ERFURT. Das Thüringer Bildungsministerium hat für Schulen im Freistaat eine Broschüre zur kritischen Auseinandersetzung mit dem Rassen-Begriff veröffentlicht. Zu lange sei Schülerinnen und Schülern vermittelt worden, es gebe Menschenrassen. Am Dienstag ist der Internationale Tag gegen Rassismus.
«Dass die Vorstellung von Menschenrassen wissenschaftlich unhaltbar und klar widerlegt ist, spiegelt sich bereits seit Langem in den Thüringer Lehrplänen wider», sagte Bildungsminister Helmut Holter (Linke) am Montag. Es bedürfe aber dennoch «immer wieder konkreter fachlicher Darlegungen, damit aus theoretischer Faktenlage auch tatsächliches Wissen und daran anknüpfend demokratische Überzeugung werden kann.»
«Rassismus ein alltägliches Problem», so heißt es im Klappentext der Broschüre. «Rassentheorien wurden noch bis Anfang des 21. Jahrhunderts in Schulen vermittelt, und sie sind daher in den Köpfen vieler Menschen verwurzelt.» Die nun veröffentlichte Broschüre behandelt die «Jenaer Erklärung» aus dem Jahr 2019, eine «wissenschaftliche Stellungnahme, die das “Konzept der Rasse” sowie den Rassismus in den Wissenschaften und der Öffentlichkeit kritisch und aktuell hinterfragt», wie es in dem Heft heißt.
«Aktiv gegen jegliche Form des Rassismus und gegen Diskriminierung in den Schulen zu wirken, ist eine Verpflichtung für alle Lehrkräfte, für alle Pädagoginnen und Pädagogen in Thüringen», sagte Holter. Die Handreichung sei auch ein Beitrag zur Demokratiebildung an den Schulen.
«Die Biologie darf niemals mehr eine Grundlage für solche Diskriminierungen sein»
Prof. Uwe Hoßfeld von der Friedrich-Schiller-Universität Jena, einer der Autoren der Broschüre, sagte, es gebe alle möglichen Formen von Diskriminierung. «Die Biologie darf niemals mehr eine Grundlage für solche Diskriminierungen sein», sagte Hoßfeld, der an der Uni Jena Leiter der Arbeitsgruppe Biologiedidaktik ist. Deshalb müsse frühzeitig im Unterrichtsfach Biologie gegen Falschdarstellungen sensibilisiert werden.
«Hier sehe ich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Lehrerinnen und Lehrer – in Zusammenarbeit mit der Politik, Bildungseinrichtungen etc. – in der Verantwortung. Denn oftmals ist – wie hier am Beispiel der Verwendung des Begriffes Rasse auf den Menschen – die Anwendung nichts anderes als biologisches Unverständnis/Nichtwissen. Oder man nutzt geradezu absichtlich falsches biologisches Wissen, um andere Menschen zum Beispiel aufgrund ihrer Hautfarbe oder von anderen Dingen zu diskriminieren.»
«Es gibt – um es explizit zu sagen – nicht nur kein einziges Gen, welches ‘rassische’ Unterschiede begründet, sondern noch nicht mal ein einziges Basenpaar»
Heute reiche Biologinnen und Biologen ein einziger Blick in die menschliche DNA, um die Behauptung, es gebe Menschenrassen, zu widerlegen. «Es gibt – um es explizit zu sagen – nicht nur kein einziges Gen, welches ‘rassische’ Unterschiede begründet, sondern noch nicht mal ein einziges Basenpaar.» Heißt: Menschen unterscheiden sich selbst in den kleinsten Bausteinen des Erbguts – unabhängig von ihrer Herkunft. News4teachers / mit Material der dpa
Hier lässt sich die Handreichung herunterladen.
