Psychologie: Frust über Misserfolge kann bei Schülern in einen Teufelskreis führen

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TÜBINGEN. Eine Studie der Universität Tübingen bringt neue Erkenntnisse zum Zusammenhang von Gefühlsempfindungen und schulischem Erfolg bei Jugendlichen. Deutlich wird: Bei stark empfundenen Misserfolgen gerade zu Beginn der Sekundarstufe droht Schülerinnen und Schüler ein Teufelkreis aus Frust und Fehlleistungen.

Wo, bitteschön, geht’s heraus aus dem Teufelskreis? Foto: Shutterstock

Im Laufe ihrer Schulzeit durchleben Schülerinnen und Schüler verschiedenste Emotionen. Dazu zählen positive Empfindungen wie Freude und Stolz, aber auch negative wie Langeweile oder Frust. Solch unterschiedliche Gefühlsempfindungen sind wichtig für die Entwicklung von Heranwachsenden. Wie verändern sie sich, wenn die Jungen und Mädchen älter werden?

Ein Forschungsteam um Professorin Michiko Sakaki und Professor Kou Murayama vom Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung an der Universität Tübingen hat nun analysiert, wie das Erleben dieser Emotionen und die schulischen Leistungen von Heranwachsenden in Mathematik miteinander in Verbindung stehen. Ihre Erkenntnis: Mit zunehmendem Alter erleben die Schülerinnen und Schüler immer weniger positive Emotionen, die negativen hingegen werden häufiger. Zudem zeigte sich, dass Jugendliche, bei denen diese Entwicklung nicht so stark ausgeprägt war, ihre schulischen Leistungen tendenziell verbesserten.

Konkret bedeutet dies, dass Schülerinnen und Schüler mit höheren Leistungen zu Beginn der Sekundarstufe, in der Klassenstufe fünf, stärkere positive und schwächere negative Emotionen erlebten im Vergleich zu Heranwachsenden mit niedrigeren Leistungen. Außerdem wiesen Schülerinnen und Schüler mit mehr positiven und weniger negativen Emotionen zu Beginn der Sekundarstufe in den folgenden fünf Jahren einen größeren Leistungszuwachs auf.

Für die Studie analysierten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Daten von 3.425 Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufen fünf bis neun an Haupt- und Realschulen sowie an Gymnasien in Bayern. Die Heranwachsenden wurden von 2002 bis 2006 jährlich zu ihren Emotionen in Bezug auf die Schule befragt.

„Die Ergebnisse unserer Studie unterstreichen die Bedeutung von Emotionen für das Lernen und legen nahe, dass es wichtig ist, positive Emotionen zu fördern und negative Emotionen zu vermeiden, um Kinder und Jugendliche in ihrer schulischen Laufbahn bestmöglich zu unterstützen“, erklärt Sakaki.

Die Bildungsforscherin unterstreicht auch die Bedeutung des Interesses der Schülerinnen und Schüler am Lernen. Ihre Ergebnisse zeigen, dass Heranwachsende, die ein hohes Maß an Interesse aufrechterhalten, mit größerer Wahrscheinlichkeit positive Emotionen beibehalten und im Laufe der Zeit weniger wahrscheinlich negative Emotionen entwickeln. Ihre Schlussfolgerung: „Es ist wichtig, das Interesse der Kinder und Jugendlichen an Lerninhalten zu fördern, um ihr emotionales Wohlbefinden und ihre Leistungen zu unterstützen.“

Originalpublikation: Sakaki, M., Murayama, K., Frenzel, A. C., Goetz, T., Marsh, H. W., Lichtenfeld, S., & Pekrun, R. (2023). Developmental trajectories of achievement emotions in mathematics during adolescence. Child Development. Advance Online Publication. https://doi.org/10.1111/cdev.13996

Linke-Papier: Schulnoten und Hausaufgaben abschaffen, „Schule für alle“ einführen!

 

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Müllerin
3 Monate zuvor

Der Titel gilt doch ganz bestimmt nicht nur für Schüler, sondern praktisch für alle. Wer hat denn gerne Misserfolge über längere Zeit?

Marc
3 Monate zuvor
Antwortet  Müllerin

Ich. Denn noch weniger hätte ich gerne „falsche“ Erfolge. Ich bin Vereinssportler im Tennis und verliere seit Jahren gegen einen dicken Kumpel von mir. Das zeigt mir jedes Mal eindrucksvoll, wo meine Schwächen liegen und wo ich arbeiten muss. So bleibe ich motiviert. Einmal konnte ich fast gewinnen.

Fühle ich mich besser wenn ich jetzt gewinne, weil mein Kumpel ein Handicap bekommt? Die Anforderungen anderweitig gesenkt werden? Regeln geändert werden zu meinem Vorteil? Das Zählen der Punkte abgeschafft wird? Nein. Ich würde mich nur blöder fühlen durch solche Maßnahmen einen Sieg zugeschrieben zu bekommen. Das lässt sich jetzt nur bedingt auf Schule übertragen, zeigt aber dennoch, dass es vor allem auch wichtig ist Maßstäbe zu setzen, ehrliches Feedback zu geben und Leuten zu zeigen wo man steht. Auch wenn es weh tut. Denn nur dann kann man was dagegen tun.

Müllerin
3 Monate zuvor
Antwortet  Marc

Na gut, Sportler nehmen das sportlich. Aber würden Sie das auch dann sagen, wenn Sie Profisportler wären und Ihre ganze Zukunft davon abhinge? Ich nehme mal an, Sie sind kein Profisportler.
Wenn ich im ersten Semester überall durchgefallen wäre, dann hätte ich wohl kaum so weitergemacht. Wenn ich im Beruf immer nur Misserfolge hätte, dann könnte ich das nicht allzu lange so weitermachen.
In der Psychologie gibt’s den „Fischteicheffekt“. Der besagt, dass man sich besser fühlt, wenn man im Vergleich zu den anderen in einer Gruppe zu den besseren gehört, unabhängig von der objektiven Leistung, und ebenso schlechter, wenn man im Vergleich zu den anderen zu den schwächeren gehört. Das hängt dann natürlich mehr von der Gruppe ab als von einem selbst, und genau das ist das Problem, gerade auch in Schulklassen, besonders wenn diese besonders heterogen sind. Der Artikel hätte das eigentlich ansprechen sollen.

DerechteNorden
3 Monate zuvor
Antwortet  Marc

“ …ehrliches Feedback zu geben und Leuten zu zeigen wo man steht. Auch wenn es weh tut. Denn nur dann kann man etwas dagegen tun.“
Ehrliches Feedback bedeutet aber auch, gemeinsam mit den Schüler*innen darüber zu sprechen, was sie genau tun können, um sich zu verbessern. Und auch ihnen Mut zu machen.
Und hier liegt der Hase im Pfeffer: Lehrkräfte haben nicht genügend Zeit dafür, das so zu tun, wie es die schwierigeren Fälle tatsächlich brauchen, was unter anderem an den Klassengrößen liegt.

447
3 Monate zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Ich persönlich nehme mir diese Zeit und dokumentiere das auch – nach Klausuren geht dafür auch mal ne ganze Stunde drauf.

Effekt: Überschaubar.

Dejott
3 Monate zuvor
Antwortet  Marc

Ich glaube, sie wissen nicht, was das mit Kindern macht, die über Jahre seit der Grundschule eine schlechte Note nach der anderen anhäufen.

Unfassbar
3 Monate zuvor
Antwortet  Dejott

Einfache Lösung: Richtige Schulformen nach der Grundschule, Wiedereinführung der Förderschulen.

Dejott
3 Monate zuvor
Antwortet  Unfassbar

Ach so: Eine Spiel nicht mit den Schmuddelkindern Schulpolitik? Noch dazu ist Inklusion ein Menschenrecht.
Übrigens: Glauben Sie, Kinder fühlen sich besser, wenn man sie an unterste Schulformen ausgeliefert?
Das, was sie vorschlagen hat doch Jahrzehnte nicht funktioniert. Warum soll das jetzt der Fall sein?

Grillsportler
3 Monate zuvor
Antwortet  Dejott

Man kann aber leider nicht alles haben. In der Schule wird auch immer die Leistung von Schülern bewertet und es wird immer Schüler geben, die dabei aus den unterschiedlichsten Gründen schlecht abschneiden. Das macht sie nicht zu schlechten Menschen, die Lehrer, die die Noten geben (müssen) aber auch nicht. Ich kann einem solchen Schüler trotzdem meine Wertschätzung ausdrücken, seine Leistung kann ich aber nicht künstlich anheben. Das wäre den anderen gegenüber auch nicht gerecht. Und natürlich kann man sich nun wieder trefflich darüber unterhalten, wie objektiv Schulnoten sind.

Dejott
3 Monate zuvor
Antwortet  Grillsportler

Sie verstehen nicht was es mit Kindern macht, die jahrelang eine schlechte Note an die andere reihen.

447
3 Monate zuvor
Antwortet  Dejott

Wer bringt denn hier „Schmuddelkinder“ ins Spiel?

Mein Müllmann ist auch massiv unintelligenter als ich – aber er macht eine wichtige, harte Arbeit gründlich, ist stolz darauf „seine“ Strecke sauber zu halten…und macht Müll weg, statt auf Vorschriften rumzureiten.

Trotzdem hat er natürlich kein Anrecht auf einen akademischen Abschluss.

Darum gibts im Sommer beim abholen immer Kaltgetränk.

Dem gebe ich zehnmal lieber die Hand (und zwar ohne pikiert zu zucken) als diesen „Bildungsforschern“.

Und auch bei der Gartenparty ist er gerne eingeladen. (Wirklich gerne, nicht weil ich mich besonders gut zeifen will oder sowas)

Unfassbar
3 Monate zuvor
Antwortet  Dejott

Formulieren wir es mal so:

Der Punkt mit den dauerhaft schlechten Noten ist vermeidbar, ebenso fällt der Unterschied zu den Mitschülern nicht mehr ansatzweise so groß aus. Über die Übersetzung und die Interpretation der UN-BRK wurde an verschiedenen Stellen schon zu genüge diskutiert. Schließlich funktioniert die „Inklusion“ in der heutigen Version bestenfalls so gut oder schlecht wie vorher — trotz mehr Aufwand für die Lehrer und vermutlich bestenfalls gleichen Kosten. Woran Sie festmachen, dass die Inklusion früher nicht funktioniert hat, müssten Sie auch mal erklären, die Schulabschlüsse werden es nicht sein, die Eingliederung in die Klassengemeinschaft spätestens bei zieldifferenten Aufgaben auch nicht.

alter Pauker
3 Monate zuvor
Antwortet  Dejott

Träumen Sie weiter. Verzeihung, ein passenderer Spruch bei der derzeitigen Alibi-Inklusionspolitik in Baden- Württemberg fiel mir nicht zu Ihrer Äußerung ein – und es betrifft sicher nicht nur B-W.
Ich bin Lehrer in der Inklusion (7. bis 9. Klasse, dreizügige Schule – die inkl.-Schüler möglichst auf alle Klasseneiner Stufe verteilt, damit sie die einzelnen Kollegen*innen nicht so sehr stören, als wenn z.B. vier davon in nur einer Klasse wären. Merken Sie schon was?). Mit durch die Überlastung, schon ohne Schüler mit besonderen Bedürfnissen, fehlt den Klassenlehrern einfach (sofern sie noch nicht aufgegeben haben und den Karren einfach irgendwie laufen lassen) die Zeit – und leider oft auch die gute Ausbildung.
So kommt es, dass meine KollegInnen und ich an dieser Schule ebenso alle „unsere“ Schüler extern in zwei kleinen Räumen, ein Kollege sogar am Gang, unterrichten – weil sich die KollegInnen in den Klassen gestört fühlen und (übrigens alle andere Kolleginnen nicht nur an dieser Schule) keine Störung durch Inkl.-Unterricht haben wollen. Kooperation? Fehlanzeige!
Liebe Menschen, die ihr an das Grundrecht der Inklusion glaubt: So sieht (wie mir von KollegInnen durch Gespräche in mehreren Arbeitskreisen in B-W. bestätigt wurde) die „Inklusion“ in den meisten Fällen aus, sehr wenige Schulen, die Inklusion wirklich leben und beste Voraussetzungen schaffen, ausgenommen.
 
Nicht zuletzt, dass pro Schüler im inklusiven Setting nur 1/2 Stunde pro Woche und Schüler/in eines/r Sonderpädagogen/in vom Land aus vorgesehen ist. Manche SBBZ stellen auch von sich aus eine ganze oder sogar zwei Sopäd.-Lehrer – Wochenstunden pro SuS bereit – wenn‘s personell nur irgendwie geht. Und manche Inklusionslehrer machen von sich aus mehr Stunden, vor allem an Grundschulen, weil sie erkennen, dass wir so, wie es eigentlich von „oben“ vorgesehen ist, (weil Inklusion kostenneutral zu geschehen hat, es also nichts kosten darf) keinem der Kinder gerecht werden können. Bezahlen tut das natürlich keiner, aber das wusste jeder schon vorher…
 
Es stellt sich die Frage: Wovon kann ein Schüler/in mehr profitieren:
 
Inklusion: In einer Kleingruppe mit 3 Kindern und bestenfalls 6 Stunden sonderpäd. Betreuung, viel zu wenig – und sonst Unterricht der viel zu „hoch“ ist, unsere Schüler frustriert und viele nicht selten als „behindert“ und „dumm“ (ich habe gewähltere Begriffe verwendet als in Wirklichkeit zu hören sind) gemobbt werden. „Didaktische Reduktion“ scheint in den meisten Kollegien ein Fremdwort zu sein. in Kollegien, in welchem sich die KuK der Klassen nicht berufen sehen (es sogar explizit wegen zu vielen Schülern in ihrer Klasse ablehnen), das von uns SoPäds bereitgestellte Materialien mit den Inklusionsschülern zu bearbeiten oder auch nur anzusehen, wenn man/frau es nur kurz korrigieren müsste und ein paar Worte dazu sagen, wenn wir nicht da sein können?
 
Wo die Inklusiv beschulten Jugendlichen in den Klassen dann wirklich oft stören, aber nicht aus Verhaltensproblemen heraus, sondern weil es sie im Klassenunterricht einfach nicht gibt, was sie sehr deutlich spüren – ein (schlechter) Versuch, auf sich aufmerksam zu machen. Dann wir sanktioniert, die Lehrkräfte merken plötzlich auf dieser Ebene, dass die Inkl.-Schüler vorhanden sind. Negative Verstärkung wie im Bilderbuch. Der Schüler stört, weil er daduch „gesehen“ wird-und die LuL fühlen sich in ihrer negativen Meinung über diese Schüler bestätigt. Eine Lieblingssanktion das Nachsitzen. Zu oft verhängt, pädagogsch unsinnig – und meist 2 oder sogar 3 Stunden lang in einem Nebenraum, in welchem die „aufsichtsführende“ Lehrkraft ihren Unterricht hält. Abgestellt – seitenweise sinnloses Abschreiben von Texten, die unsere SuS nicht verstehen können, sozial isoliert und möglichst still sitzen, wo Bewegung und Freizeit in sozial positivem Umfeld ohnehin immer zu kurz kommen…
 
Ob man da von Kindesgefährdung sprechen darf- bezogen auf den Alltag in einer Schule?
 
Oder alternativ: Wenn diese Kinder die, bezogen auf ihre Behinderungen und Schwächen, in Vollzeit ein SBBZ besuchen und laufend von ausgebildeten Lehrkräften betreut werden und entsprechend ihres Leistungsvermögens gefördert werden. Täglich. In allen Schulstunden. Mit einem Fächer von zusätzlichen Maßnahmen und Veranstaltungen außerhalb des Unterrichts?
 
Welche Kinder und Jugendlichen werden wohl die bessere Chance auf Teilhabe bekommen?
 
 

Alex
3 Monate zuvor
Antwortet  Dejott

Weil es so wie jetzt offensichtlich auch nicht funktioniert?

Teacher Andi
3 Monate zuvor
Antwortet  Dejott

Wo hat was nicht funktioniert? Was jetzt deutlich wird ist, dass Inklusion und Gesamtschule nicht funktioniert, es sei denn man akzeptiert einen gemeinsamen kleinen Nenner. Haben eigentlich die lernmotivierten und begabten Schüler keine Rechte mehr?

Rüdiger Vehrenkamp
3 Monate zuvor
Antwortet  Teacher Andi

Und wie sieht die politische Lösung aus? MEHR Inklusion und MEHR Gemeinschaftsschulen, damit es noch WENIGER funktioniert.

Es fehlen Personal, Ressourcen und vielen normalen Lehrkräften die nötige Ausbildung, um all dieser Heterogenität Herr zu werden. Aber was solls, reiten wir den toten Gaul halt einfach weiter. Ans Ziel kommen wir so jedoch nicht.

Christabel
3 Monate zuvor
Antwortet  Dejott

Was genau sind denn „unterste Schulformen“? Bitte klären Sie mich auf. Und „ausliefern“ klingt auch nicht nach unserem deutschen Schulsystem, sondern nach Strafe. Gibt es außer der „höheren“ Schule denn keine anderen Schulformen mehr, die akzeptabel sind?

alter Pauker
3 Monate zuvor
Antwortet  Marc

Na ja, wieder mal das alte schwäbische Wort „Et gschompfa isch globt gnuag“(übersetzt: Nicht geschimpft ist gelobt genug!).
Schule nach Holzhackermethode. Momentan erlebe ich das viel zu oft Im Inklusionsunterricht und versuche (Klasse 8 und 9) erst mal wieder so etwas wie Selbstbewusstsein, Vertrauen und ein bisschen Stolz zu vermitteln.
Wann wird endlich verstanden, dass nicht alle die irgendwann eine Schule besucht haben, auch eine Ahnung von der pädagogischen und psychologischen Arbeit dort haben?
… und wann wird den Lehrerinnen und Lehrern an den Regelschulen endlich Hilfe ( wie u.a. kleinere Klassenteiler: 33 Schüler, mitten in der Pubertät sind heute viel zu viel für eine*n einzelne*n), Supervision, bessere Ausbildung, schulinterne psych. Hilfen, eine/zwei zusätzliche Personen im Klassenzimmer, um nur wenige zu nennen) zuteil, ohne die sie eher früher als später restlos überfordert und frustriert aufgeben, zu reinen Stoffvermittlern und zu seelenlosen „LehrerInnen-Monstern“ werden, die ihre Ideale über Bord geworfen haben, nur noch auf Low-Level „vegetativ“ funktionieren -und sich dann wirklich nur noch von Wochenende zu Wochenende schleppen, sowie vom Ferienende an auf den nächsten Ferienbeginn hoffen – und erst dann zu leben beginnen. Ich reite hier kein Klischee und kein Vorurteil: ich erlebe das täglich und muss erschreckende, schmerzende Kommentare in Bezug auf Schülerinnen und Schüler  hören.
 

Lera
3 Monate zuvor
Antwortet  alter Pauker

Mehr Leute, die mir beim Unterrichten zugucken und gaaanz genau wissen, wie es geht, sind KEINE Hilfe.

Wie viele supertolle Spezial-Professionen, die für alles Mögliche außer Unterricht zuständig sind, sollen sich denn noch bei mir die Klinke in die Hand geben?

Reichen DAZ-Leute, Schulsozialarbeit, Schulbegleiter und Sonderpädagogen nicht, um genug Lernzeit in Orga-Zeit zu verwandeln, Unruhe zu verbreiten und Lernprozesse zu fragmentieren?

Ständig muss ich mir anhören, dass alles ganz toll wird, wenn nur noch mehr Leute bei mir rumlungern.

Ich bin es so satt!

Gebt mir einfach eine normal große Klasse mit beschulbaren Kindern und ein paar praxistaugliche Erziehungsmittel (so old school Zeug wie Noten, Nachsitzen, Strafarbeiten).

Mehr brauche ich nicht, um meinen Beruf auszuüben.

Ich brauche keine multiprofessionellen Teams, keine Team-Sitzungen, keine Protokolle, keine pseudo-individuellen Lernpläne, keine Klassenkonferenzen! Ganz im Gegenteil! Das hält mich alles nur von meinem Kerngeschäft ab. Das sind alles Zeitfresser mit äußerst zweifelhaftem Ertrag und letztlich dienen diese ganzen nutzlosen Treffen und Papiere nur als Kulisse in der gigantischen Bildungssimulation, zu der die Schule verkommen ist.

Lasst die Lehrer einfach mal in Ruhe arbeiten! Die haben ihren Beruf in einer langen, anspruchsvollen Ausbildung gelernt!

Da muss niemand Händchen halten, es reicht völlig, mich nicht in eine Struktur zu stellen, in der jeglicher Versuch des Unterrichtens zum Scheitern verurteilt ist, sprich: zu viele und zu viele nicht regelbeschulbare Kinder.

Da liegt der Hase im Pfeffer und multiprofessionelle Teams sind einfach eine Nebelkerze, die davon ablenken soll, dass schulisches Lernen systematisch durch die „Bildungsreformen“ der letzten Jahrzehnte sabotiert worden ist.

alter Pauker
3 Monate zuvor
Antwortet  Lera

Da haben Sie mich leider missverstanden. Nach über 40 Dienstjahren als Lehrer sehe ich das vermutlich weniger verkrampft. Wäre das nicht so, hätte ich es nie ertragen, diese Zeit (mit viel Freude an der täglichen Arbeit in der Schule) zu ertragen.
Ich habe als Lehrer in der Förderschule unter anderem gelernt, kooperativ zu unterrichten und auch z.B. Tagesbegleitungen und andere Betreuungs-Hilfen auch im täglichen Unterricht gut einzusetzen. Auch das gehört zur Professionalität eines Lehrers/einer Lehrerin – und beileibe nicht das „Einzelkämpfertum“ nach dem Motto, „na und – ich habe eine großartige Ausbildung!“

Frustration, Schlafstörungen, Psychosomatische Erkrankungen, Frühpensionierungen und Burn-Out sind, wenn es dumm läuft, die Quittung die man dann bekommt.
Es geht mir nicht um „Herumlungerer“ im Klassenzimmer, wie Sie schreiben,  sondern gezielt um Hilfen, weil ich täglich beim Inklusionsunterricht sehen muss, wie überfordert die KollegInnen mit riesigen Klassen Sek I sind. KollegInnen deren Stimmen so laut sind, dass ich sie durch zwei geschlossene Türen hindurch, sogar in meinem Klassenraum schreien oder brüllen hören kann – übrigens auch meine Schüler, die entsprechend reagieren (wollen).  

Wenn wir einmal über den Tellerrand sehen, würden wir z.B. in GB erkennen, wie gut das funktionieren kann (auch in unseren direkten Nachbar- Ländern, ich bin jedoch von Zeit zu Zeit in Schulen in GB und habe die Anschauung dann immer wieder mal „live“). Mit der typisch deutschen Lehrermentalität, schnell die Klassenzimmertür hinter sich zu schließen, aus Angst, es könne jemand zuschauen oder gar entdecken (man weiß ja schließlich nie, was diese Person kann), dass man doch nicht so perfekt ist, wie man sich selbst fühlt?
Natürlich gilt wie immer die Ausnahme bei KuK, die andere Kollegen im Klassenzimmer ertragen können, keine Angst vor professionellen Vorschlägen und auch Kritik haben und das sogar als große gegenseitige Hilfe erkennen, ja das gemeinsame Unterrichten und die Kooperation selbst mit „unstudierten“ Assistenzen sogar als fruchtbar erleben.

Oft ist schon damit geholfen, wenn einfach jemand neben den Unruhepol einer Klasse hinsitzt und positiv mit ihr/ihm arbeitet, hilft und einfach Mensch ist, damit es weniger stressig zugeht. Dann wäre auch Betreuung der Inklusionsschüler neben dem Unterricht her in ihrer Klasse möglich.

Wer solche Kooperation erfahren und als positiv erlebt hat, der braucht sich nicht auf seine ach so perfekte Ausbildung berufen – die uns, wenn wir ehrlich sind, nichts oder viel zu wenig von dem beigebracht hat, was man heute, im häufig harten Schulalltag, täglich braucht.

Zitat aus Ihrem Text: „Lasst die Lehrer einfach mal in Ruhe arbeiten! Die haben ihren Beruf in einer langen, anspruchsvollen Ausbildung gelernt!“
Ich denke, da war die Ausbildung, die ach so anspruchsvoll war, nicht lange und anspruchsvoll genug. Rumms. Tür zu!
 

Lera
2 Monate zuvor
Antwortet  alter Pauker

„Da haben Sie mich leider missverstanden.“

Nee, ich hab Sie schon sehr genau verstanden.

„Nach über 40 Dienstjahren als Lehrer sehe ich das vermutlich weniger verkrampft.“

Keine Ahnung, wo Sie da jetzt meinen, einen „Krampf“ zu erkennen und was das überhaupt mit dem Thema zu tun hat, aber Kohärenz hat man nach 40 Dienstjahren ja auch nicht mehr nötig, da reicht ein ceterum censeo.

„Wäre das nicht so, hätte ich es nie ertragen, diese Zeit (mit viel Freude an der täglichen Arbeit in der Schule) zu ertragen.“

Sie haben also die Zeit mit viel Freude ertragen. Naja. Ok.

„Ich habe als Lehrer in der Förderschule unter anderem gelernt, kooperativ zu unterrichten und auch z.B. Tagesbegleitungen und andere Betreuungs-Hilfen auch im täglichen Unterricht gut einzusetzen.“

Wow, ja, das ist natürlich auch sehr komplex. Respekt, dass Sie sich da so reingefuchst haben, in das „kooperative Unterrichten“ aka einer wie immer und einer geht mit den Knallern raus.

„Auch das gehört zur Professionalität eines Lehrers/einer Lehrerin – und beileibe nicht das „Einzelkämpfertum“ nach dem Motto, „na und – ich habe eine großartige Ausbildung!“

Ganz ehrlich: Wer DAS nach 40 Jahren pädagogischer Tätigkeit ernsthaft sagt, hat m.E. vom Wesen der Pädagogik erschreckend wenig verstanden. In wohl kaum einer Profession gilt so sehr wie hier: Viele Köche verderben den Brei.

„Frustration, Schlafstörungen, Psychosomatische Erkrankungen, Frühpensionierungen und Burn-Out sind, wenn es dumm läuft, die Quittung die man dann bekommt.“

Ohne Teamteaching wird man krank? Quatsch im Quadrat.
Dass das heruntergewirtschaftete Schulsystem krank macht, ist hingegen klar. Aber die Lösung ist sicher nicht Teamteaching.

Sagt übrigens auch eine gestandene Grundschullehrerin mit über 40 Dienstjahren – das scheint für Sie ja ein Argument zu sein.

„Es geht mir nicht um „Herumlungerer“ im Klassenzimmer, wie Sie schreiben, sondern gezielt um Hilfen,“

Schön, dass es Ihnen darum nicht geht, aber das ist halt trotzdem die Realität.

„weil ich täglich beim Inklusionsunterricht sehen muss, wie überfordert die KollegInnen mit riesigen Klassen Sek I sind.“

Finde den Fehler.

Tipp: Kleinere Klassen und keine Inklusion PLUS Doppelbesetzung mit echten Lehrern – wie geil wäre das erst?

„KollegInnen deren Stimmen so laut sind, dass ich sie durch zwei geschlossene Türen hindurch, sogar in meinem Klassenraum schreien oder brüllen hören kann – übrigens auch meine Schüler, die entsprechend reagieren (wollen).“

Bezug zum Thema?

„Wenn wir einmal über den Tellerrand sehen, würden wir z.B. in GB erkennen, wie gut das funktionieren kann“

Und wenn ich auf den Teller sehe, erkenne ich, dass das real existierende Teamteaching in unserem real existierenden Schulsystem weder für mich noch für meine Schüler Vorteile bringt.

„Mit der typisch deutschen Lehrermentalität, schnell die Klassenzimmertür hinter sich zu schließen, aus Angst, es könne jemand zuschauen oder gar entdecken (man weiß ja schließlich nie, was diese Person kann), dass man doch nicht so perfekt ist, wie man sich selbst fühlt?“

Ok, Syntax für Fortgeschrittene. Und wiederholt therapeutische Ambitionen – dabei kennen wir uns gar nicht. Sollten das am Ende nur hohle Phrasen und Unterstellungen sein? Wäre aber irgendwie total verkrampft von Ihnen.

„Natürlich gilt wie immer die Ausnahme bei KuK, die andere Kollegen im Klassenzimmer ertragen können, keine Angst vor professionellen Vorschlägen und auch Kritik haben und das sogar als große gegenseitige Hilfe erkennen, ja das gemeinsame Unterrichten und die Kooperation selbst mit „unstudierten“ Assistenzen sogar als fruchtbar erleben.“

Weitere Unterstellungen, Frechheiten und implizite Selbstbeweihräucherung: Ich mache mir wirklich Sorgen um ihre Psyche.

„Oft ist schon damit geholfen, wenn einfach jemand neben den Unruhepol einer Klasse hinsitzt und positiv mit ihr/ihm arbeitet, hilft und einfach Mensch ist, damit es weniger stressig zugeht.“

Echt? Wow, danke, dass Sie mir das endlich mal mit einfachen Worten erklären, ich komme selbst einfach nicht auf so geniales Zeug.

„Dann wäre auch Betreuung der Inklusionsschüler neben dem Unterricht her in ihrer Klasse möglich.“

Eine für einen Förderlehrer überraschend pauschale Schlussfolgerung, finden Sie nicht?

„Wer solche Kooperation erfahren und als positiv erlebt hat, der braucht sich nicht auf seine ach so perfekte Ausbildung berufen – „

Perfekt haben SIE gesagt. Ich hab nur gesagt, dass ich eine habe und es ganz gut fände, wenn ich gelegentlich meinen Beruf auch mal ausüben dürfte.

„die uns, wenn wir ehrlich sind, nichts oder viel zu wenig von dem beigebracht hat, was man heute, im häufig harten Schulalltag, täglich braucht.“

Schade, dass Ihre Ausbildung so unzureichend war. Da hilft ein Team natürlich sehr.

„Zitat aus Ihrem Text: „Lasst die Lehrer einfach mal in Ruhe arbeiten! Die haben ihren Beruf in einer langen, anspruchsvollen Ausbildung gelernt!“
Ich denke, da war die Ausbildung, die ach so anspruchsvoll war, nicht lange und anspruchsvoll genug. Rumms. Tür zu!“

Joah, siehe oben. Aber netter Versuch.

vhh
3 Monate zuvor

Wer von Beginn an in Mathematik Probleme hat, empfindet weniger Spass am Lernen (dieses Faches). Eine weltbewegende Erkenntnis! Sogar der Leistungszuwachs ist größer, wenn mehr positive als negative Emotionen empfunden werden, denn(?) ein hohes Interesse am Lernen führt zu mehr positiven Emotionen. Geht’s eigentlich noch? Ursache und Wirkung? Wie erhält man das Interesse von frustrierten Fünftklässlern an einem Fach, das den betreffenden Schülern wenig Erfolge liefert und emotional negativ besetzt ist? Gut dass es Mathematik gibt, da liefern die Untersuchungen zuverlässig wachsenden Frust mit den Jahren. Könnte auch an den Anforderungen durch Vernetzung immer neuer Inhalte, Schwierigkeiten mit Logik im pubertären Gehitnumbau und Bestätigung der Ablehnung durch die Umwelt liegen, aber nur keine mehrdimensionalen Ansätze. Nein, ich habe mir den Originaltext nach diesem Artikel nicht mehr angetan .
Vorschlag für eine neue Studie: ‚positive und negative Emotionen durch unterschiedlich empfundenen Publikationsdruck bei dauerhaft und befristet beschäftigten Bildungsforschern‘, bestimmt ebenso erkenntnisreich.

Hysterican
3 Monate zuvor
Antwortet  vhh

Topp!! Danke!!!

Teacher Andi
3 Monate zuvor
Antwortet  vhh

Genau mein Gedanke. Bleibt noch zu hinterfragen, wer dieses Heer von Bildungsexperten und -psychologen bezahlt und ob diese Ausgaben für theoretische Weisheiten nicht sinnvoller eingesetzt werden kann.

Pauker_In
3 Monate zuvor
Antwortet  vhh

„Wer von Beginn an in Mathematik Probleme hat, empfindet weniger Spass am Lernen (dieses Faches). Eine weltbewegende Erkenntnis!“
Trotzdem falsch, jedenfalls in vielen Fällen.
Denn JEDER, der sich mit Mathematik befasst, hat Probleme. Selbst Abelpreisträger sprechen von permanenten Demütigungen, wenn sie sich mit Mathematik befassen (leider kann ich das Zitat nicht finden, es stand aber irgendwann im „Der Spiegel“).
Es geht um den Umgang mit diesen Problemen, werden sie als Fehler gebrandmarkt oder eher als Irrtümer aufgefasst, aus denen man lernen kann? Wie sieht es mit der Frustrationstoleranz des Schülers aus?

vhh
3 Monate zuvor
Antwortet  Pauker_In

Welche Lehrkraft brandmarkt Probleme der Schüler als Fehler? Irrtümer als Anlass zum Lernen, als Hilfe für Lehrer, Probleme zu erkennen, das sollte die Regel sein.
Die Frustrationstoleranz hängt ziemlich wenig von der Schule und deutlich mehr von der eigenen Entwicklung, Behandlung durch das soziale Umfeld ab. Sie wird allerdings geringer, ich erlebe viel zu oft ungebremste Aggressionen ohne Anlass (abgesehen von allgemeiner Frustration, in der Schule nicht alleiniger Mittelpunkt zu sein). So eine Grundstimmung hilft allerdings bei keinem Fach.

SchadeMarmelade
3 Monate zuvor

Man kann hier wunderbar den Bogen zur „Inklusion“ schlagen. SchülerInnen mit Lerndefiziten in Regelklassen zu schicken frustriert diese.
Sie können ja gerne die gleiche Schule besuchen. Aber SchülerInnen mit Förderbedarf in eh schon überfüllte Klassen mit anderen demotivierten Schülerinnen stecken hilft nicht.

EmpiD
3 Monate zuvor
Antwortet  SchadeMarmelade

Dein Bogen hat so eine heftige Kurve, dass er kaputt ist. Diese Schlussfolgerungen machen absolut keinen Sinn.

SchadeMarmelade
3 Monate zuvor
Antwortet  EmpiD

Ist dem so? Es macht ihrer Meinung nach also keinen Sinn zu hinterfragen ob permanente Misserfolge und „andere Noten“ SchülerInnen demotivieren?
Lassen Sie mich raten. Sie arbeiten nicht mit Menschen zusammen oder?

vhh
3 Monate zuvor
Antwortet  EmpiD

Okay, Inklusion ist toll und notwendig, unabhängig von den realen Bedingungen zu denen sie stattfindet. Besser?
Reflexhaftes Widersprechen ist keine vernünftige Antwort. Kinder mit Lerndefiziten empfinden unter ähnlichen Umständen ähnliche Emotionen, richtig? Also auch Frustration durch mangelnde Lernerfolge im Vergleich zu Mitschülern. Sie werden doch zieldifferent unterrichtet, ist doch kein echter Vergleich? Ehrlich nachdenken, was bedeutet dieser Begriff ‚zieldifferent‘ für ein Grundschulkind?
Dieser Gedanke ist ein existierendes Problem, aber die ganze Inklusion ist in Bezug auf die reale Gestaltung ein Abwägen von Vor- und Nachteilen. Alles ist toll und jeder kritische Gedanke ist verwerflich – das ist naiv.

Finagle
3 Monate zuvor

Man beachte, dass hier ganz der Titel sich in der heutigen Zeit sehr irrführend nur über Schüler auslässt. Erst im Artikel werden die Schülerinnen inkludiert… tztztz…

Wasserzeichen
3 Monate zuvor

Ist das wirklich neu?? Wie viel Geld wohl diese Studie gekostet hat?!

Genaue Zahlen lese ich meine. Oft ist es ja aber so: 60% sind nach einem Misserfolg demotiviert, sich weiter anzustrengen, 40% hingegen sind motiviert (sich mehr anzustrengen), aber das Ergebnis lautet: Schüler sind nach Misserfolgen demotiviert. (Die 40% anderen werden einfach unterschlagen.)

Honduraner
3 Monate zuvor

Ehrlich gesagt oder gefragt, was sind denn die „neuen“ Erkenntnisse dieser Studie? Das ist doch alles ein alter Hut.

Pauker_In
3 Monate zuvor
Antwortet  Honduraner

Vielleicht ist die Studie ja gut und der Artikel schlecht!?
Ich habe sie mir gerade heruntergeladen, bin schon gespannt.

Dejott
3 Monate zuvor

Deshalb ist es wichtig, dass wir leistungsschwächeren Schülerinnen und Schülern immer weiter ihre verdienten schlechten Noten geben. Das motiviert sie sicher, sich mehr anzustrengen.

Alex
3 Monate zuvor
Antwortet  Dejott

Was ist Ihr Gegenvorschlag? Alle kriegen immer super Noten, unabhängig von der tatsächlichen Leistung? Vielleicht sollten Eltern mal aufhören, schon den kleinsten Prinzen und Prinzesschen einzureden, sie wären der Nabel der Welt und alles, was sie von sich geben, wäre unfassbar wunderbar.

Lisa
3 Monate zuvor

So aus eigener Erfahrung: Fünftklässler an Haupt- oder Gemeinschaftsschule sind oft erstmal schrecklich deprimiert, weil sie sich “ dumm“ fühlen. Sie sprechen das auch aus. Besonders deprimiert sind die Kinder, bei denen der Durchschnitt nicht fürs Gymnasium reichte, das ist in Bayern in den Kernfächern 2,5, doch auch wieder nicht in jedem Bundesland gleich. Die Leistungen dieser Klassen sind auch schlechter als sie es in der vierten waren, weil es auch eine Weile dauert, bis sich die neuen “ Zugpferde“ etablieren. Nicht die Leistungsbewertung an für sich, sondern die frühe Trennung ist heftig. Sie lässt auch vielen Ausländern keine Chance. Ja,ja, das Schulsystem ist durchlässig, doch das weiß in diesem Stadium kaum einer. Ich bin sehr für Leistung, das ist es nicht. Doch es ist nicht richtig, dass der Mensch mit 15 noch die gleiche Leistung zeigen muss wie mit 10.

Unfassbar
3 Monate zuvor
Antwortet  Lisa

Wieso zeigen muss? Tendenziell werden die Leistungen im Sinne von Noten pubertätsbedingt eher schlechter. Dazu kommt die stärkere kognitive Streuung aufgrund des anspruchsvolleren Stoffes. Die Spreu vom Weizen wird beispielsweise in Klasse 6 durch die Bruchrechnung, in Klasse 7 durch die zweite Fremdsprache und spätestens ab Klasse 8 durch die Buchstabenrechnung und Textinterpretationen getrennt. Das ist aber auch nicht schlimm, weil die Kinder ja ihre eigenen Stärken und Schwächen kennenlernen müssen.

Lisa
3 Monate zuvor
Antwortet  Unfassbar

Tendenzen sind nicht allgemein gültig. Es sind – Tendenzen.

Unfassbar
3 Monate zuvor
Antwortet  Lisa

Deshalb ja. Der Trend ist vorhanden und kann auch durch Gleichmacherei nicht ausgebügelt werden, es sei denn man richtet sich nach dem langsamsten Glied in der Kette.

Martin Wabnik
3 Monate zuvor

Es gibt viele Möglichkeiten, einen Lernfrust im Fach Mathematik gar nicht erst aufkommen zu lassen. Sie sind sofort umsetzbar und kosten kein Geld. Hier sind drei:

1. Aufgaben vermeiden, die Angst machen. Das sind Aufgaben, deren Lösung richtig oder falsch sein kann und deren Lösung der Lehrer schon kennt. Statt dessen ein offenes Lehrangebot bereitstellen. Das kann vom selbstständigen Einsetzen von Zahlen (oder auch Termen) in das Distributivgesetz über das Aussuchen einer individuell passenden Begründung der Kehrwertregel bis zum Schreiben eines Aufsatzes über ein vorgegebenes Thema in Klausuren reichen.

2. Schüler achten auf das Verbessern ihrer individuellen Lern- und Lösungsmethoden statt nur das richtige Ergebnis hinzuschreiben. Als Grundlage kann der Fragenkatalog von György Pólya dienen, den jeder Schüler für sich persönlich anpassen kann.

3. Richtige Mathematik unterrichten – im doppelten Sinn: 
a) Das Fach Mathematik unterrichten statt zusammenhangloser Kompetenzen (siehe dazu auch die beiden Brandbriefe der Fachverbände DMV, GDM und MNU). Das, was an der Mathematik Spaß macht, ist z. B. die Klarheit einer Definition, die unbestechliche Logik eines Beweises, eine plötzlich hereinbrechende intuitive Erkenntnis und es ist nicht das Durchnudeln von kleinteiligen Aufgaben, die „später im Leben“ tatsächlich niemand braucht. 
b) Keine falsche Mathematik unterrichten: Gerade der Stochastikunterricht strotzt nur so von Fehlern. Da wird behauptet, die relative Häufigkeit müsse nach vielen Versuchsdurchführungen zur Wahrscheinlichkeit konvergieren und in Abituraufgaben werden aus statistischen Daten mal eben Wahrscheinlichkeiten.

Pauker_In
3 Monate zuvor
Antwortet  Martin Wabnik

Zu b) Ich glaube, Sie missverstehen das Gesetz der großen Zahlen. Eine Wahrscheinlichkeit zu finden ist prinzipiell ein mathematikfremder Vorgang.

Martin Wabnik
3 Monate zuvor
Antwortet  Pauker_In

Die Gesetze der großen Zahlen habe ich sehr gut verstanden. (Das schreibe ich, obwohl ich auf das Niveau, auf dem man über das Verständnis mathematischer Zusammenhänge fremder Menschen spekuliert, eigentlich nicht hinunter möchte.)
Was Sie mit dem Finden von Wahrscheinlichkeiten meinen, ist für mich nicht nachvollziehbar. Aber da das – wie Sie schreiben – ohnehin nicht zur Mathematik gehört, interessiert es mich auch nicht.

vhh
3 Monate zuvor
Antwortet  Martin Wabnik

Pólya ist 1985 gestorben. Internet, permanente Kommunikation, extrem reduzierte Konzentrationsfähigkeit, Inklusion, Sprachprobleme, Wohnungsnot, soziale Spannungen usw.,das war alles noch nicht oder weit weniger vorhanden. Bei Fragenkatalog wird es schon schwierig, die wenigsten Schüler können sich lange genug damit beschäftigen, um dieses Tool sinnvoll einzusetzen. Noch interessanter wird das ‚persönlich anpassen‘, da reicht die Frustrationstoleranz nicht annähernd, ganz zu schweigen von den Grundkenntnissen, auf die Aufgaben zurückgeführt werden sollen. Im Klassenverband geht das noch halbwegs, aber 80% warten lieber darauf, das Ergebnis abzuschreiben. Und das hängt selten vom Unterricht ab, sonst würden es nicht fast alle KuK ab 35 so empfinden.

Martin Wabnik
3 Monate zuvor
Antwortet  vhh

Ich habe bisher sehr viele Schüler kennengelernt, die (manchmal mit meiner Hilfe) einen individuellen Fragenkatalog erstellen konnten.
Haben Sie eine Quelle für Ihre Behauptung, die Situation der Schüler werde von fast allen Lehrern ab 35 Jahren so empfunden, wie Sie sie beschreiben?

vhh
3 Monate zuvor
Antwortet  Martin Wabnik

Ja, selbstverständlich habe ich dazu mindestens drei unabhängige Studien… Nein, da ich von KollegInnen schrieb, handelt es sich nur um völlig subjektive persönliche Erfahrung, übrigens nicht das Gleiche wie eine Behauptung due sue unterstellen. Leider habe ich sehr viele Schüler kennengelernt, die auch mit Hilfe so einen Fragenkatalog nach dessen Erarbeitung nicht auf neue Probleme anwenden konnten. Ich glaube übrigens ihre Behauptung, dass nur manchmal Hilfe nötig war auch nicht, aber was sagt das schon aus.

Martin Wabnik
2 Monate zuvor
Antwortet  vhh

Zu den von Pólya genannten Fragen gehören sinngemäß auch diese: Was ist gegeben, was ist gesucht? Habe ich eine ähnliche Aufgabe schon mal gesehen? Und nach gefundener Lösung: Was war die Schwierigkeit? Was habe ich gelernt?
Soweit ich mich erinnere, habe ich bisher keinen Schüler kennengelernt, der zwar intellektuell dazu in der Lage war, die maximale Breite eines Lkw zu berechnen, so dass dieser durch eine parabelförmige Brücke passt, der aber partout nicht in der Lage war, (nach Aufforderung) sich die oben genannten Fragen zu stellen.
Warum das bei Ihren Schülern anders sein soll, ist für mich nicht nachvollziehbar.

vhh
3 Monate zuvor
Antwortet  Martin Wabnik

Ach ja, das Originalwerk von Pólya stammt aus dem Jahre 1949, das war schon eine andere Welt, und wird heute eher als Ratgeber für Studierende eingesetzt https://mediapool.hm.edu/mediapool/media/dachmarke/dm_lokal/bologna/hd_mint/veroeffentlichungen_3/Poster_DPG_2016_final_A0.pdf

Melissentee
3 Monate zuvor

Würde es besser laufen, wenn unter der Arbeit steht „Toll, du hast schon 10% des Stoffs gekonnt!“ ? Vielleicht ja, wenn das Kind auf die positive sprachliche Einbettung einer noch nicht ausreichenden Leistung fokussiert und nicht nur die Leistung hängen bleibt. Vielleicht auch, wenn konkret gesagt wird, was man noch üben sollte. Ein Versuch wäre es wert. Und es steht übrigens jeder Lehrkraft frei, einem Kind eine positive Rückmeldung zu geben. „Lieber X, du hattest viele Vokabelfehler. Wenn du nächstes Mal die Vokabeln besser übst, klappt es sicher besser.“ Wollen viele aber auch nicht. Ich brauche meine Klasse auch nicht ständig runterputzen, wenn die Aussprache des th noch nicht sitzt. Ich kann mir auch „Benni, mal wieder ne 5“ verkneifen. Das hat nix mit „dem System“ zu tun. Sondern mit Herz.

Zum Little/Big-Pond-Effekt: Wir haben kein wirklich dreigliedriges Schulsystem mehr. Viele BL haben nur noch GS und Gymnasien. Die Schule für alle und, wer will, das Abi (zu entspannteren Konditionen) gibt es schon. Wer das Gymnasium wählt, erzeugt eben Little Fishes, wenn das Kind nicht dafür geeignet ist. Warum tun Eltern ihren Kindern dieses „Wir probieren es mal“ an?! Sie ruinieren den Lernwillen und das Selbstbild ihrer Kinder. Hier bitte mal den Fingerzeig auf die Eltern.

Das ist kein Plädoyer für eine Einheitsschule. Die funktioniert nur mit maximaler Individualisierung. Und die können wir aktuell nicht gewährleisten. Leistungsstarke Kinder brauchen auch ihr Lernumfeld. Und die profitieren nicht von einem Förderschüler links und einem Hauptschüler rechts, dem sie dann was beibringen sollen, weil das als „Fördermaßnahme für die Sozialkompetenz starker Schüler“ betitelt wird. Es ist Augenwischerei. Lasst das Gymnasium für Kinder, die das Niceau brauchen und schützt andere vor überzogenen Anforderungen, die sie nicht erfüllen können.

Alles andere ist Gleichmacherei auf einem für alle einigermaßen machbaren Niveau. Kinder sollen dabei unterstützt werden, das Maximum aus ihren Potentialen und ihren Interessen herauszuholen. Das ist Chancengleichheit. Das verwechseln viele mit Ergebnisgleichheit.

Rüdiger Vehrenkamp
3 Monate zuvor
Antwortet  Melissentee

Chancengleichheit hätten wir, wenn es für jedes Kind die geeignete Schulform gäbe, in der es wirklich individuell gefördert wird. Dazu passende Lehrkräfte, die für die passende Schulform auch ausgebildet sind, jeweils mit passenden Lehrwerken…. Oh halt…Hatten wir alles mal und wird seit einigen Jahren total verteufelt (außer in Bayern, wo noch immer die besten Ergebnisse bei Vergleichsarbeiten eingefahren werden…).

Dil Uhlenspiegel
3 Monate zuvor

Pffffff-ffft. So, alle Luft ist raus, toll gemacht.
Wünsche schöne Wochenendarbeit allerseits!
Und immer an die drei Versionen jeder Klassenarbeit denken.
Nachschreiber und so, wisst schon.
Emotionen, Frust und so, wisst schon.

PS: Neue gesucht.

Heika
3 Monate zuvor

Frust über ständige Misserfolge kann bei jedem zu einem Teuferlskreis führen. Einzelne Misserfolge können aber auch zu der Einsicht führen, dass man sich mehr anstrengen muss.

Ansonsten kann ich nur sagen, dass unterschiedliche Schulformen, gegliedert nach Lernniveau, individueller Begabung und Lernfähigkeit, die beste Voraussetzung für Erfolgserlebnisse sind. Es war und ist eine Sünde, das gegliederte Schulsystem abzuschaffen, damit die Kinder rein äußerlich gleich leistungsfähig aussehen und Eltern weniger begabter oder arbeitsamer Kinder bloß nicht befürchten müssen, dass auf sie selbst und ihre Kinder herabgeguckt würde.

Das soziale Ansehen spielt bei den Misserfolgen und „Teufelskreisen“ eine entscheidende Rolle. Mit Gesamt-, bzw. Gemeinschaftsschulen dagegen halten zu können, ohne Verluste am Lernnineau, an der Lernbereitschaft, den individuellen Leistungen und sogar dem Selbstwertgefühl der Kinder und Jugendlichen hinnehmen zu müssen, ist seit vielen Jahren ein bildungspolitischer Irrtum, wenn nicht sogar eine eitle Lüge ihrer Anhänger und Erfinder.

Nichts verschafft mehr Applaus und Ansehen, als sich ständig um die Not angeblich abgehängter, sozial ausgegrenzter, und überhaupt leidender Menschen zu kümmern und die eigene Person mit dem Glitzer demonstrativer Empathie und Wohltätigkeit zu schmücken.
Der Bildungsbereich ist zu einem Jahrmarkt persönlicher Eitelkeiten verkommen.

Und das zum Seelenheil der Kinder, obwohl sich die meisten in einem leistungsmäßig homogeneren Klassenverband viel wohler fühlen würden und keinem Teufelskreis mehr ausgeliefert wären?? Alle könnten auf ihrer Stufe der Lern- und Leistungsfähigkeit besser Schritt halten und müssten sich vom Lernstoff nicht abgehängt und ausgegrenzt fühlen.
Nur ein gegliedertes Schulsystem schafft Erleichterung und Abhilfe, nicht aber ein jahrzehntelanges Mehr an „Eine Schule für alle“, die keinem Kind und keinen Jugendlichen mehr gerecht wird-

Biri
3 Monate zuvor
Antwortet  Heika

Im Berufsleben gibt es auch Unterschiede und die meisten kennen in etwa ihre Grenzen und Möglichkeiten. Warum Kindern und Jugendlichen durch „eine Schule für alle“ etwas vormachen und ihnen eine gesellschaftliche Gleichstellung vorgaukeln, die es nicht gibt, außer in sozialistischen Versuchen, die kläglich an der Realität scheiterten.

A.J. Wiedenhammer
3 Monate zuvor

Ich fasse mal zusammen: Schüler mit höherem Leistungsniveau haben mehr positive und weniger negative Emotionen (in Bezug auf Unterricht und Schule, vermute ich) als Schüler mit schlechteren Leistungen.
Um es mit Loriot zu sagen: Saa-gen-haft!
Und nach ein paar Jahren zeigt sich: Tendenziell haben sich die Leistungen der Schüler in diesem Schema weiterentwickelt, also, wer anfangs hohe Leistungen zeigen konnte, kann es wahrscheinlich später auch noch. (Saa-gen-haft!)
Besonders für das letztere fiele mir noch eine naheliegende Erklärung ein, ganz abseits von irgendwelchen Emotionen….