PISA-Reaktion: Weiteres Bundesland stockt bei Deutsch und Mathe auf

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SCHWERIN. Beim Bildungsvergleich PISA fallen deutsche Schüler im Lesen und Rechnen immer weiter zurück. Nun zieht ein weiteres Bundesland Konsequenzen – und erhöht die Stundenzahl in Mathe und Deutsch.

Da geht noch etwas drauf. (Symbolfoto). Foto: Shutterstock

Nach Bayern reagiert das nächste Bundesland auf die mäßigen Ergebnisse deutscher Schüler im internationalen Leistungsvergleich Pisa und stockt beim Mathe- und Deutschunterricht auf. Wie Mecklenburg-Vorpommerns Bildungsministerin Simone Oldenburg (Linke) am Donnerstag in Schwerin ankündigte, steht vom kommenden Schuljahr 2024/2025 an in der Grundschule für die Jahrgangsstufen 3 und 4 jeweils eine Stunde Deutsch und Mathematik pro Woche zusätzlich auf dem Stundenplan. Die Zahl der Wochenstunden insgesamt erhöht sich so von derzeit 25 auf 27.

Auch in den höheren Klassenstufen soll es für die Grundfächer Deutsch, Mathematik und Englisch durch verbindliche Vorgaben und Umschichtungen mehr Stunden geben – für die Klassen 7 bis 10 zusammen insgesamt elf Stunden pro Woche, ohne Erhöhung der jeweiligen Gesamtstundenzahl.

«Die Schülerinnen und Schüler brauchen mehr Zeit zum Lernen, Üben und Festigen», begründete Oldenburg die Abkehr von der 2009 in MV eingeführten Kotingentstundentafel, die den Schulen viel Spielraum bei der Schwerpunktsetzung gab. Dies sei vielfach zulasten der Hauptfächer gegangen. Laut Oldenburg offenbarten die Lernstudien, dass ein Viertel der Schüler die Mindeststandards in diesen Fächern nicht erreichen. «Da bedarf es einer grundlegenden Reform in unserer Stundentafelverordnung und einer Stärkung der Kernkompetenzen», sagte die Ministerin.

Der Entwurf der neuen Verordnung gehe im April in die Verbandsanhörung und solle zum Schuljahr 2025/2026 wirksam werden. Vorgezogen werde der zusätzliche Deutsch- und Matheunterricht in den Klassen 3 und 4, der schon im nächsten Schuljahr starte. Sprach- und Lesekompetenz solle zudem durch die Einführung eines sogenannten Lesebandes gefördert werden, das heißt, in den Klassen 1 bis 4 wird es an jedem Schultag fachübergreifend eine verbindliche Lesezeit von 20 Minuten geben. Das Fach Chemie soll künftig wieder in Klasse 7 beginnen und nicht erst in Klasse 8.

Allein für die Ausweitung des Deutsch- und Mathematikunterrichts im Grundschulbereich rechnet Oldenburg mit einem Bedarf von 70 bis 80 zusätzlichen Lehrerstellen. «Wenn ich nur nach dem Status quo arbeiten würde, könnten wir keine Veränderungen machen, dann bliebe es auch beim Status quo der Kinder», sagte die Ministerin. Fortschritte bei der Einstellung von Pädagogen und Seiteneinsteigern stimmten sie zuversichtlich. Dennoch sei der Bedarf weiterhin hoch.

In der Ende 2023 veröffentlichten PISA-Studie hatten deutsche Schüler im Alter von 15 und 16 Jahren die schwächsten Leistungswerte erreicht, die für Deutschland jemals im Rahmen der Vergleichsstudien gemessen wurden. Der Abwärtstrend hält seit 2012 an. Um dem entgegenzuwirken, seien Änderungen über alle Klassenstufen hinweg nötig. «Wir können nicht in Klasse eins anfangen und darauf warten, bis sich das durchwächst», sagte Oldenburg.

Die CDU-Landtagsfraktion fordert in einem für die Landtagssitzung in der kommenden Woche vorgelegten Antrag weitergehende Änderungen. So soll es künftig auch schon für Schüler der Klassen 1 und 2 mehr Deutschunterricht geben. In den Jahrgangsstufen 3 bis 4 soll der frühe Fremdsprachenunterricht zugunsten von mehr Deutschstunden reduziert werden. News4teachers / mit Material der dpa

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5 Kommentare
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Realist
2 Monate zuvor

Die Zahl der Wochenstunden insgesamt erhöht sich so von derzeit 25 auf 27.“

Bei dem Lehrkräftemangel? Damit kann man schön „Vorgriffstunden“ (besser: „Übergriffstunden“), Zwangsabordnungen und -versetzungen begründen. Die Gerichte werden es wohl abnicken…

Gen Z: …

Rainer Zufall
2 Monate zuvor

Ich habe keinen Überblick über die personelle Versorgung in MVP, aber ich drücke die Daumen!

In den übrigen Bundesländern stellt sich – nach Jahren des Zögerns – eher eine Triage vor, welche Bereiche man kürzt.
(In Wissen, dass bei der nächsten Krankheitswelle auch die guten Vorsätze zunichte werden)

Pit2020
2 Monate zuvor

«Die Schülerinnen und Schüler brauchen mehr Zeit zum Lernen, Üben und Festigen», begründete Oldenburg die Abkehr von der 2009 in MV eingeführten Kotingentstundentafel, die den Schulen viel Spielraum bei der Schwerpunktsetzung gab. Dies sei vielfach zulasten der Hauptfächer gegangen.

TEUFELSZEUG !!!
Ist das jetzt etwa wieder …? ECHT JETZT?

Na ja, in der Mode kommt ja tatsächlich alles wieder. Ich muss mir dringend eine Borte an den Saum meiner Jeans nähen, am besten mit Schriftzug „Bay City Rollers“. 🙂
Hey folks! Keep on dancing … while you get … squeezed like a lemon.
https://www.youtube.com/watch?v=dtDR1rVMsRo
Keep on dancing, trallallallallaaaalaaaaa … 🙁

Blau
2 Monate zuvor

Ich bin sehr für mehr Mathe in der Sek1. 4 Stunden plus Hausaufgaben (vor Ort). Genauso wie es früher war. Es braucht einfach mehr Zeit.

Ditte
2 Monate zuvor
Antwortet  Blau

Genau, bloss keine freie Zeit mehr nach der Schule für die individuelle, gesunde und fähigkeitsorientierte Entwicklung der Kinder.