Studie: Die Digitalisierung der Schulen geht am spezifischen Bedarf der Schulleitungen meist vorbei

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KÖLN. Dass auch Schulleitungen spezifische Bedarfe bei der Digitalisierung haben, um ihre Führungsaufgaben bewältigen zu können, wird noch immer (zu) oft übersehen. Dies zeigt die „Zukunftsstudie Schulmanagement 2023“.

Schulleiterinnen und Schulleiter müssen meist selbst sehen, wie sie digital klarkommen (Symbolfoto). Foto: Shutterstock

Die Digitalisierung der Schulen schreitet voran – allerdings kann von einem planvollen Vorgehen, das alle Bereiche von Schule erfasst, nach wie vor nicht die Rede sein. Dass neben Schülerinnen und Schülern und Lehrkräften auch Schulleitungen spezifischen IT-Bedarf haben, ist längst noch nicht überall angekommen. Dies kann als Fazit der „Zukunftsstudie Schulmanagement 2023“ stehen, die der Informationsdienstleister Wolters Kluwer nach 2022 bereits zum zweiten Mal unter Mitwirkung der renommierten Bildungsforscher:innen Prof. Kai Maaz, Prof. Mandy Schiefner-Rohs und Prof. Michael Schratz durchgeführt hat. Diesmal waren neben Schulleitungen auch Schulträger einbezogen.

Die Umfrage zeigt, dass Online-Angebote zur Information mit 73 Prozent (bei den Schulträgern sogar 92 Prozent) die meistgenutzte Informationsquelle sind, gefolgt von Zeitschriften/Fachartikeln (69 Prozent, bei den Schulträgern 58 Prozent) und Fortbildungen (66 Prozent, bei den Schulträgern nur 33 Prozent). Webseiten von Schulaufsicht, Schulträgern und staatlichen Institutionen (93 Prozent) sowie Suchmaschinen (87 Prozent, bei den Schulträgern 75 Prozent) sind die Spitzenreiter bei den digitalen Quellen und Zugängen, die in den letzten 12 Monaten zur fachlichen Information genutzt wurden. Portale von Informationsdienstleistern und Verlagen sind auf Platz drei emporgestiegen und werden von 57 Prozent der Schulleitungen und 58 Prozent der Schulträger genutzt. Im letzten Jahr nutzten noch zehn Prozent weniger solche Informationsportale. Dies lässt den Schluss zu, dass die Angebote immer besser und bekannter werden.

„Die Anschaffung von Infrastruktur zur Unterstützung von Leitungsaufgaben, die jährliche Zugangskosten erfordert, scheint generell ein Problem zu sein.“

Allerdings stellen die Forscher:innen auch fest, dass die Schulleitungen weitgehend auf sich allein gestellt sind, wenn es darum geht, digitale Medien für ihre Arbeit zu erschließen. „Die Einschätzung der Verfügbarkeit von Verwaltungstools und Recherchedatenbanken zu Themen des Schulrechts und Managementfragen hat sich im Vergleich zur letzten Befragung sogar in der Einschätzung der Befragten verschlechtert“, so erklären sie. „Die Anschaffung von Infrastruktur zur Unterstützung von Leitungsaufgaben, die jährliche Zugangskosten erfordert, scheint generell ein Problem zu sein. Daher erscheint es erstrebenswert, über Perspektiven nachzudenken, übergreifende Lösungen anzubieten, um die Schulleitungen in ihrer Tätigkeit diesbezüglich zu entlasten.“

Gefragt nach der Beurteilung der digitalen Ausstattung zur Unterstützung von Leitungsaufgaben bewerten Schulleiter:innen die Rechner für Schulleitung und Verwaltung noch mit „gut“. Erkennbar schlechter wird allerdings die Verfügbarkeit von brauchbaren Verwaltungstools (Durchschnittsnote: 3,4) und Recherchedatenbanken zu Recht und Schulmanagementthemen (Durchschnittsnote: 3,5) beurteilt.

Die Daten ließen zudem auf unterschiedliche Formen von Zusammenarbeit diesbezüglich zwischen Schulträgern und Schulleitungen schließen, so die Forschergruppe: „Einige der Schulträger bieten interne Fortbildungen an, um als Schulträger die Kompetenzen Ihrer Schulleitungen im Umgang mit digitalen Medien zu verbessern, andere sehen es nicht als ihre Aufgabe. Dieser Flickenteppich betrifft auch noch die professionelle Betreuung der digitalen Ausstattung, die in den meisten Fällen immer noch an den Schulen bei regulären Lehrpersonen oder bei Lehrpersonen mit spezifischen Aufgaben liegt. Dies ist, insbesondere in Zeiten des Lehrpersonenmangels, ein Zustand, der aus unserer Sicht dringenden Handlungsbedarf notwendig macht.“

Wo noch – neben der IT-Administration? Schulleitungen wünschen sich vor allem digitale Tools für die Aktenablage (64 Prozent), Terminkoordination und Aufgabenplanung (59 Prozent) sowie zur Beurteilung von Lehrkräften und Schüler:innen (58 Prozent). Im Bereich des Personalmanagements sind Personalgespräche und -beurteilungen (43 Prozent), Personalführung (35 Prozent) sowie Personalgewinnung und -auswahl (35 Prozent) laut Schulleiter:innen besonders zeit- und arbeitsintensiv. Sie wünschen sich, dass durch professionelle Personalmanagement-Tools vor allem die Verwaltung und Dokumentation von Fortbildungs- und Weiterbildungsmaßnahmen (70 Prozent) sowie Organisationsplanung (64 Prozent) entlastet werden. Die Umfrage verdeutlicht auch, dass viele Schulleitungen noch kein Personalmanagement-Tool (88 Prozent) verwenden, jedoch insgesamt fast 60 Prozent „sehr wahrscheinlich“ oder „wahrscheinlich“ eine Einführung erwägen.

Fazit der Wissenschaftler:innen: „Obwohl es für die Qualifizierung und Professionalisierung von schulischen Führungskräften (noch) keine bundesweit gültigen Vorgaben im Hinblick auf Führung und Digitalität gibt, bemühen sich aktive Schulleiter:innen individuell und kollektiv, sich den Herausforderungen digitaler Transformation im schulischen Alltag zu stellen.“

„Auch im eigenen Kollegium finden Schulleitungen in hohem Maß Anregungen“

Dabei verlassen sich Schulleitungen nicht darauf, Hilfe von oben zu bekommen. „Hier nimmt in ihren Aussagen der Austausch in persönlichen Netzwerken den höchsten Stellenwert ein: Das Nutzen kollektiven Know-hows in der Peergruppe erweist sich als sehr produktiv, da sich die unterschiedlichen Erfahrungen und das schulspezifische Know-how als zielführender Zugang zur Aneignung von Professionswissen erweisen. Aber auch im eigenen Kollegium finden Schulleitungen in hohem Maß Anregungen zur Verbesserung ihrer Fähigkeit im Umgang mit digitalen Medien, da es sich hierbei um überfachliches Know-how handelt, das in der Lehrerschaft in unterschiedlichen Ausprägungen vorhanden ist.“

Bei den Schulleitungen offensichtlich auch: Ihre eigene Anwendungskompetenz im Bereich digitaler Medien bewerten sie durchschnittlich mit einer Zwei (2,1). News4teachers

Den ausführlichen Studienbericht gibt es hier.

„Kurz vorm Burnout“: GEW zeigt sich über Belastung von Schulleitungen besorgt

 

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GriasDi
2 Monate zuvor

Zitat:
„Allerdings stellen die Forscher:innen auch fest, dass die Schulleitungen weitgehend auf sich allein gestellt sind, wenn es darum geht, digitale Medien für ihre Arbeit zu erschließen“

Wie alle andern Lehrkräfte auch. Warum? Weils nix kosten darf.

Dejott
2 Monate zuvor

Ist das nicht ein generelles Problem von Schule? Völlig am Bedarf vorbei.
Winzige Apple-Tablets ohne Software. Liegt bei mir im Schrank.
Spielgeräte auf dem Schulhof, mit denen niemand spielt.
Klassenräume, in denen man kein einziges Bild aufhängen kann.

Fräulein Rottenmeier
2 Monate zuvor

Jaaaaa….. das Problem ist ja vor allem, dass es ein pädagogisches Netzwerk gibt und eines für den Verwaltungsbereich, die natürlich voneinander getrennt sein müssen. Ich habe auf meinem Rechner alle wunderbaren Programme von Office bis Adobe in vollversion. Auf den Lehrertabletts ist all das natürlich nicht zu finden, so können nicht mal einfache Word Dokumente so geöffnet werden, dass nicht die ganze Formatierung zerschossen ist…..die Tabletts eignen sich maximal für den Unterricht, aber für den ganzen Kram drumherum ist sowas völlig ungeeignet…..

Lera
2 Monate zuvor

„Ich habe auf meinem Rechner alle wunderbaren Programme von Office bis Adobe in vollversion. Auf den Lehrertabletts ist all das natürlich nicht zu finden“

NATÜRLICH nicht.

Word-Dokumente und PDFs sind ja ganz klare Führungs-Aufgaben.

LOL.

Fräulein Rottenmeier
2 Monate zuvor
Antwortet  Lera

Bevor ich mich aufrege, frage ich doch noch mal nach, was Ihre Antwort bedeutet…..verstehe es nicht….

Lera
2 Monate zuvor

Die Antwort sollte mein Amüsement darüber ausdrücken, dass in Schulen Standard-Office-Tools wie MS Word im Jahr 2023 tatsächlich noch als „Privileg“ für „Führungspositionen“ gelten.

Fräulein Rottenmeier
2 Monate zuvor
Antwortet  Lera

Ja, da gehe ich absolut mit! Als wir noch mit Teams Arbeiten durften, hatten die Kolleginnen wenigstens die abgespeckte Version von Office. Da war kollaboratives arbeiten möglich. Jetzt mit dieser merkwürdigen Apple Version ist es gruselig….geht nicht….jedes Dokument runterladen, öffnen, bearbeiten, speichern und hochladen….da vergeht uns alles….
Jedes hochgeladen Office Dokument wird bis zur Unkenntlichkeit verunstaltet……
Der Schulträger würde uns die teams lizenz überlassen, ein Support muss aber die Schule übernehmen…..da gehe ich nicht mit….das ist unverschämt!

Dejott
2 Monate zuvor

Die Lehrertablets sind jedenfalls ziemlich gute Türstopper oder Briefbeschwerer.

Müllerin
2 Monate zuvor

Dieses hier verschlechtert auch den Ruf der Digitalisierung:
https://www.tagesschau.de/wirtschaft/verbraucher/internet-konzerne-design-tricks-100.html