Diskriminierende Inhalte in Schulbüchern? Verlage reagieren auf kritische Studie

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BREMEN. Sind Schulbücher frei von Diskriminierung? Nein, lautet das Ergebnis einer Kurzstudie der Landeszentrale für politische Bildung Bremen. Zwei Verlage kündigen Prüfungen an.

Ecke eines Bücherstapels vor unscharfem, tiefem Hintergrund
Schulbücher sind offenbar noch immer nicht frei von problematischen Inhalten. Foto: Shutterstock

In Schulbüchern, die in Bremen zum Einsatz kommen, gibt es einer Kurzstudie zufolge Diskriminierende Inhalte und Abbildungen – zwei Verlage haben deshalb Prüfungen angekündigt. Das haben Anfragen ergeben. In fast allen untersuchten Schulbüchern wurden der Studie zufolge antisemitische, rassistische, sinti- und romafeindliche sowie frauen- und queerfeindliche Inhalte und Abbildungen gefunden. Die untersuchten Bücher waren in den Verlagen Cornelsen, Westermann, Ernst Klett und Eduversum erschienen.

Der Berliner Verlag Cornelsen kündigte an, die Ergebnisse der Studie mit Sorgfalt zu prüfen, teilte ein Sprecher mit. Im Verlag bestehe intern bereits ein Netzwerk, das sich unter anderem mit Rassismus und ähnlichen Themen befasse und auch Leitfäden anbiete. Die neue Studie sei dem Verlag zunächst nicht bekannt gewesen.

«Wir nehmen die Studienergebnisse sehr ernst und lassen sie jetzt durch unsere Fachredaktionen und unsere Autorinnen und Autoren prüfen und aufarbeiten»

Die Sprecherin des Braunschweiger Verlags Westermann teilte mit, man bedauere, dass die Studie Passagen ausgemacht habe, welche sie als unter anderem diskriminierend bewertet. «Wir nehmen die Studienergebnisse sehr ernst und lassen sie jetzt durch unsere Fachredaktionen und unsere Autorinnen und Autoren prüfen und aufarbeiten», hieß es in der Stellungnahme.

Der Stuttgarter Ernst Klett Verlag begrüßte in einer Antwort, dass es die Studie gibt. Der Verlag folge seit Jahren den in der Studie formulierten Empfehlungen, teilte die Sprecherin mit. «Unsere Materialien werden in der Studie an vielen Stellen positiv erwähnt, aber wir bleiben selbstkritisch und stehen im fortwährenden Austausch mit den Fachwissenschaften und zivilgesellschaftlichen Institutionen», hieß es. Die Bildungsmedien überarbeite man fortlaufend. Die neue Studie sei dem Verlag zunächst nicht bekannt gewesen. Vom Wiesbadener Verlag Eduversum lag keine Rückmeldung vor.

Die Kurzstudie war von der Landeszentrale für politische Bildung Bremen umgesetzt worden. Zuvor hatte die Bremische Bürgerschaft die Landeszentrale gebeten, das Projekt anzugehen. Untersucht wurden geschichtliche Bücher aus dem Bereich Gesellschaft und Politik, die zwischen 2013 und 2020 erschienen sind. Die Lehrwerke richteten sich an neunte und zehnte Jahrgangsstufen.

Studienautorin Meral El monierte, dass mehrheitlich die Schulbücher diskriminierte Gruppen in einer Opfer-Rolle positionierten. Überlebende von Gewalt und Menschen mit Diskriminierungserfahrung sollten selbst zu Wort kommen, beispielsweise mit Zitaten, Interviews und Briefen, forderte die Kulturwissenschaftlerin. Das sei nur punktuell umgesetzt worden. Die Autorin setzte sich in der Analyse mit dem Kolonialismus, dem Nationalsozialismus und dem Wirtschaftswunder auseinander.

Lehrkräften wird unter anderem empfohlen, kontroverse und problematische Darstellungen
in Schulbüchern anzusprechen und als Anlass zum Erwerb der kritischen Reflexion zu nehmen. Darüber hinaus sollte diskriminierungssensible Sprache als Kernkompetenz wargenommen und Fortbildungen dazu besucht werden. Darüber hinaus sollten Lehrerinnen und Lehrer die eigenen Positionen zum Thema reflektieren – und dabei persönliche Erfahrungen betroffener Schülerinnen und Schüler berücksichtigen.

Den Bildungsministerien in Deutschland wird geraten, «diskriminierungskritische Bildung als Querschnitt in den Curricula zu verankern und als Teil von demokratischer Schulkultur zu verstehen und mit Kapazitäten auszustatten». News4teachers / mit Material der dpa

Studie: In Schulbüchern findet sich zwar kein offener Antisemitismus – aber…

 

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4 Kommentare
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Frank
7 Monate zuvor

Eine Form der Diskriminierung in modernen Schulbüchern fällt auch auf: Bei Aufgaben vom Typ „Max behauptet …, Anna meint dagegen …Wer hat recht?“ brauchen die SuS gar nicht nachdenken. Es hat eigentlich immer das Mädchen recht. Wäre ja auch schlimm, wenn einmal anders herum wäre…

Frank
7 Monate zuvor

Ich glaube schon, dass man bei vielen Darstellungen in Schulbüchern etwas modernisieren und verbessern kann. Die gegenwärtigen Inhalte aber gleich als rassistisch, antisemitisch etc. zu bezeichnen ist aber unverhältnismäßig. Dadurch diskreditiert man sein eigentlich gutes Anliegen oder -schlimmer noch- trägt zur Verharmlosung der Begriffe bei.

Lisa
7 Monate zuvor

Ich kann mir Diskriminierung in einem Schulbuch nicht wirklich vorstellen. Ich hätte gerne einmal Beispiele. Ich habe im Ausland ( Kolumbien) wirklich Schulbücher mit echter Diskriminierung gesehen. A la “ Der Küstenbewohner arbeitet im Gegensatz zu den Menschen aus dem Hochland nicht gerne“ Das hat eine eindeutig rassistische Aussage. Ich bekam echt große Augen. Doch in deutschen Schulbüchern wurde ich außer den Rassen im Biobuch, die aber mittlerweile gestrichen sind, noch nie fündig. Und ich interessiere mich sehr für Schulbücher.

Kevin
5 Monate zuvor
Antwortet  Lisa

Elemente der Mathematik Dort ist es wie beschrieben.