Iglu-Schock: Warum Smartphone und Co den Kindern so sehr schaden (nicht nur weil sie selbst davor kleben…)

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BERLIN. Grundschüler lesen zunehmend schlechter. Aktuelle Leistungsvergleichsstudien zeigen auf, dass der Anteil der Kinder, die die Mindeststandards nicht erreichen, immer größer wird – jeder vierte Viertklässler kann nicht richtig lesen (News4teachers berichtete). Woran liegt das? Lehrerverbände verweisen auf den Lehrkräftemangel, Politikerinnen und Politiker wie Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU) auf die Corona-Krise, auf Integration und Inklusion. Unser Gastautor, der Publizist und Pädagoge Michael Felten, sieht noch einen anderen Zusammenhang: mit dem Siegeszug des Smartphones nämlich.

Ist das Smartphone ursächlich für das Absinken der Schülerleistungen? (Symbolfoto) Foto: Shuttesrtock

Lesekrise – oder: Das Daddeln der anderen

Zuerst war’s der IQB-Bildungstrend 2021, kürzlich legte IGLU nach: Immer weniger Viertklässler können beim Übertritt in weiterführende Schulen richtig lesen, immer stärker unterscheiden sich bessere und schlechtere Leser. Dabei hängt vom guten Lesen fast alles im weiteren Leben ab. Nicht zuletzt geht’s hier um Bildungsgerechtigkeit.

Belastungen durch Migration und Pandemie mögen mitgewirkt haben, aber der Abstieg der Grundschule zeigte sich schon seit 2011. Auch die vielerorts missglückte Inklusion wird ihren Teil beigetragen haben. Dennoch scheint es, als werde bisher Wichtiges übersehen. Es gibt nämlich einen ‚Elefanten im Raum‘, über den niemand spricht! Tatsächlich fällt der Rückgang der Leseleistungen von Viertklässlern auffällig zusammen mit dem Siegeszug von Smartphone & Co. Eigentlich ist es ja offensichtlich: Das Daddeln der Erwachsenen bindet zunehmend die Aufmerksamkeit familiärer Bezugspersonen – was wiederum das elterliche Bindungsverhalten und damit das Lernverhalten der Kinder beeinflusst.

„Wir brauchen mehr professionell gestaltete Bücher und müssen davon wegkommen, dass die Schüler selbst im Internet nach Informationen suchen“

Folgen wir einmal in Ruhe der Biografie eines im Frühjahr 2021 getesteten Viertklässlers – ich nenne ihn Paul. Die Digitalisierung des Unterrichts selbst war für ihn noch das geringere Problem – mangels Verbreitung. Zwar drängen die Medienkonzerne über ihre Verbindungsleute in Ministerien und an Schulen mächtig darauf, auch schon jüngere Schüler mit technology zu beglücken. Aber hiesige Kinderärzte warnen deutlich, und der jüngste Faktencheck der Mercator-Stiftung benennt durchaus erhebliche Risiken eines digital gestützten Anfangsunterrichts. Deshalb tritt ein früheres Vorzeigeland wie Schweden nach IGLU merklich auf die Bremse. „Wir brauchen mehr professionell gestaltete Bücher und müssen davon wegkommen, dass die Schüler selbst im Internet nach Informationen suchen“, so die Bildungsministerin des Landes.

Pauls Lesefähigkeit könnte auch dadurch gelitten haben, dass selbstgesteuertes Lernen im Anfangsunterricht lange hoch im Kurs stand. Zwar wird etwa „Lesen durch Schreiben“ nach wissenschaftlicher Kritik zunehmend zurückgezogen, ja verboten – war indes im vergangenen Jahrzehnt durchaus noch en vogue.

Aber womöglich war Pauls Leben vor der Schule weitaus relevanter. Er wurde ja um 2011 geboren. Damals nutzten zwar erst gut ein Drittel der über 14-jährigen ein Smartphone, aber seine junge Mutter könnte gut dabei gewesen sein. Sie war also womöglich schon beim Stillen mit Whatsappen beschäftigt, anstatt mit Blickkontakt und Erzählen; ebenso wenn sie mit dem Jogger-Buggy unterwegs war, bei dem das Baby nicht mehr die Mimik der Mama sehen kann, sondern nur flüchtige Eindrücke von der Welt mitbekommt. Später könnte ihm der junge Papa ein digitales Spielgerät in die Hand gedrückt haben, „damit sich das Kind später besser zurecht findet in einer Welt voller IT“. Wenn es überhaupt einen Papa gab. Spätestens mit zwei ging’s dann ab in die Kita, auch wenn dort viel zu selten genug qualifiziertes Personal war – es musste ja dazuverdient werden, oder keiner wollte beruflich zurückfallen. Schließlich, bei den gemeinsamen Mahlzeiten am Abend – oder bei Ausflügen am Wochenende – wird der Junge immer öfter erlebt haben, dass seine Bezugspersonen irgendwie absorbiert waren – ständig hatten sie was nachzusehen, etwas zu posten, irgendwem Echo zu geben. Ihm würde also das fehlen, was Verhaltensforscher wie Tomasello „geteilte Aufmerksamkeit“ nennen – und als existenziell betrachten.

Nicht dass Sie denken, das wäre Seemannsgarn: Alles ist selbst erlebt, und zwar häufig – und auch Ihnen werden solche Beobachtungen nicht fremd sein. Dennoch hat dies zunächst nur anekdotische Relevanz. Aber: Es gibt auch Forschung dazu. Die BLIKK-Studie etwa, eine empirische Querschnittstudie mit 5.573 einbezogenen Kindern und Jugendlichen aus 79 Kinder- und Jugendarztpraxen, zeigte schon 2017 deutlich, dass Sprachentwicklungs- und Konzentrationsstörungen, körperliche Hyperaktivität und innere Unruhe bis hin zu aggressivem Verhalten in dem Maße zunehmen, wie digitale Medien im (Klein)Kind(es)alter genutzt werden. Solche Korrelationen gelten zwar nicht als letzter Ursache-Wirkungs-Beweis. Indes gibt es weitere Hinweise: Einem systematischen Review der IPU Berlin zufolge reagieren Eltern bei der Nutzung portabler digitaler Geräte weniger feinfühlig und responsiv auf ihre Kinder, die elterliche Gerätenutzung führt zu Selbstregulationsstörungen der Kinder; dies „scheint mit Beeinträchtigungen des kindlichen Lernens einherzugehen“.

Smartphones stehlen nicht nur Heranwachsenden viel Zeit, sie lassen auch die fürsorgliche Aufmerksamkeit der Erwachsenen verkümmern

Der digitale Raum bietet wunderbare Werkzeuge für Verschiedenstes, ist aber eine äußerst heikle Sphäre für Entwicklungsjahre. Und zwar weit über die Irritationen durch sex & crime hinaus, die die niedersächsische Digitalbotschafterin Silke Müller kürzlich so eindrucksvoll beschrieb.  Smartphones stehlen nicht nur Heranwachsenden viel Zeit, sie lassen auch die fürsorgliche Aufmerksamkeit der Erwachsenen verkümmern. Momos Graue Herren sind unter uns, in neuer Form – aber das wollen wir ungern hören; wir wünschen uns, dass die Geräte einfach nur praktisch sind – und wir nicht einzugreifen brauchen. Was uns ja auch ganz viele einreden – von denen, die technology verkaufen, bis zu denen, die durch Digitalität zu neuen Experten geworden sind.

Beim schlecht lesenden Viertklässler Paul können wir die Zeit nicht mehr zurückdrehen. Aber im Hinblick auf Jüngere könnten wir unser aufklärerisches Potential als Multiplikatoren nutzen: Indem wir auf dem nächsten Elternabend den TOP ‚Digitalrisiko‘ unterbringen. Gerade bildungsfernere Eltern wissen nicht um die erzieherische Tragik des Daddelns auf Seiten der Erwachsenen – insbesondere die vernachlässigende Absorbiertheit. Viele wären zudem dankbar, die 3-6-9-12-Faustregel des französischen Psychologen Tisseron kennenzulernen: Kein Fernsehen unter 3 Jahren, keine eigene Spielkonsole vor 6, Internet nach 9 und soziale Netzwerke erst ab 12. In den USA plädieren Elternverbände mittlerweile gar für „Wait until eighth!“, ‚Wartet mit Smartphones bis zur 8. Klasse!‘ Das hört sich für manche unmöglich, für andere unmenschlich an – aber es täte den Kindern wohl gut. Sogar ältere Internatsschüler waren laut einem Bericht der NZZ letztlich dankbar, als man ihnen den Gebrauch des Smartphones auf dem Campus verboten hat – weil sie dann mehr miteinander machten.

Über den Autor
Michael Felten. Foto: privat

Der Pädagoge und Publizist Michael Felten hat mehr als 30 Jahre an einem Gymnasium unterrichtet und ist jetzt als freier Schulentwicklungsberater tätig. Er publiziert unter anderem in der „Zeit“ und auf dem „Deutschen Schulportal“.

Letzte Veröffentlichungen: „Die Inklusionsfalle“ (Gütersloh 2017) sowie „Unterricht ist Beziehungssache“ (Reclam 2020).

Online: www.eltern-lehrer-fragen, www.inklusion-als-problem.de, „FeltensLehrerClips“ bei YouTube und Lehrer_Felten_empfiehlt bei Instagram.

Streit um IQB-Studie: Was (wirklich) für den Absturz der Leistungen von Grundschülern maßgeblich ist – ein Gastbeitrag

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Georg
1 Jahr zuvor

Was ist denn jetzt richtig? Förderung durch mehr Bildschirmzeit (Digitalisierung) oder Probleme durch mehr Bildschirmzeit (Smartphonenutzung)?

Fordert Herr Felten jetzt indirekt sogar eine Rückkehr zu kognitiv anregendem analogen Fachunterricht ohne Schnickschnack?

Ich bin verwirrt …

SoBitter
1 Jahr zuvor
Antwortet  Georg

Vielleicht einfach Mal den Text richtig lesen. Dann muss man auch nicht wieder Mal verwirrt kommentieren.

DerechteNorden
1 Jahr zuvor
Antwortet  Georg

Ich nicht, denn im Grunde fordert Herr Felten, dass wir Kinder nicht so viel sich selbst überlassen.

Georg
1 Jahr zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Eben diese Forderung hat mich verwirrt, weil sie alle modernen Unterrichtskonzepte, individuelle Förderung, Binnendifferenzierung, das Gesamtschulsystem usw. als gescheitert ansieht.

DerechteNorden
1 Jahr zuvor
Antwortet  Georg

Dann haben Sie diese Konzepte leider nicht verstanden Georg. Man kann individuell fördern, binnendifferenzieren (sogar in homogenen Gruppen!), … Und viele Gesamt- bzw. Gemeinschaftsschulen differenzieren auch äußerlich nach Niveau.
Der Punkt ist nur, dass man die Kids – vereinfacht ausgedrückt – nicht einfach alleine machen lassen soll.

Lisa
1 Jahr zuvor
Antwortet  Georg

Mehr oder mehr zeigt sich, dass die neuen Konzepte eher Nicetohave sind und keine Basics, um mal ganz neudeutsch zu sprechen

AlexB
1 Jahr zuvor
Antwortet  Georg

Das ist eine völlig falsche Schlussfolgerung. Steht nicht im Text, weder direkt noch indirekt. Es geht um die Eltern, nicht um den Unterricht.
Wenn man für den Unterricht etwas aus dieser Studie herausziehen will:
a) Das Problem der schlechten Leseergebnisse liegt außerhalb von Schule
b) Individuelle Förderung (und Zuwendung!) ist etwas, das vielen Kindern fehlt und daher in der Schule sicherlich sinnvoll ist. Ersetzen kann dies aber fehlende eletrliche Zuwendung nicht.

Georg
1 Jahr zuvor
Antwortet  AlexB

Das ist ja noch bedenklicher, können die Lehrer dadurch nicht mehr verantwortlich für alles gemacht werden. Die Eltern sind eine nennenswert große Wählergruppe …

Der Zauberlehrling
1 Jahr zuvor
Antwortet  Georg

Am Ende Frontalunterricht, fragend-entwickelnd. Mit der Person im Mittelpunkt, die sich Wissen angeeignet hat, um es weiterzugeben. Die Sitzordnung fokussiert nach vorn.

Ich bin auch verwirrt.

Georg
1 Jahr zuvor

Referendare, die das aus genau dem Grund genau so machen, können ihr Examen vergessen.

ulschmitz
1 Jahr zuvor
Antwortet  Georg

Aber nach dem Examen – oder nach der Lebenszeitverbeamtung? Da soll es Kolleg:innen geben, die wurden im Referendariat so gezwiebelt, um nicht zu sagen: terrorisiert („Was? Motivationsphase 30 sec. länger als geplant? OMG!“), dass sie sich für die Zukunft ihre ganz eigene Methodik vorgenommen haben.

Mehrzeller
1 Jahr zuvor
Antwortet  Georg

Dass Förderung durch mehr Bildschirmzeit funktioniert, ist bisher nur eine Wunschvorstellung, wohingegen die Probleme durch digitale Medien untersucht und hochwertig publiziert sind. Siehe dazu z.B. auf YouTube die Vorträge über digitale Demenz von Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer, wo er massenhaft Quellen angibt.
Bindungsstörungen sind mir aus den Vorträgen nicht in Erinnerung, aber dass die auftreten, ist ja klar wie Kloßbrühe.
Muss ich mal vorschlagen, dass Bindungstheorie für Eltern und Oberstufen-SuS in unser Medienkonzept aufgenommen wird.

PaPo
1 Jahr zuvor
Antwortet  Mehrzeller

Dass jmd. wieder Manfred Spitzer als vermeintl. Koryphäre in Fragen der Medienwirkungen anführen wird, war (leider) so sicher wie das Amen in der Kirche.

Es wäre viel gewonnen, wenn diese Personifizierung von wissenschaftsferner bis -feindlicher, hysterischer, neoludditischer Bildschirmmedienressentiments nicht bei quasi jeder Diskussion in den sozialen Medien (ich zähle N4T der Einfachheit halber hier dazu) als vermeintl. Kronzeuge, nein Heilsbringer der Warner, nein Alarmisten vor Bildschirmmedien angeführt würde… auch gerade von Kommentatoren aus dem Bildungsbürgertum, auch gerade von Akademikern, wo man dann doch am akademischen Grundsachverstand zweifeln muss.

Manfred Spitzer hat lediglich Ressentiments ggü. Bildschirmmedien verbreitet, geschürt, dem Bildschirm bereits per se(!), d.h. auch losgelöst von konkreten Medieninhalten und -nutzungen, wo er auch nur Falsch- und Fehlbehauptungen verbreitet, miasmatische, abomische Wirkungen angedichtet, all das zudem in polemischster; unwissenschftlichster Art und Weise. Dort, wo er denn in seinen (und das ist ein Euphemismus) populärwissenschtlichen Pamphleten mit entsprechenden Namen wie „Vorsicht Bildschirm“ einmal tatsächlich konkrete Forschung referiert und nicht lediglich seine unsubtantiierte Meinung artikuliert (oftmals fehlt es an konkreten Quellenverweisen und man muss mühsam rekonstruieren, welche Studie er denn jetzt meinen könne), betreibt er cherry picking, ignoriert also den Forschungskorpus, den Stand der Forschung insg., dekontextualisiert Studienergebnisse, würdigt die Qualität von Studien nicht (hauptsache sie stützen vermeintl. seine Meinung), gibt diese Studien falsch oder verzerrt wieder u.ä.

Und um das auch mal klar zu machen: Diese ganzen einschlägigen Äusserungen Manfred Spitzers sind nicht Resultat seiner eigenen Forschung, diesbzgl. hat er keine Studien, fachwissenschaftliche Texte o.ä. publiziert, dies findet sich (außer in Randbemerkungen seiner tatsächlichen Forschung i.e.S.) quasi ausschl. in seinen Pamphleten, kommuniziert er in Interviews, als Gast in irgendwelchen Medienformaten, Redner u.ä. – er hat nicht schlecht geforscht, er hat themeneinschlägig gar nicht geforscht, kann sich aber irgendwie selbst und gerade ggü. einem Bilsungsbürgertum ad verecundiam darauf ausruhen, Neurowissenschaftler und Therapeut zu sein. Eigtl. sehr traurig.
Manfred Spitzer ist ein Hysteriker, jmd. der geschickt mit den Ängsten und Ressentiments von Menschen spielt, die es ja auch immer gewisst haben wollen, die gleichermaßen wie er argumentieren, wobei er sich selbst kurioserweise zum eigenen Medienereignis macht; s. auch: https://www.news4teachers.de/2023/05/ed-tech-unternehmen-schaetzt-ki-marktpotenzial-im-bildungswesen-auf-10-bis-20-milliarden-us-dollar/#comment-522889. Man tut gut daran, ihn nicht als Kronzeuge gg. Bildschirmmedien zu laden.

PaPo
1 Jahr zuvor
Antwortet  PaPo

Koryphäe natürlich… mea culpa. 🙁
Passenderweise am Handy getippt. ^^

Nachdenker
1 Jahr zuvor
Antwortet  PaPo

Interessant, wie emotional und polemisch hier auf die bloße Erwähnung Professor Spitzers reagiert wird mit einem wirren und fehlerhaften Text, der sich selbst entwertet. Dass der Autor Spitzer außerdem Polemik vorwirft, ist ein Treppenwitz. Wenn Kinderzimmer und Schulen mit digitaler Technik geflutet werden, muss darüber gestritten werden, ob dies der Entwicklung menschlicher Gehirne förderlich ist. Die zunehmende Emotionalisierung vieler Debatten deutet darauf hin, dass vor allem jüngere Leute das Denken verlernen.

PaPo
1 Jahr zuvor
Antwortet  Nachdenker

Sich (berechtigerweise) über „[d]ie zunehmende Emotionalisierung vieler Debatten“ echauffieren, aber gleichzeitig pejorativ vom Fluten(!) von Kinderzimmern und Schulen mit digitaler Technik fabulieren und einem Manfred Spitzer laudieren, das ist der eigtl. Treppenwitz.

Was Sie als Polemik ggü. Manfred Spitzer bezeichnen, ist eine simple Tatsachendarlegung. Sie wundern sich ernstlich, dass hier vehement dagegen argumentiert wird, Manfred Spitzer abermals unkritisch-affirmativ als Koryphäe bzgl. der gegenständlichen Problematik zu referieren, nachdem dieser unzählige Male widerlegt wurde, weil er unzählige Falsch- und Fehldarstellungen und unsubstantiierte Behauptungen immer und immer wieder, unzählige Male (und das seit etlichen Jahren und ungeachtet aller Widerlegung) artikuliert, weil in seinen bestenfalls populärwissenschaflichen Pamphleten und sonstigen Formen der simplen Meinungsäußerung massig Quellenreferenzen fehlen und dort, wo sie präsentiert werden oder rekonstruierbar sind, die Behauptungen, die Manfred Spitzer auf ihrer Basis artikuliert, gänzlich falsch sind, durch Dekontextualisierungen und Auslassungen im Sinne seiner Agenda verfälscht, nicht dem Stand der Forschung entsprechend?

Ja, extrem wirr meinerseits, auf die eklatanten, evidenten Fehler und Auslassungen, die Polemik und Hysterie eines Manfred Spitzer hinzuweisen, die eigtl. mittlerweile auch außerhalb einschlägiger Fachdiskurse bekannt sein sollten. Sorry, aber wer ernsthaft glaubt (und das scheint mir nichts anderes als ein Glauben im Gegensatz zu Wissen) einen Manfred Spitzer in einer ernsthaften Diskussion zu diesen Themen als vermeintl. Autorität anführen zu können, der ist für die Diskussion ebenso verbrannt wie Manfred Spitzer selbst. Kann man doch nicht ernst nehmen.

Es finden sich bei ihm u.a. Behauptungen, dass Bildschirmmedien per se(!) dick, krank, dumm, traurig und gewaltbereit machen würden, dass das Gros oder gar alle Schulamokläufer exzessive Spieler Gewalt darstellender Computerspiele gewesen sei (auch dies sit faktisch falsch), die US-Armee „Soldaten mit Hilfe von Computerspielen die Tötungshemmung ab[gewöhnen]“ würde (ein populärer Mythos, der auf Falschdarstellungen von Dave. Grossman zurückgeht), der Zusammenhang zwischen der Mediengewaltexposition der Probanden und ihrem aggressivem Verhalten so groß wie oder gar noch größer als der zwischen (aktivem) Rauchen und Lungenkrebs sei, dass Studien, die die evidenten (endemischen) Defizite der Mediengewaltwirkungsforschung kritisieren, von der Industrie gekauft seien u.ä. – alles nachweisbare Falschbehauptungen. Die Liste ließe sich ewig fortsetzen.

Wo sind diese Feststellungen wirr und fehlerhaft? Richtig! Nirgendwo.
Die (traurige) Wahrheit läuft wahrscheinlich lediglich Ihrer unkritischen, ad verecundiam adaptierten Überzeugung zuwider. Es hat ja seinen Grund, dass die üblichen Verdächtigen immer die Berufsbezeichnung „Professor“ u./o. den doppelten Doktorgrad des Manfred Spitzer so exponieren, weil sie evtl. meinen, die ihrerseits empfundene Ehrfurcht sei ein Argument für die Wahrheftigkeit der Behauptungen dieses Mannes und müsse sich evtl. auch auf alle anderen übertragen; Spoiler: Sie sind hier in einem Lehrerforum, wenn Sie hier jmd. unter den Akademikern finden, der Populärwissenschaft von tatsächlicher Forschung unterscheiden kann (was eigtl. vorauszusetzen wäre) und sich gleichzeitig von einem „Prof. Dr. Dr.“ beeindrucken lässt (pssst… hier schreiben btw auch andere promovierte Kommentatoren, meinen Sie wirklich, die sind von Manfred Spitzer beeindruckt?) und ebenfalls einem Autoritätsargument verfällt, wäre das äußerst traurig.
Oder: Ihnen ist schlichtweg keine adäquate Replik in den Sinn gekommen, weil Sie dem auch nichts entgegenzusetzen hätten, also bemühen Sie hier einen red herring – wie billig.

Und zur Klarheit, warum man hier vehement auf die Unredlichkeit eines Manfred Spitzer hinweisen muss:
Es gebührt sich nicht für einen Akademiker, für einen Lehrer, populärwissenschaftliche Pamphlete unkritisch-affirmativ zu rezitieren, die tatsächliche Wissenschaftsferne und z.T. -feindlichkeit entsprechender Pamphlete nicht zu realisieren, primitivsten, unreflextierten Ressentiments (ggü. Medien, ihren Rezipienten) anzuhängen und insg. einer entsprechenden Autoritätsgläubigkeit, nein -hörigkeit anheim zu fallen. Das wirft ein schlechtes Bild auf den Berufsstand, zeugt von Bildungslücken, fehlenden Medienkompetenzen, Ignoranz / mangelnder Reflexion und (unsubstantiiertem) kulturellen Überlegenheitsdünkeln.
Vor ca. zwei Jahrzehnten, als ich selbst noch kein Lehrer war (und es mir ehrlicherweise auch nicht vorstellen konnte), wurde ich fortwährend damit konfrontiert, dass gerade in großen Teilen des Bildungsbürgertums diese Attitüden, Ressentiments und Co. weit verbreitet sind, besonders auch bei Pädagogen, insb. auch bei Lehrern. Für mich und viele meiner Generation wurde eine solche Inkompetenz synonym für einen Teil des vermeintl. Bildungsbürgertums, auch für Lehrer (die „Killerspiel“-Debatte lässt grüßen), und es ist betrüblich, dass sich diese unart immer noch in den kollegien finden lässt (wobei die Akteure wohl oftmals auch noch dieselben wie damals sind). Aber ein paar (jüngere?) Kommentatoren hier lassen mich zumidnest hoffen, dass diesbzgl. nicht alles verloren ist und wir endlich Menschen haben, die nicht nur ihren Ressentiment und Unzulänglichkeiten frönen, nicht Bildschirmmedien diabolisieren, sondern Potenziale und Probleme sahcgerecht identifizieren und damit umzugehen wissen.

Anne S.
1 Jahr zuvor
Antwortet  Nachdenker

Nee, dass Typen wie Spitzer ernsthaft herangezogen werden, zeigt, wie sehr das Denken verlernt wurde.

Und dann noch Bindungstheorien in dem Zusammenhang anführen, die aus einem völlig anderen Kontext stammen und viel komplexer sind, ist einfach nur noch lachhaft – für die ganze Debatte, für alle, die sich als Experten ausweisen und eigentlich nur irgendwas sagen müssen, damit sie mal „gesehen und gehört“ wurden.

Unter’m Strich: Es ist traurig, was sich entwickelt hat und einer ernszunehmenden Debatte nicht würdig. Ist auch nicht „volle cool“, ist große Scheiße. ^^

PaPo
11 Monate zuvor
Antwortet  Anne S.

… und im Regal gleich neben „Wir amüsieren uns zu Tode“ (Neil Postman), „Die neuen Medien machen uns krank“ (Werner Glogauer), „Das Wissen um die wahre Physik“ (Dr. Axel Stoll & Arno Mannich), „Wer hat unseren Kindern das Töten beigebracht?“ (Dave Grossman) u.ä. stehen Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzers gedruckte Epiphanien „Vorsicht Bildschirm!„, „Digitale Demenz“ und Co.

Liest sich gut, begleitet von Konstantin Wecker

PubMed und Co., was soll das sein? Klingt ja wie eine Psychosekte! Man vertraut lieber dem Institut für Medienverantwortung einer Dr. Sabine Schiffer, dem Mediengewalt e.V. von Dr. Rudolf H. Weiß, Dr. Werner Hopf et al., dem Verein zur Förderung der psychologischen Menschenkenntnis (leider, leider, leider aufgelöst, denkt man sich…) oder anderen Schwurbelstätten. Und auf YouTuuube gibt es doch Vorträge von vielen dieser Koryphäääeeen, wo sie dieses und jenes beweisen(!), immerhin nennen sie ja schlagwortartig viele Zahlen, zeigen z.T. ja auch viele Tabellen, frönen dem Namedropping anderer Koryphäen u./o. von Studientiteln!

‚Wacht endlich auf, ihr Schlafschafe!‘ will hier der solchermaßen informierte Bildungsbürger, dessen Ressentiments hier seitens vermeintl. Autoritäten bedient werden, all den nervenden (‚Pfui!‚) Skeptikern, ja Blashpemisten entgegenbrüllen, die mit ihren enervierenden Argumenten und Fakten daherkommen, ihrer Wissenschaft ( wie phöse)!

Und wenn ein Manfred Spitzer in einem gedruckten Interview oder im TV behauptet, „Das ist nachgewiesen!“, dann nickt man dem Printwerk, dem Fernsehapparat wohlwissend zu und sagt sich selbst: ‚So ist es! Ich wusste es schon immer!‘ Und wenn er als Starredner einer Veranstaltung mal wieder über Kritik an ihm, an seinen Pamphleten die entsprechenden Kritiker ad hominem rabulistisch, die eigtl. Kritik nicht adressierend ridikülisiert, dann schmunzelt das Plenum überlegenheitsdünkelnd debil. Und wenn er Kritikern vor Ort im Plenum dank dortigem Machtgefälle das Wort entzieht, sie mit der Kraft von Whaboutisms, non sequuntur und Co. niederbrüllt, dann erhebt sich das graumelierte Plenum und laudiert frenetisch – statt „Mama, Papa, Zombie“ ist ‚Manni, Pfeiffer, Klatschzombie‚ die Devise.

Aber gleichzeitig die problematische Literalität (insb. die analytischen Lesekompetenzen), den mangelnden Skeptizismus, die oftmals fehlende Medienkompetenz der Jugend bemängeln… Realsatire.

Imd damm kommt da einer daher und fabuliert davon, dass Manfred Spitzers und seine eigenen Ressentiments in „Scineses, Nature und Lancet“ belegt seien, hat aber nie i den entsprechenden Publikationen entsprechendes gelesen, geschweige denn sich überhaupt mal mit der Materie wissenschaftlich beschäftigt (betont aber ganz oft,w as für ein toller NAturwissenschaftler er sei).

tl:dr
Ja,, leider komplett unwürdig… und das wollen Menschen im Bildungssektor sein.

Anne S.
11 Monate zuvor
Antwortet  PaPo

Der Dauermahnonkel und „ich kann keinen Gegenwind vertragen, sonst blockiere ich dich und rede nicht mehr mit dir“ – Günter Steppich fehlt noch in der Auflistung.

Der ist genauso ernstzunehmend (und anstrengend).

PaPo
11 Monate zuvor
Antwortet  Anne S.

Den kannte ich bislang gar nicht. ^^

Bla
1 Jahr zuvor
Antwortet  Mehrzeller

Manfred Spitzer … ist ja nicht gerade unumstritten.
Als nächstes erwähnt man hier noch Christian Pfeiffer … Bitte nicht.

Anne S.
1 Jahr zuvor
Antwortet  Mehrzeller

Bitte hören Sie auf mit diesem Unsinn! Ich verschlucke mich noch vor Lachen.

Was ist mit diesem Land passiert? #facepalm

TheTeacher
1 Jahr zuvor
Antwortet  Georg

Wie wäre es denn mit der Maxime: Weniger ist häufiger mehr und wenn dann produktive Nutzung. Also privat weniger Daddeln, Katzen- oder TikTok-Videos ansehen und digitale Kommunikation per abgekackten Sätzen. Das sollte auch für die Menschen gelten, die ein offensichtlich schädliches Verhalten momentan vorleben.
Gegen gelegentliche Bildungsvideos und Recherche ist wohl ab einem gewissen Alter nichts einzuwenden. Damit ist eine Verwendung im Unterricht kein Muss, aber nur analog wird es nicht mehr geben.
Die aufgegebenen englischen Vokabeln stelle ich beispielsweise auf Quizlet zur Verfügung und obwohl ich dabei während der Testphase skeptisch war, lernen die Schüler dabei auch die Schreibweise im allgemeinen sehr gut. Trotzdem müssen sie diese Vokabeln auf jeden Fall noch in ein Vokabelheft eintragen und die Benutzung von Quizlet ist freiwillig. Das ist für mich eine effektive Bereicherung des Lernangebots geworden. Das schnelle Wiederholen oder Trainieren von Lerninhalten über Kahoot erachte ich als eine Bereicherung des Unterrichts.
Einfach mal den Horizont etwas erweitern, etwas ausprobieren, anpassen oder gegebenenfalls verwerfen. Digitale Angebote und erfolgreiche Schule schließen sich nicht aus. Wer auf extremen Positionen beharrt, ist eher ein Teil des Problems und sicherlich nicht der Lösung. Nicht nur in der Schule 😉

Georg
1 Jahr zuvor
Antwortet  TheTeacher

Ich bin voll bei Ihnen, nur habe ich mich mal in die Position der Bildungspolitiker und -forscher versetzt.

DerechteNorden
1 Jahr zuvor
Antwortet  TheTeacher

Danke! So sieht es nämlich aus.

Anne S.
1 Jahr zuvor
Antwortet  TheTeacher

Gern geschehen!

D.D.
1 Jahr zuvor
Antwortet  Georg

„.. Kein Fernsehen unter 3 Jahren, keine eigene Spielkonsole vor 6, Internet nach 9 und soziale Netzwerke erst ab 12. ..“

Die Faustregel wird nach D.D. wie folgt geändert: Fernseher abschaffen. Spielekonsole in der Jugend, ungefiltertes Internet ab 18, mit Filter früher.

447
1 Jahr zuvor
Antwortet  D.D.

Das ist sehr problematisch, kapitalistisch und „privileged “ – wenn jetzt diese Kinder den anderen davon ziehen, ja, was dann?

Da hilft nur Nachsitzen bei Tiktok und GTA 5 – gleichzeitig, versteht sich!

Dil Uhlenspiegel
1 Jahr zuvor

Ganz üble Entwicklung … magst du zum Trost eine Konsole zu Mittsommer, mein Sternenkind? Oder ein Tablet, für deine professionelle Digitalisierungskarriere in der Schule? Oder die KI statt Lehrer?

OttoderKleine
1 Jahr zuvor
Antwortet  Dil Uhlenspiegel

Bleibt in jedem Fall die Frage, ab welchem Alter die große Digitalisierung des Unterrichts beginnen soll. Was soll es bringen, wenn schon Kita-Kinder damit hantieren? Wäre es nicht besser, in Kita und Grundschule erstmal auf die direkt (d.h. mit den Händen) erfahrbaren Dinge zu setzen, ohne digitale Geräte? So wird es doch auch von Reformpädagogen gefordert (z.B. Montessori).

Lovis
1 Jahr zuvor
Antwortet  OttoderKleine

Digitalisierung? ab 14.

PaPo
1 Jahr zuvor

Was hat Michael Felten verstanden, das (der auch unter den Kommentatoren bei N4T zu Unrecht verehrte) Manfred Spitzer such Jahrzehnten der Kritik, konträrer Forschungsergebnisse und Co nicht verstanden hat?

Richtig! Bildschirmmedien zeitigen keine genuinen miasmatisch-anomischen Wirkungen,l die quasi magisch alle Einstellungen, Verhaltensweisen, Kenntnisse und Fähigkeiten; ihrer Nutzer überschreiben, ins Negative wenden und dabei automatisch Suchtverhalten evozierten.

Nein, es geht lediglich um das konkrete Nutzungsverhalten der Nutzer und damit evtl. einhergehende Opportunitätskosten: Kinder lernen A nicht, wenn sie B machen und Eltern vermitteln ihren Kindern C nicht, wenn sie selbst auch nur B machen. So einfach ist das, ganz ohne Bildschirmmedienhysterie.

447
1 Jahr zuvor
Antwortet  PaPo

Bildschirm ungleich Bildschirm.

Wer seinen Computer selbst zusammenbastelt und/oder individualisiert, lernt zumindest ein wenig über Hardware, Software, Bestandteile.
Wer das als Kind schon tut, erlernt konkrete, übertragbare Kompetenzen.
(Womit ich das nicht verherrlichen will, in der gleichen Zeit könnte beim z.B. Mannschaftssport auch gelernt, sich entwickelt werden)

Wer als Kind schon auf zu 100% kommerziell vorstrukturierter Terminals (die er als noob-Benutzer zwar bezahlt, aber nicht einmal selbst kontrolliert!) mit Affeninstinkten („Patsche aufs bunte Symbol“,“erstelle Dir Account bei X, damit Du gemocht wirst“ & Co.) dressiert wird – lernt weder Technik noch Medienkompetenz … und geht **auch*“ nicht auf den Bolzplatz…kurzum: Opportunitätskosten ohne Opportunitätsgewinne, oder auch: Verblödung.

PaPo
1 Jahr zuvor
Antwortet  447

Ich meine, dass das Modell der Medienkompetenz nach Dieter Baacke recht brauchbar ist, der Medienkompetenz in vier Subkategorien differenziert, (a) Medienkritik, d.h. analytische, reflexive und ggf. auch ethische Rezeptionskompetenzen ggü. Medieninhalten (brauchbar sind hier auch Überlegungen von john Fiske bzgl. horizontaler und vertikaler Wissensbestände von Rezipienten und des Einflusses dieses Wissens auf die Rezeption), (b) Medienkunde, also Kenntnisse bzgl. Medien und Mediensystemen, d.h. (I) informatorische Medienkunde, also das Wissen über Abläufe und Strukturen der Gestaltung, Auswahl u.ä. von Medieninhalten, und (II) instrumentell-qualifikatorisches Wissen (z.B. über die bedienung, technische Handhabung etc. von Medien – dies ist das, was der Computerbastler wohl beim Computerbasteln über Computer lernt), (c) Mediennutzung (rezeptiv und interaktiv, anbietend) und (d) Mediengestaltung.

Was unsere vermeintl. digital natives in der Schülerschaft in der überwiegenden Mehrheit beherrschen, sind basale Kompetenzen der Mediennutzung, eben das Ihrerseits erwähnte „Patsche aufs bunte Symbol“-Verhalten, ohne großartige Ahnung davon, welche (technischen= Prozesse dort im Hintergrund stehen, warum Dinge gestaltet sind, wie sie gestaltet sind u.ä. – man schaue sich einfach einmal an, wie die Mehrheit der Schüler eine digitale Suchmaschine bedient und deshalb i.d.R. keine brauchbaren Resultate geliefert bekommt, aber die erstbesten Suchtreffer dann trotzdem unrktisch-affirmativ kopiert. Im Grunde handelt es sich bei einem handy für usnere Schüler doch um ein quasi magisches Werkzeug, ganz i.S.d. dritten Gesetzes von Clarke’s three laws: „Any [not understood] technology is indistinguishable from magic [for our students].“

Aber dennoch bleibt ein Bildschirm ein Bildschirm, der hat keine Wirkungen per se, die diesem inhärent wären, wie es ein Manfred Spitzer bspw. haltlos behauptet.
Im Grunde stimmen Sie mir ja zu, dass man das mit dem Endgerät lernt, was man damit macht.
Widerprechen möchte ich auch bei der Implikation, dass alles,w as keinen direkten Nutzen für… ja, für was eigtl.(?) hat, „Opportunitätskosten ohne Opportunitätsgewinne, oder auch: Verblödung“ seien. Würden Sie dies auch auf das „Daddeln“ (der Begriff wird im Artikel übrigens m.E. falsch verwendet, bezieht er sich doch konkret auf Spieltätigkeiten – so will ich ihn hier auch verstanden wissen) per se beziehen? Ich sehe jedenfalls großen Nutzen in der Zerstreuung, sei es i.S.v. bloßer unterhaltung, sei es eine maßnahme der Selbtstwirksamtkeitserfahrung, der Psychohygiene o.ä., aber auch des ggf. sozialen (kompetetiven; kooperativen) Miteinanders etc., und würde es nicht wagen, hier andere Aktivitäten (Fußballspielen, Nähen, Basteln, Lesen etc.) dagegen aufwiegen oder unbegründet als höherwertig bezeichnen zu wollen. Die Zerstreuung ist oft Gewinn genug. Es entspräche nicht meinem Menschenbild, von Allem einen Nutzen über die Zerstreuung hinaus zu verlangen, Freizeitaktivitäten zu delgitimieren. Das fände ich ignorant, nicht nur als Eskapist und Kunstliebhaber.

Und das ungeachtet dessen, dass ich ja shcon klar gemacht habe, dass Eltern sich verdammtnochmal um ihre Kinder kümmern sollen und und eine gelungene Erziehung nicht zu den Opportunitätskosten einer Fixierung auf das eigene handy verkommt.

447
1 Jahr zuvor
Antwortet  PaPo

Ja, da würde Ihnen im wesentlichen Recht geben.
Das erwähnte Modell finde ich interessant, schaue ich mir mal näher an.

Mit der „Zerstreuung“…da bin ich mir sehr, sehr unsicher…obwohl ich selbst recht großer Konsument von (auch komplexeren/zeitfressenden) Spielen wie auch kommerzieller Anwendung (Aktien, Kryptos) bin. Ins Camp der „totalen Verteufeler“ gehöre ich also ganz sicher nicht.

Hat Erholung, Zerstreuung bzw. explizit nicht-pädagogische Konfrontation mit Phänomenen (auch digitalen) einen hohen Wert?

Ja, schon, digital wie analog sollte es auch gerne mal gröber, ungefilterte zugehen – es gibt aber aus meiner Sicht ein sehr, sehr großes „Aber!“:
Das extrem konsequent auf Abschaltung jeder Kognition und Aufbau von ständigen, sich nahtlos aneinanderkettenden flow-Erlebnissen angelegte Design speziell der mobilen Endgeräte. Da liegt für mich das ganz große Risiko und das macht ihr Spezifikum aus, warum sie (von Mega-Corps bis Staat) so derartig gepushed werden: „Willst Du Zitroneneis oder Vanilleeis, Facebook oder Instagram?“ ist (sofern hart verdrahtet) keine Wahl, sondern eine Vorstrukturierung, Manipulation.

Der -wenn man so will- „medienpädagogische Alptraum“ ist für mich der viel zu junge Nutzer im Apple-Noob-Universum:
Von den überteuerten Geräten bis zum absoluten Terminal-Charakter des OS bis zur Vollendung in der ent-digitalisierten Baby-Sprache des Interfaces, die dem Nutzer alles abnimmt (und ihm dadurch gleichzeitig maximale Scheuklappen und Stützräder aufzwingt)…“Du hast Dein Appi-Appi putti-putti gemacht, soll es eine Zeitreise machen und wieder heili-heili sein?“ (timemachine-Funktion oder wie das heißt, also die Wiederherstellung eines Sicherungspunktes) … brrrrr, da läuft es mir eiskalt den Rücken runter, man spürt den sanften, allumfassenden Würgegriff, immer eine Würgeschlinge mehr zum Nutzer als Endterminal von Corpocloud – chatüberwacht, gehasht, kompetenzlos der Eigendynamik des Systems ausgeliefert … 10k Bilder und 10 Jahre Leben in der Volldurchleuchtung, aber dann der naive Augenglanz :“Abba-abba, das war doch auf privat geschaltet!!!!11″.

Bene
1 Jahr zuvor
Antwortet  PaPo

Danke. „Bildschirmzeit“ kann nämlich durchaus Lernwirksam sein. Es gibt adaptive Lernsoftware für DaZ, Grundrechenarten und Grammatik die sehr wohl funktioniert. Das haben sie schon vor 20 Jahren, das tun sie heute immer noch. Antolin und Anton sind auch tolle digitale Angebote, die keiner in Frage stellen würde.

Nicht das Medium, sondern das „was“ ist entscheidend. Wir legen Kindern ja auch nicht den Playboy oder, noch schlimmer, die Bild Zeitung zum Lesen vor.

Pit2020
1 Jahr zuvor

https://www.arte.tv/de/videos/109374-000-A/die-dopamin-falle/

Das beantwortet viele Fragen – sogar die, die meistens nicht gestellt werden … weil die Antworten … nicht zugemutet werden wollen/können?

Der Zauberlehrling
1 Jahr zuvor

Der Smartphone-Nutzungs-Prozess ist unumkehrbar.

Die ich rief, die Geister
werd ich nun nicht los.

Das Smartphone ist zu einem Körperteil geworden und kann nicht ohne Probleme und Folgeerscheinigungen vom Rest des Körpers getrennt werden.

Against Fremdbetreuung
1 Jahr zuvor

Das sehe ich auch so. Und viele (auch Erwachsene) haben die Smartwatch ständig im Blick.
Der Lehrer:innenberuf wird sich in den kommenden Jahren verändern wie nie zuvor. Lesen Sie mal, was in dem Zusammenhang die Entsiwcklung der KI so mit sich bringen wird. Um Wissensvermittlung wird es immer weniger gehen.
Wem das nicht gefällt, der:die sollte rechtzeitig umsatteln!

447
1 Jahr zuvor

Doch, ganz problemlos.

Außer halt bei den gefühlt 50-70% Eltern, die nicht einmal die allereinfachste, grundlegende Elternkompetenz haben, die früher jede Hilfsarbeiterfamilie hatte:
Kind gehorcht im Regelfall (mit zunehmender Selbstständikeit je nach Alter und Entwicklung) Eltern.

Ist wahrscheinlich „Priveligierung“ oder sowas. 😀

Carsten
1 Jahr zuvor

Menschenwerk kann durch Menschenwerk immer wieder geändert werden.

mama51
1 Jahr zuvor

Komisch, auf meiner letzten Klassenfahrt im Mai hat das super geklappt, niemand hat irgendwas vermisst.

Marion
1 Jahr zuvor

„Momos graue Herren sind unter uns….“ – ein Vergleich, der sich mir auch schon oft aufgedrängt hat.
Angeblich soll die Digitalisierung bis in den letzten Winkel unseres Lebens hinein, alles leichter machen, einfacher, unkomplizierter. Wir sollen dadurch „Zeit sparen“, die wir dann für andere Dinge nutzen können. Das mit der Zeitersparnis hat ja tatsächlich schon bei „Momo“ nicht funktioniert. Das Gegenteil trat ein. Die Menschen wurden immer gehetzter und hatten kaum noch Zeit füreinander. Klar, „Momo“ ist nur eine Geschichte für Kinder.
Aber darin steckt mehr bittere Wahrheit als in so mancher wissenschaftlichen Studie.

447
1 Jahr zuvor
Antwortet  Marion

Ich sehe die Parallele auch durchaus, würde nur EINEN Unterschied hinzufügen:
Die „grauen Männer“ machen in unserer echten Welt EXAKT das, was wir wollen.

Wenn wir unseren Grauen Männchen in der Hosentasche die entsprechende Konfiguration verpassen, tritt das Fortschrittsversprechen, Zeit einsparen (Navigation) oder sogar große Gewinne (I <3 Kryptos) ein.
Genauso hindert uns keine „magische Korruption“ wie bei Momo daran, selbiges Männchen auf stumm zu schalten, analog mit unseren Nachbarn zu sprechen oder „unseren“ alten Menschen zuzuhören.

Aber um das zu können braucht man etwas verpöntes, sogar zwei ganz verpönte Dinge, die mindestens die Hälfte aller durch deutsche Universitätspädagogik verstrahlten Leser jetzt zusammenzucken lassen:

  1. Disziplin
  2. (Kognitives) Wissen (um Funktionen und Technik)
nurmalso
1 Jahr zuvor

„Unser aufklärerisches Potential als Multiplikatoren nutzen“ – Ich habe da wenig Hoffnung. Zum einen, weil es sich um Suchtverhalten der Eltern handelt. Zum anderen ist es nicht nur für „Paul“ zu spät, sondern für alle Kinder, wenn sie in eine betreuende Institution kommen. Da ist schon in den ersten Wochen und Monaten des Lebens vieles ge- und zerstört, was sich später kaum noch heilen lässt.
Bundesweit wurde seit Jahren mit Kampagnen und Plakataktionen darauf aufmerksam gemacht. Man/frau gebe „Kampagne Eltern Handy Plakate“ in eine Suchmaschine ein und betrachte die Plakate und lese die Erklärungen. Nach meinen Beoachtungen wird das dort Beschriebene immer schlimmer.

kanndochnichtwahrsein
1 Jahr zuvor

Ein bisschen Verständnis für biologische Grundlagen des Lernens – Belohnungssystem im Gehirn, Aufmerksamkeitslenkung, Interessenbindung, Bindungstheorie… – und schon braucht man keine Studien, um zu wissen, dass das mit den Medien entwicklungs- und bildungsmäßig mindestens fragwürdig ist.
Man muss Smartphone und Co. genausowenig verteufeln wie vor 40 Jahren das Fernsehen, dann Video- und Computerspiele, digitale Haustiere, die ersten Handys mit SMS und Co. – nicht die Technik ist das Verhängnis, sondern der Umgang damit.
Wenn man die konstruktiven Möglichkeiten dieser Techniken nutzen würde, die destruktiven (oder zumindest nicht förderlichen) mindestens bei den Kindern kritischer sehen und ggf. auch fernhalten würde, wäre schon viel gewonnen.
Dann braucht es noch einen m.E. entscheidenden Schritt, um Negativwirkungen zu minimieren:
Das Bewusstsein für den Nutzen der digitalen Medien für die Menschheit schärfen. Echter Nutzen kann für die Menschheit nicht über das reine Freizeitvergnügen oder Ablenkungsverhalten des Einzelnen entstehen.
Nutzen hätten wir alle, wenn wir die Technik als Mittel zum Zweck, als Hilfsmittel, als Arbeitsmittel verstehen und den Kindern das auch so vermitteln würden.
Wie man es früher mit dem Taschenrechner machte: den durfte ich erst nutzen, als mein Lehrer wusste, dass ich auch ohne hätte rechnen können. Mit dem Taschenrechner geht es dann halt nur schneller.
Solange Kinder nicht analog lesen und schreiben können und Grundlagen eines mathematischen Verständnisses erworben haben, können sie digitale Medien etc. m.E. auch nicht gewinnbringend für die eigene Entwicklung, geschweige denn zum Nutzen der Menschheit einsetzen.
Auch in der Schule müsste diese klare Reihenfolge gelten: erst anlaoges Beherrschen von Grundlagen und Kulturtechniken, erst Beziehung, erst Soziales, dann als „on top“ und Zusatzmöglichkeit digitale Wege.
Im Elternhaus wäre das vorzubereiten. Mehr Bindung als reine Bschäftigung. Dann wären Eltern vielleicht auch nicht so genervt vom Nachwuchs (ja, natürlich, ist nicht bei allen so…), dass sie die Kids dann schnellstmöglich in möglichst dauerhafte Betreuung geben „müssen“.
Wie oft habe ich mit Eltern zu tun, die offensichtlich kein gesundes „Eltern-Kind-Verhältnis“ aufgebaut haben.
Ich assoziiere solche Fehlentwicklungen auchauch mit der whatsapp-beschäftigten oder dauertelefonierenden Mama und dem daddelndem Kind schon im Kinderwagen…

Indra Rupp
1 Jahr zuvor

Gehe d’accord, allerdings macht mein Sohn mir immer noch Vorwürfe, dass er erst so spät ein Handy bekam und deshalb in der Klasse außen vor war und nicht mitreden konnte. Er meinte, seit er ein Handy hat, wird er auch mal im Sport nicht als letzter gewählt, man unterhält sich mit ihm, ect…

ulschmitz
1 Jahr zuvor
Antwortet  Indra Rupp

Achwas, wir bekamen ein tV, als ich 16 wurde – das stand bei den Großeltern.
Inhalte von Serien („Fury“, „Lassie“ z.B.) konnte man auf dem Schulweg bei TV-geprooften Mitschülern abfragen – Kinderstunde gerne auch mal in anderen Familien.
Ich würde es eher bedenklich finden, dass mein Kind erst durch „Handy-Eignung“ „gewählt“ wird – das erinnert an die Zeiten, als ein völlig unfähiger Kumpel in der Fußballmannschaft mittun durfte, weil ER den teuren Lederball mitbrachte.
Vielleicht sollte sich Sohnemann die Leute mal ganz genau angucken, die ihn jetzt plötzlich wählen, weil er ein handy hat.

Indra Rupp
1 Jahr zuvor
Antwortet  ulschmitz

Er hat keine andere Wahl, ist ne Oberschule, wobei ich mir nicht sicher bin, ob sich das jetzt in der Oberstufe ändern wird…

mama51
1 Jahr zuvor
Antwortet  Indra Rupp

Hm… ich fürchte, das kann nicht nur am Handy liegen! Wenn es mein Kind wäre, fände ich die Situation eher bedenklich, denn ich bin immer noch der Meinung, dass man echte Feundschaft nicht kaufen kann.
Hoffentlich kann er dann als Ausgleich gut lesen!

447
1 Jahr zuvor
Antwortet  Indra Rupp

Ich mache (als sehr digital affiner) Mensch die umgekehrte Beobachtung:

  1. Wer ohne Handy nicht oder wenig eingeladen wird, wird es MIT Handy (proportional gesehen zum zusätzlichen ‚Invest‘) auch nicht.
  2. Wer in der realen Welt (an der peer-group gemessen und sozial gesehen) „nichts reißt“ – tut das online und mit 15 unbeliebten Accounts auch nicht.

Es gab und gibt ja das Klischee, das RL-loser das online kompensieren – ich kann Ihnen aus persönlicher Erfahrung nur sagen, dass es nicht so ist (mehrere Jahre semi-pro E-Sport):
Die Leute mit hohen Online-Erfolgen sind *nicht* die mit den höchsten Zeiten…und die (echten, nicht als Beschimpfung gedacht) Online-Süchtigen sind NICHT die Erfolgreichen (ob Views/Likes in sozialen Netzwerken, followern auf Twitch, First Kills in OGs).
Bewegt man sich in den entsprechenden Kreisen merkt man (spätestens bei RL-Treffen): Die Ergebnisse nähern sich an. „Winners gonna win“/“pro or noob, that’s Life“ ist primitiv, aber zutreffend. Die Leute „oben“ in digitalen Hierarchien sind überdurchschnittlich häufig auch im RL erfolgreich und umgekehrt – Arbeitslos-Andreas hängt halt 24/7 auf drei erfolglosen Accounts Rum und hat weder Spaß noch Erfolge, sondern fängt sich eine Spielsucht ein. First-Kill-Freddy’s WoW-Acvount wird in der Zeit 2K Euro wert und drei Jahre später ist er Arzt…die Welt ist halt ungerecht.

Viel wichtiger: Wenn Sie als Elternteil erst später (insbesondere zu mobilen Endgeräten) Zugang gewähren, ist die Chance hoch, dass Sie ihrem Kind was Gutes getan haben.

Lisa
1 Jahr zuvor
Antwortet  Indra Rupp

Ich kann mir das schon vorstellen, aber nicht so, dass sie den Sohn jetzt wegen seines Handys mögen, sondern dass er wenn er vorher nicht in der WhatsApp Gruppe/ Insta/ sonstwas war, viele Aktivitäten schlicht nicht mitgekriegt hat. Und geneinsame Unternehmungen bieten auch mehr Gesprächsanlässe.

Realist
1 Jahr zuvor

In wenigen Jahren hat jeder Grunschüler seinen persönlichen KI-Assistenten, wahrscheinlich im Smartphone integriert. Wozu braucht es dann noch Lesekompetenz? Der KI-Assistent fasst alle Texte in einfacher Sprache zusammen, übersetzt bei Bedarf in die Heimatsprache und liefert auf alle Fragen (schriftlich oder mündlich) eine Antwort, die besser sein wird, als das was 95% der Bevölkerung und auch die meisten Lehrkräfte, die dann mehr Betreuungs- und Aufpasserfunktionen haben werden, zustandebringen. Altersgerecht und an die Vorkenntnisse und den IQ perfekt angepasst.

Bildung wie wir sie aktuell kennen (Lernen von anderen Menschen durch persönliche Interaktion) wird ein Luxus sein, den sich nur noch die Reichsten 1% leisten werden können: Für den Rest heißt es KI-gestützte Betreung in Großgruppen: Effizient und kostengünstig und dem Lehrkräftemangel angemessen.

Nachdenker
1 Jahr zuvor
Antwortet  Realist

Ihr Lobgesang auf die KI erinnert mich an die Hymnen auf die audiovisuelle Methode und die Sprachlabore vor vierzig Jahren. Sprunghaft stiegen damals die Ausgaben der Schulen für Technik, nicht aber die Sprachkompetenz der Schüler. Welche Schule hat heute noch ein Sprachlabor? Wie bedeutsam wirkliche und nicht nur vorgetäuschte Bildung ist, zeigen Staaten wie Singapur: Durch Bildung steigen nicht nur Individuen, sondern auch Länder auf – oder ab.

GriasDi
1 Jahr zuvor

Laut Hattie hat die außerschulische Nutzung von Smartphones eine Effektstärke von -0,32, Fernsehen von -0,17. Als Lernwirksam werden Effektstärken von > 0,4 bezeichnet. Noch Fragen? Nein, die darf man ja nicht stellen. Smartphones sind ja so wichtig, demokratisieren die Bildung (dachte man, eingetreten ist es bisher nicht). Alles Digitale ist suuuuper.
Warum sollen eigentlich Messer in öffentlichen Verkehrsmitteln verboten werden? Messer für sich genommen sind doch nichts schlechtes. Es kommt doch darauf an, wie man sie nutzt. Jetzt sind die Messer schon in der Welt, verbieten kann man die jetzt auch nicht mehr.

Bla
1 Jahr zuvor
Antwortet  GriasDi

Whataboutism

Kann man auch an anderer Stelle:
– Schulrucksack ist oft zu bepackt -> Weg damit
– Schulbücher und Arbeitsblätter sind eine Umweltbelastung/Papier/Bäume -> Weg damit
– Zu viel (schlecht durchgeführter/technisch falscher) Sport schädigt die Gelenke -> Weg damit
– Zu langes Sitzen schadet -> Sitz- und Stehplätze schaffen und damit arbeiten
– Zu viel ungesundes Essen ist potentiell schädlich -> Süßigkeiten verbieten
– Usw. usf.

Absurd? Ja. Genau.

Zu Hattie wurde schon genug geschrieben in anderen Beiträgen hier im Forum. Dann müsste man seeeehr vieles grundlegend ändern. Dazu sollte man in der Metastudie mal innerhalb der Studien eben auch andere Faktoren als nur die Ersichtlichsten nehmen. Bspw. Soziale Faktoren und Peer usw.
Demnach müssten auch:
– Noten weg
– Hausaufgaben weg
– Stundenbeginn (frühestens) 9 Uhr
– Lernen durch Sinne
– Usw. usf.
Bin ich mal gespannt.

„Außerschulische Nutzung“ – da fallen mir aber noch viele andere Sachen ein, welche keinen Nutzen auf Lernen und Bildung haben.
Man mag es sich kaum vorstellen … Sogar Erwachsene machen vieles davon: Bier/Alkoholkonsolum generell, Rauchen und sonstige Drogen. Ungesunde Ernährung und zu viele Süßigkeiten. Zu wenig Sport/Bewegung.
Alles im Extremen ist meistens (sowieso) schlecht.

Daher: Die zu unreflektierte und zeitlich zu starke Nutzung von Smartphones ist nicht gut. Egal, ob bei Kindern oder Erwachsenen.
ABER: Das gesellschaftliche und schulische Problem besteht nicht nur beim Smartphone.
Das sind seeehr viele Faktoren inzwischen, welche zusammenwirken.
Das sollte man einfach halt bedenken, ansonsten macht man es sich grundlegend zu einfach.

Ureinwohner Nordost
1 Jahr zuvor

Ja, ja
Prof. Manfred Spitzer lässt grüßen.
Genau der, mit seinem Büchlein „Digitale Demenz“.
Ach, was wurde er verflucht und geschmäht. Vor Jahren schon.

In Südkorea und der VR China hat man Smartphones für Kinder und Jugendliche schon längst reglementiert.
Wegen der Kurzsichtigkeit der jungen Menschen.

PaPo
1 Jahr zuvor

Er wird im tatsächlichen Fachdiskurs immer noch geschmäht… und zwar zu recht.
Er lässt auch nicht grüßen, denn die Aussagen von Manfred Spitzer sind grundlegend andere, als die von Michael Felten, wie Sie auch weiter oben lesen können: https://www.news4teachers.de/2023/06/iglu-schock-warum-smartphone-und-co-den-kindern-so-sehr-schaden-nicht-nur-weil-sie-selbst-davor-kleben/#comment-528231

tl:dr

(a) Manfred Spitzer schreibt der technischen Apparatschaft per se(!) misasmatische, anomische Wirkungen zu, die alles an Kenntnissen, Fähigkeiten und insg. Sozialisation des Individuums quasi magisch überschreiben und gar in ihr Gegenteil verkehren können, ungeachtet der Medienkompetenzen des individuums, ungeachtet dessen, welche Konkreten Inhalte rezipiert werden, wie und zu welchem Zweck die Bildschirmmedien genutzt werden. Kurz: Manfred Spitzer verbreitet hysterischen Unsinn.

(b) Michael Felten problematisiert konkretes Nutzungsverhalten und daraus resultierende Opportunitätskosten: Kinder lernen A nicht, wenn sie B machen und Eltern vermitteln ihren Kindern C nicht, wenn sie selbst auch nur B machen.

PaPo
1 Jahr zuvor
Antwortet  PaPo

Korrektur: miasmatische

mediavo
1 Jahr zuvor
Antwortet  PaPo

im Cornelsen Deutsch-Buch für die 8. Klasse (Ausgabe Gym Bayern) sind wesentliche Aussagen Prof. Spitzers abgedruckt. Diesen wird ein Schulbuchtext zu den positiven Auswirkungen von Lernspielen gegennüber gestellt. Selbst meine nicht sonderlich reflektierende Klasse kam darauf, dass beide Texte eigentlich von etwas völlig anderem reden, also das setting, in dem Digitales zum Einsatz kommt, grundverschieden ist.
Was allerdings für Jugendliche kaum selbstständig machbar ist, ist das Umsetzen von theoretischem Wissen in die daraus resultierenden, vernünftigen Verhaltensweisen. Dieses Einschleifen durch beständiges Wiederholen / Einfordern von Regeln ist der nervige Teil von Erziehung (nur zur Erinnerung: Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht.GG Art 6 (2) ;))

Ureinwohner Nordost
1 Jahr zuvor
Antwortet  PaPo

Und wieder, textreich 🙂

ulschmitz
1 Jahr zuvor

Fragen Sie mal Menschen, die z.B. auf Privatschulen waren. In England z.B. – Handyzeit pro Tag max. 30 Minuten – deutliche Kontrollen, deutliche Reglementierung.

Bla
1 Jahr zuvor

Warum wurde?
Wird er doch immernoch.
Polemik und Populismus. Dazu recht hysterisch und auf Angst prägend. Diese Leute haben doch meistens recht … Kennt man ja. *Ironie*

Die Nutzungszeit (und „Sucht“) ist/war in Südkorea und China deutlich höher. Der Umgang mit dem Smartphone wird auch nur bedingt behandelt – oder?
Also reglementiert man das dort halt. In Südkorea eben bspw. mit verpflichtenden Überwachungsapps. *Daumen hoch*

Ob man China und Südkorea in Bezug auf „Freiheit“ heranziehen möchte … Gut. Das Motto „Überwachen statt Schulen“ muss man dann halt auch mögen.

Ein bewusster Umgang mit dem Smartphone ist weniger das Problem. Das Extreme ist immer ein Problem. Dazu, wenn Menschen eine psychische Einschränkung haben.
Hier sollte und muss man ansetzen.

Also: Vereine fördern, gute Kita und Schulen, mehr Elternzeit für ihre Kinder, Angebote fördern usw.
Aber … China, Südkorea und Manfred Spitzer hier als „gute“ Beispiele zu nehmen… Ich weiß ja nicht. Das wirkt eher lächerlich für mich.

Lisa
1 Jahr zuvor

Ich habe mit meinen Kleinen noch Fingerspiele oder ähnliches gemacht, wenn ich mit ihnen an einer Kasse warten musste. Viele junge Mütter sind nur noch am Daddeln. Es ist manchmal herzzerreissend zu sehen, wie ihre Kinder um Aufmerksamkeit betteln. Und natürlich sich drastisch daneben benehmen. Vielleicht guckt die Mutter dann? Nein, auch nicht. Niemand erklärt ihnen die Welt. Doch muss man sagen, dass wohl in der Menschheitsgeschichte Eltern stets abgelenkt waren. Durch Arbeit, nicht durch Daddeln. Auch mein Opa würde noch mit Geschwistern am Feldrand abgelegt, wenn meine Urgroßmutter buchstäblich ackerte. Allerdings waren die intellektuellen Ansprüche an die Kinder nicht überall so groß wie heutzutage.

mama51
1 Jahr zuvor
Antwortet  Lisa

GENAUSO ist es!!!

„Viele junge Mütter sind nur noch am Daddeln. Es ist manchmal herzzerreissend zu sehen, wie ihre Kinder um Aufmerksamkeit betteln. Und natürlich sich drastisch daneben benehmen.“ – …sogar beim „Spazierengehen und auf dem Spielplatz“ 🙁 ohne dass das irgendjemand interessieren würde! Die armen Kleinen!

Carsten
1 Jahr zuvor

Die Schweden hatten auch in naher Vergangenheit gute Ideen.

amelie
1 Jahr zuvor

Möchte nur einen Aspekt einbringen: das generell in diesem Zuge veränderte Verhältnis zu Materie, das m.E. mit Begreifens- und Behaltensleistungen eng verzahnt ist. Kinder, die leicht lesen lernen, mögen auch (schöne) Bücher, haben also ein konkretes Verhältnis zu Materie, passen auf ihre Sachen auf, nehmen Dinge in ihrer Umwelt aufmerksam wahr etc.
Kinder, die die Welt überwiegend mittelbar, nämlich durch elektronische Medien, wahrnehmen, haben genau wie ihre ‚absorbierten‘ Eltern Aufmerksamkeits- und Orientierungsdefizite und kaum noch einen Bezug zum Wert von Materie, den eigenen Körper oft eingeschlossen, der ja für ihre Art der Weltwahrnehmung auch nur noch eine rudimentäre Rolle spielt.
Der Zusammenhang von Motorik, Haptik und Intelligenz ist inzwischen zweifelsfrei nachgewiesen.
Entscheidend ist darüber hinaus die nicht willkürlich steuerbare Motivation, die daraus resultiert, was das Individuum als existenzwichtig wahrnimmt und was nicht. Lesen gehört im visuellen Zeitalter wahrscheinlich nicht mehr dazu, wenn es nicht vorgelebt wird. Fehlendes inneres (existenzielles) Interesse ist ein entscheidender Faktor für scheiternde Bildung.

Nachdenker
1 Jahr zuvor
Antwortet  amelie

Vielen Dank für diesen extrem wichtigen Hinweis. Unser vierjähriger Enkel, der ohne Fernsehen und mit sehr begrenzter und immer begleiteter Bildschirmzeit aufwächst und der es liebt, zusammen mit Eltern und Großeltern Bücher zu lesen, gilt in seiner Kita als Professor, weil er sich für alles interessiert und zu allem, was ihm begegnet, Fragen stellt. Früher wäre er als ein normales Kind wahrgenommen worden…

Uwe
1 Jahr zuvor

Als die Bücher durch Rotationsdruck immer billiger wurden gab es Warnungen: Die Lesewut würde die Jugend verderben, das unkontrollierte lesen würde zum moralisch sittlichen Verfall führen. das gleiche beim Radio. Beim Kino. Und natürlich auch beim Fernsehen. Wissenschaftliche Belege für all das sind mau bis nicht vorhanden, aber wen juckt es, Unterland des Abendlandes , hübsch gruselig geschildert verkauft sich halt immer ganz gut.

Bla
1 Jahr zuvor
Antwortet  Uwe

Die Ich-Perspektive (bei Krimis) wurde als zu realistisch betrachtet und eingestuft. Demnach würde man aktiv in die Rolle des Mörders gehen und auch so denken. (Wie bei „Killerspielen“ – Vorsicht: Polemik)

Da können wir auch vieeel weiter zurück gehen … Auch schon beim Schach wurde gewarnt, weil die Figuren andere Figuren schlagen würden. Also man aktiv „jemanden“ ausscheiden lässt/tötet.
Gab es im Übrigen wohl auch bei „Mensch ärgere dich nicht“.

Angst – eine starke Emotion. Damit kann man Massen gut lenken. Die Kirche zeigte dies als mitunter bekanntestes Beispiel immer wieder.

Bei der Bahn/Zug … bei 3D (Fernsehen) … bei VR … grundlegend bei vielen „neuen“ Techniken und Maschinen -> Industrielle Revolution.
Immer „klaut“ Technik unsere Arbeitsplätze und ersetzt uns. Angst.
Immer ist es gefährlich. Angst.

Jetzt ist es Chat-GTP eben.
Dort treffen sogar beide Ängste zu.
Schauen wir mal.

Enjoy your chicken Ted
1 Jahr zuvor

Also irgendwie fühle ich mich an meine Kindheit in den 80ern erinnert. Damals schwadronierten auch manche vermeintlichen Experten über den bösen Computer oder Spielekonsole etc. und wer dann noch ernsthaft Manfred Spitzer anführt….. um es in den Worten der Jungen auszudrücken: lieber Boomer, komme doch mal endlich im 21.Jhd an.

Es ist vollkommen unrealistisch und weltfremd, dass digitale Geräte bzw Medien weniger Platz im Leben der Menschen einnehmen werden, es wird eher andersrum sein. Sorry, aber dieses Lamentieren hilft nicht.

PaPo
1 Jahr zuvor

Richtig!
Manfred Spitzer und Co. sind im Bildungsbürgertum aber leider ungebrochen populär…

Uwe
1 Jahr zuvor

Unvergessen auch die Warnungen vor den ersten Videorekordern. Filme wie „Muttertag“ etc. würden zu einer psychopathischen Jugend führen der nichts mehr heilig ist.

Marion
1 Jahr zuvor
Antwortet  Uwe

Es ist ein Unterschied, ob ich zu Hause vor dem Fernseher sitze, aber dann wieder raus gehe. Der Fernseher kommt ja nicht mit.
Es ist ein Unterschied, ob ich zu Hause hinter einem dicken Buch versumpfe, aber mich danach mit Freunden treffe. Das dicke Buch kommt ja nicht mit.
Es ist ein Unterschied, ob ich zu Hause Videofilme gucke oder Videospiele spiele, aber danach zu Oma gehe, weil die Apfelkuchen gebacken hat. Der Videorecorder kommt ja nicht mit.
Es ist ein Unterschied, ob ich zu Hause auf der Spielekonsole oder dem Computer spiele. Beide kommen nicht mit, wenn ich nachher zum Fußballspielen gehe.
Das Handy kommt mit. IMMER!
Sobald sich auch nur ansatzweise so etwas wie Langeweile einstellt, daddelt man halt auf dem Handy rum oder guckt, ob es irgendwelche Neuigkeiten gibt oder stänkert im Gruppenchat gegen den neuen Mitschüler o.ä.
DAS ist der Unterschied. Das Handy ist mittlerweile fast zu einem fest installierten Körperteil geworden.
Das ging mit Fernseher, Buch, Videorecorder und Computer nicht.
Es bestimmt den Alltag der Menschen und frißt sich bis in die letzten Winkel des Daseins. Und nur weil man in der Vergangenheit, fälschlicherweise, vor „Lesewut“ durch zu viel Bücherkonsum gewarnt hat, heißt das ja noch lange nicht, daß alle weiteren technischen Entwicklungen automatisch genauso harmlos sein müssen. Das Handy per se ist sicherlich nicht gefährlich.
Aber durch die ständige Verfügbarkeit muß man schon arg aufpassen, sich nicht zu sehr vereinnahmen zu lassen.
Ich denke, vor allem für Kinder und Jugendliche ist es besonders schwer, der Verlockung dauernder Ablenkung und Unterhaltung zu widerstehen. Das Gehirn gewöhnt sich an den ständigen kleinen „Kick“ und verlangt, in immer kürzeren Abständen, nach einem neuen Reiz, einem weiteren Kick. Ich halte das für gefährlich insofern, daß es zu einer gewissen Unruhe und Unkonzentriertheit und einer permanenten inneren Anspannung führt.
Es scheint ja nun mal so zu sein, daß Kinder zunehmend Schwierigkeiten haben, die Fertigkeiten zu entwickeln, die sie am Ende der Grundschule nun mal haben sollten. Oder ist das etwa gar nicht so?
Sind all die Iglu- und IQB-Studienergebnisse nur Einbildung und das Geschrei darüber nur Hysterie.
Dann würde ich sagen: Alles paletti. Weitermachen wie bisher.
Sollten die Warnungen jedoch begründet sein, dann frage ich mich, wo die Ursachen dafür zu suchen sind.
Also die zunehmende Digitalisierung unseres Alltags spielt dabei keine Rolle.
Diese Option scheidet kategorisch aus. Das ist nur ein Hirngespinst von uns rückständigen Boomern.
Woran könnte es noch liegen?
Klar, wir haben inzwischen viel mehr Kinder mit Migrationshintergrund, die kaum deutsch sprechen, wenn sie zur Schule kommen. Das ist sicherlich EIN Grund.
Und wir haben Lehrer- und Erziehermangel. Auch nicht schön.
Was ist mit unserem Schulsystem? Da liegt sicher vieles im Argen. Doch ich erinnere mich an Zeiten, da saßen 38! Erstklässler im Unterricht und trotzdem konnte die überwältigende Mehrheit am Ende der vierten Klasse das, was sie eben können sollte. Die einen ein bischen mehr, die anderen ein bißchen weniger, aber immernoch genug, um ganz gut klar zu kommen.
Woran lag das? An den Unterrichtsmethoden? An den Lehrern? An den Schülern? An allem zusammen?
Und woran liegt es, daß es heute offenbar nicht mehr funktioniert?
An den Unterrichtsmethoden? An den Lehrern? An den Schülern? An allem zusammen?
Oder klappt es heute in Wirklichkeit auch ganz gut und all die Unkenrufe sind…..naja, Unkenrufe halt.
Dann können wir ja getrost so weitermachen. Drücken wir beim Verwandschaftsbesuch dem Zweijährigen ruhig das tablet in die Hand, damit wir Erwachsenen ungestört plaudern können, während der Kleine wie paralysiert auf den Bildschirm glotzt und mit den Patschefingerchen schon so geschickt die Baggerteile an die richtige Stelle schiebt. Süß.
Geben wir der fünfjährigen Prinzessin ruhig das Handy zum Spielen, wenn sie über Langeweile klagt, bevor sie noch nölig wird.
Und wenn Papi oder Mami abends gestresst von der Arbeit sind, dann kann man dem allzu mitteilsamen Sechsjährigen schon mal Smartphone oder tablet zur „Ruhigstellung“ aushändigen, man ist ja auch nur ein Mensch.
Wenn Mutti den Kinderwagen schiebt, ist doch nichts dabei mal schnell auf Whatsapp zu gucken und ’ne Nachricht zu tippen, ach und wenn man schon dabei ist, dann kann man gleich mal checken, ob das mir der Tischresevierung am Abend geklappt hat und ob der Termin mit der Kollegin noch steht und ob Papi die Kleine nun heute von der Kita abholen kann oder nicht, das ging im morgendlichen Streß irgendwie unter. Huch, und schon sind wir da und haben kaum ein Wort und kaum einen Blick mit der Kleinen im Buggy gewechselt.
Überhaupt, sobald es irgendwo laaaaangweilig zu werden droht, sobald ein Kind neeeervig zu werden droht – immer ist der kleine Taschenalleinunterhalter zur Stelle. Langeweile wird im Keim erstickt. Allerdings auch die Fähigkeit, aus sich selbst heraus Langeweile zu überwinden, indem man kreativ wird und eigene Ideen entwickelt.

PaPo
1 Jahr zuvor
Antwortet  Marion

Sind all die Iglu- und IQB-Studienergebnisse nur Einbildung und das Geschrei darüber nur Hysterie.
Nein. Aber sie sind nicht monokausal mit der Omnipräsenz des Smartphones erklärbar. Auch was Sie hier skizzieren, hat tendenziell eher mit Erziehungsdefiziten zu tun, garniert mit Konsequenzlosigkeiten allerortens, (ideologischen) Experimenten in der Schule und der generellen Erosion des Bildungssystems. Da ist das Smartphone, ist dessen omnipräsente Nutzung, die vermeintl. Alternativlosigkeit der resp. der vermeintl. Zwang zur Nutzung desselben nur Symptom, nicht aber Ursache.

Marion
1 Jahr zuvor
Antwortet  PaPo

Nö, monokausal nicht. Das wäre ein wenig zu einfach. Hab ich aber auch nicht behauptet.
Weiter oben hat ein User geschrieben, die Boomer sollten halt endlich mal im 21. Jahrhundert ankommen. Ein anderer vergleicht die Bedenken mit den früheren Warnungen vor „Lesewut“, vor Fernseher und Videorecorder usw.
Das halte ich jedoch schon für etwas sehr schlicht gedacht und dagegen richtet sich mein Kommentar.

Ureinwohner Nordost
1 Jahr zuvor
Antwortet  PaPo

Lesen Sie doch endlich mal in Scineses, Nature und Lancet,
Und nicht nur in Werbezeitschriften.

Mich nerven Sie nur noch mit Ihren Endloskommentaren.

Tut mir leid, bilden Sie sich.

🙂 Gute Nacht

PaPo
1 Jahr zuvor

PaPo:: ‚Wie überfordert sind Sie?
Ureinwohner Nordost: ‚JA!‘

Ach deshalb die M. Spitzer-Fanboy-Attitüde?! Ist einfacher zu goutieren, verstehe.

Mein Humor. ^^
Aber gleichzeitig von Werbezeitschriften fabulieren, wohlwissend ignorierend, dass ich auch Ihnen ggü. einschlägige Fachliteratur rezitiert und spezifiziert habe, Ihnen machvollziehbar den Stand der einschlägigen Forschung skizziert habe, und nicht – wie Sie – ominös (und jeder Elaboration entkommen wollend) „Scineses, Nature und Lancet“ in den virtuellen Raum blöke; Butter bei die Fische, welche Behauptungen von Manfred Spitzer und Co. werden denn dort wo konkret validiert?

Achsooo, ich verstehe: Sie wollen nur nicht wieder und wieder meinerseits als Schwurbler vorgeführt werden, der einem Bauernfänger wie Manfred Spitzer auf den Leim geht und gleichzeitig dabei fantasiert, als groooßer Naturwissenschaftler deine sinolen Ressentiments naturwissenschaftlich belegt wissen zu wollen, auf die phööösen Geisteswissenschaften herabschauend… und dabei nachweisbar keine Ahnung zu haben, wovon er schreibt (hier, bitteschön, als eine der möglichen Erinnerungen:
https://www-news4teachers-de.cdn.ampproject.org/v/s/www.news4teachers.de/2023/05/ed-tech-unternehmen-schaetzt-ki-marktpotenzial-im-bildungswesen-auf-10-bis-20-milliarden-us-dollar/?amp&amp_js_v=0.1&usqp=mq331AQIUAKwASCAAgM%3D#comment-524637).

„Mich nerven Sie nur noch […].“ Das Heulen der Ungebildeten, der Ignoranten. Keine Sorge, ich kenne mich in der Medienwirkungs- und -nutzungsforschumg recht gut aus, war und ist tatsächlich mein Praktikum märes Forschungsgebiet, da muss ich nicht – wie Sie – zu populärwissenschaftlichen Pamphleten greifen 🙂

Tut mir nicht leid, bilden Sie sich.
Eigtl. so gar nicht meine Art, weil gerontophob und ad hominem, aber hier irgendwie extrem passend, weil Sie das Klischee eifrig bedienen: Okay, Boomer. 🙂

PaPo
1 Jahr zuvor
Antwortet  PaPo

primäres, nicht *Praktikum

Bla
1 Jahr zuvor
Antwortet  Marion

Aaaaalso:
Den Computer usw. kann man nicht mitnehmen, aber man kann natürlich auf den Verein, Freunde und Familie verzichten bzw. die Zeit mit ihnen nicht verbringen. Dazu braucht es auch nicht die Mobilität.
Das Nutzerverhalten ist hier der Ausschlaggebende Faktor.
Es brauchen Menschen, welche rauchen auch nicht „das Weggehen“ als Grund, um zu rauchen. Einige führen das allerdings an – gesellschaftlich. Nutzerverhalten. Andere rauchen eben auch zu Hause.

Ein wesentliches Problem der „Digitalisierung“ ist das unwesentliche stattfinden dieser. Das soll heißen: Hätte man die letzten 20 Jahre digitalisiert, dann wäre die Diskussion eine andere wahrscheinlich. Jetzt mit dem Finger auf die (oftmals erst gar nicht stattgefundene/stattfindende) Digitalisierung (der Schulen) zu zeigen ist halt fragwürdig. Man muss auch bereit sein mit dem Gesellschaftswandel zu gehen, sonst bleibt man hinter diesem. Stellen wir halt immer wieder fest … Mal was anderes zu machen wäre doch toll … Dann kann man schauen, ob es wirklich funktioniert(e) oder eben nicht.
Aber eine nicht durchdachte „Digitalisierung“ als „gescheitert“ zu verurteilen, weil die „neue/junge“ Generation das eben im Alltag nutzt – ohne großartige Behandlung von vielen Schulen … Macht kaum Sinn. Es ist faktisch im Alltag vieler Menschen (schon lange) vorhanden.
Aber: Kosten sparen … Super Punkt aus politischer Sicht gegen die Digitalisierung zu gehen. Schuld gibt man dem Smartphone trotzdem. Top. Schuldigen gefunden, ohne dass man investiert. Und so einfach. Toll.

Ja, viele der Punkte stimmen.
Der Schule wird immer mehr aufgelastet. Im Gegenzug gibt es zu wenige Verbesserungen der Rahmenbedingungen.
– Inklusion (ohne ausreichend Zeit und Materialien/Räume …)
– Migration (ohne sinnvolles Konzept – „1 Jahr Deutschkurs“ reicht halt bei einigen eben nicht … Dann müsste man eben mehr machen/verlängern. Sonst gehen diese SuS verloren bildungstechnisch.)
– Mehr Zeit der Eltern für ihre Kinder … Das ist heutzutage halt nicht mehr so einfach. Gerade für Alleinerziehende. Auch, wenn die Familien „immer kleiner“ werden. Großfamilien als Haushalt ist nicht im Trend.
– Bewussten Umgang mit Medien: Das haben viele Erwachsene nicht. Geben das dementsprechend oft auch nicht weiter. Eigene Nutzung, ABER auch das „nicht Wissen des Umgangs“ mit (diesen) Medien
– Klagegesellschaft: Jeder passt auf, dass man nicht sofort angreifbar und angeklagt wird. Andersrum drohen viele (gleich/gerne) mit dem Anwalt oder sind selbst solcher.
– Fordergesellschaft + „Weiner“: Man erwartet viel. Fordern, fordern, fordern. Alles soll Spaß machen. Alles ist „öde“ und „langweilig“. Dazu noch anstrengend. „Muss ich das machen“.
– Konsumgesellschaft: Urlaub, Produkte müssen schnell da sein, man gönnt sich gerne mal xy
– „Bubbles“ werden ersichtlicher und strukturierter – fordern auch ihre Themen recht wehement und ecken mehr gesellschaftlich bei anderen an: „Links“, „Rechts“, „Schwurbler“, „Gendern“, „Aktivisten“, … Alle wollen halt ihre Stimme und ihr Thema.
– Fachkräftemangel (hier im SOZIALEN Rahmen): Kita, Pfleger, Lehrer – das zieht sich eben durch. Dazu oft weniger Zeit der Eltern (oder „Bock“ – man braucht ja auch Auszeiten …)
– Keine/Wenig Konsequenzen: Erwachsene machen das oft vor, dass man sich ja aufführen kann… Zählt dann als „Meinungsfreiheit“. Auch bei Kindern ist das zum Teil halt ersichtlich finde ich. Wenn man etwas sagt, dann „muss“ man sich rechtfertigen – notfalls mit dem Anwalt. Dazu gibt es dann gerne mal den Einbezug und Druck von mehreren Seiten. Auch an manchen Stellen der Schulleitung und dem Arbeitgeber (Staat/Bund/Land). Da hat man richtig Lust drauf.
– Hausaufgaben ansehen, ob sie gemacht werden, Üben mit dem Kind, Vorlesen, Bücher und Lernmaterialien im Elternhaus … Teilweise kaum gegeben.
– Suchen einfacher Lösungen: Hauptsache keine Kosten und den Komplex abschieben auf Einzelfaktoren. Dazu am besten nur benennen. Findet jeder etwas … „Migration“, „Digitalisierung“, „Eltern“, „Lehrer“, „Schule“, „Staat“, „Corona“, „Krieg“, „Lehrermangel“, „Unterrichtsentfall“, „Inklusion“, „alte/neue Methoden“, „Smartphone“, „Ganztag/keine Ganztag“, „Präsenzpflicht/Schulpflicht“, „Halbtagsjob – sollen doch mal wirklich arbeiten“, „Lehrplan“, „Lehramtsstudium“, „Quer-/Seiteneinsteiger“, „Verbeamtung“, „Bildungsungleichheit“, „Privatschulen“, „Social Media“, „wenige/keine Vereine regional“, … Usw. Usf. … Einfach einen oder mehrere Faktoren/Topics raussuchen.
-> Tipp: Die Fülle an den ganzen Punkten und die Durchmischung sind eventuell das Problem. Dazu auf der anderen Seite die schlechten Rahmenbedingungen.
Es wird einfach „das Problem“ gesucht, statt mal „die LösungEN“.
–> Tipp: Kostet alles viel Zeit, Aufwand und vor allem Geld.
Hm, doof.

Also … Abwarten. Wie oft. Schauen wir mal.
Vielleicht nimmt uns Chat-GTP ja die Arbeit ab. Sowohl der Eltern, als auch der Erzieher/Lehrkräfte. Dann hätten die Kinder doch schonmal einen Vorteil … Smartphone ist dabei. Reicht dann. Toll.

Uwe
1 Jahr zuvor
Antwortet  Marion

Das früher die überwältigende Mehrheit über hohe Lese und Schreibkompetenz verfügten ist ein Mythos. Die ganzen Bergleute hier im Ruhrgebiet haben in der Waschkaue nicht über die Werke von Immanuel Kant diskutiert. In meiner Gesamtschulklasse (also meiner Schulzeit) gab es Schüler*innen die bis zum Schluss nicht sinnentnehmend lesen konnten: Kein Problem, es ging in den benachbarten Pütt, die Lehre hieß Bergmechaniker, war sehr gut bezahlt, alle waren zufrieden.
Diese (gutbezahlten) Jobs gibt es nicht mehr und DAS ist das Problem.

Georg
1 Jahr zuvor
Antwortet  Uwe

Haben Sie mal die Soldatenpost aus dem ersten Weltkrieg gelesen? Diese jungen Männer waren bestenfalls Volksschüler. Vergleichen Sie mal den Wortschatz und die Wortgewandtheit mit der der heutigen Abiturienten.

Uwe
1 Jahr zuvor
Antwortet  Georg

Die Soldaten waren also bestenfalls Volkschüler? Sind sie sicher das Volksschüler überhaupt Briefe nach Hause geschrieben haben? menschen die weder sinnentnehmend lesen noch gut schreiben konnten gab es zu allen Zeiten, das ist aber eben im bergwerk oder bei der Kartoffelernte nicht weiter aufgefallen und hat natürlich auch keinen interessiert.

Marion
1 Jahr zuvor
Antwortet  Uwe

Von „hoher Lese-und Schreibkompetenz“ habe ich doch gar nicht geredet.
Die einen mehr, die anderen weniger, aber genug um einigermaßen zurechtzukommen, hab ich geschrieben. Von Diskussionen über die Werke von Kant hab ich auch nichts gesagt.
Ja, zweifellos gab es auch damals schon Schüler, die am Ende ihrer Schullaufbahn nicht sinnentnehmend lesen konnten.
Aber es scheinen heute, zumindest laut Studienlage, doch signifikant mehr zu sein.
Oder waren es damals schon genausoviele, nur hat das keinen gejuckt? Auch möglich.
Trotzdem glaube ich daß, ACHTUNG – JETZT GENAU LESEN, die teilweise exzessive Nutzung des Smartphones, NICHT DAS SMARTPHONE SELBST!, etwas mit uns macht.
Und das ist nicht immer nur gut.
Es hat definitiv Auswirkungen auf die Konzentrationsfähigkeit und die Ausdauer der Kinder, wenn sie ständig den kleinen Ablenkungs- und Zerstreuungsapperat in der Tasche haben. Deshalb bin ich ein großer Fan der 3 6 9 12 – Regel.

Uwe
1 Jahr zuvor
Antwortet  Marion

Als ich 14 war gab es die ersten Videorekorder, die konnte man sich für 10 DM ausleihen und (wenn man einen Ü18 kannte) hat man sich natürlich auch Pornos und Horrorfilme besorgt um sie bei Cola und Chips gemeinsam zu konsumieren. In den Zeitungen haben damals eine Menge Psychologen prognostiziert: Die Welt geht unter weil wir alle (also die jetzige Mitte 50 Generation) durchs Konsumieren dieser Genres zu völlig gestörten und gewalttätigen Soziopathen würden. Danach hatte ich meinen ersten PC und natürlich Castel Wolfenstein gespielt und auch hier: rate mal was die ganzen „Experten“ damals so prognostiziert haben?

Marion
1 Jahr zuvor
Antwortet  Uwe

Naja, ich kenne sie ja nicht, weswegen ich nicht beurteilen kann, ob nicht doch einige der Prognosen bei ihnen eingetreten sind. Kleiner Scherz am Rande. 😉

Klaus Hochhaus
1 Jahr zuvor

Wer lamentiert denn? Es wird beobachtet. Wenn Sie Äußerungen der Gen Z über digitale Medien lesen, werden Sie feststellen, dass sie sich der Demütigung als User und ihrer Benutzung als content-Lieferanten absolut bewusst sind und darunter leiden. Was Sie propagieren ist gedankenlose und undifferenzierte Akzeptanz. Wenn man im 21. Jhdt ankommen möchte, müsste man eigentlich den Unterschied zwischen C64-Spielen und dem Versuch der vollkommenen Kolonisierung der Persönlichkeit erkennen. Diese findet auch auf Lernplattformen statt.

PFK
1 Jahr zuvor

Den Artikel finde ich interessant, weil nämlich Schlüsse gezogen werden, was Technik, neben seinem Wesen als Werkzeug, sonst noch so tut, in der Verwendung von Menschen.
Für die Technikapologeten wäre es doch zumindest mal eine lohnenswerte Denkfigur, zu überlegen, dass die Technik zwar Technik (z.B. klugfon)ist, aber eben auch abhängig von der Userin, dem User. Um es deutlich zu überSPITZERn: Eine Atombombe an sich ist auch nicht gefährlich, aber sobald halt nen Mensch dranhängt… Man erinnere sich an die Sorgen mit Trumps Denkpotential und der Möglichkeit für den roten Knopf und was dieser sozialpsychologische Druck für eine Wirkung für und auf andere Länder hat! Ist gerade ein Film namens Oppenheimer und damit auch über Verantwortung und über wünschenswerte Zukunft im Kino.

Spitzer forscht sehr wohl, und er hat halt auch den Endpatienten in der Kinder und Jugendpsychiatrie gesehen. Ein Hirn kann man nur schwer reparieren.
Und was manche LuL an Selbstüberschätzung leiden, was sie an positiver Wirkmacht hätten, weil sie ein oder zwei LMS beherrschen und wie krass dolle zukunftsfähig das alles so is. Ui Ui Ui.

Wäre besser, wenn an vielen Schulen die BNE so vehement vertreten würden. Allein so re/upcycling-technisch.
Dann kriegt menschenskind vielleicht auch mal wieder ein Gefühl für die tatsächliche Beschaffenheit der Dinge und eines atmenden fühlenden Gegenübers.

An diejenigen, die noch Pong als erstes Game computert haben: Merkste ja wohl selber, den Unterschied. Ein Buch sieht heute noch genauso aus wie vor 500 Jahren und kann genauso benutzt werden. Smartphones sind Fingerabdruckgelocked, das kannste schlecht auf 4 Wochen verleihen… oder immer weiterverschenken, oder drauf hoffen, es nach 10 Jahren Pause ohne Weiteres wiederverwenden zu können… Sofern Strom und passende Kabel vorhanden sind und Updates und ausreichend Speicher etc…..

Last edited 1 Jahr zuvor by PFK
PaPo
1 Jahr zuvor
Antwortet  PFK

Manfred Spitzer forscht nicht zur einschlägigen Thematik, wie seine Publikationen auch demonstrieren (s. https://www.uniklinik-ulm.de/psychiatrie-und-psychotherapie-iii/team/prof-dr-med-dr-phil-manfred-spitzer.html). Allenfalls findet sich in seinen tatsächlichen Fachpublikationen thematisch Einschlägiges überaus vereinzelt in entsprechenden Randnotizen, in Form nicht essenzieller Anmerkung, die Studien anderer referierend, diese aber unkritisch-affirmativ (euphemistisch: bona fide die entsprechenden Abstracs und ohne entsprechende Methodenkritik die Studienergebnisse) übernehmend.

Dass er nicht selbst zum Thema forscht, wäre aber auch kein valides Argument gegen seine evtl. Expertise, das wäre ein red herring, man kann auch Experte zu einem Thema sein, ohne i.e.S. zu diesem aktiv geforscht zu haben. Das Problem ist folgendes:
Fachzeitschriften, wissenschaftliche Sammelbände und Co. sind nicht die Medien, in denen er seine neoludditischen, populistischen Tiraden ggü. Bildschirmmedien artikuliert, sondern Publikationen wie Spitzer, Manfred (2005) Gewalt im Fernsehen – aus medizinischer Sicht. In: Hänsel, Rudolf & Hänsel, Renate (2005) (Hg.): Da spiel ich nicht mit! Auer: Donauwörth, S. 88-104 oder – wahrscheinl. Eines seiner bekanntesten Pamphlete, Spitzer, Manfred (2005): Vorsicht Bildschirm! Elektronische Medien, Gehirnentwicklung, Gesundheit und Gesellschaft. München: dtv, grauenerregend polemische Machwerke (und nur zwei von bedauerlicherweise einer Rihe weiterer Pamphlete) voller Falsch- und Fehldarstellungen, unzähliger unsubstantiierter Behauptungen. Es fehlen zudem massig Quellenreferenzen und dort wo sie präsentiert werden oder rekonstruierbar sind, sind die Behauptungen, die Manfred Spitzer auf ihrer Basis artikuliert, gänzlich falsch, durch Dekontextualisierungen und Auslassungen im Sinne seiner Agenda verfälscht, u./o. entsprechen nicht dem Stand der Forschung, wobei er ohnehin genau das betreibt, was Sie mir hier vorwerfen wollen: cherry picking. Es finden sich u.a. Behauptungen, dass Bildschirmmedien per se(!) dick, krank, dumm, traurig und gewaltbereit machen würden, dass das Gros oder gar alle Schulamokläufer exzessive Spieler Gewalt darstellender Computerspiele gewesen sei (auch dies sit faktisch falsch), die US-Armee „Soldaten mit Hilfe von Computerspielen die Tötungshemmung ab[gewöhnen]“ würde (ein populärer Mythos, der auf Falschdarstellungen von Dave. Grossman zurückgeht), der Zusammenhang zwischen der Mediengewaltexposition der Probanden und ihrem aggressivem Verhalten so groß wie oder gar noch größer als der zwischen (aktivem) Rauchen und Lungenkrebs sei, dass Studien, die die evidenten (endemischen) Defizite der Mediengewaltwirkungsforschung kritisieren, von der Industrie gekauft seien u.ä. – alles nachweisbare Falschbehauptungen.

Und ich werde nicht Müde zu betonen, dass Manfred Spitzer nicht einzig den konrketen Inhalten und ihrer Nutzung negative Effekte attestiert, sondern der Nutzung von BIldschirmmedien per se! Seine Position ist eine gänzlich andere als bspw. diejenige Michael Feltens. Da wird er zudem auch bei der Betrachtung von „Endpatienten in der Kinder und Jugendpsychiatrie“ denklogisch nicht die Schlüsse von der Mediennutzung auf welchen pathologischen Zustand der kidner und Jugendlichen ziehen können. Es geht Manfred Spitzer zudem eben nicht darum zu warnen, dass wer X nicht lernt am Ende X nicht kann (s.o.).

OttoderKleine
1 Jahr zuvor

Ein Satz aus dem Text von Felten:
„Zwar drängen die Medienkonzerne über ihre Verbindungsleute in Ministerien und an Schulen mächtig darauf, auch schon jüngere Schüler mit technology zu beglücken. Aber hiesige Kinderärzte warnen deutlich …“
Hhmm, wem sollen wir nun folgen ? Wer sind eigentlich diese „Verbindungsleute“ ?

Klaus Hochhaus
1 Jahr zuvor

Schon klar, dass niemand mehr weiß was richtig ist. Das Digitale scheint alle verwirrt zu haben. Richtig ist, dass Menschen sich am meisten wertgeschätzt fühlen und am meisten lernen, wenn sie miteinander kommunizieren. Wenn sie wahr genommen werden und man ihnen in die Augen sieht. Kollaboratives Arbeiten geht analog und digital. Meine Privatstudie belegt, dass SchülerInnen sehr oft mit analogen Unterrichtssettings zufrieden sind, wenn die nötige Relevanz hergestellt wird. Das merkt man, wenn man sich seine SchülerInnen noch anguckt, an ihrem Verhalten. Doch gelegentlich wird es auch expliziert gesagt: Müssen wir das unbedingt mit Smartboard machen? Schön, dass wir uns „einfach mal so“ darüber ausgetauscht haben. Cool, dass wir dafür den Code nicht scannen müssen. Oh, super: es muss keine ppt sein?
Ich beobachte häufig, dass wir unsere SchülerInnen (und die GenZ) vollkommen unterschätzen. Oft sind sie nicht unglücklich, wenn das fon mal ausfällt. Meist sind sie sich durchaus bewusst, dass Bildschirme Zeit fressen. Immer sind sie sich dessen bewusst, wenn der Unterricht für sie bedeutungslos ist. Da niemand mehr weiß, was richtig ist, sehen sie sich die Erwachsenen an und sagen: was für ein schlapper Haufen. Ohne smartboard hätte er / sie nichts zu sagen.
Jetzt kommen Sie mir sicher mit der Unbeschulbarkeit gewisser Kinder und werden deren Defizite aufzeigen wollen (Lese;- Schreibkompetenzen, Konzentration). Erst einmal sind sie grundätzlich alle erreichbar, wenn so etwas wie eine (nicht zu kitischige) Bindung entsteht. Man hat sich zu spät um sie gekümmert und muss spätestens jetzt damit anfangen. Dies ist keine digitale Tätigkeit. Die Entschuldigung, dass man 32 SchülerInnen habe und sich nicht um jede(n) kümmern kann, führt sehr oft dazu, dass man sich um gar keine(n) mehr kümmert.
Damit soll keine altbackene Lehrerzentrierung gemeint sein, sondern eine funktionale Steuerung und Repersonalisierung des Unterrichts. Das beste Konzept zerrinnt in den Händen derer, die es nicht mit „Leben“ füllen können. Neben dem ewigen Eltern-Bashing wäre auch eine Rückbesinnung auf gute Traditionen in der LehrerInnenausbildung angebracht. Viele können das überhaupt nicht (mehr) und bauschen einfache Methoden digital auf, sodass die Inhalte (das Fachwissen) zweitranig werden. Es gibt unendlich viele Möglichkeiten dazu.
Digitale Settings ergeben nur dann Sinn, wenn sie in eine gute analoge Vor- und Nachbereitung eingebunden sind. Und ja, es ist richtig, dass auch diese Diskussion die ganze Verwirrtheit der Bildungswelt zeigt. Felten hat ganz recht, den digitalen Trend anzuprangern, mit dem sich Schule gegenüber den Medienkonzernen prostituiert und der „unsere Kinder“ verstummen lässt. Medienkompetenz bedeutet, das Ding auch mal weg zu legen und wieder zu sich und zu einander zu finden.

Hanna
11 Monate zuvor

In 5 bis 10 Jahre wird Manfred Spitzer als visionärer Mensch gelten, der vor dem „Elefanten im Raum“ gewarnt hat als den noch niemand als bedrohlich wahrnehmen wollte. Und hoffentlich wird dann auch endlich „alter weißer Mann“ als altersdiskriminierend, rassistisch und sexistisch wahrgenommen.

PaPo
11 Monate zuvor
Antwortet  Hanna

Weil Magie plötzlich Realität wird und Bildschirme per se miasmatisch-anomische Wirkungen unabhängig von konkreten Medieninhalten, -nutzungen, -rezipienten und -rezeptionskontexten haben sollen? Unwahrscheinlich… extrem unwahrscheinlich.

Ihrem letzten Satz stimme ich jedoch zu, der hat nur nichts mit dem Thema zu tun.

Michael Felten
11 Monate zuvor

Jetzt auch in der WELT:

Wer seine Kinder bei Smartphone & Co nicht einschränkt, betrügt sie um Bildungschancen!

https://www.welt.de/debatte/kommentare/plus245863904/Wenn-das-Smartphone-das-Letzte-ist-was-Kinder-vorm-Einschlafen-sehen.html