Berufsschullehrer fordern Lebensarbeitszeitkonto – und drohen mit Klage

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STUTTGART. Laut einer Studie arbeiten (auch) Berufsschullehrkräfte in Baden-Württemberg mehr als sie müssten. Ihr Verband drängt auf die Einführung eines Lebensarbeitszeitkontos, mit dem die Lehrkräfte die Stunden wieder abfeiern können.

Gab’s früher mal in jedem Haushalt: das Sparbuch. Foto: Shutterstock

Berufsschullehrerinnen und Berufsschullehrer fordern vom Land Baden-Württemberg die Einführung eines Lebensarbeitszeitkontos. Ein solches Konto sei im Koalitionsvertrag der grün-schwarzen Landesregierung vereinbart worden, die Umsetzung lasse aber auf sich warten, kritisierte der Vorsitzende des Berufsschullehrerverbands Baden-Württemberg, Thomas Speck, am Freitag in Stuttgart. «Wir müssen die Lehrkräfte motivieren: Wir sehen, dass es aktuell schwierig ist, aber wir brauchen euch und bieten euch deswegen etwas an. Da wäre das Lebensarbeitszeitkonto eine kleine Einstiegsmöglichkeit», sagte Speck.

Im Koalitionsvertrag hat die Landesregierung vereinbart, sich für die Einführung eines solchen Kontos einsetzen zu wollen, «bei dem Mehrarbeitsstunden über einen begrenzten Zeitraum angespart und abgebaut werden können».

Bereits im Herbst hatte der Berufsschullehrerverband eine Studie der Uni Mannheim vorgelegt, der zufolge Berufsschullehrer im Durchschnitt drei Stunden Mehrarbeit wöchentlich leisten (News4teachers berichtete). Die Schulleiter sind demnach mit acht Stunden Mehrarbeit pro Woche sogar noch stärker gefordert als ihre Kollegen. Als Grund für die Überstunden nennt der Verband eine Vielzahl von Tätigkeiten außerhalb des Unterrichts.

Es passiere zu wenig, um Schulleitungen und Lehrkräfte kurzfristig spürbar zu entlasten und langfristig für moderne Arbeitszeitregelungen zu sorgen, kritisierte Speck. Der Verband plant deswegen eine Klage. «Wir suchen nun Musterkläger, um über den Rechtsweg die Anerkennung der Mehrarbeit und eine Absenkung der Unterrichtsverpflichtung zu erreichen», sagte Speck.

Ende Januar hatten zwei Gymnasiallehrkräfte mit Unterstützung des Philologenverbands eine Klage beim Verwaltungsgericht Stuttgart eingereicht, mit der sie feststellen lassen wollen, dass sie mehr arbeiten, als sie eigentlich müssten. News4teachers / mit Material der dpa

Wo bleibt die Arbeitszeiterfassung? Studie: Auch an Berufsschulen arbeiten Lehrkräfte mehr, als sie müssten

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15 Kommentare
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Dil Uhlenspiegel
1 Monat zuvor

PS: Neue gesucht.

dickebank
1 Monat zuvor
Antwortet  Dil Uhlenspiegel

Wattn nu, neue Lehrkräfte oder neue Ausreden - äh Argumente -, warum die Arbeitszeiterfassung bei Lehrkräften unmöglich ist?
Kann
se dich ma klar ausdrücken?

Enjoy your chicken Ted
1 Monat zuvor
Antwortet  dickebank

Ist doch sonnenklar: da schon der Schröder seinerzeit brilliant kombiniert hat, dass alle LK faule Säcke und Säckinnen sind, die nur ständig frei haben, kann es keine Arbeitszeiterfassung geben. Da müssten wir KuK ja erstmal anfangen zu arbeiten.

Rainer Zufall
1 Monat zuvor

Ich drücke die Daumen!

Nicht wenige Kultusminister*innen dachten ja über Überstundenkonten an. Werden ja wohl nicht hohle Phrasen gewesen sein? 😉

Realist
1 Monat zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Was Kultusministerien so alles Verprechen hat die Qualität eines Benkoschen „Letter of Intent“…

Canishine
1 Monat zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Überstundenkonten oder Vorgriffsstundenkonten? („Danke, liebes Kollegium, für die tolle Idee …!“)

kanndochnichtwahrsein
1 Monat zuvor

Oh, wär doch schön: Dann gehen viele Lehrer nach 30 Jahren exzessiver Arbeit in Rente, weil ihr Lebensarbeitszeitkonto voll ist.

Nur schade, dass das nie jemand feststellen wird… denn dann würden morgen alle, die ihre 30 oder x Jahre voll haben, in vorzeitige Pension gehen.
Wie viele Lehrer blieben dann wohl in den Schulen übrig?
Vielleicht ausreichend, dass in jeder Stunde Aufsicht auf dem Schulhof gewährleistet wäre?
Vielleicht….
Man könnte mal probeweise alle Lehrkräfte mit mehr als 30 Dienstjahren rausrechnen und versuchen, ohne sie einen Stundenplan aufzustellen…

PetKue
1 Monat zuvor

Wir brauchen uns bezüglich Gehalt und Pension wirklich nicht beklagen. Dass wir mehr arbeiten, weiß doch jeder. Aber jeder Versuch, etwas „gerechter“ zu machen, endete mit Nachteilen für alle. Unsere Unterrichtsstunden werden schon jetzt nach Hundertsteln abgerechnet und Differenzen aufs Folgejahr übertragen. Wer will denn jetzt auch noch eine Totalerfassung aller Tätigkeiten, die wir neben dem Unterricht sonst noch so machen? Niemand in meinem Bekanntenkreis will 35, 38 oder 40 Stunden in der Schule verbringen, jeder flüchtet sofort nach Hause. Wer will auf seine freien Tage verzichten? Wer kontrolliert, wer tatsächlich auch arbeitet und wer nur die Zeit absitzt? Wer glaubt denn ernsthaft, dass unsere Arbeit dadurch weniger wird, dass wir uns für jedes Telefonat vorher in den Rechner einwählen oder jede Minute online dokumentieren? Gewerkschaften und Lehrerverbände argumentieren m.E. völlig an den tatsächlichen Wünschen der Kolleg/innen vorbei. Und die Leute, die kleinlich jede Minute zuviel bejammern, sind nach meiner Erfahrung meistens nicht gerade die pädagogische Spitze unseres Berufes. War 30 Jahre lang an Berufsschulen tätig, Personalrat und Gewerkschaftsmitglied. 

Mika
1 Monat zuvor
Antwortet  PetKue

Sie können gern für sich sprechen, sicher aber nicht für die Mehrzahl der Kollegen, die weit mehr als die reguläre Wochenarbeitszeit für Beamte oder Landesangestellte arbeitet, und zwar bereits ferienbereinigt, wieso ziemlich alle Arbeitszeitstudien ergeben haben.
Wenn Sie weniger Zeit aufwenden, unterstützen Sie einfach Ihre Kollegen!
Ich tracke meine Arbeitszeit, und so wie es aussieht, habe ich Ende Mai fertig mit dem Jahressoll.
Mika, Mint-LK am Gymnasium, zur pädagogischen Spitze des Lehrerberufes gehörend.

tozitna
1 Monat zuvor
Antwortet  PetKue

Ich stimme Ihnen voll zu… und kann mir gut vorstellen, wie so eine Arbeitszeitregelung aussieht: Pauschale Korrekturzeit für die Klausur (mit Zahlen;): 10 Minuten als Ansatz pro Arbeit,
Zeit für Fließtextklausur: 12 Minuten,
wie wird eigentlich die festliche (musikalische) Umrahmung des Schulfestes abgerechnet? 20 Minuten als Ansatz für die praktische Spielzeit etc pp.
Was wird das für eine irre Welt…

Marhat
1 Monat zuvor
Antwortet  PetKue

Schade, dass die Kaffeetasse so klein und der Rand so hoch… .

447
1 Monat zuvor
Antwortet  PetKue

Hab Korrekturfach.
Hab OS.
Hab Sek I für Powerschwangere obendrauf.
Hab regelmäsdig (curca 2 von 3 Jahren) zusätzlich zum Abitur (jedes Jahr) noch MSA obendrauf.

Arbeitszeiterfassung?
SEHR GERNE.

Teacher Andi
1 Monat zuvor

So langsam kommt Bewegung in diese starre, oft schon starrsinnige und ungerechte Schulpolitik. Bislang war der Dienstherr sehr verwöhnt, da er sicher sein konnte, dass die Lehrkräfte alles an Mehrarbeit schlucken ohne Aufstand, denn der war ja nicht erlaubt. Jetzt geht es langsam ans Eingemachte, die Bildung steht auf dem Spiel, da müssen sich die Glorreichen 16 mal bewegen, sonst dürfen sie ihren Unterricht bald alleine stemmen.
Bitte nicht locker lassen, jahrzehntelange Demütigungen und Ausbeutungen rächen sich nun. Bin mal gespannt auf die Reaktionen aus den KuMis, denn nun kann man die Klagen nicht mehr unter den Teppich kehren oder in irgendeiner Form sanktionieren, wie das ansonsten üblich war. Herr Kretschmann wird sagen „immer dasselbe …..die Lehrer fordern immer dasselbe, sie sollen doch auch mal das Positive in diesem Beruf sehen. Ich habe meine Arbeit ncoh gern gemacht und konnte die Schüler motivieren, was war ich da doch für ein toller Lehrer.“
Sie wollen es nicht sehen.

Bla
1 Monat zuvor
Antwortet  Teacher Andi

„immer dasselbe …..die Lehrer fordern immer dasselbe“
Ist ja auch ziemlich Öde. Immer die Forderungen der Lehrkräfte und Verbände… mehr Personal und so. Kleinere Klassen.
Nene, lieber mehr Ganztag. Klassenteiler dann anheben. Dazu Sonderprojekte mit kleinen Lerngruppen zum Ausgleich und Zwecks der Förderung. Zusatzpersonal? Naja … Ist wieder Öde die Forderung. Das kann man bestimmt oben drauf machen zum Halbtagsjob.
Vielleicht sollten mehr Lehrkräfte an bestimmten Kröten schlecken. Machen einige Politker anscheinend auch gerne mal.

Schulmeister
1 Monat zuvor

Vorab: Mein Beitrag wird für Verwunderung, möglicherweise auch Verärgerung sorgen. Wer trotzdem weiterlesen will, kann das gerne tun

Eine Arbeitszeiterfassung, die wirklich ihren Namen verdient, würde mir in meinem Fall tatsächlich schwer fallen. Dies aus folgenden Gründen:

  1. Eine Regelung wie in Hamburg, wonach bestimmten Klassen in bestimmten Fächern eine bestimmte Stundenzahl zugestanden wird, führt nach meiner Erfahrung ins Leere. Die Klassen und Jahrgänge sind so unterschiedlich, dass Arbeitszeit, Vor –  und Nachbereitung, gegebenenfalls Gespräche mit Kollegen oder Eltern so unterschiedlich sind, dass ich das pauschal nicht darstellen kann, sondern immer nur von Fall zu Fall.
  2. Am einfachsten – und am ehesten nachvollziehbar – wäre es vermutlich, wenn ich neben der reinen Unterrichtszeit bei der häuslichen Arbeit am Schreibtisch einfach die Uhr mitlaufen ließe. Wie sieht es dann aber mit Unterbrechungen aus? Familienväter kennen das zur Genüge. 
  3. Ganz schwierig wird es bei der informellen Fortbildung, zum Beispiel durch Lesen von Zeitungen, Zeitschriften und Büchern. Ich bin ja nun nicht nur Lehrer in zwei geisteswissenschaftlichen Fächern, sondern lese auch sehr gerne. Außerdem sehe ich es als meine Pflicht als Lehrer an, mich tagesaktuell auf dem Laufenden zu halten. Soll ich das alles arbeitszeitmäßig erfassen? Zeitung lesen: aktueller Teil und Kulturteil, ja, Sportteil nein, weil ich ja kein Sportlehrer bin. Fachbücher ja, Romane und Dramen nein? Ich unterrichte ja aber auch Literatur. Wenn ich Bücher in der Fremdsprache lese, dann ja, sonst nein? Wie sieht es aus, wenn ich beim spazieren gehen oder beim einkaufen ein Elternteil sehe und mit ihm auf Schulthemen zu sprechen komme? Andere Beispiele ließen sich problemlos ergänzen.

Bei allem Verständnis für den Wunsch nach Würdigung der eigenen Arbeit (den Wunsch habe ich auch) ist mir das insgesamt suspekt. Die Zeit, die ich brauche, diese unterschiedlichen Dinge zusammen zu zählen zu unterscheiden., Was ist Dienst? Was ist Hobby? kann ich sinnvoller in gute Arbeit stecken oder auch in einen Spaziergang mit meiner Frau. Und dann kommt uns auf dem Spaziergang spontan eine Idee, die wir kreativ weiterspinnen. Soll das dazu? 
Ich habe meinen Beruf eigentlich immer als einen kreativen gesehen und Kreativität lässt sich vom Ergebnis her bewerten, aber nicht in Stunden und Minuten messen. 
Ich gehe davon aus, dass gerade in unserem Beruf Vertrauen eine große Rolle spielt. Ich habe meine Arbeit immer so aufgefasst, dass meine Schule das Vertrauen in mich setzt, meine Arbeitszeit sinnvoll einzusetzen, und ich habe versucht, diesem Vertrauen gerecht zu werden. 
Das hat im Großen und Ganzen auch funktioniert.