Long-Covid: Viele Betroffene möchten wieder arbeiten – können aber nicht

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JENA. Für Menschen mit Corona-Langzeitfolgen wirkt die Pandemie noch nach. Viele von ihnen standen vor ihrer Erkrankung voll im Berufsleben – und können das jetzt nicht mehr. Erzieherinnen und Erzieher sind öfter betroffen als andere Berufsgruppen.

Long Covid beeiträchtigt Betroffene massiv (Symbolfoto). Foto: Shutterstock

Bei der Rückkehr von Long Covid-Patienten in das Berufsleben gibt es nach Ansicht von Fachleuten große Defizite. Viele von Long Covid oder Post Covid Betroffene seien im arbeitsfähigen Alter oder in der Berufsausbildung, sagte die Ärztin Claudia Ellert von der Betroffeneninitiative Long Covid Deutschland am Freitag zum Auftakt eines Kongresses in Jena. Die nach langer Krankheit mögliche betriebliche Wiedereingliederung werde bei ihnen jedoch vielfach nicht praktiziert. Dass auch mangels ausreichender Unterstützung bei der Rückkehr an den Arbeitsplatz häufig die Erwerbsunfähigkeit drohe, sei «ein riesiges Problem».

Auf dem Kongress von Ärzte- und Ärztinnenverband Long Covid und Universitätsklinikum Jena diskutieren seit Freitag Ärzte, Wissenschaftler und Betroffene neue Forschungsergebnisse zu den Mechanismen von Long Covid und über Therapieansätze. Ein Schwerpunkt ist die Teilhabe der Betroffenen am Arbeitsleben.

Unter Langzeitfolgen einer Corona-Infektion leiden nach Einschätzung der Experten zwischen einem und sieben Prozent der Infizierten. Dazu gehören chronische Erschöpfung, erhebliche Konzentrationsstörungen oder hartnäckige Atembeschwerden. Bei Long Covid dauern sie länger als vier Wochen nach der Corona-Infektion an, bei der Unterform Post Covid länger als zwölf Wochen. Mit der Erschöpfungserkrankung ME/CFS nach einer Corona-Infektion kämpfen nach einer kürzlich veröffentlichen Studie des Uniklinikums Jena viele Patienten sogar länger als ein Jahr. Nach der Studie mit 1022 Erkrankten war das bei einem Fünftel der Betroffenen der Fall.

Erzieherinnen und Erzieher sind laut einer Datenanalyse der AOK Nordost für Mecklenburg-Vorpommern am stärksten von länger anhaltenden Beschwerden nach Corona-Infektionen betroffen (News4teachers berichtete). Etwa 1,1 Prozent aller AOK-Versicherten dieser Berufsgruppe im Land seien seit Pandemie-Beginn wegen Long Covid krankgeschrieben gewesen, teilte die Krankenkasse im April mit. Über alle Branchen hinweg sei bei 0,7 Prozent aller Beschäftigten eine Long-Covid-Erkrankung diagnostiziert worden.

«Die allermeisten Patienten wollen zurück in den Beruf», sagte nun Kongressleiter Andreas Stallmach, der das Long-Covid-Zentrum am Universitätsklinikum Jena leitet. Sie dabei besser zu unterstützen, sei auch im gesellschaftlichen Interesse, sagte er. «Überall werden Fachkräfte gesucht.» Aus Sicht von Stallmach sollten Fördergelder für die Long Covid-Forschung auch für Vorhaben eingesetzt werden, die Betroffenen mehr Teilhabe im Arbeitsleben ermöglichen.

Die Deutsche Rentenversicherung hat nach Angaben einer Sprecherin im vergangenen Jahr Erwerbsminderungsrenten für 1000 Post Covid-Patienten bewilligt. Viele Anträge hingen allerdings noch «in der Schwebe», sagte Ellert von der Betroffeneninitiative. Andererseits hätten manche Patienten, die wegen der Schwere ihrer Erkrankung ihre Arbeit nicht wieder aufnehmen könnten, auch mit Stigmatisierung zu kämpfen, so Stallmach. Teils glaubten ihnen sogar Ärzte, die für den Rentenantrag die gesundheitliche Situation beurteilen müssten, ihr Leiden nicht.

Ellert zufolge fehlt es in Deutschland weiterhin an einem flächendeckenden Angebot an Schwerpunkt-Behandlungszentren und Rehabilitationskliniken für die Betroffenen. Sie forderte zudem einheitliche Qualitätskriterien für Post Covid-Ambulanzen. «Manche sind eine Blackbox, da wissen Sie nicht, was drin ist.» Für den zweitägigen Präsenz- und Online-Kongress in Jena haben sich nach Angaben der Organisatoren 2300 Teilnehmende angemeldet. News4teachers / mit Material der dpa

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Na ja
3 Monate zuvor

Bei mir ist es- angesichts der Situation in der Schule und drumherum- umgekehrt. Ich kann wieder arbeiten- möchte aber nicht.

Ale
3 Monate zuvor

Solange die „Fachambulanzen“ schwerpunktmäßig psychosomatisch behandeln und Rehas verstärkt auf Reaktivierung gehen, wird es wenig bringen. Einen wirklich qualifizierten Arzt zu finden ist reine glücksache und die wirklich guten können gegen Kasse oft nicht abrechnen. Leider

TaMu
3 Monate zuvor

Long Covid Erkrankte wollen wieder arbeiten, können aber nicht… das hört sich jetzt an, als würde dieses Nichtkönnen von Außen verursacht, von mangelnder Unterstützung oder fehlender Wiedereingliederung.
Es liegt aber häufig einfach daran, dass die Beschwerden es nicht zulassen und Betroffene nicht an fünf Wochentagen täglich mindestens drei Stunden ihre Arbeit tun können. Manche schaffen das an zwei aufeinanderfolgenden Tagen und brauchen dann mindestens einen kompletten Tag Pause, bis sie wieder in diesem geringen Umfang arbeitsfähig sind. Während der Arbeit sind sie nicht ausreichend belastbar und benötigen Rücksichtnahme auf psycho- neurologische Defizite bei Merkfähigkeit, Konzentration und der mangelnden Fähigkeit, überhaupt einen längeren Zeitraum viele Situationen gleichzeitig zu überschauen, zu beobachten und rechtzeitig angemessen zu reagieren. Dabei muss jede Überforderung vermieden werden, auch wenn das Team selbst überfordert ist.
Da Menschen betroffen sind, die noch keinen Anspruch auf Erwerbsminderungsrente haben, sind diese finanziell stark unter Druck und „wollen“ vielleicht auch deshalb wieder arbeiten. Es wäre dringend notwendig gewesen, Long Covid durch Ansteckung während der Arbeit als Arbeitsunfall zu bewerten und entsprechend zu entschädigen. Der Arbeitsschutz bei der Arbeit mit Kindern ist und war hinsichtlich Infektionen gleich Null. Jetzt werden die Betroffenen damit allein gelassen. Gehirnveränderungen lösen sich nicht auf, wenn das Krankengeld zu Ende ist und sie lassen sich auch nicht mit ein bisschen gutem Willen durch die Wiedereingliederung vertreiben.

Lanayah
3 Monate zuvor

Da bleibt ein Kreditrahmen von 60 Milliarden für Corona-Maßnahmen über, aber die eine Milliarde, die es gekostet hätte, pädagogische Einrichtungen mit Raumluftfiltern auszustatten, waren wir nicht wert.

Die hätten vielleicht auch in diesem Jahr verhindert, dass derzeit bei uns ca. 25% der Schüler*innen und Lehrerinnen mit Erkältungskrankheiten (u.a. Corona) ausfallen.

O.Birkenstock
3 Monate zuvor

„180 Millionen Euro für Long-Covid-Forschung“
so konnte man am 17.11.2023 lesen.
„In den nächsten Jahren steht mehr Geld für die Long-Covid-Forschung zur Verfügung. Nach ARD-Informationen haben sich SPD, Grüne und FDP in der Bereinigungssitzung zum Haushaltsentwurf darauf geeinigt. „
Tagesschau
Dann kam die Schattenhaushaltsklatsche und es werden dann bestimmt 0 Euro werden.