Gewerkschaften kündigen „heftige Reaktionen“ an: Keine Annäherung bei Tarifrunde für Kita-Fachkräfte

10

Die Kita-Fachkräfte fordern eine Aufwertung ihres Berufs. (Symbolfoto) Foto: Shutterstock

Die zweite Runde der Tarifverhandlungen für die Beschäftigten in Erziehungs- und Sozialberufen ist ohne Ergebnis zu Ende gegangen. Wie die Gewerkschaft Verdi und der Beamtenbund dbb am Dienstagnachmittag mitteilten, wurden die Gespräche auf Mai vertagt. Die Auseinandersetzung mit der Arbeitgeberseite habe sich dabei weiter zugespitzt, hieß es von Gewerkschaftsseite.

Verdi-Chef Frank Werneke übte harsche Kritik an der Position der Arbeitgeber und kündigte an, dass es vor der finalen Verhandlungsrunde im Mai «zu heftigen Reaktionen» kommen werde. Auch mit Warnstreiks sei zu rechnen. Auch der dbb kündigte an, seinen Protest in den kommenden Wochen «verstärkt auf die Straße tragen» zu wollen.

«Mit ihrem Verhalten sind die Arbeitgeber für die Zuspitzung des Konfliktes verantwortlich»

«Mit ihrem Verhalten sind die Arbeitgeber für die Zuspitzung des Konfliktes verantwortlich», erklärte der Verdi-Chef. Ein konkretes Angebot zur Entlastung der Beschäftigten sei verweigert worden. Werneke warnte vor «chaotischen personellen Verhältnissen in Kitas und sozialen Einrichtungen», wenn sich die Arbeitsbedingungen nicht verbesserten. Bis 2025 würden allein in den Kitas 300.000 Fachkräfte fehlen, sagte Werneke.

Der dbb-Bundesvorsitzende Ulrich Silberbach warf den Arbeitgebern vor, «das Ausmaß der Personalnot immer noch nicht verstanden» zu haben. Eine «konstruktive Diskussion» über die Aufwertung von Berufen in der frühkindlichen Bildung und der Sozialen Arbeit sei «kaum möglich» gewesen. Silberbach warnte vor einer «massiven Abwanderung von Beschäftigten».

VKA-Präsidentin Karin Welge hatte zum Start der zweiten Verhandlungsrunde am Montag darauf verwiesen, dass die kommunalen Sozial- und Erziehungsberufe bereits eine «Sonderstellung» einnähmen. Eine Kita-Erzieherin verdiene bereits jetzt mehr «als viele andere Beschäftigte in einem Ausbildungsberuf». Zum Abschluss der zweiten Tarifrunde gab es zunächst keine Stellungnahme.

Nach einem schwierigen Verhandlungsstart hatten Gewerkschaften und Arbeitgeber ihr Ringen um Verbesserungen für die Beschäftigten in kommunalen Erziehungs-und Sozialberufen an diesem Dienstag fortgesetzt. Wie eine Verdi-Sprecherin am Morgen mitteilte, lagen die Positionen von Gewerkschaften und Arbeitgebern «sehr weit auseinander». Bislang habe es bei den strittigen Punkten «keine Annäherung» gegeben. Man stelle sich erneut auf einen «langen Verhandlungstag» ein.

Verdi und der Gewerkschaftsbund dbb waren am Montagvormittag mit der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände VKA in Potsdam zu zweitägigen Tarifverhandlungen zusammengekommen. Begonnen hatten sie nach langer Pandemiepause im Februar dieses Jahres. Eine dritte und voraussichtlich abschließende Verhandlungsrunde ist für den 16. und 17. Mai vorgesehen.

Auch am Montag gab es anlässlich der Tarifrunde Warnstreiks von Kita-Personal

Die Gewerkschaften wollen für rund 330.000 Beschäftigte in Sozial- und Erziehungsberufen neben einer besseren Bezahlung auch attraktivere Arbeitsbedingungen erreichen – beispielsweise mehr Zeit für die Vor- und Nachbereitung von Erziehungsarbeit. Anfang März waren Tausende Erzieherinnen und Erzieher und andere Beschäftigte sozialer Berufe bundesweit auf die Straße, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Auch am Montag hatte es anlässlich der Tarifrunde etwa in Leipzig Warnstreiks von Kita-Personal gegeben. News4teachers / mit Material der dpa

Beamtenbund warnt vor wochenlangem Arbeitskampf von Erzieherinnen – auch wegen Flüchtlingskindern

Anzeige


Abonnieren
Benachrichtige mich bei
10 Kommentare
Älteste
Neuste Oft bewertet
Inline Feedbacks
View all comments
Emil
2 Monate zuvor

Nun, ich schlage die Übernahme des Ergebnisses der Runde der Grundschullehrer vor. An denen messen sich ja die Erzieher. Einverstanden?

Marc
2 Monate zuvor
Antwortet  Emil

Den Vergleich zu Grundschullehrern habe ich nie wirklich verstanden. Völlig verschiedene Einsatzgebiete, völlig unterschiedliche Ausbildung, völlig verschiedene Tätigkeitsfelder.
Ich gönne trotzdem den Erziehern einen guten Tarifabschluss. Der Beruf gehört deutlich aufgewertet.

Anne
2 Monate zuvor
Antwortet  Emil

Ich plädiere ja dafür, allen „Sozialberufen“ die diesjährige Rentenerhöhung zukommen zu lassen.

Georg
2 Monate zuvor
Antwortet  Anne

Die müssen froh sein, wenn es bei sehr langer Laufzeit die Hälfte und damit bestenfalls den halben Inflationsausgleich gibt.

Angelika
1 Monat zuvor
Antwortet  Georg

„Die müssen nichr froh sein“. Hoffentlich schaffen sie es sauer genug zu sein, um eine kurze Laufzeit durchzusetzen und notfalls „nur“ klarzustellen, dass sie in Zukunft nicht mehr immer wieder Kindergruppen allein betreuen, nur um Eltern und Arbeitgebern Schließzeiten zu ersparen.

Marion
2 Monate zuvor

Die Politiker (und viele Eltern) wollen alles: Recht auf Kitaplatz ab einem Jahr, hohe Bildungs-und Betreuungsqualität, Inklusion, Chancengleichheit, Vereinbarkeit von Familie und Beruf etc. etc.
Was tut sie (die Politik) dafür? Nichts.
Die überlasteten, von der Coronakrise gebeutelten Kitas nehmen dann auch noch die traumatisierten Flüchtlingskinder aus der Ukraine auf.
Selbstverständlich ohne zu murren.
Wir sind ja schließlich so sozial.
An den Arbeitsbedingungen in den Kitas muß man auch nichts verbessern. Wo käme man da hin? Das würde ja Geld kosten. Komisch, in Krisenzeiten stellt sich heraus, daß plötzlich Milliardenbeträge in dreistelliger Höhe aus dem Hut gezaubert werden können. Nur nicht für Bildung, Erziehung und Gesundheitswesen. Da fordert man immer nur noch mehr Leistungsbereitschaft ein. Ewas zur Unterstützung der dort Tätigen will man aber nicht tun, und damit meine ich gar nicht in erster Linie mehr Geld für das Personal. Hört lieber auf uns mit Bürokratiesch… wie Beobachtungsbögen zuzuschütten. Hört auf alle naselang eine neue frühkindliche Pädagogik – Erziehungs – Förderungs – Inklusions – Super – Duper – Methodik – Zertifikats – Sau durchs Dorf zu treiben und laßt uns einfach mal in Ruhe unsere Arbeit machen, in angemessen großen bzw. kleinen Gruppen mit genug Personal und Vorbereitungszeit. Und wenn ihr das nicht hinkriegt, hört auf damit, Eltern weiszumachen, daß ihre Kinder unbedingt ab einem Jahr in die Krippe müssen, weil die sonst sozial verkümmern. Manche glauben das nämlich tatsächlich.

Realist
2 Monate zuvor

Nur mal so zur Orientierung:

Für die Postbank (die bekanntermaßen unter starken Kostendruck steht und viele Filialien schließen musste) erreichte Verdi (der Verein, der auch für die Erzieher zuständig ist) 5,2% für zwei Jahre:
https://www.verdi.de/presse/pressemitteilungen/++co++fc28f834-aa88-11ec-a444-001a4a160129

Immerhin satte drei Prozent mehr auf zwei Jahre gerechnet als im TV-L (für den auch Verdi zuständig ist…). Kein Wunder, dass clevere Leute nicht mehr zum Staat gehen, dort ist der Reallohnverlust vorprogrammiert.

Georg
2 Monate zuvor
Antwortet  Realist

3% mehr sind aktuell aber auch nur die halbe Inflationsrate.

Bine
2 Monate zuvor

@Marion
Du sprichst mir so aus dem Herzen! Genau so ist es auch!! Alles wird von uns verlangt und immer mit einem süffisanten“Ach, das schafft ihr doch auch noch!“
Nein, tun wir nicht mehr! Es reicht!
Noch nicht mal den Coronazuschuß haben wir bekommen. Obwohl wir an der Front arbeiten!
Jetzt muß mal ein Umdenken in der Politik erfolgen. Mal sehen, was noch so kommt. Wieder nur Applaus vom Balkon?

Angelika
2 Monate zuvor

Bine und Marion kann ich gut verstehen. Aber ein Umdenken und entsprechendes Handeln muss von den Erzieherinnen kommen!!!

Es sind so viele ErzieherInnen gegen die frühe Langzeitbetreuung von Babys und Kleinkindern. Aber weil man den Kolleginnen aus der Krippe, die meist ihr Bestes geben, nicht zu nahe treten will, bleibt die Grundsatzkritik an der auch bei uns umstrittenen Bbetreuungsform aus. Erschöpfung und schlechte Erfahrungen, wenn man sich mal nicht angepasst verhalten hat, spielen auch eine Rolle. Aber das alles ließe sich mit Solidarität unter Teamkollegen verhindern.

Viele Erzieherinnen wollen doch nicht im übertragenen Sinn den „Spatz in der Hand“. Sie wollen die „Taube auf dem Dach“. – Erheblich bessere Rahmenbedingungen in KinderGÄRTEN, die diesen Namen verdienen.