Flüchtlingswelle: Bildungsminister bringt Anmietung von Containern für Schulen ins Gespräch

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BERLIN. Millionen Menschen fliehen vor dem Krieg in der Ukraine. Hunderttausende von ihnen kommen auch in Deutschland an – darunter viele Kinder. In Vielem ähnelt die Situation für die Kitas und Schulen der Lage im Jahr 2015, als binnen eines Jahres rund eine Million Menschen vor dem Krieg in Syrien nach Deutschland flüchtete. Erneut steigt auf die Schnelle der Bedarf an Personal und Räumen in den Bildungseinrichtungen. Manches aber ist auch anders.

Wie viele ukrainische Kinder (hier ein Foto aus dem rumänischen Grenzort Siret) nach Deutschland kommen, ist offen. Foto: Shutterstock

Die ersten Flüchtlingskinder sind in den Schulen angekommen. Stand Donnerstagmorgen wurden laut Sächsischem Kultusministerium 361 Schüler aus der Ukraine den öffentlichen Schulen im Freistaat zugewiesen. «Diese Zahl muss man allerdings mit Vorsicht genießen, weil viele noch keinen Antrag gestellt haben. Was wir an den Schulen sehen, ist die Spitze des Eisbergs», betont Kultusminister Christian Piwarz (CDU). «Für den ersten Anlauf können wir die Schülerinnen und Schüler auf die bestehenden Klassen verteilen und müssen keine zusätzlichen Klassen einrichten.»

Normalerweise würden die Kinder über die jeweiligen Schulleitungen angemeldet. Die Zuordnung allerdings sei relativ unkompliziert, weil die Ukraine ein Bildungsland sei und es eine große Vergleichbarkeit zu den deutschen Klassenstufen gebe.

Das sächsische Kultusministerium sieht darin durchaus Unterschiede zur Flüchtlingskrise in 2015. Auf ukrainischer Seite sei das Interesse groß daran, dass die geflüchteten Kinder in ihrer Muttersprache unterrichtet werden, sagt Piwarz. «Aus der Ukraine ist die Forderung groß, dass die Kinder hier in ihrer Heimatsprache unterrichtet werden und auch einen ukrainischen Schulabschluss erhalten können.»

„Sollten die Zahlen der angestellten Fachkräfte schnell steigen, könnten wir gegebenenfalls noch mehr Kapazitäten schaffen“

Daher setze das Ministerium den Anteil der Integration erst einmal niedrig an. «Denkbar ist zum Beispiel, dass die Kinder vormittags in Deutsch als Zweitsprache unterrichtet werden und am Nachmittag auf Ukrainisch – von Kräften hier vor Ort oder per Video-Unterricht aus der Ukraine», sagt Piwarz. Zunächst will die Landesregierung für den muttersprachlichen Unterricht 100 Lehrkräfte und 100 Assistenzkräfte einstellen. Die ersten von ihnen sollen bereits am kommenden Montag ihre Arbeit aufnehmen, kündigt der Kultusminister an. «Wir werden sehen, wie sich die Stellen jetzt füllen. Sollten die Zahlen der angestellten Fachkräfte schnell steigen, könnten wir gegebenenfalls noch mehr Kapazitäten schaffen.»

Auch wenn die ukrainischen Schülerinnen und Schüler zunächst in ihrer Muttersprache unterrichtet werden – niemand weiß, wie lange der Krieg dauert. Der Platzmangel in den Schulen ist ohnehin bereits eine Herausforderung, die der Aufgabe von 2015 entspricht. Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke) bringt bereits die Anmietung von Containern ins Gespräch. Wenn zusätzliche Räume für den Unterricht benötigt würden, müsse man zunächst prüfen, ob es im jeweiligen Ort Möglichkeiten zur Nutzung von Räumen gebe, sagt Holter. «Wenn es sie nicht mehr gibt, wird man auf Container zurückgreifen müssen.» So weit sei man aber noch nicht, stellt Holter klar.

„Ich gehe davon aus, dass mindestens 50 Prozent der Ankommenden Kinder und Jugendliche sind“

Container seien zwar bei den bisherigen Flüchtlingszahlen an Schulen noch kein Thema.Der Linke-Politiker rechnet allerdings mit einer großen Anzahl ukrainischer Kinder und Jugendlichen, die in den kommenden Wochen Deutschland – und Thüringen – erreichen werden. «Ich gehe davon aus, dass mindestens 50 Prozent der Ankommenden Kinder und Jugendliche sind, die dann entweder im Kindergarten oder Schulen unterkommen müssen», sagte Holter. Letztlich wisse man aber schlicht nicht, wie viele tatsächlich in Thüringen ankommen werden. Es brauche eine klare Koordinierung. Holter kündigte an, dass die Schulämter den Kindern und Jugendlichen Schulen zuweisen werden. Voraussetzung sei dafür aber, dass sich die jeweilige Familie für einen ständigen Aufenthaltsort entscheide. «Die Familien müssen bestimmen, an welchem Ort sie leben wollen», sagte Holter.

In Hamburg geht die Bildungsverwaltung davon aus, so viele Flüchtlingskinder aufnehmen zu können wie auf dem Höhepunkt der Flüchtlingswelle 2015/16. Schulsenator Ties Rabe (SPD) rechnet an den Schulen der Hansestadt in den kommenden Wochen mit mehreren Tausend zusätzlichen Kindern und Jugendlichen aus der Ukraine. «Die Zahlen der Innenbehörde lassen vermuten, dass es bis zu 4000, vielleicht sogar noch etwas mehr Kinder im schulpflichtigen Alter gibt, die hier in Hamburg dann als ukrainische Flüchtlinge einen Schulplatz suchen», sagte Rabe am Donnerstag. «4000 plus – das ist viel.»

Aktuell sei davon jedoch noch nicht sehr viel zu merken, da auf der Prioritätenliste der vor dem Krieg geflüchteten Familien in der Aufregung nicht immer der Schulbesuch der Kinder an erster Stelle stehe. «Im Moment haben wir ungefähr 750 Schülerinnen und Schüler mit ukrainischer Herkunft, die sich jetzt hier in den letzten drei, vier Tagen in Hamburg angemeldet haben», berichtete Rabe. Tatsächlich an den Schulen angekommen sind nach jüngsten Angaben der Innenbehörde vom Dienstag bislang erst etwa 120 Kinder und Jugendliche.

Die Bildungsbehörde wird die nächsten Wochen genug zu tun haben, die bereits angemeldeten Kinder und Jugendlichen unterzubringen

Rabe betont, es gelte die Schulpflicht. «Da machen wir keine Ausnahme. Ob es sich um Flüchtlinge handelt, (…) ob es sich um Ureinwohner Hamburgs handelt – das gilt für alle.» Allerdings sei die Behörde bei Flüchtlingen insofern tolerant, als dass sich diese am Anfang erst einmal in ihrer neuen Umgebung einfinden müssten und dafür Zeit bräuchten. Außerdem werde die Behörde die nächsten Wochen schon genug zu tun haben, die bereits angemeldeten Kinder und Jugendlichen unterzubringen.

Rabe rechnet in etwa zwei, drei Wochen mit einem Höhepunkt bei den Anmeldungen. Die Anmeldewege seien auch erheblich vereinfacht worden. So könnten die Kinder entweder direkt zu den Schulen gehen oder sich online anmelden. Nach dem Peek wolle sich die Behörde aber schon «auf den Weg machen und abgleichen, ob da nicht noch eine Reihe von Kindern sind, die vielleicht mit ihren Eltern noch nicht auf die Idee gekommen sind, sich anzumelden». Dies werde anhand eines Datenabgleichs geschehen. «Das ist eine gewisse Herausforderung, aber das wollen wir machen», unterstrich der Senator.

Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingswelle 2015/16 gab es den Angaben zufolge an Hamburgs Schulen 525 sogenannte internationale Vorbereitungsklassen und Basisklassen. Derzeit seien es noch 225. Geplant seien 300 weitere Vorbereitungsklassen. Bei einer Regelbelegung von 18 Kindern ergäben dies rechnerisch 5400 zusätzliche Plätze. News4teachers / mit Material der dpa

Schulen stehen durch Flüchtlinge vor großer Herausforderung – jetzt die Maskenpflicht zu streichen, ist aberwitzig

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Realist
1 Monat zuvor

„Christian Piwarz (CDU): «Für den ersten Anlauf können wir die Schülerinnen und Schüler auf die bestehenden Klassen verteilen und müssen keine zusätzlichen Klassen einrichten.»“

„Wenn zusätzliche Räume für den Unterricht benötigt würden, müsse man zunächst prüfen, ob es im jeweiligen Ort Möglichkeiten zur Nutzung von Räumen gebe, sagt Holter. “

Was würde wir nur ohne die erleuchtenden Worte der „Glorreichen 16“ machen! ENDLICH wissen die Schulen, was sie zu tun haben!

„Rabe betont, es gelte die Schulpflicht. «Da machen wir keine Ausnahme. Ob es sich um Flüchtlinge handelt, (…) ob es sich um Ureinwohner Hamburgs handelt – das gilt für alle.» “

Welch ein rhethorischer Großmeister, unsere Herr Rabe. „Ureinwohner“ klingt doch gleich viel besser als „Die, die schon länger hier leben.“ Während Frau Merkel noch herumdruckste, findet Herr Rabe wie immer die richtigen Wort!

Andre Hog
1 Monat zuvor

Auch Herr Hans aus dem schönen Saarland fand heute morgen im MoMA bereits passende Worte zur zu erwartenden Situation mit den Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine.
Es gäbe kein Problem, diese Menschen unterzubringen…es gäbe genug Wohnraum, in die die Menschen eingewiesen werden könnten…natürlich sollen auch hier die Kinder schnell wie möglich in die Schulen…Stichwort „Normalität“…aber der absolute Kracher war seine Einlassung zu den Hoffnungen, die die strukturwandelnde Wirtschaft im Saarland habe.
Herr Hans — „Vollblutpolitiker ohne Paln B — falls er nicht gewählt werden sollte“ — das Amt des MP hat er — wie Wüst in NRW zugeschustert bekommen (nach 18!!!! Semestern Hochschulstudium ohne Abschluss und damit ohne eine Berufsausbildung!!!!) hofft, dass Fachkräfte unter den ukrainischen Flüchtlingen im Saarländle bleiben, um den dortigen Mangel daran auszugleichen.

Wie unsensibel kann man sein?
Während die meisten Ehemänner der geflüchteten Frauen und ihren Kindern in der Ukraine unter Einsatz ihres Lebens versuchen, die Heimat gegen die marodierenden Truppen des russischen Kriegsverbrechers zu verteidigen, schwärmt MP Hans bereits von den Vorteilen, die sein BL aus dieser Krise ziehen kann. Ist das noch unsensibel oder bereits dreist oder grenzt das bereits an „Kriegsgewinnlerei“?
Man kann doch davon ausgehen, dass viele Flüchtlinge aus der Ukraine gerne in ihre Heimat zurückkehren möchten, wenn der Krieg beendet und die Russen (hoffentlich) vertrieben sind.

Herr Hans hat keinen Plan B — trotz 13%-Punkten Rückstand auf die derzeit führende SPD-Anwärterin Rinke….aber für die Menschen aus der Ukraine plant er bereits – zugunsten „seines“ Bundeslandes – Gewinne ein.

Georg
1 Monat zuvor
Antwortet  Andre Hog

Hans bezieht sich vermutlich auf die ganzen Studenten mit doppelter Staatsbürgerschaft, die weitgehend ohne Ukrainisch-, Russisch- und Englischkenntnissen an ukrainischen Universitäten studieren (sollen), obwohl die Unterrichtssprache ukrainisch oder russisch oder selten englisch ist.

HerrWirfHirnVomHimmel
1 Monat zuvor
Antwortet  Georg

Kannst du dir deine blaubraunen Ergüsse nicht einfach Mal sparen Georg? Unerträglich!

Georg
1 Monat zuvor

Sie scheinen ja ganz genau zu wissen, worum es geht. Dann können Sie die vorhandenen Statistiken ja bestimmt nachvollziehbar widerlegen. Mir reicht ein einziges Beispiel, das die Unterschiede in den Erwartungswerten und den tatsächlichen Zahlen nachvollziehbar erklärt.

HerrWirfHirnVomHimmel
1 Monat zuvor
Antwortet  Georg

Erklär doch erstmal, wen du mit deinen Studenten meinst Georg.
Wird aber wieder nix werden mit dem diskutieren, beim letzten Mal als du dich in Sachen SPD als Sieger wähntest, hast du auf meine Antwort, die du ja mehrfach peinlicherweise unter anderen Kommentaren eingefordert hast, nicht mehr geantwortet. Weil du halt nie Argumente hast. Da schreibst du lieber wirres Zeug von angeblichen mehrfachen Namen hier…

Georg
1 Monat zuvor
Antwortet  Georg

Erstens sind es nicht meine Studenten, zweitens wissen Sie ganz genau, wer z.B. in Garmisch Partenkirchen angekommen ist und wie erstaunt die Hotelbetreiber vor Ort darüber waren, weil sie ganz andere Relationen erwarteten. Ich warte weiterhin.

Ganz abgesehen haben Sie die Ironie in meinem Kommentar von 10:43 wohl übersehen.

potschemutschka
1 Monat zuvor
Antwortet  Georg

Ach Georg, haben Sie selbst schon mal eine längere Zeit im Ausland zugebracht, nicht nur als Tourist? Oder woher kommen Ihre Kenntnisse? Falls nicht, genügt es auch, in deutschen Hochschulstädten die Ohren aufzumachen. Die ausländischen Studenten beherrschen die deutsche Sprache nach kurzer Zeit meist sehr gut. Warum soll das in der Ukraine anders sein? Ich habe selbst 5 Jahre im Ausland studiert, mit Studenten aus aller Welt und wir haben in der Landessprache studiert und miteinander kommuniziert (und das war nicht englisch!) – die Landessprache war gleichzeitig die „lingua franca“. Einfach mal die eigene kleine Welt verlassen und über den Tellerrand schauen. Das hilft ungemein, um Vorurteile zu reduzieren.

HerrWirfHirnVomHimmel
1 Monat zuvor
Antwortet  potschemutschka

Ich habe keine Ahnung wer in Garmisch angekommen ist. Flüchtlinge sind Flüchtlinge,.egal wie sie aussehen und woher sie kommen. Sie sind vor einem Krieg geflohen Georg. Wer da Unterschiede macht, der ist es nicht wert, dass man mit ihm hier diskutiert. Gibt’s bei Tichy keine Kommentar Funktion?

Georg
1 Monat zuvor
Antwortet  potschemutschka

Auch Sie wissen ganz genau, worum es geht:

https://www.merkur.de/lokales/garmisch-partenkirchen/garmisch-partenkirchen-ort28711/news-ukraine-krieg-gap-fluechtlinge-ankunft-bayern-garmisch-unterbringung-hotel-frauen-busse-91399748.html

Zitat: „Die Männer würden in der Ukraine studieren, haben entsprechende Visa dabei, erklären sie. Die Kommunikation ist jedoch schwierig, da sie weder ukrainisch noch russisch sprechen. „Sie studieren wahrscheinlich in Englisch“, mutmaßt eine Caritas-Mitarbeiterin. Doch selbst da gestaltet sich die Kommunikation als sehr schwierig.“

Abgesehen davon muss man die Zahlen in Relation setzen zum Ausländeranteil bei den Studenten in der Ukraine von unter 0,1%.

Andre Hog
1 Monat zuvor
Antwortet  Georg

@Post völlig unverständlich …. und bitte:
Wo soll hier die Ironie versteckt sein, auf die Sie in einem späteren Antwortpost verweisen….

MannMannMann!!! Das üben Sie aber bitte nochmal!!

Andre Hog
1 Monat zuvor
Antwortet  Andre Hog

@Georg !!!! Sorry….

Georg
1 Monat zuvor
Antwortet  Andre Hog

Es ist etwas verwirrend, wenn auf einen ernst gemeinten Kommentar ein ironischer kommt, auf den das RegnendeHirn an falscher Stelle reagiert hat.

(Beim Thema ukrainische Flüchtlinge war die von mir genannte Diskrepanz nur eine durchaus diskussionswürdige Angelegenheit, die aber medial ignoriert wird und von der Bundesinnenministerin persönlich ausdrücklich erwünscht ist.)

HerrWirfHirnVomHimmel
1 Monat zuvor
Antwortet  Andre Hog

Klar wie immer falsch verstanden und die anderen Schuld. Alles wie immer Georg.

Georg
1 Monat zuvor
Antwortet  Andre Hog

In diesem Fall haben Sie tatsächlich fälschlicherweise auf den falschen Kommentar reagiert. Wieso Sie sich davon jetzt angegriffen fühlen, müssen Sie mit sich selbst ausmachen. Einen Vorwurf hat Ihnen dafür niemand gemacht.

Alla
1 Monat zuvor

Wir haben seit einer Woche ukrainische Flüchtlingskinder an der Grundschule. Die ersten 6 kamen am Montag, inzwischen sind es 10 Kinder. Nächste Woche kommen noch einige dazu, wie viele ist noch unbekannt.
Alle Eltern, Lehrer und Kinder freuen sich, helfen zu können, mit Sachspenden ( Ranzen, Federmäppchen, Heften, Stiften, Turnbeuteln…) oder durch liebevolle Aufnahme und „kümmern“.
Vielleicht sind wir aber etwas naiv herangegangen!

Einige Kinder sind traumatisiert, was sich verschieden äußert. Einige sind völlig zurückgezogen, viele sind nicht in der Lage, auf ihrem Stuhl zu sitzen, rennen schreiend durch den Raum oder rennen aus dem Raum hinaus, setzen sich unter den Tisch, oder hauen andere Kinder. Diese Kinder bräuchten eine Person, die ukrainisch spricht und der sie ihre Probleme erzählen könnten. Auf die russische Sprache reagieren einige ungern oder gar nicht, ist es doch die Sprache des Feindes.
Und nicht jedes Kind kann Russisch!
Ukrainische „Lehrerinnen“ wollen teilweise gar nicht an den Schulen arbeiten, weil sie flexibel bleiben möchten um schnell wieder in die Heimat zurückkehren zu können! Oder sie haben noch kleine Kinder, die sie betreuen, oder Omas, die mitgeflohen sind und nicht alleine bleiben wollen.

Die Bedürfnisse sind so verschieden wie die Menschen, die zu uns kommen!
Wir haben z B. eine geflüchtete ukrainische Mutter mit 2 Grundschulkindern, Deutschlehrerin mit Bachellor, die aber Angst davor hat, von den Berichten der geflüchteten Kinder „getriggert“ zu werden und das nicht zu verkraften. Deshalb kann sie uns und den geflüchteten Kindern nicht zur Verfügung stehen. Und wahrscheinlich hat sie Recht! Sie selbst hat zwar keine Kriegshandlungen erleiden müssen, ihr Mann muss aber in der Ukraine kämpfen und hat keine Ausreiseerlaubnis bekommen! Das ist für sie, ihre Mutter und die 2 Kinder schon angsterregend genug!
Jetzt anzunehmen, dass ALLE ukrainische Lehrerinnen mal eben so bei der Betreuung der ukrainischen Flüchtlingskinder einspringen können ist, gelinde gesagt, naiv!

Leider können wir LK kein ukrainisch, merken aber, dass es nicht reicht, die Kinder einfach in die Regelklassen zu stopfen und zu hoffen, es werde schon gut gehen!
Da gibt es Kinder, die Sirenen und Bombeneinschläge erlebt haben, und nicht einfach zur Tagesordnung übergehen können! Die sich nicht verständigen können und deshalb natürlich „am Rad drehen“!
Oder Kinder, die ihr gutes Zuhause verlassen mussten, deren Haustier in irgendeinem Tierheim untergekommen ist und die zu viert in kleinen privaten Einliegerwohnungen untergekommen sind und von der „Hilfsbereitschaft“ anderer abhängig sind, Bittsteller geworden sind, gewissermaßen!
Kein wünschenswerter Zustand!
Und die dann in Schulen gestopft werden, in denen sie sich im Deutschunterricht langweilen und, selbst im Matheunterricht, nicht annähernd mitkommen! Egal, was die Konsulin sagt, weiter als unsere Kinder sind die ukrainischen Flüchtlingskinder auf keinen Fall. Eher umgekehrt!
Das ist alles sehr frustrierend, für die ukrainischen Mutter, die Kinder und auch für uns, die Aufnehmenden!

Andre Hog
1 Monat zuvor
Antwortet  Alla

Liebe Alla, vielen Dank für den einfühlsamen Erfahrungsbericht….er deckt sich mit meinen Erfahrungen, die ich bereits Anfang der 90er Jahre gemacht habe, als Flüchtlinge aus dem ehemaligen Jugoslawien zu uns gekommen sind. Habe zu der Zeit zunächst in sog. Asyl- bzw Flüchtlingsspielstuben gearbeitet (Altersspanne 3 bis 15 Jahre) und dann als Lehrerassistenz in einer städtischen Hauptschule (meiner späteren Einstiegsschile in den Schuldienst) in einer sog „Auffang- bzw. Vorbereitungsklasse“.
Dort waren in beiden Einrichtungen und Organisationsformen genau diese problematischen Verhaltensweisen – bedingt durch die Kriegstraumata – zu beobachten. Von Normalität konnte in den meisten Gruppensituationen in den ersten Wochen z.T. sogar Monaten nach der Ankunft der Kinder keine Rede sein. Was die brauchten war zunächst einmal ein sozial geborgenes Umfeld mit dem starke Gefühl von Fürsorge und Verlässlichkeit. Das Gleiche galt für die Mütter / Eltern / Großeltern, die ebenfalls erst einmal Geborgenheit und Sicherheit als verlässlich erfahren mussten. Erst nach längerer Zeit konnten die Erwachsenen dann ihren Kindern dieses sichere Gefühl weitervermitteln und erst dann wurden auch die Kinder ruhiger.

Wir (also die KMK) planen gerade jedoch, die Kinder möglichst zeitnah nach ihrer Ankunft aus dem Kriegsgebiet in einer völlig fremden Umgebung in die Schulen zu holen, die ihrerseits durch die Pandemie und die gerade hochlaufenden Infektionszahlen bei SuS und bei LuL am Organisationslimit stehen. Dort herrscht – auch wenn viele – vor allem die verantwortlichen KuMis – das nicht realisieren resp. wahrhaben wollen – alles andere als beruhigende Verlässlichkeit.
Heißt: z.T. kriegstraumatisierte Kinder werden in instabile Systeme gezwungen (Schulpflicht!!) , in denen sie bei allen ehrlichen Bemühungen seitens der LuL nicht das Maß an Aufmerksamkeit, Kümmernis und Anteilnahne erfahren können, wie sie es bräuchten, da das System und die darin arbeitenden LuL das einfach nicht mehr umfassend leisten können.
Hilfen, von denen die KMK schwadroniert werden nicht zur Verfügung gestellt…stattdessen erhalten Schulleitungen von den zuständigen BzRs „vertrauliche Mitteilungen – nur für den Dienstgebrauch bestimmt“ , in denen den Schulen bzgl personeller Unterstützung für diese wichtige, drängende Aufgabe klare Absagen erteilt werden. Nicht, dass uns an den Schulen das wundern würde…aber die KMK und die ihr angehörenden 16 Gloreichen faseln in der Öffentlichkeit von den großartigen Hilfen, die sie den Schulen bei dieser „großen Herausforderung“ zur Verfügung stellen.

Alles Lüge!!!
Wir sind es gewohnt!!
Skandalös ist es dennoch!!!

Lasst die Kinder und Jugendlichen aus den Kriegsgebieten doch erst mal ankommen, sich hier ein wenig zurechtfinden, zu mehr Ruhe kommen, anstatt sie gleich in die z.T. chaotische Schulsituation in Deutschland zu werfen, wo sie das, was sie brauchen so nicht vorfinden werden – nämlich verlässliche Strukturen!

Gebauer (poison yvi) schwafelte am DonnerstagNachmittag im WDR-Radio davon, dass „die Kinder aus der Ukraine ihre Kriegserlebnisse im Miteinander mit anderen Kindern am schnellsten vergessen würden“ …. „vergessen!!!“ Jetzt mal ehrlich!!

Mein Gott, man ist intellektuelle Bankrotterklärungen von der Frau gewöhnt…aber hier hat sie wieder einmal ganze Arbeit geleistet, ihre Ignoranz, ihre Inkompetenz und ihren Willen zur eigenen politischen Karriere zu belegen…hofft sie doch, dass die Menschen im Land dumm genug sind, diesen unfassbaren Blödsinn als Engagement misszuverstehen und bei der Wahl im Mai den Freien Demokraten ihre Stimme zu geben, weil die sich ja so toll um die Belange der Kinder aus der Ukraine gekümmert haben.

Einfach widerlich!!

Darfdaswahrsein
1 Monat zuvor
Antwortet  Alla

@Alla, @Andre Hog
Das, was Sie hier anführen entspricht genau dem, was wir gerade in unserer GS erleben.
Dem ist nichts hinzuzufügen.