Prien will „passgenaue Förderung“ an Schulen: Inklusion stärken, Ganztag ausbauen

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KIEL. Die Inklusion an Schulen soll durch mehr Personal und einheitliche Diagnosestandards zum Ermitteln des Förderbedarfs besser werden. Für die Ganztagsförderung wird hingegen noch ein Konzept erarbeitet. Dies kündigte die Bildungsministerin von Schleswig-Holstein an.

«Passgenaue Unterstützung anbieten»: Karin Prien. Foto: Bildungsministerium Schleswig-Holstein

Nach Ansicht der schleswig-holsteinischen Bildungsministerin Karin Prien soll nicht nur die Inklusion an Schulen nachhaltig gestärkt, sondern auch die Förderung der Ganztagsangebote ausgebaut werden. «Um Kindern ihre schulische Bildung und einen erfolgreichen Bildungsweg zu ermöglichen, ist es erforderlich, frühzeitig und, das sage ich bewusst, auch früher als bisher, passgenaue Unterstützung anzubieten», sagte die CDU-Politikerin am Freitag im Kieler Landtag.

Dafür sollen die Diagnosestandards, die den sonderpädagogischen Förderbedarf feststellen, landesweit vereinheitlicht und vergleichbar gemacht werden. Die Standards sollen ab dem Schuljahr 2024/25 eingeführt und dann die Effekte untersucht werden.

Weiter sagte Prien, ebenso müsse weiteres Personal zur Unterstützung der Lehrkräfte an Förderzentren gewonnen und dauerhaft gebunden werden. Zudem sollten ergänzende Ganztags- und Betreuungsangebote eine pädagogische Einheit mit der Schule am Vormittag darstellen.

Um darüber hinaus die Qualität der Ganztagsangebote zu verbessern, wolle das Bildungsministerium zum Jahresende einen Entwurf eines Rahmenkonzeptes vorlegen. «Auf dem Weg dorthin stimmen wir uns eng mit den Partnern des Ganztags ab», betonte Prien. Auch sollen etwa Erfahrungen aus anderen Bundesländern und eine qualitative Erhebung der Fachhochschule Kiel berücksichtigt werden – dies brauche allerdings Zeit.

Zur Förderung der Ganztagsangebote erklärte Prien: «Wir als Land halten unsere Zusage ein, zusätzlich zu den Bundesmitteln nicht nur die 30 Prozent Landesmittel, sondern darüber hinaus bis zu 52,5 Millionen Euro für die Investitionen in Ganztagsplätze an Grundschulen bereitzustellen.»

Der Grünen-Abgeordnete Malte Krüger sagte: «Der Ausbau ganztägiger Bildungs- und Betreuungsangebote im Bereich des Sports, der kulturellen Bildung und weitere außerschulische Aktivitäten ist zentral für das Gelingen des Ganztagsanspruchs.» Daher sprach er sich für die Einbindung verschiedener Partner wie etwa Träger der Jugendhilfe, Sportvereine und kulturelle Einrichtungen aus.

FDP-Fraktionschef Christopher Vogt kritisierte, dass Schleswig-Holstein beim Ganztagsausbau im bundesweiten Vergleich nicht gut dastehe. Die Kommunen warteten auf Entscheidungen aus Kiel, etwa auf die Frage, welches Personal für welche Aufgabe zuständig und welche Bedarfe, Erwartungen und Anforderungen es beim Ganztag geben soll.  Seiner Ansicht nach, brauche es endlich ein Konzept mit klaren Zielen, Verantwortlichkeiten, Standards und Zeitplänen – wobei Eltern, Kommunen und Verbände einbezogen werden müssen.

Das Land dürfe die Kommunen und Schulträger nicht mit der «Mammutaufgabe» der schulischen Ganztagsbetreuung alleine lassen, erklärte SSW-Politikerin Jette Waldinger-Thiering. Deshalb verwundere es sie, dass erst am Ende des Jahres ein Konzept vorgelegt werden soll – denn 2026 komme zügig. Daher hoffe sie, dass mit dem Konzept und der Integration von Kultur und Sport ein guter Ganztag für die Schülerinnen und Schüler hinbekommen wird.

Die SPD-Fraktion warf der schwarz-grünen Landesregierung hingegen beim Thema der schulischen Inklusion vor, ein Menschenrecht zu vernachlässigen. Unter der Verantwortung der CDU sei die Exklusionsquote in den vergangenen Jahren angestiegen, betonte SPD-Bildungspolitiker Martin Habersaat. Die Exklusionsquote gibt laut Bertelsmann Stiftung an, wie hoch unter allen Schülerinnen und Schülern der Anteil ist, der an Förderschulen unterrichtet wird. News4teachers / mit Material der dpa

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25 Kommentare
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Unfassbar
1 Monat zuvor

Wie werden eigentlich die Kinder gefördert, für die eine Inklusion an einer Regelschule und der Ganztag nicht passgenau ist? Ich frage für die Mehrheit der Kinder, weil der Ganztag eher aus der Not geboren ist aufgrund der Arbeitsverpflichtung der Eltern.

DerechteNorden
1 Monat zuvor
Antwortet  Unfassbar

Es soll viele Menschenvgeben, die freiwillig arbeiten.

Unfassbar
1 Monat zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Ob das auch für Supermarktpersonal gilt?

SchadeMarmelade
1 Monat zuvor
Antwortet  Unfassbar

Ja klar. Wirtschaft und Politik vermitteln uns doch permanent mit Hilfe sämtlicher Medien wie unheimlich erfüllend es ist zu arbeiten.
Das ist ja nicht weil wir das Geld brauchen. Es ist zur Selbstverwirklichung. Insbesondere Eltern sind ja oftmals extrem unzufrieden wenn sie zuhause ihrem Nachwuchs beim Aufwachsen zugucken können.

Unfassbar
1 Monat zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Mag sein, nur sollte man bei der Prioritätensetzung meiner Meinung nach das Kind auf die Nummer 1, alles andere mit Abstand dahinter setzen. Wenn bei einem Paar beide gerne und viel arbeiten, dann ist ein Kind eher suboptimal. Zum Glück schaltet bei den meisten Menschen mit der Schwangerschaft ein Schalter um, der das Kind vor die Arbeit setzt.

Marc
1 Monat zuvor
Antwortet  Unfassbar

Nur müssen heute nunmal Beide Vollzeit arbeiten wenn man gerne Eigentum, Urlaub und Auto hätte.

Unfassbar
1 Monat zuvor
Antwortet  Marc

Das ist aber nicht freiwillig im Sinne von DerechteNorden, sondern die Arbeitsverpflichtung in meinem Sinne.

Riesenzwerg
1 Monat zuvor
Antwortet  Marc

Darunter sollten aber keine Kinder leiden müssen.

DSS sind die wirtschaftlichen Luxuswünsche der Eltern.

Susi
1 Monat zuvor
Antwortet  Unfassbar

Gar nicht! Kein Personal- sorry

DerechteNorden
1 Monat zuvor

„Der Grünen-Abgeordnete Malte Krüger sagte: «Der Ausbau ganztägiger Bildungs- und Betreuungsangebote im Bereich des Sports, der kulturellen Bildung und weitere außerschulische Aktivitäten ist zentral für das Gelingen des Ganztagsanspruchs.» Daher sprach er sich für die Einbindung verschiedener Partner wie etwa Träger der Jugendhilfe, Sportvereine und kulturelle Einrichtungen aus.“

Jepp, so muss Ganztag!

Unfassbar
1 Monat zuvor
Antwortet  DerechteNorden

So war das aber auch schon vorher. Vormittags Schule, nachmittags Verein. Der Unterschied ist jetzt nur die Verpflichtung und die Weigerung des Landes, die Kosten zu übernehmen.

DerechteNorden
1 Monat zuvor
Antwortet  Unfassbar

? Bei uns ist am Nachmittag Unterricht.

Marc
1 Monat zuvor
Antwortet  DerechteNorden

In wie weit Kinder ihren Nachmittag gestalten, sollte eigentlich Sache der Familie sein. So wie es früher mal war.

DerechteNorden
1 Monat zuvor
Antwortet  Marc

? Die Eltern entscheiden doch aber.

Achin
1 Monat zuvor

Selbstverständlich bemühen wir Lehrer*innen uns, Kinder und Jugendliche bestmöglich vor dem Hintergrund der konkreten Rahmenbedingungen zu fördern.

Marketing-Vokabeln wie „passgenau“, „optimal“ oder „individuell“ sind aber Teil des Problems, nicht der Lösung. Sie suggerieren etwas, was in der kleinteiligen Praxis nicht einzulösen ist.

Lisa
1 Monat zuvor

Da wird zweierlei gemischt. Förderung und Betreuung, weil die Eltern arbeiten müssen. Im übrigen habe ich beste Erfahrungen mit Förderschulen gemacht, die offen arbeiten, also wo die Schüler auf eine Gesa wechseln können und ungekehrt. Auf Grund der in kleinsten Gruppen gelernten Arbeitshaltung schrieben einige Förderschüler sogar besseren Noten als ihre intellektuell begabteren Mitschüler.

Unfassbar
1 Monat zuvor
Antwortet  Lisa

An den Regelschulen geht es mehr um Betreuung oder die noch günstigere Schwester, die Aufsicht.

SonderBar
1 Monat zuvor
Antwortet  Unfassbar

Aufbewahrung…

kanndochnichtwahrsein
1 Monat zuvor

Ganztag, so wie er in vielen Bundesländer bereits realisiert wird, ist m.E.
a) personell nicht abdeckbar, ohne Lehrkräfte auszubrennen
b) nicht kindgerecht, weil mit der heißen Nadel gestrickt und ohne ausreichende Ressourcen

Ganztagsangebote ja, aber kein Pflichtganztag!

Lang nicht alle Eltern wollen ihre Kinder bis 16 Uhr in die Schule schicken.
Warum müssen sie es?
Lang nicht alle Kinder möchten in der Schule aufbewahrt und zwangsbespaßt werden.
Warum dürfen sie nicht nach dem eigentlichen Unterricht ein eigenes Leben haben?

Für den Unterricht ist kaum genug Personal da, für Differenzierung und individuelle Förderung ganz zu schweigen.
Statt sich darauf zu konzentrieren, werden Lehrkräfte für den Ganztag verbraucht – im doppelten Wortsinn und auch im Hinblick auf einen dadurch zerrissenen Arbeitstag ohne die Chance, nachmittags wirklich konzentriert qualitativ gute Nach-/Vorbereitung zu leisten.

Ich wünsche mir guten, konzentrierten Unterricht (je nach Alter bis 12/13/14 Uhr) und danach Angebote für Kinder, die sonst alleine zu Hause wären, um die sich keiner kümmern kann, die sich (noch) nicht gut alleine sinnvoll beschäftigen können, die nicht alleine lernen können/Hausaufgaben machen können oder wollen, die kein Geld für Sportvereine etc. haben.
Dazu braucht es aber nicht zwingend Lehrpersonal. Das können auch andere! (Heißt selbstverständlich nicht, dass da wahllos irgendwer eingesetzt werden sollte…)

vhh
1 Monat zuvor

Es ist wie in jedem anderen Bundesland: Man beschließt, man findet sogar etwas Geld, man weiß um und bedauert den Personalmangel, dann stellt man sich vor, wie alles in einer idealen Welt perfekt ineinander greift. Als letzten Schritt zur Problemlösung bitte Augen schließen und weiter an diese Welt glauben, die Realität ist zu häßlich. Sie ändert sich auch nicht durch Rahmenkonzepte, qualitative Erhebungen und Diagnosestandards. ‚Wir reden mit den Partnern des Ganztags‘ – schön, die haben bestimmt auch Konzepte. Kommunen und Schulträger werden berücksichtigt, bravo. Hat mal irgendwer die Leute vor Ort -Lehrkräfte, Erzieherinnen- gefragt, wie es besser wäre, was man ändern sollte?
Wenn ein Kind sich mit vier Jahren hinter seiner Hand versteckt, ist das normal. Es ist auch schön, wenn erwachsene Menschen noch spielen können. Aber muss man diesen Menschen, die ihre Probleme wegträumen können, unbedingt Verantwortung geben?

Michael Felten
1 Monat zuvor

Ja, man sollte die Inklusion verbessern. Aber nicht nur über vereinheitlichte Diagnosestandards. Was v.a. fehlt, sind sonderpädagogisch geschulte Lehrkräfte!
Und nicht nur ‚weiteres Personal zur Unterstützung der LK an FöZ‘.

Kleine begriffliche Korrektur: Den Besuch einer Förderschule bezeichnet man nicht als Exklusion, sondern als Separation. Also: forget Bertelsmann!
Schüler mit besonderem Förderbedarf, die nicht inklusiv unterrichtet werden (können), werden in Deutschland nicht vom allgemeinbildenden Schulsystem ausgeschlossen, sondern mittels spezifischer Unterstützung so lange wie nötig separiert beschult.

Die Separationsquote ist übrigens auch in anderen Bundesländern angestiegen, auch unter anderen Regierungsfarben. Weil die Probleme zunehmen, aber die Personalfrage nicht als erstes gelöst wurde.

Lera
1 Monat zuvor

Die neue Grundschule:

– Aufsicht ab 7 Uhr bis zum Unterrichtsbeginn
– Vormittags drei Stunden Unterricht, in den Lücken bis zum Mittag AGs/Projekte/Kleingruppen „betreuen“
– Mittags 150 Kindern bei 150 Dezibel beim „Essen“ zusehen
– danach Aufsicht bei „Angeboten“
– Nachmittags zwei Stunden Unterricht
– Busaufsicht um 12, um 14 und um 16 Uhr muss auch noch jemand machen
– mittelfristig: nochmal feucht durchwischen und Fenster putzen

Die schamlose Entgrenzung der Arbeitszeit wird den ohnehin schon super attraktiven Beruf des Grundschullehrers sicher ins Unermessliche steigern.

PS: Wenn das auch nur ansatzweise so läuft – siehe Beschiss-Modell in BW – kann mich das KM von hinten bewundern.

Unfassbar
1 Monat zuvor
Antwortet  Lera

Tolles Leben der Kinder im Grundschulalter:

6 Uhr aufstehen, 7-16 Uhr in der Schule, 18 Uhr Essen, spätestens 20 Uhr ins Bett

potschemutschka
1 Monat zuvor
Antwortet  Unfassbar

Da will man nicht mehr Kind sein in der heutigen Zeit! Was hatten wir dagegen noch für eine schöne Zeit. Da war noch nicht alles bis zur letzten Minute durchgeplant! Wir hatten echt noch freie Zeit! Wir durften noch Kinder sein!

Unfassbar
1 Monat zuvor
Antwortet  potschemutschka

Das traditionelle Familienbild hatte doch seine Vorteile …