Deutsch Skandinavische Schule: „Uns ist es wichtig, dass unsere Schüler die treibende Kraft sind“

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BERLIN. „Wir machen Berlin ein bisschen bunter“ – das verspricht die Deutsch Skandinavische Gemeinschaftsschule, die mit ihrem reformpädagogischen Ansatz die Bundeshauptstadt aufmischt und sich dabei auf zwei berühmte Vertreter der Zunft beruft: Maria Montessori und Jesper Juul. „Wir sind eine Schule, in der skandinavische Sprache und Kultur auf die deutsche trifft. Ob dänisch, norwegisch, schwedisch oder deutsch – wir verbinden skandinavische Schulkultur mit Montessori-Pädagogik“, so lautet die Selbstdarstellung. Wir wollten mehr wissen – und sprachen mit dem kommissarischen Leiter Jarl Schultz.

Pädagoge aus Leidenschaft: Jarl Schultz ist kommissarischer Schulleiter der Deutsch Skandinavischen Gemeinschaftsschule in Berlin. Foto: privat

News4teachers: Warum ist Ihre Schule anders als andere Schulen?

Jarl Schultz: Unsere Schule ist besonders, weil wir in Projekten arbeiten. Uns ist wichtig, dass diese Projekte mit der Realität und der Gesellschaft zu tun haben. Aktuell haben wir ein Projekt zur Flüchtlingskrise in der Ukraine. Wir haben unsere Schülerinnen und Schüler gefragt, ob sie glauben, dass wir an unserer Schule Platz für ukrainische Flüchtlingskinder haben. Unsere Schüler*innen haben sofort ja gesagt und jetzt sind wir dabei, mit Eltern und unseren Schüler*innen einen Spielplatz für Flüchtlingskinder zu planen. Dort sollen die Flüchtlingskinder samstags mit unseren Schüler*innen betreut spielen können. Auch möchten wir die Flüchtlingsfamilien bei Behördengängen und anderen Tätigkeiten unterstützen. Dazu soll auch unsere digitale Ausstattung dienen. Diese Dinge werden gemeinsam mit unseren Schüler*innen und Eltern geplant. Vor zehn Jahren hatten wir schonmal ein Projekt, wo wir Flüchtlingskinder aus Afghanistan aufgenommen haben.

Ein weiteres besonderes Merkmal der DSG Schule sind die Großprojekte. Diese laufen meist zwei Wochen lang und die ganze Schule wirkt daran mit. Da gab es zum Beispiel einen Eurovision Songcontest oder ein Lichtfestival. In den Projekten soll immer Gesellschaftswissenschaften oder Naturwissenschaften dabei sein. Vorher wird genau besprochen was bewertet wird, damit die Schüler*innen genau wissen in welche Richtung die Projekte gehen sollen.

Uns als Schule ist es wichtig, dass unsere Schülerinnen und Schüler die treibende Kraft sind. Sie sollen ihre Entscheidungen eigenständig treffen. Wir als Lehrkräfte sehen uns als Coaches, die die Schüler*innen auf ihrem Weg begleiten und unterstützen. Was unsere Schule außerdem einzigartig macht ist, dass in unserer Gemeinschaft verschiedene Sprachen aktiv gesprochen werden. Wir sprechen nicht nur Deutsch und Englisch, sondern auch Schwedisch, Dänisch und Norwegisch. Spanisch wird bei uns als Fremdsprache unterrichtet. Somit können unsere Schüler*innen schnell Kontakte ins Ausland knüpfen. Wir haben auch einige Kooperationen mit ausländischen Schulen.

News4teachers: Inwieweit ist die Lernumgebung wichtig? Wie wichtig sind flexible Räumlichkeiten für den pädagogischen Einsatz?

Jarl Schultz: Das ist uns sehr wichtig und wir versuchen unsere Räumlichkeiten bestmöglich zu nutzen. Der Klassenraum hat bei uns eine Doppelfunktion. Einerseits dient er als Klassenraum und andererseits als Fachraum für ein oder zwei Fächer. Das hängt natürlich auch von der jeweiligen Jahrgangsstufe ab. In den Klassen eins bis drei lernen die Schüler*innen erst einmal, was es bedeutet Schüler zu sein und wie so ein Schultag abläuft. In den Klassen vier bis sechs wird die interne Klassenatmosphäre immer wichtiger. In den Klassen sieben bis zehn lernen die Schüler*innen sich in Selbstverantwortung die Fächer beizubringen, denn die Lehrkräfte sind Mentoren und Coaches und begleiten die Schüler*innen in ihrem Lernprozess.

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Wir lernen in unserer Schule ja nicht nur in den Klassenräumen, sondern im ganzen Gebäude. Unsere Küchenleitung zum Beispiel hat eine pädagogische Ausbildung und wenn uns Corona gerade nicht daran hindert, helfen die Kinder und Jugendlichen bei der Essenszubereitung mit. So lernen sie direkt die richtige Ernährung und Hygiene kennen.

News4teachers: Ist der Anteil an skandinavischen Schüler*innen höher als derjenige der deutschen Schülerschaft?

Jarl Schultz: Wir haben ungefähr die Hälfte Schüler*innen aus Deutschland und die andere Hälfte stammt aus Skandinavien. Das ist auch unser Ziel, denn die deutschen Schüler*innen sollen eine skandinavische Sprache und die skandinavischen Schüler*innen sollen Deutsch lernen. Der Unterricht ist zur Hälfte auf Deutsch und zur Hälfte in einer skandinavischen Sprache.

News4teachers: Wie funktioniert in der Schulgemeinschaft das Zusammenleben der verschiedenen Sprachen und Kulturen?

Jarl Schultz: Meines Erachtens funktioniert es gut. Ich würde mir nur wünschen, dass die skandinavischen Sprachen mehr in den Vordergrund treten. Auf unserem Schulhof und im Speisesaal wird überwiegend Deutsch gesprochen. Ich würde mich freuen, wenn dort mehr skandinavische Sprachen gesprochen würden.

News4teachers: Warum verfolgt die DSG Schule die pädagogischen Konzepte von Jesper Juul und Maria Montessori?

Jarl Schultz: Unsere Schule wurde aus einer Elterninitiative heraus gegründet. Die skandinavische Pädagogik ist ein Mix aus verschiedenen pädagogischen Konzepten. Die Skandinavier sind auf diesem Gebiet sehr pragmatisch. Man macht das was funktioniert und was nicht funktioniert wird gelassen. In den Jahrgangsstufen eins bis sechs passt die Montessoripädagogik hervorragend. Die Lernumgebung ist vorbereitet und das Lernen soll nicht unter Zwang geschehen, sondern durch den eigenen Antrieb der Kinder. Sie sollen von sich aus das Lernangebot wahrnehmen.

Jesper Juul ist Familientherapeut und bei seinem Konzept geht es um die Selbstwirksamkeit von Kindern. Wir sind eine Schule auf Augenhöhe. Das bedeutet, dass wir den Kindern etwas zutrauen. Wir schreiben ihnen nicht vor wie sie handeln sollen, sondern sind ständig im Dialog mit ihnen. Schüler*innen und Lehrkräfte sind bei uns gleichberechtigte Partner.

News4teachers: Ist das Schüler-Lehrer-Verhältnis freundschaftlicher dadurch, dass sich alle duzen?

Jarl Schultz: In Skandinavien siezt man die Lehrkräfte generell nicht. Das kenne ich erst, seitdem ich in Deutschland lebe. Es gibt bei uns keine hierarchische Kommunikation, da die Lehrkräfte die Begleiter der Schüler*innen sind. Auf die Benotung hat dieses eher freundschaftliche Verhältnis keine negativen Auswirkungen. Die Kommunikation zwischen Schüler*innen und Lehrkräften ist klar und transparent. Wir können sowohl über persönliche Gefühle als auch über Leistungen sprechen.  An unserer Schule gibt es erst ab der neunten Klasse Noten. Diese sagen nichts darüber aus, ob das Kind tüchtig ist oder ein guter Kamerad. Wir sprechen mit den Schüler*innen über ihre Leistungen und besprechen die nächsten Schritte, die zu tun sind.

News4teachers: Wie sieht ein Schultag an Ihrer Schule aus?

Jarl Schultz: Je nach Jahrgangsstufe ist der Schultag unterschiedlich. Jede Klasse trifft sich morgens zur Klassenstunde bzw. in den jüngeren Jahrgängen zum Morgenkreis, wo aktuelle Themen besprochen werden. Danach gibt es ein gemeinsames Frühstück mit Frühstückspause. In den Klassen eins bis sechs können die Kinder entscheiden, zu welchen Themen sie an diesem Tag arbeiten möchten. Die Klassen sieben bis zehn entscheiden Montags, wie der Stundenplan für die Woche aussehen soll. Freitags können sie dann reflektieren wie die Woche gelaufen ist. Mittwochs ist immer unser out of school day. Dort werden Ausflüge oder Studienbesuche gemacht. In den Klassen sieben bis zehn können sich die Schüler*innen für Projekte entscheiden.

News4teachers: Wo findet der Unterricht am out of school day dann statt?

Jarl Schultz: Ein Projekt der Jahrgangsstufe sieben bis zehn befasst sich mit Berlin als Stadt. Die Klasse wird zum Beispiel die Berliner Unterwelt besuchen. Wird etwas mit Naturwissenschaft oder Astronomie gemacht, besuchen die Schüler*innen eine Sternwarte. Es gibt auch Besuche im Zoo oder im Theater. Alle Besuche werden im Unterricht in Form von Text und Bild behandelt, damit die Schüler*innen etwas lernen und eine Reflektion entsteht.

News4teachers: Können die Schüler*innen auch Unterrichtsinhalte ausschließen, wenn sie ihnen nicht gefallen?

Jarl Schultz: Nein, das können sie nicht. Das eigenverantwortliche Lernen ist etwas skandinavisches. Dennoch müssen die Kernfächer Deutsch, Mathe, Englisch und Spanisch jede Woche belegt werden. Diese Fächer brauchen eine Kontinuität und deshalb müssen die Lehrkräfte auch darauf achten. Wenn jeder Schüler seinen Stundenplan selbst macht kann der Lehrer oder die Lehrerin in seiner Funktion als Mentor sehen, welche Stärken und Schwächen das Kind hat und es danach individuell fördern.

News4teachers: Was würden Sie sich noch an Ausstattung wünschen?

Jarl Schultz: Wenn ich eine Wunschliste hätte, würde ich mir eine Aula und eine Sporthalle wünschen. Räume für Kleingruppen und Besprechungen haben wir auch nur wenige. Jeder Schüler lernt unterschiedlich. Die einen lernen in der Gruppe besser und die anderen individuell. Für diese unterschiedlichen Betreuungsmöglichkeiten hätten wir gern mehr Räume zur Verfügung.

News4teachers: Welche digitalen Medien nutzen Sie für den Unterricht?

Jarl Schultz: Wir nutzen Computer und iPads. Diese Geräte stehen für jeden Schüler zur Verfügung. Wir setzen sie im Unterricht z.B. in den Sprachen oder in Mathe zu Recherchezwecken ein. Für den Kunstunterricht haben wir einen Makerspace mit Lasercutter. Die Schüler*innen können bei uns einen Führerschein machen, damit sie die Geräte eigenverantwortlich nutzen können. Wir sind also eine sehr IT-affine Schule. Die Aufgabe der Lehrkräfte ist es darauf zu achten, dass die iPads und Computer nur für den Unterricht verwendet werden. Nina Odenius führte das Interview / Agentur für Bildungsjournalismus

Eine ursprüngliche Version des Beitrags erschien am 16. März 2022.

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32 Kommentare
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Tigrib
5 Monate zuvor

Ach, die Insel der Glückseeligen.
Nachher muss ich wieder in meinen täglichen Moloch: Leistung ist Scheiße, man muss sich ja anstrengen. Abschluss ist nicht nötig, in der Verwandtschaft komm ich schon irgenwo unter, zur Not Hartz 4, Vorteil: ich kann ausschlafen. Und Schule ist doch eh nur da, um meine Kumpels zu treffen, Mädels zu checken oder meinen Frust rauszulassen.. so sieht’s bei uns bei den meisten aus. Neugierde, Motivation, Selbstorganisation, was ist das?

DerechteNorden
5 Monate zuvor
Antwortet  Tigrib

Das liegt schlicht und einfach daran, dass in der 0815-Schule weder genügend Personal, noch die passende Ausstattung noch die richtige Durchmischung vorhanden ist.
Jede Schule könnte so oder ähnlich arbeiten, wenn die Politik es denn wollte.

Georg
5 Monate zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Die „richtige“ durchmischung, was auch immer das sein soll, wird angesichts der demographischen Entwicklung auf lange Zeit nicht mehr realisierbar sein. Vergleichbare Bildungsnähe ist ja nicht mehr erwünscht.

HerrWirfHirnVomHimmel
5 Monate zuvor
Antwortet  Georg

Wieder mal ein echter Georg. Was er damit meint, sagt er lieber nicht, dann kann er nachher wieder so tun, als hätte man ihn falsch verstanden.

Georg
5 Monate zuvor

Was meine ich denn damit, wenn nicht das gleiche wie DerechteNorden? Bitte helfen Sie mir.

DerechteNorden
5 Monate zuvor
Antwortet  Georg

Wie in meiner Klasse, Kids mit unterschiedlichen Hintergründen und Leistungsvermögen.

Georg
5 Monate zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Unterschiedliches Leistungsvermögen wird es in der deutsch-skandinavischen Schule zu genüge geben.

DerechteNorden
5 Monate zuvor
Antwortet  DerechteNorden

@Georg: Aber an Tigribs Schule wohl nicht. Sie sind vom eigentlichen Thema abgewichen.

Georg
5 Monate zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Ich bezog mich auf Ihren Kommentar zu Tigrib, der/die zumindest indirekt die Heterogenität und/oder Bildungsferne kritisierte. Ob das an den ganzen ethnisch skandinavischen Schülern liegt, müsste Tigrib selbst erklären.

Aleidis, von edlem Wesen
5 Monate zuvor

Alle reformpädagogischen Bestrebungen haben nicht dazu geführt, dass die Masse der Schüler lieber zur Schule geht als selbstbestimmt ihre Freizeit zu verbringen. Egal, was man sich da alles ausgedacht hat.

Von Finnland war oft zu lesen, die guten PISA-Ergebnisse beruhten auf dem „Vorgänger-Schulmodell“, das DDR-inspiriert war, und schwinden nun immer mehr.

potschemutschka
5 Monate zuvor

Ist das etwa ein Lob für das DDR-Schulsystem? Das war doch soooo schlecht! Ich habe beim Aufräumen ein paar alte Schulbücher gefunden, was die armen Kinder da schon für Matheaufgaben lösen mussten am Ende der 1. Klasse (rechnen mit Unbekannten, z. B. 5+a=7), sie mussten in Schreibschrift aus dem Buch in Hefte schreiben und das schon in der 1. Klasse und dann noch die Fibeltexte, richtige kleine Geschichten, sie mussten ganze Sätze abschreiben und nicht nur einzelne Wörter einsetzen usw. usw. So eine furchtbare Quälerei der armen Kinder. Noch schlimmer war es in der Kita, da mussten z. B. alle Vorschulkinder mit einer Schere schneiden können und Schleifen binden. Komisch nur, das die Zahl der Kinder mit Lese-Rechtschreibschwäche und Dyskalkulie damals geringer war.
(Achtung Ironie, ich bin übrigens seit 40 Jahren Lehrer und kenne daher beide Schulsysteme)

Klugscheisser
5 Monate zuvor
Antwortet  potschemutschka

Hehe…. Ja, kommt mir bekannt vor. Bei uns gab es keine Lückentexte. Früh mussten wir kleine Aufsätze verfassen.
Es wird Kindern immer weniger zugemutet und sie muten sie sch selbst auch nichts mehr zu. Dieses Spiegeln führt zu einer Abwärtsspirale.

Antje
5 Monate zuvor
Antwortet  potschemutschka

Ich habe auch noch von Klasse 1-4 alle Mathebücher, Muttersprachen und Heimatkundebücher. Vielleicht nicht ganz so schön, aber da wurde wirklich noch etwas gefordert. Die Matheübungsheftaufgaben eignen sich super für TÜ’s. Nur Klasse 1 setzt man jetzt erst in Klasse 3 an ….

Monika, BY
5 Monate zuvor
Antwortet  potschemutschka

Wenn wir der Leiterin der GS unseres Sohnes erwähnten, dass unsere Töchter durch und trotzdem Homeschooling 1-er im Gym schreibt, sagte sie, das spielt keine Rolle. Unser Sohn soll in der Schule sitzen, unabhängig von seiner Leistung. GS liegt an unserem Sohn so viel, dass er von der GS komplett ausgeschlossen bleibt.

Schon in GS spielt die Leistung keine Rolle mehr. Die Kids sind verwirrt, da sie schon in GS lernen wie sie Schule vor allem wegen „Freunde“ . AGs und Geburtstagspartys besuchen.

Keine Wunder dann, dass 3-er oder 4-er in den weiterführenden Schulen als ganz OK eingestuft wurde.

PISA Studie will ich überhaupt nicht mehr komentieren.

potschemutschka
5 Monate zuvor
Antwortet  potschemutschka

Ich habe gerade gelesen, dass viele ukrainische Flüchtlingskinder schon gute Deutschkenntnisse haben und deshalb in die Regelklassen können. Da empfehle ich den Schulen, diese Kinder nicht altersgerecht in die Klassen zu verteilen, sondern mindestens ein Schuljahr höher (außer vielleicht in den D-Stunden). Denn so wie ich das ukrainische Bildungssystem einschätze, würden die Kinder ansonsten noch ein weiteres Trauma erleiden. In Mathe, Naturwissenschaften und Fremdsüprachen sind die Schüler definitiv weiter als gleichaltrige deutsche Schüler.

Herbert Kreisch
4 Monate zuvor
Antwortet  potschemutschka

„Denn so wie ich das ukrainische Bildungssystem einschätze, würden die Kinder ansonsten noch ein weiteres Trauma erleiden. In Mathe, Naturwissenschaften und Fremdsüprachen sind die Schüler definitiv weiter als gleichaltrige deutsche Schüler.“

Vermutlich 😉 deshalb hat das ukrainische Generalkonsulin, Iryna Tybinka, Deutschland darum gebeten, die Flüchtlingskinder nicht in integrierte Klassen zu stecken, sondern die ukrainischen Kinder von ukrainischen Lehrern und nach ukrainischem Lehrplan zu unterrichten.

Begründung: Der Unterricht sei „intensiver, vollzieht sich in kürzerer Zeit als in Deutschland und hat ebenso höhere Anforderungen“

https://www.uhz-online.de/news/news_lang.php?ArtNr=307112

und weiter

„Sie betonte, dass die Schüler in der Grundschule und in den Naturwissenschaften schneller voranschreiten.“

https://www.msn.com/de-de/nachrichten/politik/ukrainische-generalkonsulin-lehnt-unterricht-in-willkommensklassen-ab/ar-AAV8DOK?li=BBqg6Q9

Die Erfolge und Zukunftsfähigkeit des deutschen Bildungssystems scheinen sich anscheinend in der Welt rumzusprechen…

Lakon
4 Monate zuvor
Antwortet  Herbert Kreisch

Aber die Deutschen wissen sich zu wehren: solche Sonderwünsche werden selbstverständlich verweigert.

Alla
5 Monate zuvor

Zum Glück kann diese Deutsch-Skandinavische Schule mit ihrem Projekt, dass nicht auf „Leistung“ sondern auf „Schulhof“ basiert, zumindest einige ukrainische Flüchtlingskinder Willkommen heißen!
Hoffentlich werden die Schule/Eltern ganz schnell mit ihrem Projekt an den Start gehen!
Ich finde es lobenswert, dass diese Eltern sich – trotz 2-jährigem Lockdown mit Homeschooling und Homeoffice – noch so für Schule einsetzen und nicht müde werden, sich zu engagieren!
Chapeau!

Realist
5 Monate zuvor
Antwortet  Alla

Im Text steht: „und jetzt sind wir dabei, mit Eltern und unseren Schüler*innen einen Spielplatz für Flüchtlingskinder zu planen. Dort sollen die Flüchtlingskinder samstags mit unseren Schüler*innen betreut spielen können.“

Ich hoffe, dass diese Musterschule nicht nur samtags mit den Flüchtlingskindern Fußball spielt, sondern diese auch regulär beschult, und zwar soviele Kinder, wie es der Schulgröße im Vergleich zu anderen öffentlichen Schulen entspricht. Und natürlich auch keine ausgesuchten Kinder, sondern eine gesunde Mischung, so wie die Flüchtlingskinder hier ankommen.

Frage
5 Monate zuvor
Antwortet  Realist

@Realist
Und den LuL wird dann das Gehalt angeglichen (vllt. sogar verbeamtet)?
Die Kostenübernahme der SuS wird dann komplett staatlich übernommen?

Realist
5 Monate zuvor
Antwortet  Frage

Anerkannte Ersatzschulen erhalten ca. 90% der Gelder, die eine entsprechende öffentliche Schule bekommen würde. Der Rest wird über Schulgeld finanziert. Also ok, 90% der Flüchtlinge, wenn man es auf das rein Finanzielle beschränkt und auf gesamtgesellschaftliche Solidarität verzichten will. Wie die Schule mit den Geldern dann ihre Lehrer bezahlt, ist in diesem Kontext völlig irrelevant. Das müssen die Lehrer selber mit ihrer Schule aushandeln. Die arbeiten ja freiwillig dort.

Fragen über Fragen
5 Monate zuvor
Antwortet  Realist

Wo haben Sie die Zahl von 90% denn bitte her? Normalerweise ist der staatliche Zuschuss 50%(-70%), der Schnitt angeblich bei 60% – bei Ersatzschulen entfällt sie komplett, wenn ich mich nicht ganz irre. Hier ist auch die Frage, welche Privatschulen betroffen sein sollten … „Nur“ staatlich anerkannte oder auch die staatlich erlaubten und ebenso die Ersatzschulen? Aber sogar bei 90% (was einfach nicht stimmt): Wer zahlt die übrigen 10%(-50%)?

Warum ist das völlig irrelevant? Private Schulen haben andere „Privilegien“, darunter zählt eben auch, nicht jede/n SuS annehmen zu müssen. Meistens deutlich kleinere Klassen usw. Dazu sollte der/die SuS gegebenfalls halt auch das Konzept der Schule mit tragen. Schon alleine deshalb würde Ihr Vorschlag mit „durchmischt“ und SuS-Schlüssel einer Regelschulklasse halt zumindest fragwürdig sein.

Natürlich haben sich die LuL (mehr oder weniger) die Schule ausgesucht bzw. arbeiten dort freiwillig.
Das Selbe könnte man jedoch auch als Argument gegen eine Angleichung der Löhne im öffentlichen Dienst/Beamtenbezug nehmen. Dann wäre es also auch okay, dass GS/MS bei A12 in einigen Bundesländern bleibt und vllt. sollten die anderen Bundesländer wieder zu A12 tendieren? Ebenso braucht es dann auch keine Gehaltserhöhung? Die Privatschullehrer kommen ja auch irgendwie um die Runden. Die LuL haben ja schließlich sich die Schulform ausgesucht und arbeiten freiwillig an ihrer Schule…

Ich will hier auch keinen persönlich Angreifen, falls das so rüber kommen sollte. Ich finde Ihre Beiträge hier im Forum meistens sehr gut @Realist.
Aber wenn man schon die Vorteile einer Privatschule anfechtet, dann bitte auch die Nachteile.

Realist
4 Monate zuvor
Antwortet  Realist

@Fragen:

Ich glaube, Sie verwechseln hier etwas. Es gibt Ersatzschulen und Ergänzungsschulen. Die Deutsch-Skandinavische-Gemeinschaftschule ist eine anerkannte Ersatzschule und erhält 93% ihrer Personalkosten vom Berlin erstattet. Steht alles auf deren Homepage. Und Personalkosten machen bei Schulen regelmäßig ca. 80% der Gesamtkosten aus. Wer so viel Geld vom Staat bekommt, der ist zumindest moralisch verpflichtet, sich an der gesamtgesellschaftlichen Aufgabe der Aufnahme und Integration der Flüchtlinge entsprechend zu beteiligen. Und zwar so, wie diese ankommen, ohne eine wie auch immer geartete „Selektion“.

A12 für Grund- und Mittelstufenlehrer ist aus zwei Sachen hochproblemtatisch. Es handelt sich dabei um die einzige(!) Berufsgruppe, die einen Master-Abschluss hat, die nicht mit mindestens A13 (oder äquvialent für Tarifbeschäftigte) bezahlt wird. Dies ist historisch bedingte Frauendiskriminierung (3/4 der entsprechenden Lehrkräfte sind Frauen). Das ist heutzutage noch möglich ist und es sich auf politischer Ebene vielerorts nichts tut, um das zu beseitigen, ist ein Armutszeugnis und zeugt nur von der Verlogenheit der Debatte um Diskrimierung im Allgemeinen und von Frauen im Besonderen. Würde die Besoldung angepasst werden, hätte man auch wieder mehr Männer, die Grund- oder Mittelstufenlehrer werden wollen, da diese mehrheitlich erst gar nicht auf die Idee kommen, so einen stressigen und nervenaufreibenden Job für so wenig Geld zu machen.

Fragen
4 Monate zuvor
Antwortet  Realist

@Realist
Ich kann auf Ihren Beitrag unten leider nicht antworten, daher versuche ich es hier:
Da haben Sie recht, für Berlin scheint das wirklich so zu sein und bei der Schule des Berichts zuzutreffen.
Mir ging es eher generell um „Privat/Ersatzschulen“. Dort ist das eben nicht soo selbstverständlich, wie es bei Ihnen klang.
Ein Beispiel:
https://www.freistaat.bayern/dokumente/leistung/935186159777
Bei der obigen Schule haben Sie durchaus recht. Hier kann ich Ihre Gedanken (Forderungen?) nachvollziehen.

Das Gehalt wird anscheinend in Berlin auch bei Personal der Privat-/Ersatzschulen relativ gut angeglichen? Das ist leider auch nicht selbstverständlich … Bei manchen Schulen geht das Gehalt doch seeehr weit auseinander. Im Vergleich zur Regelschule sowieso. Auch bei ansonsten gleicher Vita.
Mir ging es auch nicht darum, dass ich A12 gut halten würde, ganz im Gegenteil. Allerdings halte ich das Angleichen des Gehaltes an Privatschulen ebenfalls für nötig und wichtig. Um zu wenig Arbeit kann sich auch im Lehrerberuf wohl keiner beschweren. Wer seinen Job gut machen will, der ist oft am Limit der Zeit (meistens bleibt es leider nicht nur bei der Zeit, sondern noch anderen Grenzen). Egal welche Schulform und -art.

Lakon
4 Monate zuvor
Antwortet  Realist

Die Regeln für Privatschulen sind in jedem Bundesland anders.

Ehemalige
5 Monate zuvor

Leider klingt das alles viel schöner, als es in Wahrheit ist. So ist zum Beispiel die Hälfte des Unterrichts an der DSG keineswegs in einer skandinavischen Sprache, sondern (wenn überhaupt) nur das Fach an sich. Dass die Kinder selbst entscheiden, was sie machen, stimmt – da kann ein halbes Schuljahr später auch durchaus noch das Matheheft leer sein, wenn man zu Hause nicht nachsteuert.
@potschemutschka: Das DDR Schulsystem kenne ich nicht, klingt aber wie das genaue Gegenteil der DSG 😉

Alla
5 Monate zuvor
Antwortet  Ehemalige

An dieser Schule wird wohl Wert auf Elternmitarbeit gelegt!

Also, checken Sie bitte, ob Ihr Kind das lernt was es irgendwann einmal brauchen wird! Ein Ingenieur / VWLer/ Naturwissenschaftler… wird es ohne Mathe wohl nicht werden, für einen Journalisten, Sozialarbeiter, Germanisten wird es noch reichen. Es sei denn, der Numerus Clausus passt nicht….

Und ein kreativer Handwerker wird sowieso die wichtigste Person in Zukunft! Auch dafür braucht man Mathe???
Äääähm, ok, wird das Kind halt ein kreativer Kulturschaffender! Auch in diesem Bereich gibt es Menschen, die davon leben können. Vielleicht mal bei DSDS bewerben?

Alla
5 Monate zuvor
Antwortet  Alla

Das Projekt „European Songcontest“ geht ja schon mal in die richtige Richtung!

SuS und Schulabhängig
4 Monate zuvor

An vielen Privatschulen wird Wert auf Elternmitarbeit (EMA) und SuS-Selbständigkeit gelegt. Das passt für manche SuS und Eltern sehr gut, für andere nicht.
Haben Sie (@Ehemalige) mit der Schule Kontakt aufgenommen und das Problem mit dem Matheheft angesprochen? Normalerweise sollten hier sowohl Eltern, als auch LuL nachsteuern und den/die SuS eben auch in Mathe begleiten.
Als staatlich anerkannte Ersatzschule darf die Schule (in Abschlussklassen) Jahrgangsnoten machen und schreibt die Landesprüfungen wie an Regelschulen mit. Die Schule darf zwar die Prüfungen selbst abnehmen, sollte bzw. muss aber staatlich geprüft sein und kontrolliert werden. Daher gilt auch hier durchaus der jeweilige Lehrplan.
Wissen Sie vielleicht, wie die Durchfallquote und die Durchschnittsnoten bei den staatlichen Tests (bspw. Deutsch und Mathe) an dieser Schule ausfallen? Das wäre vielleicht interessant.

Lakon
4 Monate zuvor

Reden die mit den Kindern eigentlich auch in Sternchensprache?

Ehemalige
4 Monate zuvor

@SuS und Schulabhängig
Ja, mehrmals, ich fürchte da wäre es einfacher, mit ner Wand zu reden…daher bei uns auch der Schulwechsel. Natürlich kann ich da nur für die Klasse reden, in die mein Kind gegangen ist, bei den anderen läuft es vielleicht anders. Was Abschlüsse angeht, weiß ich nicht, ob das irgendwo registriert wird. Schnelles googeln ergibt nur jede Menge Statistiken zum Abitur, aber das kann man an der DSG ja nicht machen…ich weiß nur, dass zwischendurch mal eine Mathelehrerin als Verstärkung in die Klasse kam, die selbst zu mir gesagt hat, die Kinder könnten ganz grundlegende Rechnungen nicht machen (in einer jahrgangsgemischten 4/5/6!) und das müsste sie jetzt alles aufholen…hat aber leider nicht so wirklich geklappt. Vielleicht war’s einfach zu viel zum Aufholen…

SuS und Schulabhängig
4 Monate zuvor
Antwortet  Ehemalige

Schade, dachte ich mir aber beim Abi … Hätte gehofft, sie wissen das aus privaten Elterngesprächen oder sowas.

Das mit dem Mathe ist sehr ärgerlich. Das sollte so nicht sein. SuS müssen dort einfach geleistet werden und einen Rahmen bekommen. Wenn sie nur das machen, worauf sie gerade bock haben, klappt das bei einigen wenigen bestimmt gut, bei anderen aber gar nicht. Und spätestens dort sollte die LuL gegenwirken und auch zu Mathe motivieren bzw. auffordern. Gerade Mathe baut sich auf und die Basics werden einfach gebraucht.
Ich hoffe Ihr Kind bekommt das noch gut hin.