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Weltlehrertag! GEW und VBE: Lehrkräftemangel ist die zentrale Herausforderung

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BERLIN. Anlässlich des Welttags der Lehrerin und des Lehrers am 5. Oktober weisen die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und der Verband Bildung und Erziehung (VBE) die Politik in einer gemeinsamen Erklärung auf die zentrale Rolle hin, die Lehrkräfte in unserer Gesellschaft spielen – und fordern zu massiven Investitionen in den Bildungsbereich auf. Als zentrale Herausforderung machen beide Gewerkschaften den massiven Lehrkräftemangel aus.

Der Welttag der Lehrerin und des Lehrers soll die wichtige Rolle von Lehrkräften in der Gesellschaft würdigen. Foto: Shutterstock

Den Gewerkschaften zufolge startete das laufende Schuljahr mit bundesweit schätzungsweise 20.000 bis 30.000 fehlenden Lehrkräften. Perspektivisch wird diese Lücke bis 2035, laut Berechnungen des VBE, auf bis zu 160.000 anwachsen, wenn die Bedarfe für die bereits beschlossenen pädagogischen Reformmaßnahmen Ganztag, Inklusion und die Unterstützung von Kindern in herausfordernden sozialen Lagen in die Kalkulation einbezogen werden (News4teachers berichtete).

Maike Finnern, Vorsitzende der GEW, formuliert die gemeinsame Forderung an die Politik: „Politik muss den Lehrkräfteberuf wieder attraktiver machen. Nur so können mehr junge Menschen für diesen wunderbaren, sinnstiftenden Beruf gewonnen werden.“ Lange Arbeitszeiten und hohe Arbeitsverdichtung führten häufig in die Krankheit: Das schrecke junge Leute bei der Berufswahl ab.

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„Wir müssen den Teufelskreis aus hoher Belastung durch Lehrkräftemangel und Lehrkräftemangel durch hohe Belastung durchbrechen. Dafür sollen beispielsweise die Arbeitszeit gesenkt, die Klassen kleiner und der Gesundheitsschutz verbessert werden. Um die wichtigen und richtigen Reformen wie Ausbau des Ganztags und der Inklusion zu stemmen, müssen in den Schulen zudem mehr multiprofessionelle Teams aus Sozialarbeiter*innen, Erzieher*innen und Lehrkräften gebildet werden. Die pädagogischen Fachkräfte wollen diese Entwicklung gestalten. Politik muss sie dabei unterstützen, indem sie gute Rahmenbedingungen schafft – Politik darf diese gesellschaftlichen Reformen nicht mit der Schuldenbremse und durch Untätigkeit vor die Wand fahren“, sagt die GEW-Chefin.

„Ich kann nur an die Politik appellieren, diesen Weckruf zu erhören, ausreichend Personal zur Verfügung zu stellen”

Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des VBE, fügt mit Blick auf die Rolle der Lehrkräfte hinzu: „Die Krisen, die wir derzeitig erleben, verdeutlichen den besonderen Stellenwert, den Lehrkräfte in einem demokratischen Gefüge innehaben. In Zeiten wie diesen, in denen Reichsbürger und sogenannte Querdenker den ‚Tag X‘ und damit den Umsturz unserer Demokratie herbeisehnen, in denen Despoten auf bestialische Weise ihre imperialistischen Großmachtphantasien umsetzen und die Welt in Atem halten und die Klimakrise die Welt vor wortwörtlich existenzielle Herausforderungen stellt, wird eine gute Bildung als Basis für den Erhalt und die Weiterentwicklung unserer Demokratie immer bedeutsamer. Mit ihr steht und fällt somit auch Teilhabe für alle, Frieden, Menschenrechte und nicht zuletzt: unsere Freiheit. Aber Bildung braucht Menschen, die sie vermitteln.“

Es seien die Lehrkräfte, die den Wandel und die Weiterentwicklung unserer Gesellschaft gestalten. Beckmann: „Ich kann nur an die Politik appellieren, diesen Weckruf zu erhören, ausreichend Personal zur Verfügung zu stellen und Lehrkräfte, ihrer zentralen Rolle entsprechend, angemessene Würdigung und gute Arbeitsbedingungen zukommen zu lassen.“

World Teachers' Day

Die Initiative zur weltweiten Würdigung des Lehrerberufes ging auf einen Beschluss von UNESCO, Internationaler Arbeitsorganisation (ILO) und Bildungsinternationale (EI) zurück. Seit 1994 wird der Weltlehrertag jährlich am 5. Oktober begangen – im Gedenken an die “Charta zum Status der Lehrerinnen und Lehrer”, die 1964 von der UNESCO und der ILO angenommen wurde. Seit damals heißt das Ziel: qualifizierte Lehrkräfte für hochwertige Bildung zu gewinnen.

Die Bildungsinternationale, die weltweit mehr als dreißig Millionen Lehrkräfte vertritt, setzt sich für die weltweite Durchsetzung der “Charta zum Status der Lehrerinnen und Lehrer” (in der unter anderem Arbeitsbedingungen und pädagogische Freiheit thematisiert werden) ein und fordert eine internationale Anerkennung des Weltlehrertags. Sie ruft dazu auf, jeweils am 5. Oktober mit Veranstaltungen und Aktionen auf die besondere Bedeutung des Lehrerberufs für die Bildung und die individuelle und gesellschaftliche Entwicklung hinzuweisen und den Lehrerinnen und Lehrern die notwendige Unterstützung zukommen zu lassen.

Die GEW und der VBE sind zwei von über vierhundert Mitgliedsgewerkschaften der Bildungsinternationale und beteiligen sich regelmäßig am Weltlehrertag und den internationalen Aktivitäten zum 5. Oktober.

OECD-Bericht zur Bildung in Deutschland – Schleicher: Wie der Lehrerberuf für junge Menschen attraktiver werden könnte

 

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