Studie: Sport fördert Sprung aufs Gymnasium

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MÜNCHEN. Sport fördert die Leistungsfähigkeit von Grundschulkindern, haben Wissenschaftler der TU München ermittelt. Körperlich fitte Grundschulkinder fühlen sich besser, können sich besser konzentrieren und schaffen eher den Sprung aufs Gymnasium als Kinder, die sportlich weniger leistungsfähig sind.

Zahlreiche Studien bestätigen die Vorteile von Sport und die positiven Einflüsse auf den Unterricht auch in anderen Fächern. Wissenschaftler der TU München (TUM) haben nun auch einen direkten Zusammenhang von körperlicher Fitness, Konzentration und gesundheitlicher Lebensqualität von Grundschulkindern nachgewiesen. Regelmäßige Bewegung hält Kinder gesund und macht sie fit für die Schule, so ihr Resümee.

Beine eines Weitspringers in der Luft vor zusehender Schülergruppe
Sport fördert die Leistungsfähigkeit auch in anderen Fächern, eine Erkenntnis, die Wissenschaftler der TU München nun bewiesen haben. Foto: Maximilian Schönherr / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

An der Studie beteiligten sich 3285 Mädchen und 3248 Jungen aus dem Berchtesgadener Land. Die Schlüsselkriterien, körperliche Kraft und Ausdauer, Konzentrationsfähigkeit und die gesundheitsbezogene Lebensqualität wurden von den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern nach international standardisierten Testverfahren bestimmt. Körperliche Kraft und Ausdauer wurden nach den Kriterien der FitnessGram-Leitlinien gemessen. Die Konzentrationsfähigkeit wurde mit dem d2-R Test bestimmt und die gesundheitsbezogene Lebensqualität (health related quality of life, HRQOL) anhand des sogenannten KINDL Fragebogens.

Die Ergebnisse: Je besser die Fitness der Kinder, umso besser konnten sie sich konzentrieren und umso höher war ihre gesundheitsbezogene Lebensqualität. Dabei schnitten die Jungen bei den Fitnesstests besser ab, während die Mädchen bei den Konzentrations- und Lebensqualitätswerten überlegen waren.

Gleichzeitig erreichten übergewichtige und fettleibige Kinder bei allen Tests für die körperliche Fitness signifikant schlechtere Ergebnisse als unter- oder normalgewichtige Kinder. Insbesondere bei den adipösen Kindern waren auch die Werte für die gesundheitsbezogene Lebensqualität insgesamt, für körperliches Wohlbefinden, Selbstwertgefühl sowie das Wohlbefinden in Freundschaften und Schule deutlich vermindert.

TUM-Wissenschaftlerin Renate Oberhoffer-Fritz fasst ein weiteres Ergebnis der Studie zusammen: „Grundschulkinder mit einer guten körperlichen Fitness und Konzentrationsfähigkeit schaffen eher den Sprung auf das Gymnasium“. Umso wichtiger sei es, Kinder frühzeitig motorisch zu fördern, weil sich damit auch die Entwicklung der geistigen Fitness positiv beeinflussen lasse. Um hierfür flächendeckend ein geeignetes Angebot zu schaffen, sei ein Zusammenwirken von Eltern, Schulen, Gemeinden und Sportvereinen wichtig.

Oberhoffer-Fritz‘ Kollege Thorsten Schulz, der die Studie geleitet hat, weiß auch bereits ein konkretes Beispiel zu berichten: „Die Studienergebnisse waren für das Landratsamt Berchtesgadener Land unter anderem auch ein Anlass, seit 2019 allen Erstklässlerinnen und Erstklässlern der Region ein Jahr Mitgliedschaft in einem Sportverein zu schenken. Das ist ein schönes Beispiel dafür, wie verschiedene Akteure zusammenarbeiten und Kinder zum Sport motivieren und verhelfen können.“ (zab, pm)

News4teachers Bildungs-Podcast Spezial: Zurück zum Sport! Ideen gegen die Bewegungsarmut

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Georg
1 Monat zuvor

Wie wäre es mit:

Durch sportliche Aktivität körperlich ausgelastete Kinder können sich tagsüber in der Schule besser konzentrieren, weil der Bewegungsdrang nicht überhand nimmt.

Carsten60
1 Monat zuvor

Jetzt fehlt noch eine hochwissenschaftliche Studie darüber, wie es sich auf schulische Leistungen auswirkt, wenn Kinder morgens regelmäßig Cornflakes mit Milch oder eine bestimmte Sorte Müsli essen. 🙂

Frank
1 Monat zuvor

Schon wieder so eine unsinnige Studie, die nur eine Korrelation feststellt aber keine Kausalität. Es könnte ja auch sein, dass ressourcenstarke Elternhäuser mehr Wert auf Sport legen und mehr Geld dafür aufbringen. Eine Studie mit Aussagekraft würde lange dauern, wäre teuer und viel aufwendiger.

cravie
1 Monat zuvor

Was mir seit 20 Jahren auffällt, was aber wohl nie durch eine Studie untermauert wurde (zumindest ist mir keine bekannt): Fußball bleibt in der Hauptschule, wer ein Musikinstrument spielt, kommt mindestens auf die Realschule.

Georg
1 Monat zuvor
Antwortet  cravie

Wenn man sich die Bundesligaspieler mal in Interviews anhört, merkt man auch sehr deutlich, dass es sich nicht um Atomphysiker handelt. Das müssen sie auch nicht sein, weil sie gut Fußballspielen können müssen und keine Pfadintegrale ausrechnen. Abgesehen davon dürften die allgemeinen schulischen Leistungen und die Arbeitshaltung eine wichtigere Rolle spielen als die Hobbys. Für Geige oder Klavier braucht es allerdings ein größeres Durchhaltevermögen auch für scheinbar langweilige oder monotone Dinge (Tonleitern) als für Fußball.

Teacher Andi
1 Monat zuvor
Antwortet  Georg

Denkfehler, wenn man nun den Leistungssport und dessen Unzulänglichkeiten mit der Tatsache vergleicht, dass Kinder sich bewegen sollten. Wer so argumentiert, hat nichts verstanden.

Georg
1 Monat zuvor
Antwortet  Teacher Andi

Umgekehrt wird ein Schuh draus: abgesehen vom Torhüter kommt es beim Fußball weniger als bei Musik auf kognitive Hochleistungen oder andere Eigenschaften im Sinne einer Eignung für das Gymnasium an.

Teacher Andi
1 Monat zuvor

@Georg: das ist eine Facette, die sicher auch relevant ist, aber den anderen Argumenten nicht widersprechen, oder?
@Carsten60: richtig, es braucht sicher keine hochwissenschaftlichen Studien um festzustellen, dass sportliche Bewegung (nicht Leistungssport) für viele Bereiche positive Auswirkungen hat, aber wenn man das nie thematisiert, wird sich an der Bewegungsarmut unserer Kinder nichts ändern, da die Eltern das offensichtlich doch nicht so auf dem Schirm haben.
@Frank: Sport zu treiben ist keine Frage der Finanzen, sondern der Überzeugung. Es muss nicht Golf oder Voltigieren sein, eine gesunde Einstellung zur Bewegung reicht.
@cravie: Fußball bleibt keineswegs in der Hauptschule, wo haben Sie denn das her? Leider ist es so, dass viele Hauptschüler gar keine Affinität zu Sport haben, warum auch immer. Und erstens hat das Musikinstrument hier nichts mit dem Thema „Bewegung“ zu tun, das sind andere Studiengrundlagen.
Im Grunde sollte doch eigentlich jedem klar sein, dass sportliche Bewegung sowohl für die physische als auch für die psychische Gesundheit des Menschen enorm wichtig ist (mens sana….., Lernen braucht Bewegung …). Und nicht zu vergessen: die Komponente der Sozialkompetenz. Alles schon tausendfach erforscht, zig-tausendfach erlebt und erfahren, und trotzdem motivieren immer weniger Eltern ihre Kinder zum Sport, was sicher auch mit Aufwand verbunden ist, da ist es doch einfacher. das Kind mit digitalen Medien zu beschäftigen. Oder da gibt es Eltern, die ihr „Supertalent“ bereits in der Bundesliga bzw. auf internationalen Wettkämpfen sehen und mit hohem Aufwand und falschem Ehrgeiz letztendlich in ein großes Loch zu fallen, zusammen mit ihrem Kind.
Sportliche Betätigung ist nicht mit Leistungssport gleichzusetzen, den sehe ich eher als schädlich an. Aber jedem sollte klar sein, dass in unserer bequemen und technisierten Welt der Sport, die Bewegung, die auch Spaß mit sich bringt, einen hohen Stellenwert haben müsste. Aber da wird eher gespart, bzw. die Bequemlichkeit siegt. Man sieht es ja an den steigenden Adipositas Fällen und sogar Stoffwechselstörungen unter Kindern. Dazu braucht es keine hochwissenschaftlichen Studien, sondern geöffnete Augen.

Tom
1 Monat zuvor

„…fördert Sprung aufs Gymnasium“ ja und?