Schul-Massaker in Texas: Zwei Lehrerinnen starben beim Versuch, ihre Schüler zu retten – eine andere täuschte den Täter

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WASHINGTON. Beim Schul-Massaker in Texas wurden zwei Lehrerinnen getötet, die offenbar versucht hatten, das Leben ihrer Schülerinnen und Schüler aus der vierten Klasse zu retten. Die Lehrerin einer Nachbarklasse schaffte es offenbar, den Täter zu täuschen. Der soll unmittelbar vor seinem Amoklauf mit einer deutschen Schülerin gechattet haben.

Die beiden getöteten Lehrerinnen Irma Garcia (l.) und Eva Mireles. Foto: Uvalde CISD

Viele Hintergründe der Tat von Uvalde sind noch unklar – zum Beispiel die Frage, warum die Robb Elementary School zum Ziel wurde. Der Chef der Behörde für Öffentliche Sicherheit in Texas, Steven McCraw, sagte, das Motiv des Täters, des 18-jährigen Salvador Ramos, sei noch nicht bekannt.

Nach Angaben der Behörden kündigte er seine Tat kurz zuvor auf Facebook an – offenbar gegenüber einer 15-Jährigen Schülerin aus Frankfurt am Main, mit der er über das Netz seit Anfang Mai in Kontakt gestanden hatte. «Er sah glücklich aus und fühlte sich wohl im Gespräch mit mir», zitierte CNN die Schülerin. Kurz vor der Tat soll er sich per Textnachricht bei ihr über seine Großmutter beschwert haben. Dann habe er dem Mädchen mitgeteilt, der 66-Jährigen in den Kopf geschossen zu haben. Die Frau überlebte. Der Schütze habe dem Mädchen im Anschluss auch geschrieben, in einer Grundschule um sich schießen zu wollen, so CNN. Das sei die letzte Nachricht an das Mädchen in Deutschland gewesen.

Der Gouverneur von Texas, Greg Abbott, sagte bei einer Pressekonferenz in Uvalde, der Amokläufer sei – nachdem er auf seine Großmutter geschossen habe – in einem Fahrzeug davongefahren und habe nahe der Grundschule einen Unfall gebaut. Er sei dann vor der Polizei in die Schule und dort in einen Klassenraum geflohen. Abbott sagte, ein Grenzschutzbeamter habe den Täter schließlich erschossen. Bevor der Täter getötet wurde, soll er immer wieder laut gerufen haben: »Lasst mich in Ruhe!«

„Mama, ich habe keine Worte, um zu beschreiben, wie ich mich jetzt, morgen und für den Rest meines Lebens fühle“

Eine Mutter berichtete gegenüber „Spiegel online“, ihre Tochter sei in einem Klassenraum gewesen, als um 11.32 Uhr plötzlich Schüsse zu hören waren. Die Lehrerin, die an diesem Tag eine Kollegin vertrat, habe geistesgegenwärtig regiert, das Licht gelöscht und den Schülern befohlen, sich zu verstecken. »Die Kinder krochen dann unter die Tische«, erzählte die Mutter.

Die Klasse folgte damit dem sogenannten Active-Shooter-Drill, der in US-Schulen regelmäßig für solche Fälle geübt wird. Der Angreifer, der durch den Hintereingang in das Gebäude eingedrungen war, ging dann tatsächlich am dunklen Klassenraum vorüber – um einige Türen weiter seine Opfer zu finden. Er richtete in der vierten Klasse mit einer halb automatischen Waffe vom Typ AR-15 ein Blutbad an, erschoss dort 19 Kinder und zwei Lehrkräfte, Irma Garcia (46) und Eva Mireles (44), während er sich vor der Polizei verschanzte. Mehr als eine halbe Stunde lang soll das Gemetzel gedauert haben.

Garcia und Mireles unterrichteten bereits seit 17 Jahren beziehungsweise 23 Jahren an der Grundschule, seit fünf Jahren gemeinsam, wie auf der Homepage der Robb Elementary School zu lesen ist. Irma Garcia hinterlässt vier Kinder, Eva Mireles eine Tochter. Diese widmete ihrer Mutter eine bewegende Nachricht. „Mama, ich habe keine Worte, um zu beschreiben, wie ich mich jetzt, morgen und für den Rest meines Lebens fühle.“ Sie nennt in dem Post ihre Mutter eine „Heldin“, die versucht habe, das Leben ihrer Schülerinnen und Schüler zu retten. Beide Lehrerinnen sollen versucht haben, die Kinder von dem Schützen abzuschirmen.

Die Schülerinnen und Schüler sollten an diesem Tag ihre Zeugnisse bekommen. Um die Woche vor den Ferien zu begehen, sei für den 24. Mai das Motto „Footloose and Fancy“ („ungebunden und schick“) ausgegeben worden, wie das Nachrichtenportal „The Telegraph“ berichtet. Die Grundschulkinder hätten sich für den Tag also besonders gekleidet und „lustige und ausgefallene“ Schuhe getragen. Mehr als zwölf Stunden nach der Tat waren immer noch Angehörige im Unklaren über den Verbleib einzelner Schüler. Viele Kinder waren mit schweren Verletzungen in umliegende Krankenhäuser gebracht worden. Teils waren die Opfer so entstellt, dass nur mit DNA-Proben ihre Identität restlos geklärt werden konnte.

Gouverneur Abbott sagte mit Blick auf den Täter: «Das ist das schiere Gesicht des Bösen selbst.» Der Republikaner gilt als fanatischer Befürworter von lockeren Waffengesetzen. Abbott führte diese und ähnliche Taten nicht auf den leichten Zugang zu Waffen, sondern auf eine Zunahme von psychischen Erkrankungen zurück. Er argumentierte, dass 18-Jährige in Texas seit 60 Jahren Gewehre kaufen könnten, es aber nie zu einem Schulmassaker diesen Ausmaßes gekommen sei. Zudem hätten von Demokraten regierte Städte oder Bundesstaaten wie Chicago oder Kalifornien strengere Waffengesetze als in Texas, würden aber dennoch mehr Opfer durch Schusswaffen verzeichnen.

„Ich habe einfach satt, was da vor sich geht. Das ist gegen den gesunden Menschenverstand“

Eine Verschärfung der Waffengesetze in den USA scheitert seit vielen Jahren am Widerstand der Republikaner. Während viele Demokraten seit langem eine substanzielle Verschärfung der Vorschriften für Waffenbesitz im Land fordern, sind viele Republikaner vehement dagegen. «Ich habe einfach satt, was da vor sich geht», sagte US-Präsident Joe Biden am Mittwoch und warb einmal mehr für eine Reform der Waffengesetze im Land. Viele Änderungen könnten einen Unterschied machen, ohne dass sich dies negativ auf den zweiten Verfassungszusatz auszuwirken würde. Bidens republikanischer Amtsvorgänger Donald Trump spricht morgen bei der Jahresversammlung der Waffenlobby-Organisation NRA.

Das Recht auf Waffenbesitz in den USA ist in der Verfassung verankert. Der entsprechende Passus stammt aus dem 18. Jahrhundert. Biden betonte, bei der Verabschiedung des zweiten Verfassungszusatzes habe es bestimmte Waffen noch gar nicht gegeben. Dass ein 18-Jähriger heute einfach in ein Geschäft gehen könne, um Kriegswaffen zu kaufen, sei nicht richtig. «Das ist gegen den gesunden Menschenverstand.» Der US-Präsident kündigte an, er wolle «in den nächsten Tagen» mit seiner Ehefrau Jill – einer Lehrerin – nach Texas reisen und sich dort mit Familien treffen.

Die Tat von Uvalde – eine von ihrer hispanischen Gemeinde geprägten Kleinstadt mit rund 16.000 Einwohnern – ist eines der Schulmassaker in der US-Geschichte mit den meisten Opfern. Nur beim Shooting an der Sandy-Hook-Grundschule in Newtown im Bundesstaat Connecticut im Dezember 2012 starben mehr Menschen. News4teachers / mit Material der dpa

Warum immer wieder Schulen? Massaker an einer US-Grundschule erschüttert die Welt – 19 Kinder und eine Lehrerin tot

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Grundschullehrer
1 Monat zuvor

Es ist sehr schwer, dafür die passenden Worte zu finden. Man findet im Grunde keine Worte.
Die Waffengesetzgebung in den USA muss verschärft werden. Es macht sprachlos, dass ein 18-jähriger dort einfach so eine Waffe kaufen kann.

klexel
1 Monat zuvor

Inzwischen wurde bekannt, dass der Ehemann der erschossenen Lehrerin Irma Garcia (linkes Bild) zwei Tage nach dem Überfall einem Herzanfall erlegen ist. Sie hinterlassen vier Kinder.
Quelle: https://abcn.ws/38SNK1R

Kätzchen
1 Monat zuvor

Es ist wirklich ganz schrecklich. Mein Mitgefühl gilt allen Angehörigen, die jetzt so viel Leid und Schmerz erdulden müssen. Kinder, die nie eine Chance bekommen haben, ihr Leben zu leben. Da fehlen einem die Worte. Ich verstehe einfach nicht, wieso dieses Land immer noch an diesen laschen Waffengesetzen festhält. Wenn sich da nichts ändert, wird das immer wieder passieren und unschuldige Menschen werden sterben.