Jüdischer Religionsunterricht in Sachsen-Anhalt: Geringe Teilnehmerzahlen und Pläne zur Ausweitung

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MAGDEBURG. Vor zwei Jahren startete in Sachsen-Anhalt ein Modellprojekt für jüdischen Religionsunterricht. Trotz gesunkener Schülerzahlen halt das Land an Ausbauplänen fest.

Zwei Jahre nach dem Start des Modellprojekts Jüdischer Religionsunterricht in Sachsen-Anhalt sind die Teilnehmerzahlen gering. Im aktuellen Schuljahr nehmen sechs Schülerinnen und Schüler am jüdischen Religionsunterricht teil, wie eine Sprecherin des Bildungsministeriums in Magdeburg auf Anfrage mitteilte. Damit sei die Zahl im Vergleich zum vergangenen Schuljahr konstant. Die Schülerinnen und Schüler würden in zwei kleinen jahrgangsübergreifenden Klassen der Stufen 1 und 2 sowie 3 und 4 unterrichtet. Bislang gebe es zwei Lehrkräfte.

Junge mit Kippa im Klassenraum (verschwommen)
Seit dem Start im Jahr 2021 sind die Teilnehmerzahlen am Modellprojekt Jüdischer Religionsunterricht gesunken. Im Vergleich zum letzten Schuljahr blieben sie konstant. Nun soll das Projekt ausgeweitet werden. Foto: Shutterstock

Offiziell war das Modellprojekt im Oktober 2021 gestartet. Damals hatten Ministerpräsident Reiner Haseloff und Bildungsministerin Eva Feußner (beide CDU) die erste Religionsstunde von Erst- und Zweitklässlern an der Grundschule Johannesschule besucht. Dort wurden damaligen Angaben zufolge 14 Kinder aus mehreren Grundschulen in Halle für 60 Minuten pro Woche in dem Fach unterrichtet. Später sanken die Teilnehmerzahlen.

«Ab diesem Schuljahr besteht eine Absprache mit dem Schulträger der Stadt Halle (Saale) und des Landkreises Saalekreis zur Teilnahme von Schülerinnen und Schüler der jüdischen Gemeinde mit Wohnort im Saalekreis», erklärte die Ministeriumssprecherin weiter. «Bisher haben sich indes keine Schülerinnen und Schüler angemeldet.»

Trotz der geringen Schülerzahlen hält das Land am Modellprojekt fest und plant eine Ausweitung. «Angedacht ist ein Transfer des Projektes in Klasse 5 im kommenden Schuljahr sowie die Erarbeitung von Rahmenrichtlinien», so die Ministeriumssprecherin. Es solle eine «AG jüdischer Religionsunterricht» gebildet werden, in der alle Fragen im Zusammenhang mit der Weiterentwicklung des jüdischen Religionsunterrichts besprochen werden.

In der AG gelte es dann beispielsweise, zu klären, für welche Schulformen Lehrpläne entwickelt werden sollen, wie und wo kontinuierliche Lerngruppen gebildet werden könnten und welche Qualifikationsanforderungen an Lehrkräfte für jüdischen Religionsunterricht gestellt werden. Eine solche AG gibt es auch schon für den regulären Religionsunterricht, darin arbeiten Kirchen, das Bildungsministerium, Landesschulamt und das Landesinstitut für Schulqualität und Lehrerbildung Sachsen-Anhalt zusammen. (dpa)

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2 Kommentare
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Lisa
4 Monate zuvor

Ist die Teilnahme, falls Unterricht angeboten wird, dann auch Pflicht für die betreffenden Schüler?!

Walter Hasenbrot
4 Monate zuvor
Antwortet  Lisa

Die Teilnahme ist auch für christliche Schüler nicht verpflichtend. Man kann ja getauft und trotzdem nicht religiös sein oder mit dem Religionsunterricht an Schulen ein Problem haben.

Mit 14 Jahren sind die SchülerInnen religionsmündig und können selbst entscheiden, ob sie am Religionsunterricht teilnehmen wollen.

Vorher können die Eltern das entscheiden.

An guten Schulen gibt es Ethik, LER oder praktische Philosophie als Ersatz, oder wie auch immer das Fach im jeweligen Bundesland heißt.