Kultusministerium sammelte im vergangenen Schuljahr 29 Überlastungsanzeigen von Schulen

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Im Schuljahr 2022/2023 sind im hessischen Kultusministerium und den Staatlichen Schulämtern 29 Überlastungsanzeigen von Lehrkräfte-Kollegien eingegangen.

Überlastungsanzeigen dienen dazu, den Arbeitgeber deutlich auf Gefahren hinzuweisen und zum Ergreifen von Gegenmaßnahmen anzuregen. Illustration: Shutterstock

Zu den Gründen zählten unter anderem Mehrarbeit durch Verwaltungsaufgaben und Inklusion, aber auch mangelnde Sauberkeit und Lärm, wie aus einer Antwort des Kultusministeriums in Wiesbaden auf eine parlamentarische Anfrage der SPD-Landtagsfraktion hervorgeht. Inklusion bezeichnet den gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderungen.

Mit 16 Meldungen stammten die meisten Überlastungsanzeigen von Grundschulen (Stichtag 6. Juni 2023). Es wandten sich unter anderem aber auch sieben integrierte Gesamtschulen mit ihren Nöten an die Bildungsverwaltung. «Jedwede Eingabe wird ernst genommen», bekräftigte das Kultusministerium. Für die Schulen gebe es verschiedene Unterstützungsangebote. Bei den 29 Schreiben handelt es sich den Angaben zufolge um 19 erstmalige sowie zehn erneute Eingaben.

Wie ein Sprecher des Kultusministeriums mitteilte, hatte die Summe der Überlastungsanzeigen 2021/2022 bei ebenfalls 29 gelegen. Im Schuljahr 2020/2021, das von zahlreichen Einschränkungen und Distanzunterricht wegen der Corona-Pandemie geprägt war, waren es demnach nur 6 gewesen. News4teachers / mit Material der dpa

Hier gibt es Informationen vom dbb Berlin zu Überlastungsanzeigen.

Hunderte von Schulen schicken Brandbriefe und Überlastungsanzeigen an Lorz – und der antwortet nicht mal

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14 Kommentare
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OMG
7 Monate zuvor

Nicht einzelne Lehrkräfte sondern Kollegien von Schulen. Es sind also hunderte von Lehrkräften, die bereit sind, das Echo zu verkraften, dass damit verbunden ist.

Susanne
7 Monate zuvor

Woanders werden die Bedingungen besser und in Schule schlimmer?

Macht die Vier-Tage-Woche!
Gibt es woanders auch.

1 – 2 Korrekturtag/e im Homeoffice
– auch Vor-u. Nachbereitung

ginny92
7 Monate zuvor
Antwortet  Susanne

Hier in den Kommentaren konnte ich lesen, dass es sich um Anzeigen von ganzen Kollegien handelt. Das gibt dann doch ein anderes Bild ab.

Einführung 4-Tage Woche
7 Monate zuvor
Antwortet  Susanne

wir diskutieren bei uns schon die Einführung der 4-Tage Woche.
Wenn wir sie einführen, werden wir attraktiv und bekommen viele gute Bewerber.

Leo Lausemaus
7 Monate zuvor

Das finde ich aber ziemlich wenig. Es gibt rund 60.000 Lehrer in Hessen. Fast 30 Überlastungsanzeigen entsprechen etwa 0,05%. Dann ist das wohl alles nicht so schlimm.

kanndochnichtwahrsein
7 Monate zuvor

Wenn wir nicht alle wüssten, wie wirkungslos all das ist, würden sicherlich noch viel mehr Kollegen Überlastungsanzeigen einreichen.

Das einzige, was eine Schulleitung tun könnte, wäre Mehrarbeit einzuschränken.
Würde Mehrarbeit eingeschränkt, beträfe dies nur die direkte Mehrarbeit in der Klasse.
Folge wäre Ausfall für die Schüler, unzufriedene Eltern, Beschwerden und damit noch mehr Arbeit für den Lehrer und seine Kollegen.

Die regelmäßige und grenzenlose Mehrarbeit über den reinen Unterricht hinaus kann mir „von oben“ nicht abgenommen werden, wenn ich eine Überlastungsanzeige stelle.
Wie viel ich tue, um guten Unterricht zu machen und mich damit auch vor noch mehr (nervlicher) Belastung (durch unzufriedene Schüler) oder fehlender Organisation (bis die Schulleitung Unterlagen einfordert etc, die nicht abgearbeitet wurden, weil die Zeit fehlte) zu schützen, bleibt mir selbst überlassen.

Es ist ein schmaler Grat zwischen Überlastung durch gute Arbeit und Überlastung durch liegengebliebene/liegengelassene Arbeit.
Vor dem Wahnsinn kann uns nur mehr Personal und eine Veränderung der Erwartungen an unsere Arbeit schützen.
Das hört nur auf, wenn „von ganz oben“ kommuniziert wird, was die vorhandenen Lehrkräfte dauerhaft leisten können – und was nicht.
Solange die personellen Voraussetzungen nicht ausreichen, müssten im Sinne von „Qualität statt Quantität“ Unterrichtstunden reduziert und Zusatzarbeiten – oftmals ohnehin mit zweifelhaftem Wert – gekürzt werden.
Warum haben nicht auch Lehrer den Anspruch auf ein Wochenende?
Ich habe noch nie in meinem Lehrerdasein eine „normale“ Arbeitszeit gehabt.
Im Gegenteil – die Entgrenzung und der Druck nehmen immer weiter zu.

Was würde passieren, wenn wir alle nur noch für die bezahlte Arbeit arbeiten würden?
Würden die Eltern und Großeltern dann Überlastungsanzeigen schreiben??
Oder die Gewerbetreibenden in den Innenstädten, wo die Jugendlichen sich dann vermehrt herumtreiben würden? Man kann hier weiterdenken, wenn man will…
Wann geben dann die Schulleitungen auf, die den Eltern immer noch mehr erklären müssten?

Da es sich um ein bundesweites Problem handelt, müsste m.E. das Bundesministerium handeln:
Klare Ansage an alle, was Schule leisten kann und was sie nicht leisten muss, was der einzelne Lehrer leisten kann und was er nicht leisten muss.
Wenn weiterhin nichts passiert, die Arbeitszeiten und Arbeitsbelastung, gleichzeitig auch die Erwartungen der Eltern/Gesellschaft immer weiter steigen, erledigen sich Überlastungsanzeigen irgendwie von selbst.
Dann wird irgendwann – beim einen früher, beim anderen später – die Gesundheit die Reißleine ziehen.Und dann haben wir noch weniger Lehrer!

Oberkrämer
7 Monate zuvor

Wirkungslos ist es vor allem, weil so viele es für wirkungslos halten bzw. erklären, weil sie eigentlich zu bequem dafür sind. Man stelle sich vor, alle 60 000 hessische Lehrer schrieben eine Überlastungsanzeige. 60 000 x Post für das Kultusministerium !!

Es ist wie bei den Streiks. Die, die nicht mitmachen, weil es sowieso nicht bringe, schimpfen dann auf die, die mitmachen, weil es ja nichts bringe, dabei bringt es nur deshalb nichts, weil so viele nicht mitmachen.

kanndochnichtwahrsein
7 Monate zuvor
Antwortet  Oberkrämer

… wirkungslos verpuffte Überlastungsanzeigen sprechen sich in Kollegien leider sehr schnell rum… auch die kontraproduktiven Folgen, die das für den Einzelnen hatte…
Allzu oft wirkt es nicht (da und so, wie es sollte), sondern kommt nicht mal da an, wo es hin müsste, wird obendrein gerne als Druckmittel genutzt.
Natürlich sind viele Schulleitungen absolut bemüht und kooperativ, aber es gibt eben auch andere – meine Erfahrung.

Palim
7 Monate zuvor

Wie viele weitere Anzeigen sind vorher kassiert oder nicht weitergereicht worden?

Wie vielen wurde abgeraten, da die Folgen zu Lasten der Überlasteten gehen, z.B. Verpflichtung zur FoBi für die Anzeigenstellenden?

Wie viele Lehrkräfte wissen um die Folgen für sich und die eigene Schule und sehen von einer Anzeige ab?

So stellt das Ministerium es als Einzelfall dar und spielt die tatsächliche Belastung der Lehrkräfte herunter.

Die Erhebungen der Arbeitszeit fehlt weiterhin, die Studien der Uni Göttingen, die inzwischen in einigen BL erfolgt sind, zeigen, wie überlastet die Lehrkräfte sind.
Aber selbst das reicht nicht aus, dass Ministerien handeln und die Überlastung der Lehrkräfte abwenden.

GS in SH
7 Monate zuvor
Antwortet  Palim

29 SCHULEN(!!!) haben eine Überlastungsanzeige gestellt, wohl wissend, was das für Folgen haben kann.
Bei 10 davon handelt es sich um eine erneute Eingabe. Was über die Wirksamkeit einer solchen Anzeige genug aussagt….

YuZio
3 Monate zuvor
Antwortet  GS in SH

Was ist denn genau mit Folgen gemeint? Das würde mich interessieren.

dauerlüfterin
7 Monate zuvor

Das geht schon seit Jahren so, dass Überlastungsanzeigen en masse eingehen. Der Hausspitze scheint es wurscht zu sein. Es werden ja noch Regelungen verschärft, wie Zusatzarbeit am samstäglichen Tag der offenen Tür ohne Zeitausgleich, pädagogische Tage nicht in der Unterrichtszeit etc.
Der Krug geht so lange zu Brunnen, bis er bricht.

dickebank
7 Monate zuvor

Besser als Sammeln wäre jabearbeite und Abhilfe schaffen.
Sammeln entspricht dem gängigen Verwaltungsablauf:

knicken,
lochen,
ablegen …

Btw treffen Einfalt und Pedanterie an einem Ort zusammen, dann entseht eine Verwaltung!
Oberste Verwaltungsbehörde aka Schulministerium bedeutet folglich äußerste Einfalt und größtmögliche Pedanterie.