständig zusammen reißen, damit es nicht peinlich auffällt.
Ich habe es schon einmal geschrieben, die Kinder, die wirklich zur Schule gehen wollen und das auch jeden Tag gut schaffen, sollen unbedingt auch zur Schule gehen dürfen. Ich habe aber das ungute Gefühl, dass das nicht auf alle Kinder zutrifft. Ich wünsche diesen Kindern, dass sie auch wieder vom Unterricht befreit werden, wenn dieser ihnen nicht gut tut. Traumata werden nicht besser, wenn man sie unterdrückt, ganz im Gegenteil.

maxi
1 Monat zuvor
Antwortet  TaMu

Ich habe dazu auch noch eine Erinnerung aus meiner Grundschulzeit 1977 beizutragen, die mich nicht wirklich losgelassen hat. Als ich in der 3ten Klasse war, gab es einen Paolo, ein portugiesischer ganz ruhiger und lieber Junge, der immer allein im Pausenhof stand und von den anderen gehänselt wurde. In der vierten Klasse war es dann Dimitri, ein griechisches Kind, der sich durch schlechte Sprachkenntnisse oft gelangweilt und den Unterricht gestört hat. Unsere KLassenlehrerin, die selber gerade in Scheidung lebte, war total überfordert. Eines Tages hat sie dem Dimitri so eine geklatscht, dass ihr Handabdruck noch eine Stunde lang auf seiner Wange zu sehen war. Konsequenzen gab es keine. Heute kommt sowas natürlich nicht mehr vor, aber die Belastungen auf beiden Seiten sind sicherlich nicht zu unterschätzen.

Lehrer mit Seele
1 Monat zuvor

Wir statten privat Kinder mit gespendeten Ranzen, Feder Mappe, Stiften bis hin zur Kleidung für den Sportunterricht aus. Vorwiegend ukrainische Kinder, aber jeder, der mir glaubhaft machen kann, dass er sowas braucht, bekommt es, solange es das Lager hergibt.
Dies machen wir nicht erst seit ein paar Wochen, sondern seit Jahren seit Weihnachten.
Aber jetzt mal ganz ehrlich, was ist das für ein Staat, in dem sich Privatpersonen darum kümmern müssen, dass die Kinder eine Chance haben. Wir bekommen Anfragen von Eltern, ob sie sich mal das Matheübungsheft ausleihen und kopieren können, weil sie sich die nicht leisten können.

Und da wagt es unsere Politik immer noch von „sozial schwachen“ zu reden. Was ist daran sozial schwach, wenn man sein Ego tief in die Tasche packt und um sowas bittet. Ich ziehe da absolut den Hut vor.

Wer sagt er ist stolz auf dieses Land, scheint noch keine Schule gesehen zu haben.

Unsere Kinder werden keine großartigen Menschen, indem wir Ihnen Handys für 1000€ kaufen, nur weil man es sich evtl leisten können. Unsere Kinder werden großartige Menschen, wenn sie lernen, dass sie im Team stärker sind, wenn sie lernen, dass außergewöhnliche Menschen mit Behinderungen und ADHS genauso herausragende Stärken haben wie sie selber und man bereit ist jede einzelne Stärke zu nutzen.

Und was macht unsere Politik? Sie schreit nach Präsenzunzerricht um jeden Preis und denkt damit sei der Drops gelutscht.

Wir brauchen mehr, mehr Personal, mehr Zeit, mehr Geld und vor Allem mehr Blick fürs Kind.

Ich bin immer wieder entsetzt wie mit jeder Generation mehr und mehr Potential verspielt wird. Schon jetzt gehen 20% der Schüler ohne Abschluss ab. Sind sie daran Schuld und damit sozial schwach? Das ist viel zu knapp und die Politik sollte endlich mal anfangen da eine Verantwortung aufzubauen.

Magic3
1 Monat zuvor

Die Missstände im Bildungssystem, die sic jetzt erneut so eklatant zeigen, werden trotz aller Versprechen niemals behoben. Zuviel wäre zu tun.
Meine Tochter, mit wehenden Fahnen in die Lehrerausbildung gestartet, denkt gerade darüber nach, ihr Referendariat zu schmeißen.
Warum? Sie sagt, sie will nicht immer ihr hart verdientes Geld in Unterrichtsmaterial stecken. Sie sei nicht mehr dazu bereit, Stifte und Papier selbst zu kaufen oder Schachteln und Lamierfolien etc… oder Lernspiele usw… Das koste sie jeden Monat viel Geld.
Sie sagt, sie will mal ein Wochenende haben, an dem sie nicht über die Unterrichtsplanung nachdenken muss.
Dabei habe ich ihr noch nicht erzählt, dass wir gerade zum xten Mal Arbeitspläne für die neuen Lehrpläne schreiben müssen, in Arbeitsgruppen. Zusätzlich zu den Teamtreffen für die Unterrichtsplanung. Oder die Fachgruppentreffen, die Steuergruppentreffen und Konferenzen.
Und bei all der Planerei müssen wir mit 25 Jahren alten Schulbüchern arbeiten, vor allem in Musik, Sachunterricht und Religion.
Ganz zu schweigen von den Gebäuden.
Zu kleine Räume, zu wenig Räume, schlecht möbliert, fehlende Steckdosen, Risse in den Wänden, welliger Fußboden, zu wenig sanitäre Anlagen,… kein Rathaus gerät jemals in einen solchen Zustand.

Und immer heißt es nur, wir schaffen das.

NEIN, wir schaffen das nicht. Wir sind nur ganz normale Menschen. Wir sind keine Zauberer.

05er Mutter
1 Monat zuvor

@Magic3: Darf ich fragen, ob Ihre Tochter Grundschul- oder Gymnasial. Lehramt studiert? (Meine 17jähr. will Grundschullehrerin werden)
Grüße aus BaWü

mercurius
1 Monat zuvor

Auf die Gefahr hin, dass manche hier meine Meinung vielleicht (immer noch) nicht teilen werden: Angesichts der derzeitigen Entwicklung kann ich es immer weniger verstehen, dass es offenbar noch immer Lehrerväter oder Lehrermütter gibt, die das eigene Kind nicht eindringlichst davor warnen, den Lehramtsberuf zu ergreifen: Der Berufsstand „Lehrer“, den Medien und Politik seit Jahrzehnten erfolgreich zum „Prügelknaben der Nation“ umgebaut haben, wird seit einigen Jahren nur noch gnadenlos verheizt als Kanonenfutter.
Für junge und intelligente Menschen gibt es derzeit die allerbesten Chancen, interessante berufliche Alternativen zu finden, die ihnen übrigens auch die Freiheit einräumen, ihre Karriere gegebenenfalls in einem anderen Land fortzuführen.