Trotz Lehrermangel: Ausländische Lehrkräfte haben einen langen Weg ins deutsche Schulsystem

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DÜSSELDORF. Die Lehrer-Lücke an den Schulen ist groß. Sind ausländische Fachkräfte eine Lösung? Schnell jedenfalls nicht – die Anforderungen sind hoch, wie das Beispiel Nordrhein-Westfalen zeigt.

Während der Seiteneinstieg in den Schuldienst immer leichter wird, sind die Hürden für ausländische Lehrkräfte weiterhin hoch. (Symbolfoto) Foto: Shutterstock

Ausländische Fachkräfte können den Lehrermangel in Nordrhein-Westfalen bislang kaum lindern. Zwar gibt es Tausende Interessenten, aber nur relativ wenige Weiterbildungsangebote. Am Ende der mehrstufigen Qualifizierung gehen viele ausländische Absolventen dann doch nicht direkt an eine staatliche Schule, wie ein Bericht von Wissenschaftsministerin Ina Brandes (CDU) aufzeigt.

Seit 2017 gibt es in NRW für Lehrerinnen und Lehrer aus dem Ausland das Programm «Lehrkräfte Plus». Grundsätzlich können pro Jahrgang 125 Plätze angeboten werden. Die ein Jahr dauernde Qualifizierung gibt es – mit unterschiedlichem Fächerkanon – an den Universitäten Bielefeld, Bochum, Duisburg-Essen, Köln und Siegen.

Bisher hätten sich insgesamt fast 4.600 Lehrkräfte an den fünf Standorten beworben, teilte Brandes in ihrem Bericht an den Düsseldorfer Landtag mit. Die Bewerbungsphase für den Jahrgang 2024/25 laufe noch. Auf Antrag der SPD-Opposition wird sich der Wissenschaftsausschuss im nächsten Monat mit der Frage befassen: «Nutzen wir die Potenziale ausländischer Fachkräfte bei der Überwindung des Lehrkräftemangels in NRW ausreichend?».

Nicht alle Bewerber erfüllten die Voraussetzungen, kommentierte Brandes den hohen Zulauf. Zudem bestehe «kein Überblick» über die erlaubten Mehrfachbewerbungen.

Zu den fachlichen Voraussetzungen zählt unter anderem ein universitärer Abschluss eines Studienfachs mit Qualifikation zum Lehramt und einer Studiendauer von mindestens acht Semestern. Außerdem müssen mindestens zwei Jahre Berufserfahrung als Lehrkraft im Herkunftsland nachgewiesen werden sowie Deutschkenntnisse auf fortgeschrittenem Level (mindestens B1).

«Insbesondere Mathematik und andere MINT-Fächer wie Physik, Biologie und Chemie sind stark vertreten», berichtete Brandes. «Daneben haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch Unterrichtsfächer wie Kunst, Musik, Sport, Technik, Wirtschaft, Informatik, Geografie, Geschichte, Politik oder Fremdsprachen wie Englisch, Französisch oder Arabisch studiert.»

Ein Großteil der Absolventen nehme im Anschluss am Programm «Internationale Lehrkräfte Fördern» (ILF) teil. Über eine pädagogische Einführung solle es die Übernahme einer möglichst hohen Quote geeigneter und erfahrener Lehrkräften in ein unbefristetes Beschäftigungsverhältnis des Landes Nordrhein-Westfalen gewährleisten, erläuterte Brandes.

«Bis zu 60 Absolventinnen und Absolventen haben sich für eine alternative Anschlussverwendung entschieden»

Die ILF-Teilnehmer können für zwei Jahre sachgrundlos befristet an einer Schule in NRW für die Sekundarstufe I eingestellt werden, wo sie zwölf Stunden in der Woche, begleitet von Mentoren, unterrichten.  Bislang haben dem Bericht zufolge 159 Teilnehmer das ILF-Programm durchlaufen. Von ihnen hätten sich wiederum 74 für eine Einstellung über die sogenannte pädagogische Einführung entschieden beziehungsweise zur berufsbegleitenden Ausbildung von Seiteneinsteigern. Weitere 23 hätten eine Vertretungsstelle angenommen.

Wird die pädagogische Einführung erfolgreich abgeschlossen, ist eine dauerhafte Übernahme in den Schuldienst des Landes als Tarifbeschäftigte möglich, allerdings ist damit kein Erwerb der Lehramtsbefähigung verbunden. Als Seiteneinsteiger erwirbt man auf diesem Weg nur eine Unterrichtserlaubnis für das eigene Unterrichtsfach.

Viele biegen in eine andere Richtung ab: «Bis zu 60 Absolventinnen und Absolventen haben sich für eine alternative Anschlussverwendung entschieden», teilte Brandes mit. Dazu zähle auch eine Lehrtätigkeit bei einem privaten Schulträger oder ein erneutes Studium, um die Anforderungen einer Zweitfachqualifizierung zu erfüllen. News4teachers / mit Material der dpa

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13 Kommentare
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Lisa
3 Monate zuvor

„den fachlichen Voraussetzungen zählt unter anderem ein universitärer Abschluss eines Studienfachs mit Qualifikation zum Lehramt und einer Studiendauer von mindestens acht Semestern. Außerdem müssen mindestens zwei Jahre Berufserfahrung als Lehrkraft im Herkunftsland nachgewiesen werden sowie Deutschkenntnisse auf fortgeschrittenem Level (mindestens B1)“
Das sind sehr harte Bedingungen. Besonders die geforderte Berufserfahrung, die von Bildungsinländern so gar nicht verlangt wird – die bekommt der Junglehrer dann schon in der Schule.

Trauerspiel
3 Monate zuvor
Antwortet  Lisa

Und trotz all dem Aufwand wird die ausländische Lehramtsbefähigung nicht anerkannt/übertragen… „Wird die pädagogische Einführung erfolgreich abgeschlossen, ist eine dauerhafte Übernahme in den Schuldienst des Landes als Tarifbeschäftigte möglich, allerdings ist damit kein Erwerb der Lehramtsbefähigung verbunden.“
Als ob das dt. Ausbildungssystem das einzig wahre sei, das ist ein unfassbar überheblich schlechter Scherz!

Emcy Abmeier
3 Monate zuvor
Antwortet  Lisa

Ich hoffe, es müssen Deutschkenntnisse auf mindestens C1-Niveau nachgewiesen werden, und nicht B1.

Anonym
3 Monate zuvor
Antwortet  Lisa

C2 Deutsch muss
2. STAATSEXAMEN ONHNE diesen beweiss wird nix anerkannt.
2 ten Fach muss …und auch fuer real oder gymnasium….wer im Ausland die moeglichkeit hatte von 6 bis 12 klasse zu unterrichten muss in D waehlen…wo er unterrichten moechte

Werr im Ausland mathe studiert hat, wird unmoeglich physik oder chimie als 2 fach zu studieren…

Wutbürger
3 Monate zuvor

„Ausländische Lehrkräfte haben einen langen Weg ins deutsche Schulsystem“
Wie wäre es mal, wenn deutsche Lehrkräfte über ihren Weg in ausländische Schulsysteme berichten… und ob sie da mit offenen Armen empfangen werden (und nein, damit sind nicht Austausch-Touri-Selbstfindungslehrer für 1 Jahr Praktikum gemeint)

Lisa
3 Monate zuvor
Antwortet  Wutbürger

Berichte aus Kolumbien. War unproblematisch, sofern ich einen pädagogischen Titel offiziell übersetzt und vom Erziehungsministerium anerkannt bekommen habe. Zwei Ausnahmen gab es: Ich durfte nicht „Sociales“, also Geschichte/ Gemeinschsftskunde/ Sozialkunde unterrichten. Vermutlich war ich da als ausländische Lehrkraft nicht patriotisch genug.
Ich durfte keine eigene Schule eröffnen.

Rainer Zufall
3 Monate zuvor
Antwortet  Wutbürger
anka
3 Monate zuvor
Antwortet  Wutbürger

Also erst, wenn unsere Ausbildung überall problemlos akzeptiert wird, können wir uns um unsere Nachwuchssorgen kümmern?
ALso nie.

Nichterfüller
3 Monate zuvor

Lehramt Niederlande tätig in NRW
Status: Vollzeitnichterfüller TV-L 10
Antrag auf Erhöhung wurde abgelehnt.

Tigrib
3 Monate zuvor

Man muss bei der Diskussion auch mal die andere Seite der Medaille sehen: Die Vorstellungen von Pädagogik und Didaktik sind in anderen Ländern z.T. schon deutlich anders. Ich hatte eine gestandene Lehrerin aus Polen, die hier Prüfungen nachholen musste und dafür eine Art Referendariat machen musste. Ihr Unterricht war eine reine Katastrophe, der Umgang mit den Kindern sehr kritikwürdig. Sie hat sich gewundert, dass es hier so anders ist und viel mehr von Lehrerseite erwartet wird. Auch meine ukrainischen Schüler berichten, dass ihr Lehrer viel von ihnen erwarten, selbst aber meist nur rumgesessen sind, gedaddelt haben und weder geholfen noch erklärt haben. Dazu noch gemeckert und gezüchtigt.

Anonym
3 Monate zuvor

Die Auslaendische Lehrern muessen in D C2 im Oesterreich und Schweiz C1.
Die turkische lehrkrefte wurden nix Anerkank…vileicht in der Tuerkei ist eine andere Mathe…
Warum 2 Faecher?! Denn in Ausland nur ein Fach.. und warum kann man nicht von 6. Bis 12 klasse unterrichten?! Wie im Ausland?! Warumm muss man waehlen real, gymnasium….

Grillsportler
3 Monate zuvor
Antwortet  Anonym

Merkste selbst, ne?

Anonym
3 Monate zuvor

In oesterreich
Von Heimatland muss 2 Staatsexamen haben.
C1, genuegend und ein Fach. Und muss ein modul uber oesterriches schulsystem studieren. Muss kein Ausgleichjahr , refendariat absolwieren wie in D
Ueberal D ,Osterreich ohne Einbuergerung kann man nur an eine private schuhle unterrichten.
Die unterlagen wurden gleich fuer Gymnasium anerkannt, in Oesterreich