Lehrerverbandschef Düll kritisiert Söders Forderung nach weniger Teilzeit im Schuldienst

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Der Deutsche Lehrerverband sieht den Vorschlag von CSU-Chef Markus Söder, im Kampf gegen Lehrermangel Teilzeitmöglichkeiten für Lehrkräfte zu beschränken, kritisch. «Würde der Ministerpräsident die Teilzeitregelungen pauschal einschränken, könnte er damit vielleicht kurzfristig etwas herausholen, aber auf lange Sicht wird diese Strategie wenig Erfolg haben», sagte Verbandspräsident Stefan Düll der «Augsburger Allgemeinen». 

Warnt vor kontraproduktiven Folgen: Stefan Düll, Präsident des Deutschen Lehrerverbands. Foto: Deutscher Lehrerverband / Andreas Gebert

Söder hatte in Zeiten des Lehrermangels ins Spiel gebracht, die in Bayern besonders hohe Quote der Teilzeitarbeit an Schulen zu reduzieren. Hier arbeiten nach Angaben des Statistischen Bundesamtes rund 45 Prozent der Lehrkräfte nicht Vollzeit.

«Viele Lehrkräfte ergreifen den Beruf nicht allein um seiner selbst willen, sondern auch im Hinblick auf die besondere Arbeitszeitflexibilität», sagte Düll. Er verwies auch auf Lehrkräfte, die aus Gesundheitsgründen weniger arbeiteten, und warnte davor, dass die Pläne kontraproduktiv wirken könnten. «Ich befürchte, dass pauschale Teilzeitkürzungen viele gesundheitlich angeschlagene Lehrkräfte dazu bringen werden, sich vom Amtsarzt auf Teildienstunfähigkeit untersuchen zu lassen», so Düll.

Lehrerverbände fordern stattdessen freiwillige Anreize zum Aufstocken der Stundenzahl und Entlastungen der Lehrkräfte an anderer Stelle, etwa bei der Bürokratie und bei unterrichtsfremden Aufgaben. Auch Bayerns Kultusministerin Anna Stolz (Freie Wähler) will gegen die angespannte Personallage verschiedene Maßnahmen prüfen. «Dabei gibt es für mich nicht den einen Lösungsansatz», sagte die Ministerin der Zeitung. News4teachers / mit Material der dpa

Sparpläne: Söder will 5000 Verwaltungsstellen streichen – und Lehrer-Teilzeit eindämmen!

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4 Kommentare
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Wie immer
12 Tage zuvor

Wenn alle Lehrer an unserer 3-4 zügigen Grundschule Vollzeit arbeiten würden (was eh nie passieren wird), bräuchten wir trotzdem genauso viele Lehrer wie jetzt oder die Kollegen müssten 2 Klassen als Klassenlehrer übernehmen, was meiner Meinung nach eine totale Überforderung wäre. Diese ganzen Forderungen nach mehr Vollzeit sind nicht weitsichtig genug und an der Praxis vorbei.

Lera
12 Tage zuvor

Also das mit weniger Teilzeit find ich echt gar nicht mal so OK, Leute. Das wär echt knorke, wann man da noch mal drüber nachdenkt, mkay? Aber no offense, kein Stress, ich wollte das nur mal so ganz unverbindlich in den Raum stellen und mal schauen, ob ich die nicht vorhandene Resonanz auf meine bisherigen PR-Versuche vielleicht noch unterbieten kann. Alle acht Wochen soll ich ja eine Pressemeldung verschicken, steht im PR-Leitfaden „Die Kunst, leise nichts zu sagen“, den einer meiner Vorgänger (Alois Kraxelhuber, selbstredend Direktor eines bayerischen Gymnasiums) 1973 entwickelt hat.

kanndochnichtwahrsein
11 Tage zuvor

Nee, ich denke, das ist falsch gedacht:
Es braucht MEHR Teilzeitmöglichkeiten zu realistischen Bedingungen, damit die Leute möglichst lange bleiben!

Unter realistisch verstehe ich:
Altersteilzeit, die mehr ist als eine Alibi-Entlastungsstunde… Teilzeit, die nicht durch Springstunden und andere Präsenzzeiten aufgefressen und ad absurdum geführt wird (eigentlich spart nur der Staat Geld, nicht der Lehrer Energie!)… individuelle und flexible Lösungen mit z.B. anderen Aufgaben gegen weniger Unterricht… Homeoffice soweit möglich (digitale Konferenzen und Dienstbesprechungen können wir jetzt alle – bringt nur nichts, wenn die Zeit zwischen Unterricht und Konferenz so kurz ist, dass alle Auswärtigen am Ende hinterm Rechner in der Schule sitzen)… komprimierte Zeiten… freie Tage/Halbtage… echte Erholungszeiten statt jahrein jahraus durchgearbeitete Wochenenden und Ferien…

Die KM könnten z.B. Topfstunden für ältere Kollegen einführen; wer Topfstunden haben will, macht weniger Unterricht und bekommt dafür andere Aufgaben, die er möglichst im Homeoffice erledigen kann.

Am Ende brauchen wir einfach viel mehr Kollegen.
Die Arbeit ist anders als vor 50 Jahren.
DEN Job kann kaum einer 40 Jahre lang mit Volldampf durchhalten!

Früher haben Lehrer mehrheitlich am Schulort gewohnt (Residenzpflicht – ist lange her…).
Man ging gegen Mittag nach Hause, konnte sich erholen, dann die Schreibtischarbeit machen – oder umgekehrt.
Heute kommen für viele Kollegen locker nochmal 2 und mehr Stunden Fahrtzeit pro Tag obendrauf. Ältere Kollegen haben auch damit irgendwann ein Problem. Der Tag fängt mit Stress auf der Piste an, immer mehr Verkehr, Staus, Schlechtwetter (ja, auch das ist irgendwann – auch wenn man sich eigentlich fit fühlt – dann doch anstrengender als früher), Baustellen ohne Ende und obendrein der Druck, dass KEINE Reserve mehr da ist, falls man selbst im Verkehr steckenbleibt.

Ich weiß nicht, wie die neu ausgebildeten Kollegen mit Masterabschluss heute tatsächlich auf dem übrigen Arbeitsmarkt gefragt sind. Der Master wurde mal eingeführt, damit die Abschlüsse vergleichbar, der Einsatz der Arbeitnehmer flexibler ist. Gilt das auch für die Lehrer? Der eine oder andere Naturwissenschaftler, Mathematiker etc. hat sicherlich heute bessere Chancen als in den 80igern/90igern, außerhalb des Schuldienstes einen adäuquaten Arbeitsplatz zu finden.
Viele junge Kollegen werden das früher oder später versuchen.

Ich meine, all diese Bedingungen müssten die KM einkalkulieren und berücksichtigen, wenn sie ihre Leute möglichst lange halten wollen.
„Lehrer“ macht man nicht mal eben nebenbei.
Das bleibt nicht in den Klamotten stecken.
Und komme mir bitte keiner mit ’nem Spruch, man müsse halt für die eigene Resilienz sorgen, mal Yoga machen oder sonst einen Sch…
Solche Empfehlungen – zumal von den Dienstherren/damen – empfinde ich als respektlos, anmaßend, ahnungslos, grenzenlos naiv…

Sepp
16 Stunden zuvor

Im Endeffekt biete ich als Arbeitnehmer doch eine gewisse Arbeitsleistung an und bekomme dafür eine bestimmte Bezahlung. Wenn ich – übergangsweise oder auch dauerhaft – weniger arbeiten möchte, so ist das möglich, dafür bekomme ich entsprechend weniger Geld.

Dabei sollte es keine Rolle spielen, ob jemand Kinder oder ältere Angehörige pflegt, mehr Zeit für andere Projekte haben will o.ä. Wenn dieses Recht auf Teilzeit eingeschränkt wird, wird der Arbeitgeber natürlich unattraktiver für (zukunftige) Arbeitnehmer.

Tatsächlich finde ich, dass Teilzeit jetzt schon gewisse Nachteile hat:
Ich kann z.B. die halbe Anzahl an reinen Unterrichtsstunden haben, bekommt entsprechend weniger Geld. Aber bestimmte Aufgaben (Dienstbesprechungen, Konferenzen, Elternsprechtage, Infotage, Ausflüge, Klassenfahrten usw.) macht man dennoch Vollzeit mit, auch wenn diese formal teilbar wären.