Amokalarm! Lehrer und Schüler verschanzen sich in Klassenräumen

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SIEGBURG. Dramatische Stunden in Siegburg bei Bonn: Wegen einer «Gefahrenlage» ist die Polizei heute Vormittag mit starken Kräften an einer Realschule angerückt. Angeblich sei dort eine Person mit einer Schusswaffe gesehen worden, teilte die Polizei auf Twitter mit. Zeugen hätten auch von Knallgeräuschen berichtet. Die Polizei überprüfte zwei Verdächtige. Am Nachmittag hieß es dann, dass die Durchsuchung im Schulgebäude beendet sei. Vor Ort bestehe keine Gefahr mehr. Dafür verlagerte sich das Geschehen in Richtung Bahnhof – auf den Parkplatz eines Berufskollegs.

Auch ein Polizeihubschrauber war im Einsatz (Symbolbild). Foto: Shutterstock

Wie der  „Kölner Stadt-Anzeiger“ unter Berufung auf die Schulleiterin der Alexander-von-Humboldt-Realschule berichtet, hatte eine Mitarbeiterin des an die Schule angrenzenden Integrationsbüros gegen 10 Uhr eine vermummte Person beobachtet, die über einem Gegenstand kniete, der einer Waffe ähnelte. Die Frau soll zudem zwei Schüsse gehört haben, die offenbar auch von Menschen im Inneren des Schulgebäudes wahrgenommen wurden. Die alarmierte Polizei entschied sich nach einer ersten Einschätzung dazu, einen Amokalarm auszulösen.

Sofort rückte ein Großaufgebot der Polizei aus, Spezialeinsatzkräfte (SEK) wurden hinzugerufen. Das Gelände wurde weiträumig abgesperrt; ein Hubschrauber kreiste stundenlang über dem Gebiet.

Die Beamten hätten im Bereich der Schule Reste von Feuerwerkskörpern und Munition gefunden, wie es zunächst hieß – der angebliche Fund von Munition erwies sich allerdings später als Falschmeldung. Zwar gebe es aber keine Hinweise darauf, dass die verdächtige Person in die Schule gegangen sei; vorsichtshalber würden Polizisten die Schule nun durchsuchen, so hieß es gegen 11 Uhr. Die Schülerinnen und Schüler befänden sich unter Aufsicht der Lehrkräfte in verschlossenen Klassenräumen. Die Schule sei weiträumig abgesperrt. Die Polizei kläre die Situation und bitte Eltern, die Schule nicht aufzusuchen.

Unterdessen lief die Fahndung nach möglichen Gefährdern. Auf mehrere Verdächtige passe eine Personenbeschreibung von Zeugen. «Es wurden mehrere Personen angetroffen, auf die die Täterbeschreibung passt. Sie werden zurzeit von uns überprüft», sagte der Sprecher. «Von einer Festnahme kann man noch nicht sprechen.» Später hieß es, dass zwei junge Männer im Fokus der Ermittlungen stünden. Das Ergebnis der Befragungen stand zunächst noch aus.

Am Nachmittag stand dann zur Erleichterung von Einsatzkräften sowie Schülern und Lehrern fest, dass an der Alexander-von-Humboldt-Realschule nichts Schlimmes passiert oder zu erwarten war. Um kurz vor 15.00 Uhr twitterte die Polizei in Siegburg unter den Hashtags «Aktueller #Einsatz #Siegburg #Gefahrenlage», dass die Durchsuchung der Realschule abgeschlossen sei und alle Kinder wohlbehalten ihren Eltern übergeben wurden.

Auch der nahe gelegene Siegburger Bahnhof und ein Streckenabschnitt der Bahn wurden gesperrt. Der Zugverkehr wurde vorübergehend eingestellt

Derweil wurde unter einem Fahrzeug an einem zwei Kilometer entfernten Parkplatz eines Berufskolleg ein verdächtiger Gegenstand entdeckt. Er werde nun von einem Entschärfer untersucht, teilte die Polizei auf Twitter mit. Für die Zeit wurde im Umkreis von 400 Metern alles geräumt, darunter auch Wohn- und Geschäftsräumei. Auch der nahe gelegene Siegburger Bahnhof und ein Streckenabschnitt der Bahn wurden gesperrt. Der Zugverkehr wurde vorübergehend eingestellt. Es kam zu Verspätungen und Zugausfällen im Regionalverkehr. Auch der Fernverkehr auf der Schnellfahrstrecke zwischen Frankfurt und Köln war betroffen. Züge mussten laut Deutscher Bahn weiträumig umgeleitet werden und konnten nicht in Siegburg/Bonn, Montabaur und Limburg-Süd halten. Es kam zu Verspätungen.

Ein Polizeisprecher erklärte, bei dem Gegenstand handele es sich um einen Rucksack, den einer der beiden Verdächtigen weggeworfen haben soll. Am frühen Abend kam auch hier die Entwarnung: Von dem Rucksack ging keine Gefahr aus. «Die Untersuchung des verdächtigen Gegenstandes verlief negativ. Die polizeilichen Absperrungen werden schrittweise aufgehoben», hieß es von der Kölner Polizei. News4teachers / mit Material der dpa

„Lehrer und eine größere Anzahl von Schülern sollten getötet werden“: Bundesanwaltschaft erhebt Anklage gegen Essener Schüler

 

 

 

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Lehramtsaussteiger
24 Tage zuvor

Das Verschanzen in einem Klassenzimmer könnte in der „schönen neuen Schulbauwelt“, die auf Klassenzimmer mit komplett einsehbaren Klassenzimmern mit Vollverglasung, teils sogar ohne Türen setzt, interessant werden.