Themenwochen: Warum sind Sie Lehrer an einer Waldorf-Schule geworden, Herr Großkreutz?

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ULM. Angeblich esoterisch, zu wenig leistungsorientiert, weltfremd: Die Waldorf-Pädagogik sorgt immer wieder für Diskussionen. Nachdem der Bund der Freien Waldorfschulen auf News4teachers sich offen der Kritikpunkte gestellt hat (hier geht es zu dem Interview), wollten wir von einer Waldorf-Lehrkraft wissen, wie ihr pädagogischer Alltag aussieht. Wir sprachen mit Sebastian Großkreutz, der seit über 20 Jahren an der Freien Waldorfschule am Illerblick Ulm Deutsch in den Klassen 9-13 und Ethik als Abiturfach unterrichtet.

Sebastian Großkreutz unterrichtet seit über 20 Jahren an der Freien Waldorfschule am Illerblick Ulm. Foto: privat

News4teachers: Aus welchem Grund sind Sie Waldorflehrer geworden? Wie sind Sie zur Waldorfpäd­agogik gekommen?

Sebastian Großkreutz: Ich habe Germanistik und Philosophie (Magister) studiert und dabei bemerkt, dass es mir sehr große Freude bereitet, über Themen, die im Studium verhandelt wurden, zu kommunizieren und sie Interessierten näherzubringen. Zufällig entdeckte ich in der Zeit, als ich an meiner Abschlussarbeit brütete, in einer überregionalen Tageszeitung eine Anzeige des Seminars für Waldorfpädagogik in Kassel. Ich ließ mir – in dieser noch prädigitalen Zeit – einen Katalog zusenden, der das Ausbildungsprogramm sehr reflektiert darstellte. Es hat mich überzeugt, genauso wie die Persönlichkeiten vor Ort bei meiner Vorstellung und die anschließende Ausbildung.

News4teachers: Warum haben Sie sich für die Schule entschieden, an der Sie dann als Lehrkraft begonnen haben – und bis heute arbeiten?

Freie Waldorfschule am Illerblick

Eine nahezu familiäre Gemeinschaft, ein naturnaher Standort, ein engagiertes und wertschätzendes Kollegium und viele Möglichkeiten, eigene Ideen in die pädagogische Arbeit einzubringen: Die Freie Waldorfschule am Illerblick sucht Pädagog*innen – ein Generationenwechsel steht an.

Die Freie Waldorfschule am Illerblick Ulm. Foto: Illerblick

Das Kollegium wird sich in den nächsten Jahren verändern. Lang erfahrene Kolleginnen und Kollegen werden die Schule verlassen. Die Freie Waldorfschule am Illerblick sucht pädagogisch begeisterte Menschen, denen die nächste Generation am Herzen liegt. „Sie haben eine sehr gute fachliche Ausbildung und stehen pädagogisch auf dem Boden der Waldorfpädagogik? Sie sprühen vor Ideen und möchten die Waldorfpädagogik zukunftsfähig gestalten? Dann finden Sie bei uns Ihren Tätigkeitsraum. Eine individuell abgestimmte Einarbeitung und Mentorierung sind selbstverständlich – bewerben Sie sich!“, so heißt es.

Nähere Informationen zu Stellenausschreibungen finden Sie unter https://www.waldorfschule-am-illerblick.de/stellenangebote/. Ihre Bewerbung richten Sie bitte per E-Mail an bewerbungen@illerblick.de. Weiterführende Informationen zu unserer Schule finden Sie unter www.illerblick.de.

Sebastian Großkreutz: Ich fand die Kollegen*innen vor Ort beim Bewerbungsgespräch sehr sympathisch, der Unterricht am nächsten Tag, bei dem ich hospitiert habe, erwies sich als lebendig und zugleich begrifflich sehr präzise, die Lehrerin als fachkompetent. Aber auch das Ge­lände und die Caféteria der Schule erschienen mir wie Orte, wo man sich gerne auf­hält. Außerdem haben die Schüler*innen die Lehrerin, die mich herumgeführt hat, und auch mich aufgeschlossen gegrüßt.

News4teachers: Was ist das Besondere an der Arbeit an dieser Schule?

Sebastian Großkreutz: Das kann ich nicht gut beantworten, weil ich noch nie länger an einer anderen Schule gearbeitet habe. Ich könnte mir aber vorstellen, dass das Besondere speziell an unserer Schule ist, dass man in den Klassenstufen, in denen ich unterrichte und wovon ich auch wirklich Ahnung habe, besonders ernsthaft auf die Wünsche und Vorstellungen der Schüler*innen eingeht.

News4teachers: Welche Vorteile sehen Sie in der Waldorfpädagogik im Gegensatz zu anderen pädago­gischen Konzepten?

Sebastian Großkreutz: Ich äußere mich ungern zu Sachverhalten, von denen ich keine Ahnung habe. Da ich noch nicht an anderen Schulen – egal mit welchem pädagogi­schen Konzept – arbeiten musste, kann ich die Frage auch nicht fachkompetent beant­worten, sondern nur darüber spekulieren, wie es mir persönlich erginge, wenn ich z. B. als Beamter an einem Gymnasium arbeiten würde. Und diesbezüglich vermute ich, dass ich mich zu sehr von äußeren Vorgaben, die mich nicht überzeugen, z. B. Lehrplan, vorgeschriebene Anzahl an Klassenarbeiten, Bedeutung der Noten usw., eingeschränkt fühlen würde. Abgesehen davon überzeugt mich auch nicht die Art, wie die Lehrpläne für sogenannte Regelschulen festgelegt werden. Was da drinsteht, erscheint mir doch sehr oft von kontingenten Faktoren bestimmt.

News4teachers: Einige Kritiker*innen werfen der Waldorfpädagogik vor, dass sie zu esoterisch sei. Was würden Sie einer solchen Kritik entgegnen?

Sebastian Großkreutz: DIE Waldorfpädagogik gibt es nicht. Es gibt diverse Schulen, die sich nach waldorf­pädagogischen Prinzipien richten, mit mehr oder weniger Erfolg. Zu bestreiten, dass es an diesen nicht auch Lehrer*innen geben könnte, die Aussagen von Rudolf Steiner oder zumindest solche, die sie dafür halten, so anwenden, dass man das als esoterisch bezeichnen kann, wäre wohl vermessen, zumal ich nicht jede*n Waldorflehrer*in auf der Welt kenne. In dem Bereich an unserer Schule, wo ich arbeite, ist mir das, was ich unter Esoterik verstehe, aber noch nie untergekommen bzw. nicht in dem Ausmaß, dass es für mich irgendeine ernstzunehmende negative Relevanz hat. Hierbei stellt sich auch noch noch die Frage, was man unter „Esoterik“ versteht. Manche würde schon die Vorstellung als esoterisch bezeichnen, dass der Zusammenhang von Worten bzw. Buchstaben und Begriffen nicht – wie es die Strukturalisten betrachten – zufällig sein soll. In der Eurythmie oder in der waldorfpädagogischen Sprachlehre (zumindest in der Unterstufe) sieht man das aber so. Von mir aus kann man diese Ansicht gerne als esoterisch ansehen, wenn man es möchte. Trotzdem erscheint mir diese Vorstel­lung pädagogisch nicht als problematisch.

News4teachers: Wie sieht es mit sehr leistungsbereiten Schüler*innen und Hochbegabten aus? Kön­nen diese an einer Waldorfschule eine für ihre Bedürfnisse optimale Förderung erhal­ten?

Sebastian Großkreutz: Auch diesbezüglich habe ich zu wenig Kenntnisse, weil ich die sehr leistungsbereiten Schüler*innen ja nur an unserer Schule und nicht an anderen unterrichten durfte. Hin­sichtlich meiner Unterrichte kann ich aber behaupten, dass ich mich schon allein des­halb sehr bemühe, diese Schüler*innen ins Boot zu holen, weil es mir große Freude bereitet, am Intellekt von jungen Menschen teilzuhaben. Dafür gibt es in meinen Fä­chern zahlreiche Möglichkeiten, nicht nur im Unterricht, sondern auch durch Empfeh­lungen hinsichtlich Büchern, Filmen und Veranstaltungen, die nicht direkt den Unter­richt betreffen, sondern worüber man dann auch in der Pause oder nach dem Unter­richt reden kann. Dieser sehr effektiven Art der Förderung wird leider wenig Beach­tung geschenkt, da man sie nicht im Lehrplan verankern kann, sondern weil sie von der individuellen seelischen Produktivität des*der Lehrers*in abhängt. Nina Odenius führte das Interview.

Themenwochen Privatschulen: „Wir stellen uns der Kritik“ – Wie (offen) der Bund der Freien Waldorfschulen auf Vorwürfe reagiert

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Oliver Rautenberg
1 Jahr zuvor

Zwei Dinge sind an diesem Artikel ungeheuerlich: Dass News4Teachers von „angeblicher“ Esoterik in der Waldorfpädagogik spricht. Und dass der Lehrer freiheraus Esoterik in der Waldorfschule leugnet. Das darf so nicht unkommentiert veröffentlich werden, Frau Odenius!

Die Waldorfpädagogik basiert auf der Anthroposophie, einer esoterischen Weltanschauung des Okkutlisten und selbsternannten Hellsehers Rudolf Steiner. Sie teilt die Kinder nach ihrem angeblichen Reinkarnations-Status auf Erden in 4 Gruppen ein. Alle 7 Jahren geht die Wiedergeburt in eine neue Phase, in der Ätherleib, Astralleib und Co. gebildet würden. Das bestimmt die Unterrichtsinhalte und Methoden. Der Charakter des Kindes wird oft an der antiken Temperamenten-Lehre festgemacht. Steiner war kein Pädagoge, sondern hat seine Erkenntnisse „geschaut“, in „höheren Welten“. Seine Theorie, dass die Menschheit aus dem Kosmos stamme und auf Erden in „Atlantis“ (!) gelandet sei, wird immer wieder im Geschichtsunterricht (!) der 5. Klasse als historischer Fakt gelehrt. Keine Esoterik, Frau Odenius? Herr Großkreutz?

Dass das Waldorf-Konzept auf esoterischen Hirngespinsten basiert, kann und darf man nicht verschweigen. Und darüber lügen sollte man in gar keinen Falle.

Oliver Rautenberg (Anthroposophie.blog)

Zitrone
1 Jahr zuvor

Genauso gut könnte ich das deutsche Regelschulsystem als Ausgeburt des deutschen Kaiserreichs beschreiben – begründet im 19. Jahrhundert als Abbild einer imperialen Dreiklassen-Gesellschaft, die wiederum von Militarismus, Antisemitismus und Rassismus durchzogen war (um von Frauen- und Kinderfeindlichkeit gar nicht erst zu sprechen).

Dass das dreigliedrige Schulsystem auf sozialen und pädagogischen Hirngespinsten basiert, kann und darf man nicht verschweigen. Nu?

Georg
1 Jahr zuvor
Antwortet  Zitrone

Genauso darf man auch nicht verschweigen, dass eine Einheitsschule eine Nivellierung auf niedrigem Niveau impliziert.

Mika
1 Jahr zuvor
Antwortet  Zitrone

Werden im „deutschen Regelschulsystem“ auch Mythen und Esoterik als Fakten verkauft? Wäre mir neu. Meines Wissens basieren die zu vermittelnden Inhalte in der Regelschule auf anerkannten Ergebnissen wissenschaftlicher Forschung.
Ich finde es ebenfalls unangebracht, auf einer Bildungsplattform unkommentiert Themenfelder wie Antroposophie oder Geistheilung (Peter Maier) direkt oder über Verlinkung zu bewerben, ohne die Aussagen bzw. Personen entsprechend einzuordnen.

Küstenfuchs
1 Jahr zuvor
Antwortet  Zitrone

Erstens gibt es in vielen Bundesländern gar kein dreigliedriges Schulsystem mehr (sowie Thema Kaiserreich) und zweitens ist es kein Hirngespinst, dass man sinnvollerweise Kinder mit unterschiedlichen Begabungen und damit verbundener unterschiedlicher beruflich Ausrichtung durchaus unterschiedlich unterrichten sollte.

Karla
1 Jahr zuvor
Antwortet  Zitrone

Das wäre mir neu, dass irgendjemand verschweigt, dass das 3-gliedrige Schulsystem auf dem alten Standessystem basiert. Das habe ich in der Schule gelernt und das wird in der Lehrerausbildung thematisiert und problematisch.
Ebenso wird z.B. in katholischen und evangelischen Schulen nicht pausenlos geleugnet, dass die Pädagogik auf dem christlichen Glauben basiert. Allerdings werden dort nicht im Biounterricht die Lebewesen pausenlos als Geschöpfe Gottes bezeichnet.
Es ist die Vermischung und fehlende Transparenz, die Waldorfschulen zu schwierig machen.

0815
1 Jahr zuvor
Antwortet  Karla

In katholischen und evangelischen Schulen wird mehrheitlich überhaupt nicht mehr der christliche Glaube gelebt. Genauso wie in diesen Kirchen. Das ist ja einer der vielen Gründe für die hohen Kirchenaustrittszahlen.

Lera
1 Jahr zuvor
Antwortet  Zitrone

Nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich.

Achin
1 Jahr zuvor
Antwortet  Zitrone

Sehr geehrte Zitrone,

erneut werfen Sie Nebelkerzen, statt sich argumentativ mit dem Beitrag von Herrn Rautenberg auseinandersetzen, der sich mit keiner Silbe für ein dreigliedriges Schulsystem aussprach.

Geschichtslehrer*in sind sie offensichtlich nicht, da sie auf eine unbedarfte Weise historische Begriffe neu zusammensetzen: Aus „Imperialismus“, „Dreiklassenwahlrecht“ und „Klassengesellschaft“ erfinden Sie
„imperiale Dreiklassengesellschaft“.

Mit Rassismusvorwürfen wäre ich bei einer Weltanschauung, die auf den privaten Visionen eines Rudolf Steiners beruht, zudem eher zurückhaltend.

Fakten sind Hate
1 Jahr zuvor

Schonmal das Tagesgeschehen einer Waldorfschule angesehen?

Der Primarbereich ist deutlich kinderfreundlicher als unsere regulären Grundschulen und zeigt deutlich wie es in einer Ganztagsschule zu laufen hat. Mittagessen, dass nicht einfach der eklige Massenfraß eines Mesabetreibers ist. Es wird teilweise gemeinsam gekocht. Tischregeln werden eingeübt. Außerdem gibt es verschiedene interessante Mittagsangebote (in der Sek1 sogar als Lehrfächern). Beispielsweise wird an der Bochumer Waldorfschule Imkern und Töpfern sowie viele andere Bereiche angeboten. Die Schüler haben dabei Wahlmöglichkeiten.

Kritisieren kann man bekanntlich alles. Probleme gelöst at das noch nie, da die Kritiker gerne das Weite suchen, wenn sie das Wort „Arbeit“ hören.

Küstenfuchs
1 Jahr zuvor
Antwortet  Fakten sind Hate

Schon einmal als Lehrer einer staatlichen Schule die Prüfungen an Waldorfschulen abgenommen? Wenn der Waldorflehrer als Erstkorrektor die Abiarbeit mit 2 bewertet, du nach normalen Maßstäben eines Gymnasiums so zwischen 4 und 5 landest? Oder du dich in der mündlichen Prüfung fragst, wie viel an dem dummen Zeug, das der Prüfling da von sich gibt, an diesem selbst liegt und was am Unterricht (der Prüfling also eigentlich wenig dafür kann)? Und du dann vor dem unlösbaren Konflikt steht, dem armen Jugendlichen gerecht werden zu wollen und trotzdem die Anforderungen eines Abiturs hochhalten zu müssen/wollen.

Oliver Rautenberg
1 Jahr zuvor
Antwortet  Fakten sind Hate

Was hat denn das mit meinem Post zu tun? Genau, nichts. Eine sektenhafte Pädagogik, erfunden von einem Hellseher ist ein Problem – egal, was zu Mittag auf dem Tisch steht. Übrigens wird auch an Waldorfschulen meist Demeter gekocht und man orientiert sich oft an esoterischen Ernährungsregeln. So wird das Getreide serviert, dass zum Tag und seinem Planeten (!) passt. Astrologische Ernährung, sozusagen. Sie wischen die Kritik beiseite, gehen null darauf ein und diffamieren zugleich Kritiker_innen als arbeitsscheu, sehe ich das richtig? Das zeigt, wie die Debatte um die schwarze Pädagogik nur allzu oft verläuft.

Rene
1 Jahr zuvor
Antwortet  Fakten sind Hate

Hr. Rautenberg ist auf Mission?

“ .. Der Primarbereich ist deutlich kinderfreundlicher als unsere regulären Grundschulen und zeigt deutlich wie es in einer Ganztagsschule zu laufen hat. ..“

Ja, stimmt. Waldorf-Grundschule ist oft sehr gut und wird entsprechend nachgefragt. Ab Klasse 5 gibt es viel Reformbedarf, da sinken dann auch die Schülerzahlen. Wünschenswert ist ein konstruktiver Diskurs, stattdessen wird leider politisiert.

Flybynight
1 Jahr zuvor

Ach Herr Rautenberg, wie oft wollen Sie Ihren Eintopf an gezielten Verzerrungen der Lebenswirklichkeit an Waldorfschulen und schon hundertmal historisch kontextualisierten bzw. mit Bezug auf Ihre Verallgemeinerungen ebenso oft widerlegten „Enthüllungen“ eigentlich noch aufkochen?
Beide Waldorfleute haben in ihren Interviews klar und dialogisch geantwortet. Sie hingegen halten Ihre üblichen Plakate hoch, weil Sie gar nicht hören wollen, dass es auch eine andere Wirklichkeit gibt als die, die Sie sich ausgedacht haben und für die Sie mit einem schon rätselhaften Eifer Belege suchen.

Achin
1 Jahr zuvor
Antwortet  Flybynight

Sehr geehrte*r Flybynight,

mit keiner Silbe gehen Sie inhaltlich auf den Beitrag von Herrn Rautenberg ein, der sich mit der kruden Weltanschauung eines Rudolf Steiners beschäftigt. Weltanschauungen mit Personenkult passen nicht ins 21. Jahrhundert.

Flybynight
1 Jahr zuvor
Antwortet  Achin

Moin Achin, vielleicht hilft das hier fürs Erste: https://www.waldorfschule.de/ueber-uns/waldorf-in-den-medien

Ansonsten ist eine Leserbriefspalte für eine echte Debatte ungeeignet, weshalb ich mir einfach mal den Seufzer über O.R. gegönnt habe.

Ich finde alle Fragen völlig in Ordnung, aber man muss auch gewillt sein, die Antworten zu prüfen. Das werden Sie bei dem von mir kommentierten Autor allerdings nicht finden, denn das würde seine Mission gefährden.

Achin
1 Jahr zuvor
Antwortet  Flybynight

Moin Flybynight,

vielen Dank für Ihre Antwort und den Link. Allerdings handelt es sich dabei um eine kommentierte Liste der Abteilung „Öffentlichkeitsarbeit | Kommunikation“ des Dachverbandes der Waldorf-Schulen. Auf die ikonische Gründergestalt Rudolf Steiner und seine offensichlich esoterische Lehre („Astralleib“) wird hier nicht eingegangen. In anerkannten unabhängigen Qualitätsmedien finden sich andere Stimmen:

https://www.deutschlandfunkkultur.de/rudolf-steiner-und-die-anhaenger-der-waldorfschule

Als Lehrer, Vater und Bürger möchte ich schon wissen, warum eine weltanschauliche Gemeinschaft jährlich für ihre Schulen viele Millionen an Steuergeldern beansprucht, deren Stifter im 20. Jahrhundert eine „Rassenlehre“ entwickelte und Unfug wie „Der N**** („N-Wort) hat ein starkes Triebleben“ schrieb:

https://www.stern.de/gesellschaft/waldorfschulen-gruender–der-neger-hat-ein-starkes-triebleben–3274106.html

Glücklicherweise geht man in Deutschland mittlerweile sehr sensibel mit Namensgebungen von Straßen und Bildungseinrichtungen um. Warum gibt es dann noch zahlreiche „Rudolf-Steiner-Schulen“?

Oliver Rautenberg
1 Jahr zuvor
Antwortet  Flybynight

Lieber Flybynight, sie lügen wie gedruckt – so wie ich es von Gläubigen der Anthroposophie und Verfechter_innen der Waldorfschule in den letzten 10 Jahren schon tausende Male gehört habe. Der Vorwurf, ich hätte mir eine „Wirklichkeit ausgedacht“, entbehrt jeder Grundlage.

Geneigte Mitleser_innen wollen sich vielleicht die zahlreichen Dokumentarfilme zur Waldorfschule ansehen, in denen klar wird, dass „Atlantis“ als Geschichtsunterricht gelehrt wird oder Lehrkräfte zum Fachgebiet Engel, Dämonen und Elementarwesen oder Äther- und Astralleibe ausgebildet werden. Das sehen sie in „100 Jahre Waldorfpädagogik“ des Magazins „Kontraste“, zu finden bei Vimeo.

Die Atlantis-Story sehen sie in der Doku „Wie gut sind Waldorfschulen“ des SWR aus 2006, gedreht vom Grimme-Preisträger Dietrich Krauß.

Bömmel
1 Jahr zuvor
Antwortet  Redaktion

Liebe Redaktion,

hier übertreiben Sie es ganz entschieden mit der Political Correctness! Manche „Meinungen“ muss man einfach klar und deutlich bekämpfen. Auch, wenn das nicht mehr höflich ist. Oder wollen Sie auch „Beleidigungen“ Adolf Hitlers entgegen treten? Und Rudolf Steiner gehört ganz eindeutig zu den geistigen Vätern des Nationalsozialismus. Dass nach diesem Scharlatan benannte Schulen staatlich anerkannt sind, ist schlimm genug. Das darf man nicht auch noch verharmlosen. Zu viel Toleranz ist genauso schädlich wie zu wenig, siehe Weimarer Republik.

Bömmel
11 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

Dass die Nazis Waldorfschulen verboten haben, ist kein Argument gegen die Tatsache, dass Rudolf Steiner ein Wegbereiter des Nationalsozialismus war! Oder glauben Sie, dass Trotzki kein Kommunist war, weil er sich mit Stalin nicht verstand? Hier haben sich nur zwei Fraktionen von Demokratiefeinden gestritten. Und ich habe überhaupt nichts gegen Privatschulen gesagt. Da gibt es ja auch ganz hervorragende Beispiele. Ich stelle nur fest, dass Schulen, die anthroposophisches Gedankengut verbreiten, mit unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung ( auf die ich einen Eid geleistet habe … ) nicht zu vereinbaren sind. Die AfD ist leider auch erlaubt. Und ich nutze trotzdem in meinem Unterricht jede Gelegenheit, diese „Partei“ zu bekämpfen. Soll mich gerne jemand dafür anzeigen. Da wäre ich stolz drauf!

Matthias Niedermann
11 Monate zuvor
Antwortet  Bömmel

Hier zur Kenntnis: https://www.anthroposophische-gesellschaft.de/blog/wie-nazis-versuchten-rudolf-steiner-zu-ermorden Steiner wurde fast von Nazis umgebracht.

Er hatte zahlreiche jüdische Mitstreiter. Steiner ohne Belege, ohne Argumente, mit einer einfachen Analogie als „Wegbereiter“ der Nazis hinzustellen – Deine Art von Rationalität kann ich nicht nachvollziehen.

Übrigens: Das Recht auf Freie Schulen (ob Waldorf oder nicht Waldorf) ist verfassungsrechtlich verbrieft. Es widerspricht deshalb nicht den Grundwerten der Verfassung.

Matthias Niedermann
11 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

Liebe Redaktion,
keine Sorge Herr Oliver Rautenberg ist ein Anti-Anthroposophie-Blogger, der nicht davor scheut, überall wo differenziert und kritisch zu anthroposophischen Ideen und Praxis (Waldorfschule) berichtet wird, mit einer in der Tendenz aggressiven Rhetorik aufzutreten.

In der Vergangenheit ist er mit sehr problematischen Aussagen aufgefallen und musste vor Gericht zurückrudern:

„Rautenberg war in einem Beitrag des Bayerischen Rundfunks mit der Behauptung zitiert worden, viele anthroposophische Organisationen [darunter auch Waldorfschulen] seien erst mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs verboten worden. Doch das Gegenteil ist der Fall: Schon 1935 wurde die Anthroposophische Gesellschaft als größte anthroposophische Organisation in Deutschland wegen ihres für das NS-Regime „staatsgefährdenden Charakters“ verboten. Mit seiner Behauptung lieferte Rautenberg dem Bayerischen Rundfunk eine historische Falschinformation. Anstatt seinen Fehler einzugestehen, hatte der „Anti-Anthro-Blogger“ in der Vergangenheit dem Bayrischen Rundfunk vorgeworfen, ihn falsch zu zitieren. Dies konnte nun in dem Verfahren vor dem Landgericht Hamburg geklärt werden.“

Quelle: https://www.anthroposophische-gesellschaft.de/blog/anti-anthro-blogger-rautenberg-gerichtsverfahren

Der Blog führt als Kontakt-Adresse eine Skeptiker-Vereinigung an, die in Deutschland die politischen Ziele der Skeptiker-Bewegung verfolgt. Diese will eine verengte Leitkultur ohne Religion und Spiritualität mit allen Mitteln einführen – was im Widerspruch zu den Grundwerten der hierzulande gültigen Verfassung stehen dürfte.

In ethischer und pädagogischer Hinsicht kritisch zu bewerten, ist zudem die innerhalb der Vereinigung geführten Diskussion um die sogenannte ABA-Methode bei Autismus (https://www.gwup.org/infos/themen/107-sonstige-themen/2371-applied-behavior-analysis-aba-bei-autismus-eine-missbraeuchliche-praktik).

Soweit ein erster Eindruck

A.J. Wiedenhammer
1 Jahr zuvor

Warum es trotz rassistischer und antisemitischer Ausführungen im Werk noch Rudolf-Steiner-Straßen geben darf, verwundert mich auch sehr.

Ich habe zu Studienzeiten mal in Steiners Werken geblättert. An einer Stelle, an der es hieß, man dürfe Kindern nicht zu viel vorlesen, weil das zuviel Kohlensäure im Blut generieren würde (so ähnlich jedenfalls, soweit ich mich erinnere), habe ich die Lektüre im übertragenen Sinne genervt in die Ecke geschmissen.
Jemand, der zu allem und jedem (von der Art und Weise, wie Pflanzenjauche umzurühren ist bis zur Weltgeschichte) eine „Wahrheit“ zu verkünden hat, die er in einem höheren Weltbuch selbst gelesen haben will, ist als Stifter von pädagogischen Ideen sehr problematisch.
Ich verstehe nicht, warum die Waldorfschulen es versäumt haben, sich in den letzten Jahrzehnten von den Lehren eines Steiners zu lösen.

„Vermeintlich esoterisch“? Nein, tatsächlich esoterisch.

Matthias Niedermann
11 Monate zuvor

Hier mal ein erster Versuch einer Antwort. Mehr gerne im direkten Gespräch:
https://www.anthroposophie-gegen-rassismus.de/faq/warum-distanzieren-sich-anthroposophen-nicht-von-steiner

Maik Fohnan
11 Monate zuvor

Waldorfschulen sind esoterische Eliten in ihrem geschlossenen Kosmos. Alles basiert auf der Lehre einer historischen Person mit kruden Ansichten. Dem wird bis heute ersatzreligiös gefolgt, Lehrkräfte großteils in eigenen Studiengängen ausgebildet.
Aus Erfahrung in Leitungsfunktion in Nachbarschaft zu einer WS kann ich sagen, dass keine Schulwechsler so frustriert waren, wie die, die von dort kamen. Selbst ein altsprachliches Gymnasium handelte fördernder und menschlicher.

Ich empfehle den Blick in den #exwaldi.

Liebe Redaktion, warum veröffentlichen sie nicht die weitere sachliche Antwort von Herr Rautenberg? Er belegt immer konkret und fundiert. Diese Handlungsweise von Ihnen lässt tief blicken und ist enttäuschend.