Qualitätssicherung: Erste Schule erhält QR-Anerkennung von Montessori Deutschland

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WORMS/BERLIN. Die Freie Montessori Grundschule Worms wurde dieses Frühjahr als eine der ersten Montessori-Schulen mit der QR-Anerkennung des Bundesverbandes Montessori Deutschland ausgezeichnet. „QR“ steht für den Qualitätsrahmen, den der Bundesverband für seine Mitgliedseinrichtungen entwickelt hat, um langfristig die Qualität der Montessori-Pädagogik in Kitas, Schulen und Ausbildungsorganisationen zu sichern. Seit 2022 können diese sich freiwillig QR-anerkennen lassen. Die beiden Geschäftsführerinnen der Grundschule in Worms, Ariane Leinenweber und Christine Keth-Han, berichten, was diese Anerkennung für sie und ihre noch junge Schule bedeutet.

Freuen sich über die neue QR-Anerkennung: Dr. Ariane Leinenweber
pädagogische Geschäftsführerin, stellvertretende Schulleiterin, Fachlehrerin Forschen und Christine Keth-Han
kaufmännische Geschäftsführerin der Montessori-Schule Worms. Foto: privat

Wie bei Montessori-Schulen üblich, legt die Freie Montessori Grundschule in Worms großen Wert auf den individuellen Lernweg der Schüler*innen. Nicht die gesamte Gruppe wird beschult, sondern Freiarbeit und die kindgerechte vorbereitete Umgebung nach dem Konzept von Maria Montessori bilden die Grundlage für die Vermittlung von Lerninhalten. Es gibt keine Stundentaktung und die vier Lerngruppen sind altersgemischt.

„Die Selbstdisziplin ist sehr wichtig für den Lernprozess der Kinder. Sie sollen früh lernen, eigenständige Entscheidungen zu treffen“, sagt die pädagogische Geschäftsführerin und stellvertretende Schulleiterin Ariane Leinenweber. „Sie können nicht nur ihre Arbeit frei wählen, sondern auch den Arbeitsort innerhalb des Schulgebäudes. Somit findet das Lernen klassenübergreifend statt und alle Pädagog*innen fühlen sich gleichermaßen für die Kinder verantwortlich. Wir als Pädagog*innen begleiten die Kinder in ihrem Lernprozess.“

Naturwissenschaft als Herzstück der Schule

Das Besondere an der Montessori-Grundschule in Worms ist ihr naturwissenschaftlicher Schwerpunkt. Die sogenannte „Kosmische Erziehung“, eines der Grundkonzepte der Montessori-Pädagogik für die Kinder der zweiten Entwicklungsphase (6 bis 12 Jahre) steht hier besonders im Fokus. Dabei geht es um das Lernen in Zusammenhängen. Die Kinder werden dabei unterstützt, ein Bewusstsein für die Gesetzmäßigkeiten in der Natur als auch für die Wechselbeziehungen von Mensch und Natur sowie der Menschen untereinander zu entwickeln. „Die kosmische Ausrichtung ist das Herzstück unserer Grundschulbildung. Die Kinder sollen lernen, dass sie die Kulturtechniken Lesen, Schreiben und Rechnen brauchen, um die Welt zu verstehen“, erläutert Ariane Leinenweber. „Außerdem sind wir eine MINT-zertifizierte Schule“, ergänzt Christine Keth-Han. „Unsere Schüler*innen der vierten Jahrgangsstufe nehmen regelmäßig und erfolgreich an Wettbewerben wie ‚Jugend forscht‘ bzw. ‚Schüler experimentieren‘ teil.“

Wo Montessori drauf steht, ist auch Montessori drin 

Mit dem Qualitätsrahmen hat der Bundesverband Montessori Deutschland einen gemeinsamen Standard für alle Montessori-Einrichtungen, also Schulen und Kinderhäuser, erarbeitet. „Wenn Eltern eine geeignete Schule für ihre Kinder suchen und sich dabei für Montessori interessieren, macht die Zertifizierung durch die QR-Anerkennung transparent, dass in dieser Schule wirklich nach dem Konzept von Maria Montessori gelernt und gearbeitet wird“, erklärt Ariane Leinenweber. „Diese eingetragene QR-Marke ist auch für die Montessori-Pädagog*innen ein wichtiges Kriterium.“

 

Die QR-Marke von Montessori Deutschland soll die Selbstevaluation unterstützen und einen einheitlichen Qualitätsrahmen für Montessori-Kinderhäuser und -Schulen in ganz Deutschland bieten – mit genügend Spielraum für die individuelle Ausgestaltung. Foto: Montessori Grundschule Worms.

Das Verfahren zur QR-Anerkennung ist darüber hinaus ein wertvolles Instrument für das Kollegium. „Für uns im Team ist der Qualitätsrahmen eine wundervolle Möglichkeit, uns konstant zu evaluieren. Er gibt uns einen Leitfaden und hilft uns bei der Sicherung der Qualität“, sagt Christine Keth-Han. Die 2014 gegründete Schule hat schon früh die Entstehung des Qualitätsrahmens verfolgt und im Kollegium diskutiert. „Wir haben die Ursprungsdokumente in den letzten Jahren immer wieder mit in unser Team genommen und dort besprochen“, sagt Christine Keth-Han. „Wir sind froh, dass es mit dem Qualitätsrahmen nun endlich eine Zertifizierungsmöglichkeit gibt, die das Profil der Marke Montessori schärft und den Teams in den jeweiligen Einrichtungen einen Handlungsrahmen gibt. Anhand der Qualitätskriterien kann man leicht ersehen, wo noch Entwicklungspotenzial vorliegt und wo die gewünschten Ziele schon erreicht wurden.“

Genau das ist eine der Besonderheiten des Qualitätsrahmens: Innerhalb des Verfahrens zur QR-Anerkennung durchlaufen die Bildungseinrichtungen eine Selbstevaluation anhand vom Bundesverband vorgegebener Qualitätskriterien. Diese Kriterien müssen jedoch nicht von Beginn an alle erfüllt werden. Sie sind als Entwicklungsprozess und langfristige Zielsetzung gedacht.

„Uns war sofort klar, dass wir an diesem Verfahren teilnehmen. Gerade für uns als noch junge Schule hat die QR-Anerkennung große Vorteile, da wir uns noch im Entwicklungsprozess befinden und noch keine festgefahrenen Strukturen haben“, freut sich Ariane Leinenweber. „Infolge des Verfahrens zur QR-Anerkennung haben wir unser Konzept aktualisiert. Dadurch, dass wir eine kleine Schule sind, können wir im Kollegium oft konstruktiv diskutieren und schnelle Entscheidungen treffen. Somit sind wir äußerst handlungsfähig.“

Inzwischen ist die kurz „Monte Worms“ genannte Schule auch zu einem Lernort für außerschulische Besucher*innen geworden: „Zu uns kommen viele Hospitanten, entweder sind das Student*innen, Eltern oder Lehrkräfte“, erzählt Ariane Leinenweber. „Sie kommen zu uns, weil sie sich anschauen möchten, wie Montessoripädagogik in der Praxis funktioniert. Wir sind stolz auf das, was wir erreicht haben und dass wir repräsentativ zeigen können, wie Montessoripädagogik im 21. Jahrhundert aussieht.“

Die sogenannte „vorbereitete Umgebung“ ist eine Art Lernlandschaft mit altersgerechten lernfördernden Materialien und Angeboten. Die Kinder sollen hier möglichst selbständig agieren. Die Pädagog*innen unterstützen sie auf ihren individuellen Lernwegen. Foto: Montessori Grundschule Worms.

Die klassischen Elemente der Montessoripädagogik wie lange Freiarbeitsphasen, eine gut vorbereitete Umgebung mit allen Montessori Lernmaterialien und die freie Wahl des Lernortes innerhalb des Schulgebäudes werden in Worms bereits erfüllt. Es gibt aber auch noch Entwicklungspotenzial: Die Kinder sollen nicht nur innerhalb der Schule lernen können, sondern auch an außerschulischen Lernorten. Hier gilt es, neue Lernorte, die vor Ort gut erreichbar sind, zu finden. Langfristig sollen auch ein Kinderhaus und eine weiterführende Schule ins Leben gerufen werden, damit die Kinder ihre gesamte Schullaufbahn in der Montessori-Gemeinschaft verbringen können.

Schule entwickeln mit Mut zur Transparenz

Ariane Leinenweber und Christine Keth-Han möchten andere Schulen und Kinderhäuser dazu ermutigen, sich ebenfalls QR-anerkennen zu lassen. „Lassen Sie sich nicht davon verunsichern, wenn Ihre Einrichtung zu Beginn des QR-Anerkennungsverfahrens noch nicht alle Kriterien erfüllt“, rät Ariane Leinenweber. „Es hilft allen Einrichtungen in Deutschland, wenn das Profil Montessori geschärft wird und unsere Pädagogik dadurch auch für die Öffentlichkeit noch transparenter wird.“

Auch wichtig: Jede Schule kann trotz des gemeinsamen Qualitätsrahmens individuelle Akzente setzen. „Keine Einrichtung muss Angst haben, ihre Individualität zu verlieren“, ergänzt Christine Keth-Han. „So ein Selbstevaluierungsprozess bringt jede Einrichtung ein großes Stück weiter in ihrer individuellen Entwicklung. Teamprozesse werden angestoßen und außerdem findet ein reger Austausch mit den Eltern und der Schülerschaft statt. Daraus ergeben sich viele neue Möglichkeiten.“ An der Montessoripädagogik Interessierte seien herzlich eingeladen, nach Worms zu kommen und an der Grundschule vor Ort zu hospitieren oder sich zu Fragen der QR-Anerkennung auszutauschen, so Ariane Leinenweber und Christine Keth-Han.

Weitere Infos

Fragen zur QR-Anerkennung beantwortet auch Montessori Deutschland. Weitere Infos finden Sie hier: https://www.montessori-deutschland.de/fuer-bildungseinrichtungen/qualitaetskriterien-fuer-kitaschule/

Und zum Qualitätsrahmen hier: https://www.montessori-deutschland.de/ueber-uns/qualitaetsrahmen/

Dies ist eine Pressemitteilung von Montessori Deutschland.

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Claus-Dieter Kaul
11 Monate zuvor

Ich gratuliere der Montessori-Schule Worms ganz herzlich zu diesem Erfolg und bin stolz darauf, die Schule in ihrem Entwicklungsprozess mit begleiten zu können.
Danke!