Ärztekammer fordert Erste-Hilfe-Kurse für alle Schüler ab der siebten Klasse

30

HANNOVER. Ein Leben zu retten, muss nicht schwierig sein. Jungen und Mädchen sollten Wiederbelebung regelmäßig üben, wünschen sich Mediziner für Schulen.

Schüler sollten flächendeckend in Erster Hilfe ausgebildet werden – meinen Ärzte. Foto: Shutterstock

Für alle Schülerinnen und Schüler sollte es ab der siebten Klasse Erste-Hilfe-Kurse in der Schule geben. Dies fordern unter anderem die Ärztekammer und die Johanniter-Unfall-Hilfe Niedersachsen. «Je mehr junge Menschen wir an Wiederbelebungs-Techniken heranführen, desto mehr Menschenleben können gerettet werden», sagte der Kinderarzt Thomas Buck aus Hannover. «Und das funktioniert nur, wenn Wiederbelebung im Lehrplan steht.» Buck gehört zum Vorstand der Ärztekammer Niedersachsen. In Deutschland sterben jährlich rund 70.000 Menschen an einem plötzlichen Herz-Kreislauf-Stillstand.

Die Techniken, die im Notfall Leben retten können, sind den Medizinern zufolge innerhalb weniger Schulstunden erlernbar. Zu ihnen zählen die Herzdruckmassage, die Atemspende sowie der Gebrauch von Defibrillatoren. Aus Sicht der Ärztekammer reichen die bisherigen Initiativen und Modellprojekte nicht aus, um flächendeckende und verlässliche Erste-Hilfe-Kompetenz bei Schülerinnen und Schülern zu etablieren.

«Indem wir gerade jungen Menschen mit gezielten Bildungsangeboten grundlegendes medizinisches Wissen vermitteln, können wir unser Gesundheitssystem nachhaltig und langfristig unterstützen», betonte die stellvertretende Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen, Marion Charlotte Renneberg. Die Delegierten der Kammerversammlung der Ärztekammer Niedersachsen verabschiedeten kürzlich einen entsprechenden Antrag einstimmig.

Auch der Hausärzteverband Niedersachsen sowie der Marburger Bund Niedersachsen fordern, Wiederbelebungsunterricht an Schulen einzuführen.

Die Johanniter-Unfall-Hilfe plädiert ebenfalls für verpflichtende Kurse ab der siebten Klasse. Die Johanniter hoffen, dadurch die Überlebensrate von Menschen, die einen Herz-Kreislauf-Stillstand erleiden, signifikant zu erhöhen. Andere Bundesländer wie Schleswig-Holstein, Bayern oder Thüringen hätten eine entsprechende Empfehlung der Kultusministerkonferenz aus dem Jahr 2014 bereits umgesetzt, hieß es im September.

Das niedersächsische Kultusministerium teilte auf Anfrage mit: «Aktuell ist eine verpflichtende Erste-Hilfe-Ausbildung aller Schülerinnen und Schüler in Niedersachsen nicht vorgesehen.» Es habe bereits Gespräche mit Hilfsorganisationen gegeben, «um auszuloten, wie man das Thema im Schulalltag noch fester verankern kann».

DRK: „Schule muss sicherer werden“ – Schüler sollen Erste Hilfe lernen

Anzeige


Info bei neuen Kommentaren
Benachrichtige mich bei

30 Kommentare
Älteste
Neuste Oft bewertet
Inline Feedbacks
View all comments
potschemutschka
6 Monate zuvor

Zu meiner Schulzeit (DDR, 70er Jahre) gab es an meiner Schule eine Arbeitsgemeinschaft „Junge Sanitäter“, nachmittags alle 2 Wochen, wenn ich mich recht erinnere. Es gab auch einmal im Jahr „Wettkämpfe“ der jungen Sanitäter auf Kreis- und Bezirksebene. Das wurde damals, glaube ich, vom DRK organisiert. Mir hat das viel Spaß gemacht und auch im späteren Leben so manches Mal geholfen.

A.M.
6 Monate zuvor
Antwortet  potschemutschka

Der entsprechende verpflichtende Unterricht soll allerdings nicht stattfinden, damit Kinder Spaß haben. Sie sollen etwas lernen und solange die Erwachsenen nicht ausgestorben sind oder selbst ausnahmslos Erste-Hilfe-Kurse besucht haben, stellt sich mir die Frage, mit welchem Recht Kindern dieses Wissen „eingetrichtert“ werden soll. Reicht es nicht mehr, wenn Kinder Notfallnummern kennen und wissen, dass sie Erwachsene zur Hilfe rufen können?

Kann man nicht abwarten, bis Kinder, Jugendliche und Erwachsene sich aus Überzeugung zu einem Kurs in erster Hilfe anmelden? Es ist doch nicht so, dass Kinder bei uns ständig mit Notfällen konfrontiert würden.

Lisa
6 Monate zuvor
Antwortet  A.M.

Spätestens vor dem Führerschein tun sie es.

A.M.
6 Monate zuvor
Antwortet  Lisa

Und wenn man sich vor Augen hält, dass an Straßenverkehrsunfällen nicht selten Schaulustige Bilder machen anstatt aktiv zu helfen und Platz für den Notarzt zu machen, könnte man auch auf den Gedanken kommen, dass es vielleicht sinnvoller sein könnte, Erwachsene wiederholt zu Besuchen von Kursen in Erste Hilfe aufzufordern. – Entsprechende Kurse könnten gern auch für mehrere Familien zusammen stattfinden. (Gern als freiwilliges Angebot. Und für die Empfänger von Unterstützungsleistungen kostenlos.)

potschemutschka
6 Monate zuvor
Antwortet  A.M.

Damals war es nicht verpflichtend, sondern freiwillig (AG) und gelernt haben wir da freiwillig UND mit Spaß. Soll der Unterricht heutzutage nicht genau so sein? Aber Sie haben recht, als Unterrichtspflichtfach sehe ich das auch nicht. Übrigens lernen auch heute manche Kinder freiwillig 1. Hilfe am Nachmittag, wenn sie z. B. bei der Jugendfeuerwehr aktiv sind.

A.M.
6 Monate zuvor
Antwortet  potschemutschka

Eben! Die Freiwilligkeit ist es, was aus dem eigenen Engagement etwas Besonderes macht! Die Jugend zeigt doch, dass sie sich Natur, Tierschutz, den Klimaschutz und noch vieles mehr interessiert. In den Flutgebieten haben enorm viele junge Menschen spontan geholfen.
Sie wollen in selbst gewählten Gruppen aktiv werden und gemeinsam an einer Aufgabe dranbleiben!

Lanayah
6 Monate zuvor

Finde ich super, wenn Profis in die Schule kommen und das mit den Kindern machen.

TaMu
6 Monate zuvor
Antwortet  Lanayah

Unbedingt!
Und dabei ist es für das DRK und die anderen Organisationen bereits schwierig, genügend Personal für die verpflichtenden Kurse bereit zu stellen.
Da muss vermutlich richtig Geld in die Hand genommen werden, um die Profis auch angemessen zu bezahlen, wenn diese an Schulen stundenweise unterrichten.

Michaela Sparrer
6 Monate zuvor
Antwortet  TaMu

Dafür werden in Bayern bspw. Lehrkräfte zu EH-Ausbildern ausgebildet und können dann genau das übernehmen.

Paul Wellmann
6 Monate zuvor
Antwortet  Michaela Sparrer

Und die Lehrer sind dann dafür verantwortlich und haftbar, dass das dann auch noch alles korrekt ist bzw. angewendet wird? Von Minderjährigen?
Mit mir nicht!

A.M.
6 Monate zuvor
Antwortet  Paul Wellmann

Sind Sie da nicht ein bisschen überängstlich? Es werden vermutlich Anleitungen für die Lehrer sowie Blätter und Ankreuzbögen für die Schüler ausgeteilt werden, Und wenn es dann noch am Ende einen Test gibt und an alle Schüler die entsprechende Urkunde verteilt wird, kann ihnen wirklich nichts passieren.

Hans Hoffmann
6 Monate zuvor

Die Ärztekammer darf gerne (Ferien)kurse organisieren. Ich gebe die Infoflyer dann an die Schüler weiter.

Manni
6 Monate zuvor
Antwortet  Hans Hoffmann

Man könnte die Ferien um die Zeit für diesen Kurs kürzen.

Hans Malz
6 Monate zuvor
Antwortet  Hans Hoffmann

In der letzten Schulwoche vor den Sommerferien kommen dann die ganzen Ärtzte und Sanis in alle Schulen und wuppen das. Ich führe dann auch gerne Aufsicht.

Paul Wellmann
6 Monate zuvor
Antwortet  Hans Malz

Ich nicht.

Canishine
6 Monate zuvor

Ergänzend dazu vielleicht Erste-Hilfe-Kursen für Patientinnen und Patienten ab 12 Jahren?

Idee
6 Monate zuvor

Die Idee ist im Prinzip gut. Jede Schule bekommt einen festangestellten Schulsanitäter mit den Aufgaben:

  • regelmäßige Erste-Hilfe-Schulung für das gesamte Schulpersonal
  • Erste-Hilfe-Schulung für SuS in (sagen wir) JG7 und JG10
  • Leitung der Schulsanitäter AG
  • medizinische Erstversorgung in der Schule (z.B. Bauchschmerzen, Kopfschmerzen. Sturzverletzungen/ Schürfwunden etc.)
  • regelmäßige Einbindung in Unterricht, z.B. Thema Drogen, Missbrauch, Gesunheit, etc. (da fällt einem ja spontan viel zu ein)
  • Beratung von SuS und Schulpersonal sowie Elterngespräche (falls sinnvoll)
  • ggf. Impfungen in der Schule (zumindest als Angebot (und rechtlich durch die Behörde klar geregelt))
  • ggf. (falls noch Zeit übrig ist) Erste-Hilfe-Schulung für Eltern

Was fällt euch noch ein?

Dil Uhlenspiegel
6 Monate zuvor
Antwortet  Idee
A.M.
6 Monate zuvor
Antwortet  Dil Uhlenspiegel

Prädikat „mangelhaft“ für dieses unsystematische Projekt! Zwar prangt ein Button „Jedes Kind zählt“ auf dem Flyer, aber da hat man doch glatt die Fußpflege für die Kids vergessen. Eingewachsene Zehennägel – ein echtes Problem! Kinder bestehen jedoch nicht nur aus Kopf und Bauch! Auch an die Zehenspitzen muss gedacht werden.

Und das werden Elternverbände zu Recht beanstanden: Am Ende des Heftchens fehlt der Gutschein für sie, dass sie ihr Kind 12 mal im Jahr krank zur Schule bringen können. (Kita am besten noch öfter.)

Die verbandelten Kinderärzte können doch nach den besonders hohen Krankenständern der letzten Zeit unmöglich bis zum Sankt Nimmerleinstag verkünden, dass lediglich zehn bis zwölf Infekte pro Kind und Kindergartenjahr „normal“ seien.

A.M.
6 Monate zuvor
Antwortet  Idee

Schwangerschaftstests an allen weiterführenden Schulen!!! (Und an bestimmten Grundschulen vielleicht auch…)
Man kann ja so viel tun, um jede Ursache einer Übelkeit auszutesten.

TaMu
6 Monate zuvor
Antwortet  Idee

Perfekte Aufzählung und richtig guter Vollzeitjob bei angemessener Bezahlung!

Bla
6 Monate zuvor
Antwortet  Idee

Das wäre ja ein Schritt weiter zu … Multiprofessionellen Teams.
Kostet zu viel.
Gut, dass wir darüber gesprochen haben. Danke.

potschemutschka
6 Monate zuvor
Antwortet  Idee

Da gab es doch vor wenigen Jahren mal ein Projekt mit Schulkrankenschwestern in Brandenburg. War, so weit ich weiß, ein Erfolg, wurde aber aus Geldmangel wieder eingestampft.

Hans Malz
6 Monate zuvor
Antwortet  Idee

Eine laminierte Handreichung für alle Kollegen sollte doch wohl reichen.

A.M.
6 Monate zuvor

In Bayern, im Kindergarten Wurzel Purzel haben die Kinder aber schon viel früher damit angefangen, zu üben, wie man Leben retten kann. https://www.zeit.de/wissen/2018-10/erste-hilfe-kinder-rotes-kreuz-kurs-ersthelfer-notfall Die Ärztekammer kommt ziemlich spät mit ihrer Forderung…

Wie wäre es, alle G-Themen – egal ob Gesundheitsfragen oder Gendern – dem Schulfach Religion gleichzusetzen? Ab 14 Jahren dürften die Schüler dann allerdings selbst entscheiden, ob sie sich in den für Seelenheil und Sozialkompetenz wichtigen Fächern unterrichten lassen wollen.

Warum diese Anhäufung von immer mehr Unterrichtsinhalten und der Trend, sie zum verpflichtenden Schulstoff erklären zu wollen? Wer möchte, sollte die Chance haben, Erste Hilfe und Wiederbelebung zu erlernen. Wer nicht, lässt es. Ansonsten läuft es am Ende noch darauf hinaus, dass die junge Generation später ein soziales Jahr in der Pflege absolvieren muss.

Ist Freiheit eingentlich noch ein hohes Gut oder war sie es mal?

Konfutse
6 Monate zuvor

Wie wäre es denn, wenn alle Ärzte aller Arztpraxen am Mittwoch Nachmittag für alle Schüler ab der 7. Klasse gratis Erste-Hilfe-Kurse anbieten würden? Haben die HerrenundDamen Ärztekammer mal darüber nachgedacht? Wäre doch auch mal eine schicke Idee. Dann würde das Spezialwissen von Spezialisten vermittelt werden. Winwin, würde ich sagen.

Elma283
6 Monate zuvor

In Klasse 7 sind die Kinder 12 Jahre! Das sind Kinder die teilweise noch mit Playmobil etc. spielen. Wieso reicht es nicht, wenn sie wissen wie man Hilfe holt? Wieso sollen Kinder mit diesen Angst machenden Dingen wie Wiederbelebung konfrontiert werden und sie auch noch durchführen? Freiwilliges Angebot, aber verpflichtend geht gar nicht. Da würde ich mein Kind nicht teilnehmen lassen.
Das gewünschte Konstrukt der Ärztekammer wird aber sowieso nicht kommen, weil die Schulen gravierendere Probleme als einen fehlenden Wiederbelebungsunterricht haben.

Michaela Sparrer
6 Monate zuvor
Antwortet  Elma283

„Angstmachend“… Lebensnotwendiger geht ja fast nicht.
1. Sind unsere 7.Klässler bereits begeistert dabei. Sie fragen sogar schon, wann sie das endlich lernen dürfen. Kommt halt auch darauf an, WIE man das vermittelt.
2. Lernen die Kinder weit mehr als „nur“ Wiederbelebung. Sie lernen auf viele alltägliche Verletzungen zu reagieren. Wenn das nicht zur Alltagskompetenz gehört, weiß ich es auch nicht mehr.
3. Es spricht Bände, dass Sie aufgrund persönlicher Grenzen Ihrem Kind etwas verwehren, was zum einen anderen Menschen helfen könnte und zum anderen vielleicht sogar seinen Horizont erweitern könnte (woher wissen Sie, dass seine Grenzen die gleichen sind?)

Elma283
1 Monat zuvor
Antwortet  Michaela Sparrer

Ich glaube nicht, dass sie meine persönlichen Grenzen und die meines Kindes einschätzen können. Im übrigen sollte man als Eltern aber seine Kinder kennen und wissen was man ihnen zumuten kann. Jedes Kind ist anders und eine Freiwilligkeit sollte gegeben sein und keine Pflicht.

Lisa
6 Monate zuvor

Fände ich gut. Wenn die Damen und Herren von der Ärztekammer den Kurs anbieten, bin ich gerne mit dabei.