Pause im Grünen: Schulhöfe sollen klimafreundlicher werden (ein paar jedenfalls)

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BÜRSTADT. Die Klimakrise setzt auch Schülerinnen und Schülern sowie ihren Lehrkräften zu, die allzu häufig in maroden Schulgebäuden schutzlos der Sommerhitze ausgesetzt sind. Auch die Pausen bieten auf asphaltierten, schattenarmen Freiflächen kaum Erholung. Immerhin: 20 Schulhöfe in Hessen sollen nun in «klimafreundliche Freiräume und anregende Lernorte» verwandelt werden. Dafür nehmen sie an einem Pilotprojekt teil – für das es sogar Geld gibt.

Der „Wohlfühlfaktor“ soll verbessert werden – das könnte dann so aussehen (Symbolfoto). Foto: Shutterstock

Grauer Asphaltboden, darauf zwei Basketballkörbe und zwei kleine Fußballtore aus Metall. Auf der gegenüberliegenden Seite stehen zwei Tischtennisplatten. Ein großer Ahornbaum mit einem Sitzkreis aus Steinblöcken drumherum steht einsam daneben. Der Baum ist eine der wenigen grünen Plätze inmitten des grauen Schulhofs der Grundschule am Hengstbach in Dreieich (Landkreis Offenbach). Schattenplätze gibt es für die circa 300 Schüler nur wenige. Gerade bei hohen Temperaturen eine Zumutung: Solche asphaltierten Schulhöfe heizen sich im Hochsommer besonders schnell auf. Pausen im Freien machen da wenig Spaß.

Deshalb soll der Pausenhof in Dreieich in Zukunft klimafreundlicher gestaltet werden, ganz nach den Wünschen der Schülerinnen und Schüler. In den nächsten zwei bis drei Jahren soll hier ein naturnaher Raum entstehen, mit viel Grün und vielleicht einem kleinen Bachlauf, wie Kevin Knecht, Vorsitzender des Elternbeirats der Grundschule in Dreieich erklärt. Auch eine Schmetterlingswiese hinter einem der Schulgebäude soll zeitnah dazukommen. Einen sogenannten Forscherschulhof wird es geben: «Wir wollen den Kindern eine pädagogisch wertvolle Zeit bieten, und das nicht nur im Klassenzimmer, sondern auch draußen», so Knecht.

«Im Planen und Gestalten ihres Schulhofes erleben die Kinder und Jugendlichen, dass sie dem Klimawandel und seinen Folgen nicht hilflos gegenüberstehen»

Die Umgestaltung ist Teil des Projekts «klimafreundliche Schulhöfe» des hessischen Ministeriums für Umwelt und der Deutschen Umwelthilfe (DUH). 20 Schulen nehmen derzeit in Hessen an dem Pilotprojekt teil, wie eine Sprecherin des Hessischen Umweltministeriums mitteilte. Finanziert werden kann die Umgestaltung mittels Fördergeldern vom Land Hessen und den Kommunen. Das Ziel: «Schulhöfe in klimafreundliche Freiräume und anregende Lernorte verwandeln.»

Dabei soll das Projekt das Wissen der Kinder über Bodenschutz und biologische Vielfalt erweitern. «Im Planen und Gestalten ihres Schulhofes erleben die Kinder und Jugendlichen, dass sie dem Klimawandel und seinen Folgen nicht hilflos gegenüberstehen, sondern handeln und etwas ändern können.» Zusammen modellieren sie ein Gelände zum Pausemachen und Draußenlernen.

An der Erich Kästner-Schule in Bürstadt (Landkreis Bergstraße) ist die Umgestaltung auf dem Pausengelände schon in vollem Gang: Dort gibt es jetzt einen Teich, in dem Fische und Frösche schwimmen, der Schulgarten wurde erneuert und eine Ackerfläche mit Gemüse wurde angelegt. Auch eine kleine Streuobstwiese ist entstanden, wie Schulleiterin Stephanie Dekker sagt. Durch die Umgestaltung sollen sich die Schüler nicht nur wohler fühlen: «Es ist unsere schulische Aufgabe, Kindern etwas über den Klimaschutz näherzubringen.»

Doch vor allem in Städten ist Vandalismus an Schulen immer wieder ein Thema. Schulträger, wie die Stadt Darmstadt hoffen: «Grundlegend gehen wir davon aus, dass bei Schulhofumgestaltungen die Einbeziehung der Schülerinnen und Schüler die Identifikation stärkt und Vandalismus vorbeugt.» Attraktive Freizeitaktivitäten und Aufenthaltsorte könnten auch bei schulfremden Personen die Hemmschwelle erhöhen, etas kaputt zu machen.

So schön wie an der Schule in Bürstadt ist es längst noch nicht überall in Hessen: «Besonders in den Städten haben wir so gut wie gar keinen Rasen», sagt Louise Terhorst von der Landesschüler*innenvertretung Hessen. Schulhöfe seien weitestgehend geteert und im Sommer fehle es an ausreichend Schattenplätzen. Auf den meist grauen Schulhöfen ist «der Wohlfühlfaktor in der Pause eher gering», so Terhorst. «Schüler sitzen die Pausenzeit dort nur ab. Das ist keine Erholung.»

«Für Kinder mit Asthmaerkrankung ist die Hitzesituation besonders schwer zu ertragen»

Ralf Moebus, Kinderarzt aus Bad Homburg und Landesvorsitzender des Berufsverbands der Kinder und Jugendärzt*innen, erklärt, dass besonders Kinder neben Senioren von hoher Sonneneinstrahlung belastet sind. Pausenhöfe mit wenig Grünflächen verstärken die Hitze im Sommer nur noch: «Bei Betonböden ist die Bodentemperatur im Sommer höher als die Lufttemperatur», so Moebus.

Das Problem seien aber nicht nur die Pausenhöfe, auch Klassenräume seien für Schüler eine Zumutung – besonders am Nachmittag. «Später am Tag wird es erst so richtig heiß.» Vor allem für Kinder mit Asthmaerkrankung sei Unterricht im Hochsommer eine Herausforderung: «Für sie ist die Hitzesituation besonders schwer zu ertragen, denn die Atmung ist für sie noch anstrengender als sonst.» Klima- und Belüftungsanlagen würden helfen, doch die fehlen auch nach der Corona-Pandemie immer noch. Von Lisa Robbers, dpa

Schulen im Klimawandel: „Kinder und Lehrende sitzen viele Stunden täglich in baufälligen und stickigen Gebäuden“

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2 Kommentare
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Victoria Petermann
10 Monate zuvor

In Rheinland-Pfalz wurde das Programm kürzlich ebenfalls installiert. 15 bzw. 16 Schulen machen sich auf den Weg.

Kevin Knecht
10 Monate zuvor

Das sind gute Neuigkeiten!
Es lohnt sich