Weg von der Gießkanne: Warum das Startchancen-Programm für Schulen die Bildungspolitik komplett neu ausrichtet

37

BERLIN. Bundesweit 4.000 Schulen, die vor besonderen Herausforderungen stehen, sollen in den kommenden Jahren eine spezielle Förderung in Milliardenhöhe bekommen. Die Gespräche dazu könnten bald abgeschlossen sein. Ein Bildungsexperte sieht darin eine grundsätzliche Neuorientierung in der Bildungspolitik – weg vom «Gießkannenprinzip».

Wird Geld wie mit der Gießkanne verteilt – oder werden Schulen (und damit deren Schülerinnen und Schüler) besonders unterstützt, die den größten Bedarf haben? Das macht einen gewichtigen Unterschied in der Bildungspolitik aus. Foto: Shutterstock

Mit dem geplanten sogenannten Startchancen-Programm für Schulen in schwierigen sozialen Lagen wird nach Ansicht des Bildungsforschers Dr. Dirk Zorn ein neues Zeitalter im deutschen Bildungssystem eingeläutet. Das Programm sei ein «Paradigmenwechsel», sagte der Experte der Bertelsmann Stiftung. «Es ist eine Abkehr vom bisherigen Gießkannenprinzip.» Es werde erstmals eine Verteilung von Bundesgeldern geben, die sich nicht – wie zumeist – am sogenannten Königsteiner Schlüssel orientiere, sondern in Teilen den tatsächlichen Bedarf der Bundesländer berücksichtige.

Monatelange Verhandlungen von Bund und Ländern

Über das Programm verhandeln Bund und Bundesländer seit Monaten – an diesem Freitag könnte es dem Vernehmen nach möglicherweise die abschließende Verständigung auf einer Sonder-Kultusministerkonferenz und die offizielle Vorstellung der Pläne in Berlin geben.

Ziel ist es, dass das Programm zum Schuljahr 2024/25 an den Start geht. Der Bund will jährlich bis zu einer Milliarde Euro bereitstellen. Die Länder sollen sich in gleicher Höhe beteiligen. Insgesamt wären dies dann rund 20 Milliarden Euro über zehn Jahre.

Im September hatten Bund und Länder Eckpunkte vorgelegt. Demnach soll etwa jede zehnte Schule und Berufsschule im kommenden Jahrzehnt von zusätzlicher Förderung profitieren – erreicht werden sollen rund eine Million Schülerinnen und Schüler. Zum Vergleich: Insgesamt gibt es rund 40.000 Schulen mit knapp elf Millionen Schülern in Deutschland.

Es wäre wohl noch mehr Geld nötig

Zorn sagte, mit dem Programm seien die Länder dann zum ersten Mal unter Zugzwang, einen Sozialindex für ihre Schulen einzuführen, um Schulen mit dem größten Unterstützungsbedarf zu identifizieren. «Es gibt ein klares Bekenntnis: Schulen mit sich ballenden Problemlagen brauchen mehr Unterstützung.» Zorn sagte aber auch, dass das Programm aus seiner Sicht zu klein dimensioniert sei. «Eine Milliarde pro Jahr vom Bund plus Kofinanzierung durch die Länder sind nicht ausreichend mit Blick auf die Größe der Herausforderungen.»

In Schulen in schwierigen sozialen Lagen erreichten teilweise 80 Prozent der Kinder nicht einmal die Mindeststandards in den Basiskompetenzen, sagte der Bildungsforscher. «Wichtig für die Wirksamkeit des Programms wäre, Brennpunktschulen deutlich besser mit Lehrkräften auszustatten als Schulen in privilegierten Lagen.»

Grundschulen besonders im Fokus

Positiv bewertete Zorn, dass von den 4000 Schulen, die profitieren sollen, etwa 2400 Grundschulen sein sollen. «In den Grundschulen wird die schulische Basis gelegt für eine erfolgreiche Bildungskarriere, da sind die Problemlagen besonders groß», sagte der Bildungsforscher. «Dort ist auch die Wirkung, die man erzielen kann, besonders groß für den weiteren Lebensverlauf von Schülern.»

Das Startchancen-Programm ist ein Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag der Ampel-Regierung. Darin heißt es, dass Kindern und Jugendlichen unabhängig von der sozialen Lage ihrer Eltern bessere Bildungschancen ermöglicht werden sollen. Gefördert werden sollen Schulen «mit einem hohen Anteil sozial benachteiligter Schülerinnen und Schüler».

Die ausgewählten Schulen sollen nach Angaben aus den Eckpunkten mit Geld unterstützt werden, damit sie in eine bessere und moderne Lernumgebung investieren können. Dazu kommen Gelder zur freien Verfügung der Schulen – ein sogenanntes Chancenbudget. Außerdem sollen zusätzliche Stellen geschaffen werden, etwa für Schulsozialarbeit.

Bildungsstudien zeigen Abnahme der Kompetenzen von Schülern

Hintergrund ist die Erkenntnis, dass in Deutschland der Erfolg eines Kindes in der Schule weiterhin stark vom Elternhaus abhängt. Bildungsstudien zeigen zudem eine Abnahme der Kompetenzen. Viele Kinder scheitern in der Grundschule am Lesen, Schreiben, Rechnen, bleiben zurück und schaffen später dann auch keinen Abschluss. Erst im Dezember hatten Ergebnisse einer neuen Pisa-Studie gezeigt, dass deutsche Schülerinnen und Schüler im Jahr 2022 so schlecht abschnitten wie noch nie zuvor (News4teachers berichtete). Sowohl im Lesen als auch in Mathematik und Naturwissenschaften handelte es sich den Angaben zufolge um die niedrigsten Werte, die für Deutschland jemals im Rahmen von PISA gemessen wurden. Von Bettina Grachtrup, dpa

Stark-Watzinger stellt Startchancen-Programm in Aussicht – Digitalpakt 2.0 nicht

Anzeige


Info bei neuen Kommentaren
Benachrichtige mich bei

37 Kommentare
Älteste
Neuste Oft bewertet
Inline Feedbacks
View all comments
Ich_bin_neu_hier
1 Monat zuvor

«Wichtig für die Wirksamkeit des Programms wäre, Brennpunktschulen deutlich besser mit Lehrkräften auszustatten als Schulen in privilegierten Lagen.» – Ja, sicher, selbstverständlich gerne: Der ohnehin knappe Nachwuchs möchte unbedingt an Brennpunktschulen eingesetzt werden und die Bestandslehrkräfte auch, sodass eine Steigerung der Attraktivität des Berufs ins Unermessliche geradezu vorprogrammiert ist. Äh… nein, eher doch nicht.

JoS
1 Monat zuvor
Antwortet  Ich_bin_neu_hier

Was fehlt sind Anreize für die in der Tat anspruchsvollere Arbeit an Brennpunktschulen, etwa ein Gehaltszuschlag oder ein niedrigeres Deputat. Stattdessen muss derzeit beispielsweise eine Lehrkraft an einer Brennpunkt-IGS in Niedersachsen sogar eine Stunde mehr unterrichten als die Kollegen am Gymnasium. Und das vollkommen unabhängig vom Einsatz an der gymnasialen Oberstufe, die es an vielen IGS auch gibt.

Anika von Bose
1 Monat zuvor
Antwortet  JoS

Was fehlt sind angemessene Rahmenbedingungen um erfolgreich arbeiten zu können, ein höheres Gehalt wird das nicht ändern, auch ein niedrigeres Stundendeputat nicht. Diese Schulen brauchen angemessene personelle und räumliche Infrastruktur. Stichwort multiprofessionelle Teams usw.

JoS
1 Monat zuvor
Antwortet  Anika von Bose

Arbeiten Sie auch an einer Brennpunkt-IGS oder wie kommen Sie dazu, mir erklären zu wollen, was bei uns fehlt?
„Multiprofessionelle Teams“ ist so ein tolles Schlagwort. Wir haben in der Hinsicht eine gute Ausstattung u.a. mit Sozialarbeitern und einer Psychologin, auch unserer Räumlichkeiten sind ausreichend. Dabei wird aber oft vergessen, wie viel Zeit die Abstimmung innerhalb der „Teams“ benötigt. Solange die ganze pädagogische Arbeit on top kommt, etwa zu den Korrekturen in der Oberstufe, muss man trotzdem ständig priorisieren oder man brennt schnell aus.

Anika von Bose
1 Monat zuvor
Antwortet  JoS

Sie haben recht „multiprofessionelle Teams“ wird leider als politisches Schlagwort missbraucht. Sie weisen zurecht darauf hin, dass die Unterrichtsverpflichtung schulformbezogen unterschiedlich ist, was dafür sorgt, dass trotz zukünftig angehobener Bezüge im nicht gymnasialen Bereich, dass die Gymnasien als Arbeitsort immer noch attraktiver sind. Das ist alles richtig, das ist kritikwürdig und das sollte verändert werden. Aber das was ich ausgeführt habe ist doch auch nicht von der Hand zu weisen, oder? Multiprofessionalität im Klassenzimmer, in Form von Klassenassistenzen haben sich in wissenschaftlich begleiteten Schulprojekten auch als wertvolle Ergänzung erwiesen.

Und wenn ihre Schule auskömmlich mit Schulsozialarbeit versorgt ist und sogar über eine Schulpsychologin oder einen Schulpsychologen verfügen, haben sie vielen Schulen einiges voraus!

JoS
1 Monat zuvor
Antwortet  Anika von Bose

Von zukünftig angehobenen Bezügen kann hier nicht die Rede sein. Im Gegenteil, nun werden die Gymnasiallehrkräfte an IGS mit Oberstufe im Vergleich zu Haupt- und Realschullehrkräften an IGS sogar schlechter gestellt. Bei gleicher Unterrichtsverpflichtung und (zukünftig) gleicher Besoldung müssen diese nämlich nicht die zeitintensiven Aufgaben der gymnasialen Oberstufe bewältigen. Die sonstigen Aufgaben sind exakt gleich und Entlastungsstunden gibt es nicht.

JoS
1 Monat zuvor
Antwortet  Anika von Bose

Und nur um das noch einmal klarzustellen: Hier ging es explizit um die Frage, wie man die Attraktivität für Lehrkräfte erhöhen kann. Derzeit sprechen alle Anreize für die Arbeit am Gymnasium, dort hat man deutlich weniger pädagogische Arbeit zu leisten und muss eine Stunde weniger unterrichten. Auch die Vor- und Nachbereitung des Unterrichts ist im Vergleich zur IGS mit Oberstufe eher nicht so aufwendig, da weniger bis gar keine Binnendifferenzierung gefordert ist. An die IGS geht man also entweder aus Überzeugung oder aus der Not, wobei letzteres aufgrund des Lehrkräftemangels kaum noch vorkommt.

Anika von Bose
1 Monat zuvor
Antwortet  JoS

In der Berichterstattung geht es nicht darum wie man die Attraktivität des Lehrerberufs verbessern kann, sondern wie sich die Förderung durch Start-Chancen Programm auf die Schülerinnen und Schüler auswirkt. Das ist die Frage um die es geht! Was brauchen Schülerinnen und Schüler? Ich habe Ihnen ja schon beigepflichtet, dass die Arbeitsplatzzufriedenheit und die Arbeitsplatzgesundheit der Lehrkräfte auch wichtig ist, aber Thema der Berichtserstattung ist, wie kann es besser gelingen jedem Kind – unabhängig seines sozioökonomischen Status, seines Geschlechts oder seines ethnisch-kulturellem Hintergrunds die gleichen Bildungschancen zu ermöglichen.

Egvina
1 Monat zuvor
Antwortet  Anika von Bose

Ich glaube schon, dass gerade eine Deputatssenkung an Brennpunktschulen, weil es rechtlich wahrscheinlich nicht anders machbar wäre, durch ein massives Ausweiten an Ermäßigungsstunden, ich denke da an mindestens 5 (jeden Tag eine) pro Lehrkraft, die Rahmenbedingungen deutlich verbessern und die Attraktivität dort erheblich steigern würde.

Ich_bin_neu_hier
1 Monat zuvor
Antwortet  Anika von Bose

Korrekt.

Wenn aber Rahmenbedingungen, die ein erfolgreiches Arbeiten überhaupt erst ermöglichen würden, aufgrund des Fachkräftemangels in Kombination mit einer gesamtgesellschaftlichen Verweigerungshaltung dort gar nicht hergestellt werden können:

Wer ist dann so blöd und geht da freiwillig hin?

Und: Was macht das mit denen, die da unfreiwillig hingeschickt werden?

Anika von Bose
1 Monat zuvor
Antwortet  Ich_bin_neu_hier

Ich frage mich wirklich aus welchem Grund diese Lehrkräfte diesen Beruf gewählt haben, wenn sie sich nicht berufen fühlen allen Schülerinnen und Schülern die bestmöglichen Bildungschancen zu ermöglichen! Unbestritten ist das mehr für die Bildung unserer Kinder getan werden muss, die Rahmenbedingungen sind an vielen Stellen kritik- und verbesserungswürdig.

Ich_bin_neu_hier
1 Monat zuvor
Antwortet  Anika von Bose

„…wenn sie sich nicht berufen fühlen allen Schülerinnen und Schülern die bestmöglichen Bildungschancen zu ermöglichen!“ – Freie Berufswahl bedeutet nicht nur, dass man den angestrebten Beruf frei wählen kann – auch die Gründe, aus denen heraus man seinen Traumberuf wählt, unterliegen weder einer staatlichen noch einer gesellschaftlichen Zensur.

Mit anderen Worten: einen Anspruch auf Idealismus („für leuchtende Kinderaugen“) bei Lehrkräften gibt es ebensowenig, wie das in anderen Berufen der Fall ist. Und schon gar nicht besteht ein Anspruch auf Idealismus in einer bestimmten Ausprägung (Eintreten für Chancengleichheit als allein bestimmen des Kriterium pädagogischer Arbeit)!

Anika von Bose
1 Monat zuvor
Antwortet  Ich_bin_neu_hier

„Freie Berufswahl bedeutet nicht nur, dass man den angestrebten Beruf frei wählen kann – auch die Gründe, aus denen heraus man seinen Traumberuf wählt, unterliegen weder einer staatlichen noch einer gesellschaftlichen Zensur.“

Korrekt, aber vielleicht muss man genau das ändern. Denn von der Kompetenz und Berufung der Lehrenden hängt die Zukunft unserer Gesellschaft ab. Und wenn ich Ihre Statements lese, habe ich den Eindruck Ihnen geht es in erster Linie um sich selbst.

Und damit hier kein falscher Eindruck entsteht, wiederhole ich an dieser Stelle nochmal es gibt viele Mängel und Ungerechtigkeit in unserem Bildungssystem, die SuS, Lehrkräfte und andere benachteiligen! Das muss man ansprechen und sich gemeinsam dafür einsetzen dass das geändert wird. Aber von Gemeinschaft ist in Ihren Statements nichts zu finden – sie sehen scheinbar vor allem sich selbst!

Ich_bin_neu_hier
28 Tage zuvor
Antwortet  Anika von Bose

„… sie sehen scheinbar vor allem sich selbst!“ – Selbstverständlich achte ich auf meine Gesundheit und vertrete meine eigenen Interessen. Man könnte das als ‚erlernten Egoismus‘ bezeichnen. Denn bei mir ist subjektiv empfunden der Eindruck entstanden, dass das weder der Dienstherr noch die Eltern noch die Schülerinnen und Schüler, kurz dass die übrige Gesellschaft das nicht für mich tut. Erst dann achte ich auf meine Schülerinnen und Schüler und den Rest der Gesellschaft.
Ist doch fair, verhältnismäßig und vollständig reziprok, oder?

„Aber von Gemeinschaft ist in Ihren Statements nichts zu finden“ – Sie haben Recht – in diesem konkreten Fall.
Sollten Sie damit allerdings implizieren wollen, dass mich Gemeinschaft nicht interessiert: Überlegen Sie bitte, was und wie wenig Sie von mir und meiner Persönlichkeit wissen – und was und wie viel alles nicht.
Es wäre ansonsten Anmaßung.

Anika von Bose
26 Tage zuvor
Antwortet  Ich_bin_neu_hier

In Ihren Kommentaren geben Sie schon tiefe Einblicke in die Abgründe Ihrer Persönlichkeit. Da möchte man gar nicht mehr wissen. Ich bin sehr froh, dass ich bisher nicht viele Lehrkräfte mit Ihrer Einstellung kennengelernt habe. Aber Ihre Äußerungen bestätigen jegliche gegenüber Lehrkräften bestehenden Klischees.

Ich_bin_neu_hier
26 Tage zuvor
Antwortet  Anika von Bose

„In Ihren Kommentaren geben Sie schon tiefe Einblicke in die Abgründe Ihrer Persönlichkeit. Da möchte man gar nicht mehr wissen.“ – Nun, in diesem Fall sollte eine Beerdigung – huch, die Autokorrektur, Entschuldigung – eine Beendigung der Diskussion wohl in gegenseitigem Interesse liegen: Auf Wiedersehen!

Lisa
1 Monat zuvor
Antwortet  Ich_bin_neu_hier

Da wir gerne ins Ausland gucken: In Kolumbien beispielsweise gibt es die Zona Roja, die rote Zone. Das sind soziale Brennpunkte. Wenn man dort arbeitet, zählt jedes Jahr doppelt für die Pension. Meine Schwester ist viel jünger als ich und hat ihre Jahre schon voll( arbeitet allerdings freiwillig weiter) .

dauerlüfterin
25 Tage zuvor
Antwortet  Lisa

Ist eine Schule in einer kolumbianischen Zona Roja vergleichbar mit einer deutschen Brennpuntschule? Ich stelle mir vor, dass es dort häufig lebensgefährlich ist?

potschemutschka
1 Monat zuvor

Wie (welche genauen Kriterien definieren „Brennpunktschulen“) und von wem werden die Schulen ausgewählt, die gefördert werden sollen?

Hans Malz
1 Monat zuvor
Antwortet  Redaktion

Huch, wenn wir schon Sozialindexstufe 3 (von 9) sind, wie sieht das denn erst bei den anderen aus? Vorher wurden wir dem Standorttyp 5 (von 5) zugeordnet.
Keine Ahnung, was sich so verbessert hat. Aber sieht so aus, als würden wir leer ausgehen. Aber es bleibt ja wenigstens der Digitalpakt.

Alx
1 Monat zuvor

Symptomatisch für den politischen Zeitgeist:

Diejenigen, die den Spaß finanzieren erhalten dafür dann… Trommelwirbel…. nichts.

Haben es die guten Schüler nicht ebenso oder sogar mehr verdient, Förderung und eine gute Ausstattung zu erhalten?

Natürlich nicht, weil sie ja Leistung erbringen und das sehen wir hier in Deutschland überhaupt nicht mehr gerne.

Wo kämen wir denn da hin, wenn wir die intelligenten, fleißigen und motivierten Schüler auch noch weiter fördern?

Alx
1 Monat zuvor
Antwortet  Redaktion

Bei einem Nullsummenspiel wären die Höhe der Einsätze, Gewinne und Verluste gleich null.

Wenn sie die Einsätze auf 9 Prozent der Schüler begrenzen, profitieren 91Prozent nicht.
Dabei brauchen wir gerade die Leistungsspitze um international anschlussfähig zu bleiben.
Das sind die Ressourcen, die wir brauchen.
Davon profitieren auch alle. Gerade, weil es eben kein Nullsummenspiel ist.

Und Sie attestieren uns in Deutschland Sozialneid?
Wir geben unglaublich viel für Bürgergeld aus, finanzieren Wohnungen, Heizkosten, Sprachkurse, Schulbücher, Freizeiten und dann ist es Sozialneid, wenn man fordert, dass die Bildung für alle gleichermaßen gefördert wird, also auch für diejenigen, die schon sehr viel abgeben, die Förderung finanzieren und es trotzdem noch irgendwie wuppen mit ihren Kindern?

Erschließt sich mir nicht.

Anika von Bose
26 Tage zuvor
Antwortet  Alx

Das Ziel dieser Förderung ist es die Abhängigkeit des Bildungserfolgs vom häuslichen sozialen Umfeld zu reduzieren und keine Förderung der Elitenbildung! Es ist dennoch richtig, dass Sie feststellen, dass Bildung insgesamt mehr Beachtung erhalten muss – aber das eine hat mit dem anderen gar nichts zu tun! Die Gesamtgesellschaft profitiert insgesamt, wenn wir entschieden mehr Anstrengungen für mehr Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit unternehmen:
1. Damit sorgen wir für die dringend benötigten Fachkräfte.
2. Langfristig werden dadurch die Sozialkosten gesenkt.
3. Wir stärken dadurch langfristig die Demokratiefähigkeit im Land.
4. Schlussendlich entlasten wir auch die Bildungsgemeinschaften vor Ort und fördern ein besseres Miteinander und Füreinander.

DerechteNorden
1 Monat zuvor
Antwortet  Alx

? Doch, wir kriegen alle was, nur nicht sofort. Denk doch noch einmal darüber nach.
Wenn wir benachteiligten Kids nicht fördert, kommt uns alle das nicht nur doppelt, sondern dreifach teuer.

Alx
1 Monat zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Es kommt aber auch viel weniger rein, wenn wir die Leistungsträger vernachlässigen.
Wir brauchen vor allem Innovation. Wir haben keine anderen Ressourcen.

DerechteNorden
1 Monat zuvor
Antwortet  Alx

? Was ist mit den potentiellen Leistungsträger*innen, die uns derzeit alle durch die Lappen gehen?
Was käme wohl rein, wenn durch die Förderung dem Fachkräftemangel begegnet werden könnte?
Man stelle sich einfach vor, wie die kleine Elif Ingenieurin für Umwelttechnologien wird. Eine tolle Vorstellung, wie ich finde.

Alx
1 Monat zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Ich bin sehr dafür, dass Elif genau die Ziele erreichen kann, die sie hat. Es ist aber ein bisschen Unfair, wenn Elif nicht im Brennpunkt wohnt und daher nicht von den 20 Milliarden Förderung profitiert, für die daa Geld ihrer hart arbeitenden Eltern aufgewendet wird.
Warum werden Elif und ihre Familie dafür benachteiligt, dass sie alles richtig machen?

JoS
1 Monat zuvor
Antwortet  Alx

Wie kommen Sie darauf, dass es in Brennpunktschulen keine potentiell guten Schüler gibt, die nur eine Förderung benötigen, die die Nachteile des Elternhauses ausgleicht?

Alx
1 Monat zuvor
Antwortet  JoS

Wo behaupte ich das Gegenteil?
Es gibt an Brennpunktschulen sogar ganz tolle Eltern, die ihre Kinder umsorgen und fördern und Kinder, die sehr erfolgreiche Lebenswege gehen.

JoS
1 Monat zuvor
Antwortet  Alx

Und was ist mit denen, deren Eltern sich nicht kümmern (können), die aber trotzdem Potenzial haben, wenn die Schule diese Defizite ausgleicht?
Ich hatte in meiner letzten Klasse eine Schülerin, deren Eltern kein Wort Deutsch konnten und die mit einem Förderstatus LE zu uns kam. Sie hat sich auch dank unserer Unterstützung mit viel Fleiß zu einem guten erweiterten Realschulabschluss durchgekämpft und anschließend an einer anderen Schule ihre Fachhochschulreife erlangt.

Alx
1 Monat zuvor
Antwortet  JoS

Die Kinder gibt es nicht nur an Brennpunktschulen.
Brennpunktschulen sind schon deutlich besser ausgestattet als Landschulen. Wir haben auch Kinder, die komplett ohne Deutschkenntnisse aufschlagen aber keine Wochenstunden für DaZ-Unterricht, keine Brennpunktstunden, keine Förderlehrkräfte an der Schule.

Wenn ich krank bin, bleibt die komplette Klasse alternativlos Zuhause. Ich darf im Moment keine Fortbildungen besuchen, weil meine Klasse sonst an den Tagen nicht unterrichtet werden kann.

Es brennt mittlerweile überall.

Anika von Bose
1 Monat zuvor

Das in Deutschland der Bildungserfolg abhängig vom häuslichen Umfeld ist, wird sich nicht wesentlich ändern, wenn wir diese Kinder erst in der Schule in den Fokus nehmen. Wir „verlieren“ die Kinder schon vorher – wenn die Kinder in die Bildungseinrichtungen kommen, haben sie – lt. Prof. Köller – schon Lernunterschiede von bis zu zwei Jahren. Diese Unterschiede können unsere Bildungseinrichtungen nicht ausgleichen. Was wir ergänzend zu einem Sozialindex an unseren Bildungseinrichtungen dringend brauchen ist eine, von Geburt an, beginnende Beratung und Unterstützung der Elternhäuser, die institutionalisiert vernetzt arbeitet. Ansonsten kann ich Prof. Zorn nur zustimmen, das Start-Chancen-Paket ist unterdimensioniert und leider nur befristet. Das dürfte am Ende dazu führen, dass viele Bundesländer nicht ihre Bildungssysteme auf Dauer reformieren, sondern nur bestimmte Schulen additiv, befristet auf die Dauer der Bundesförderung, fördern. Die auf zehn Jahre begrenzte Laufzeit, könnte dann zur Folge haben, dass dieses zusätzliche Personal dann fortlaufend befristet beschäftigt wird…

Lisa
1 Monat zuvor

Nein, her mit der Gießkanne. Und den Garten schön gleichmäßig und ausreichend bewässern, nicht nur an manchen Stellen…..und die Wasserqualität spielt auch eine Rolle, sowie die Bodenqualität und die des Saatgutes und die Sonneneinstrahlung….ach, es geht gar nicht um Gärtnern?

AlexB
1 Monat zuvor

Das Startchancenprogramm ist ein Anfang. Damit es gut funktioniert muss aber noch viel mehr passieren. Bildung in Deutschland ist flächendeckend unterfinanziert. Eigentlich braucht man die „Gieskanne“ *und* gezielte Förderung.

Hinzu kommt, dass die Sache mit dem Bedarf und dem Sozialindex nur sehr schlecht klappt.
Für meine Schule in NRW wurden deutlich veraltete Zahlen für die Berechnung des Sozialindexes herangezogen. Seitdem hat sich Vieles bei uns verändert, nicht zum Guten. Zum Beispiel haben wir eine komplette Klassenstärke an Flüchtlingskindern von einer Nachbarschule übernommen. Das bleibt aber im Sozialindex und den damit zu verteilenden Geldern noch völlig unberücksichtigt. Aktuell gab es eine Integrationsförderung in NRW. Ratet mal, wer die Kohle bekommen hat: Die Nachbarschule, die aber die Kinder nicht mehr beschult. Ratet mal, wer fast nichts bekommen hat………………..

Scheibenwischerin
26 Tage zuvor

Na, die Frau von Bose weiß schon was sie sagt.