BERLIN. Beim Vertrauen in den Staat zeigte sich das Land in den vergangenen Jahren schwankend. Nun ist das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger auf einem Tiefststand angelangt – wie eine aktuelle Umfrage im Auftrag des Beamtenbundes (dbb) zeigt. Deutlich wird dabei zwar, dass die Probleme in Kitas und Schulen für viele Menschen gegenüber der Energiekrise an Relevanz verlieren. Andererseits hat das Image von Kita-Beschäftigten und Lehrkräften erkennbar gelitten.
Weniger als jede und jeder Dritte in Deutschland hält den Staat einer neuen Umfrage zufolge derzeit für fähig, seine Aufgaben zu erfüllen. Den Staat überfordert sehen deutliche Anteile derzeit in den Bereichen Energie und Klimaschutz. Das zeigt eine am Donnerstag in Berlin präsentierte Bürgerbefragung des Beamtenbunds dbb. Trotz Corona, Lehrermangel und der nur schleppend verlaufenden Digitalisierung: Weniger große Anteile als früher sehen den Staat bei der Schul- und Bildungspolitik überfordert – nämlich nur noch 13 Prozent derjenigen, die den Staat grundsätzlich für überfordert halten (gegenüber 19 Prozent 2021 und sogar 24 Prozent 2019).
Dabei spiegelt sich offensichtlich der Fokus der Berichterstattung in den Medien: Bei Klima- und Umweltschutz haben 15 Prozent diesen Eindruck (2019: 13 Prozent). Hingegen sehen nur noch 10 Prozent den Staat derzeit in der Asyl- und Flüchtlingspolitik als überfordert an – 2019 waren dies noch 19 Prozent. Neun Prozent derjenigen, die den Staat für überfordert halten, halten ihn im Umgang mit dem Krieg in der Ukraine oder mit Russland für überfordert. Das Institut Forsa erhebt jährlich für den dbb Daten zum Vertrauen in Staat und öffentlichen Dienst.
In der im Juli durchgeführten Erhebung gaben nur noch 29 Prozent der Befragten an, der Staat sei handlungsfähig und könne seine Aufgaben erfüllen. Der Wert lag 2019 schon einmal bei nur 34 Prozent. 2021 hielten 45 Prozent den Staat für handlungsfähig. Zwei Drittel (66 Prozent) halten den Staat derzeit für überfordert nach 51 Prozent im vergangenen Jahr.
«Jetzt zahlt die Gesellschaft den Preis dafür, dass wir bei der Politik um jeden Euro und jede Stelle für den öffentlichen Dienst feilschen müssen»
Der dbb-Vorsitzende Ulrich Silberbach sagte: «Der Trend war bereits letztes Jahr zu erkennen, jetzt ist das Kind endgültig in den Brunnen gefallen.» Der Staat präsentiere sich als schlechter Krisenmanager. Silberbach nannte etwa die Klimakrise oder Corona. Der Gewerkschafter sagte: «Jetzt zahlt die Gesellschaft den Preis dafür, dass wir bei der Politik um jeden Euro und jede Stelle für den öffentlichen Dienst feilschen müssen.» In der Umfrage schlagen sich aktuelle politische Sorgen nieder. So meinen 17 Prozent derjenigen, die den Staat für überfordert halten, dies sei vor allem in Sachen sichere und bezahlbare Energieversorgung der Fall. Im vergangenen Jahr hatten dies nur 4 Prozent gesehen.
Beim Ansehen einzelner Berufsgruppen stehen nach wie vor Feuerwehrleute mit einem hohen Ansehen bei 93 Prozent der Befragten an oberster Stelle – gefolgt von Beschäftigten in der Pflege, bei der Polizei, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Kitas sowie Ärztinnen und Ärzten. Allerdings gingen die Werte in diesen Gruppen teils deutlich nach unten: So haben Polizistinnen und Polizisten noch bei 78 Prozent ein hohes Ansehen – nach 85 Prozent im vergangenen Jahr. Auch Kita-Fachkräfte verloren an Reputation: Sie verzeichnen aktuell ein «hohes» oder «sehr hohes» Ansehen bei 75 Prozent der Befragten – gegenüber 81 Prozent im Vorjahr und sogar 85 Prozent 2017.
Lehrkräfte liegen auf der Image-Skala im Mittelfeld der Berufsgruppen – gleichauf mit Kanal- und Klärwerksmitarbeitern. Ihnen wird von 63 Prozent der Befragten ein zumindest hohes Ansehen zugesprochen. Auch Lehrkräfte haben damit deutlich gegenüber dem Vorjahr (69 Prozent) verloren. 2017 hatten sogar noch 75 Prozent der Befragten angegeben, ein «hohes» oder sogar «sehr hohes» Ansehen von Lehrkräften zu haben.
Bemerkenswerterweise wird in der Umfrage zwischen «Lehrkräften» und «Studienräten» unterschieden – letztere schneiden deutlich schlechter ab: Ihnen attestieren nur noch 39 Prozent der Bürgerinnen und Bürger ein hohes oder sehr hohes Ansehen. „Studienräte“ verzeichnen damit einen besonders hohen Image-Verlust von minus 14 Prozentpunkten gegenüber 2017 (53 Prozent). Sie liegen im Beliebtheits-Ranking aktuell zwischen „Unternehmer/in» und „Steuerberater/in».
«Am besten schneidet wie bereits in den letzten Jahren die Straßenreinigung bzw. Müllabfuhr mit einer durchschnittlichen Bewertung von 1,9 ab»
Silberbach unterstrich, dass unter den beliebtesten Berufsgruppen überwiegend Jobs aus der Daseinsvorsorge seien. «Wer einen konkreten Dienst für die Gesellschaft erbringt, erfährt von seinen Mitmenschen dafür in der Regel Wertschätzung – oft mehr als vom Arbeitgeber oder Dienstherrn», sagte der dbb-Chef. Auch das Profil der Beamtinnen und Beamten ganz allgemein werde zwar von der Vertrauenskrise in den Staat negativ beeinflusst, bleibe dabei aber auf einem erfreulich hohen Niveau: Eine Mehrheit der Menschen in Deutschland verbinde mit dem Berufsbeamtentum weiterhin Eigenschaften wie «pflichtbewusst», «verantwortungsbewusst», «zuverlässig» und «rechtschaffen».
Unter den Aufgaben des Staates halten mit 62 Prozent viele die Aufrechterhaltung der sozialen Gerechtigkeit in der Gesellschaft für besonders wichtig. Investitionen in den Klimaschutz sehen 53 Prozent als sehr wichtig, die Verbesserung der Infra- und Verkehrsstruktur 45 Prozent, einen Ausbau und die Modernisierung des öffentlichen Dienstes 44 Prozent.
Wie bewerten die Bürgerinnen und Bürger die verschiedenen Einrichtungen der öffentlichen Hand? Die Bildungseinrichtungen verlieren langsam – aber stetig. In Schulnoten ausgedrückt: Kitas liegen noch bei einer Durchschnittsnote von 2,4 (gegenüber 2,2 im vergangenen Jahr sowie 2020). Schulen kommen nur noch auf eine 3,1 (gegenüber 3,0 im vergangenen Jahr und 2,9 im Jahr 2020). «Am besten schneidet wie bereits in den letzten Jahren die Straßenreinigung bzw. Müllabfuhr mit einer durchschnittlichen Bewertung von 1,9 ab», so heißt es in der Studie. News4teachers
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