Elternverband fordert nach Pisa-Debakel: Kein „Weiter so“ – Bildung neu denken!

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Nach dem starken Leistungsabfall deutscher Schülerinnen und Schüler bei der internationalen Vergleichsstudie Pisa hat der Bayerische Elternverband (BEV) schnelle und umfangreiche Konsequenzen gefordert. Nötig sei ein «Neudenken eines flexiblen, leistungsfähigen und chancengerechten Bildungssystems – von der frühkindlichen Bildung bis zum Hochschulabschluss». Es müsse sofort begonnen werden.

Absturz: Der aktuelle IQB-Viertklässler-Test ist schlechter ausgefallen als der von 2011. Illustration: Shutterstock
Absturz. Illustration: Shutterstock

«Ein „Weiter so!“ oder Aufschieben käme der bedingungslosen Kapitulation unserer Gesellschaft gegenüber Extremisten und Populisten gleich», sagte BEV-Landesvorsitzender Martin Löwe. Entgegen wohlklingenden Versicherungen in Sonntagsreden zeugten marode Schulbauten sowie fehlende Lehrkräfte und -mittel von tatsächlich geringer Wertschätzung der politisch Verantwortlichen gegenüber der allgemeinen Bildung.

Die natürliche Neugier und somit Lernlust sei dem Menschen angeboren. Die Hirnforschung bestätige, dass selbst Erarbeitetes und als nützlich Erfahrenes nachhaltiger gelernt werde. «Genau hierfür aber ist angesichts überfüllter Lehrpläne, mangelnder Ressourcen in unseren Schulen und gestresster Eltern zu wenig Platz», so Löwe. «So schaffen wir es, Kindern schon zu Beginn ihrer Schulkarriere die Lust am Lernen auszutreiben.»

Hinzu komme, dass Bildung bisher als Schlüssel für Wohlstand gegolten habe. Nun seien zunehmend Personen mit den höchsten Klickzahlen die Vorbilder für Jugendliche; etwa Influencer, die selbst noch ohne Schulabschluss scheinbar Millionen verdienen könnten. «Hier stellen sich Jugendliche zurecht die Frage, warum sie sich mit Schule herumquälen sollen, wenn sie auch ohne Bildungsabschluss reich oder berühmt werden könnten», sagte Löwe. Schule müsse plausibel die Frage beantworten können, wozu Bildung nötig und wie wichtig sie heutzutage noch sei. News4teachers / mit Material der dpa

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13 Kommentare
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GimmePopcorn
2 Monate zuvor

Auf die ultimative Fragen („Warum muss man überhaupt in die Schule?“/ „Wozu muss ich das lernen?“), antworte ich eigentlich immer das Gleiche.

Schule ist dazu da, damit Kinder/Jugendliche schneller denken lernen, damit sie, wenn ihnen später im Leben Probleme begegnen, in der Lage sind, jedes beliebige Problem von allen Seiten zu durchdenken. Schule lehrt sie die Grundlagen, um später schnell entscheiden zu können, ob ein Problem oder eine Aufgabe eine mathematische Lösung, eine biologische, eine geografische oder anders geartete Lösung benötigt und welche Kosequenz (z.B. moralisch) sich aus Lösung A, B oder C ergeben könnte.
Dazu brauchen sie ein gut vernetztes Gehirn, das in der Lage ist, Sachverhalte zu verknüpfen und eben ein breites Wissensfundament, auf das sie zurückgreifen können oder ihnen eben hilft, sich die nötigen Informationen zu besorgen.
Dann stellt sich gar nicht mehr die Frage, ob man den speziellen Stoff in einem Fach (z.B. Bruchrechnen, Konjugation, Weimarer Republik) später tatsächlich noch einmal wirklich braucht, denn jedes gelernte Bisschen hilft dem Gehirn schneller zu werden, besser zu denken und reagieren zu können.

Denjenigen unter den Schülern, die noch nicht ganz abgestumpft sind, reicht diese Erklärung eigentlich immer, um diese Frage(n) nie wieder zu stellen. 🙂

Canishine
2 Monate zuvor

Schule müsse plausibel die Frage beantworten können, wozu Bildung nötig und wie wichtig sie heutzutage noch sei.“
Wenn mich tatsächlich jemand fragt, hätte ich eine Antwort. Aber ob die junge, potenzielle Influencer-Millionäre überzeugt, weiß ich nicht.

GriasDi
2 Monate zuvor

Wenn mich jemand fragt, „Wozu brauche ich das?“, antworte ich „wofür brauchst du Fortnite?“

Lisa
2 Monate zuvor
Antwortet  GriasDi

“ Macht Spaß“

Müllerin
2 Monate zuvor

Aber hat man nicht schon nach Pisa 2000 alles „neu gedacht“? Die Reformen haben für eine ganze Dissertation mit 258 Seiten gereicht:
https://d-nb.info/1001346890/34
Vielleicht sollte der Elternverband die mal lesen, wenigstens die dortige „Einführung“ am Anfang.

Dil Uhlenspiegel
2 Monate zuvor

Wozu brauchen wir das?

Weiß ich auch nicht. Also weiter, hopp, sonst bleibt keine Zeit für den Film!

Dejott
2 Monate zuvor

Natürlich müssen wir Schule neu denken. Das passiert aber nie. Wir schauen in Parteibücher statt nach pädagogischen Erkenntnissen. Wollen alles besser, aber nichts ändern. Ersticken Schule in Bürokratie und wollen nicht wahrhaben, dass sich Kindheit verändert hat.
Wir schauen die Wirklichkeit nicht an und verschließen die Augen. Jeder Kultus wurschtelt für sich herum. Wenn wir keine Biolehrer mehr haben, macht’s irgendwann der Oberförster. Und derjenige, der Schreiben kann, macht Deutsch. Hauptsache die Zahlen stimmen und die Klassenbücher sind voll. Und wenn das nicht reicht, werfen wir die Schulen mit Geld zu. Bloß weiß keiner, was er jetzt damit soll.
Wir investieren fett in Digitalisierung. Kaufen winzige Tablets, die keiner braucht. Haben Hardware aber keine Software.
Kinder, die Probleme machen, schicken wir von Schule zu Schule. Geben ihnen schlechte Noten. Sitzenbleiben ist wichtig. Das hilft.
Und wenn die Ergebnisse katastrophal sind, verbieten wir das Gendern. Schule gerettet. Außerdem sind die Migranten Schuld. Und die Inklusion. Und Corona. Wer sonst?

Lisa
2 Monate zuvor

Etwas Wichtiges wird angesprochen: Zurück zum Wohlstandsversprechen durch Bildung also. Das hochpreisige Segment ( Haus, Eigentumswohnung, Elektroauto) muss bei einem guten Schulabschluss in ein paar Jahren wieder erreichbar sein.
Bei den Influenzern erwidere ich : “ Kennt ihr einen mit 40? Oder 50? Was macht ihr dann?“

Dil Uhlenspiegel
2 Monate zuvor
Antwortet  Lisa

Naja, es gibt etliche Influencer/Youtuber (auch Vollzeit) mit 40-50, i.d.R. knallharter Job, nur die liegen außerhalb der SuS-Algorithmus-Bubble.

Hausaufgabe: Viel mehr Youtube.

Englisch Freund
2 Monate zuvor

Ich stimme zu!!Kein „weiter so“….
Sondern ab der Grundschule nur noch Teaching for Testung…man kann nie früh genug damit beginnen für die Aufgabenformate bei Pisa zu üben
Alle Fächer streichen außer Mathe und Naturwissenschaften und ein bisschen Deutsch
Und wie andere Länder einfach die bildungsfernen Jugendliche vom Test fernhalten..
Und natürlich immer vergessen dass wir eine Jugendarbeitslosigkeit von 5,5% haben und seit Jahren damit spitze sind.
Am Ende geht’s nur um Pisa!!!

GriasDi
2 Monate zuvor

Wenn, dann sollten wir schauen, was Pisa-Siegerlnder besser machen. Und zwar im Unterricht, wie wird dort unterrichtet? Wieviele Stunden Unterricht haben die Kinder im Vergleich zu Deutschland? Wie groß sind die Klassen? Wieviele extra Förderstunden gibt es dort? Hinfahren schauen und kopieren. Bitte keine neuen Rezepte von Theoretikern und Bildungsfantasten.

GriasDi
2 Monate zuvor

Sollte Pisa-Siegerländer heißen.

Rolf
2 Monate zuvor

Immer weniger junge Menschen wollen Lehrer sein. Lehrer und Lehrerinnen sollen für Ruhe sorgen, Kindern gleichzeitig und gleichschnell das Gleiche beibringen, kontrollieren, vergleichen, bewerten. Kinder abfragen und benoten. Sowas nennt man Pädagogik (Kinder dazu bringen dass sie tun was man ihnen sagt) und Didaktik (belehren). Kinder lernen nicht in kleinen Schrittchen, nicht der Reihe nach, nicht gleichzeitig und schon gar nicht das Gleiche (Robischon 1985) Kinder müssen reden und sich bewegen. Wenn Kinder beim Lernen miteinander reden dürfen, ihre unendlich vielen Fragen stellen dürfen, experimentieren dürfen, Fehler machen dürfen und sie bearbeiten, ihre eigenen Lernwege finden dürfen, dann geht ihnen die Lernlust nicht aus. Sie bleiben neugierig auf Alles, sie lernen Alles was ihnen erreichbar ist. Sie begegnen denen die ihnen respektvoll begegnen mit Respekt. Sie sind geduldig und mitfühlend wenn man ihnen mit Geduld und Mitgefühl begegnet. Wenn Lehrer so sein dürften, würden viele junge Menschen Lehrer sein wollen. So verschleißt man nicht und freut sich jeden Tag auf die Schule. Genauso wie die Kinder und Jugendlichen. Schule würde keine Schäden anrichten, nicht krank machen und würde viel weniger Geld kosten. Im Kultusministerium wird über sowas nicht einmal nachgedacht. Und Lehrer glauben gar nicht dass sowas geht. Man hört davon ja auch nichts an der PÄDAGOGISCHEN Hochschule. Selbstorganisiertes kooperatives Lernen. Stattdessen gibts Ostereierpädagogik: Ostereier verstecken, Kinder hinführen und sich die Ostereier geben lassen. Dafür gibt es dann Punkte.