Nach Hin und Her bei der Abiturprüfung: Schülerrat fordert bessere Bewertung

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HANNOVER. Wegen eines Einbruchs an einer Schule sind in Niedersachsen die schriftlichen Abiturklausuren im Fach Politik-Wirtschaft unterbrochen worden. Der Landesschülerrat will nun eine bessere Bewertung.

Es soll aufwärts gehen. Illustration: Shutterstock

Der Landesschülerrat in Niedersachsen fordert eine bessere Bewertung für Schülerinnen und Schüler, die von den Verzögerungen bei der schriftlichen Abiturprüfung im Fach Politik-Wissenschaft betroffen sind. Die Bewertung müsse pauschal um einen Punkt erhöht werden, um den entstandenen Nachteil auszugleichen, teilte der Landesschülerrat am Freitag mit. Für die Schülerinnen und Schüler seien die Situation und die Ungewissheit sehr belastend gewesen, hieß es weiter. Laut Kultusministerium waren rund 8000 Schülerinnen und Schüler betroffen.

Wegen eines Einbruchs an einer Schule in Goslar waren die schriftlichen Abiturprüfungen im Fach Politik-Wirtschaft in ganz Niedersachsen am Donnerstag unterbrochen worden. Theoretisch hätten Schülerinnen und Schüler die Aufgaben nach dem Einbruch vorab einsehen können, sagte ein Sprecher des Kultusministeriums. Beim Zentralabitur werden bei den Prüfungen allen Schülerinnen und Schülern in einem Bundesland die gleichen Aufgaben vorgelegt.

«Die ursächliche kriminelle Tat von Unbekannten ist auch für uns und die Schulen nicht vorhersehbar»

Das Ministerium forderte die Schulen am frühen Donnerstagmorgen auf, die geplanten Prüfungsaufgaben nicht auszuteilen oder wieder einzusammeln. Danach wurden anschließend neue Aufgaben für die Schulen hochgeladen, die ursprünglich für einen Nachholtermin gedacht waren. Dies dauerte aber.

Die Schülerinnen und Schüler konnten daraufhin selbst entscheiden, ob sie die Prüfungen noch am Donnerstag zeitversetzt beginnen oder einen Nachschreibtermin nutzen wollten, wie das Ministerium mitteilte. Für diejenigen, die sich für eine Verschiebung entschieden, werden die Abiklausuren in Politik-Wirtschaft am 8. Mai nachgeholt. Laut Landesschülerrat wurden die Abiturienten an einer Schule erst nach 100 Minuten über den Abbruch der Prüfungen informiert, nachdem knapp die Hälfte der Aufgaben bearbeitet wurde.

Bei der Bereitstellung der Ersatzaufgaben soll es Probleme mit einer fehlerhaften Datei gegeben haben, wie eine Ministeriumssprecherin am Freitag sagte. Dies habe offensichtlich zu Verzögerungen geführt. Die genauen Ursachen stünden auf dem Prüfstand. Mit etwas Verzögerung standen die neuen Aufgaben demnach zum Download bereit. Laut Sprecherin soll nun überprüft werden, wie Abläufe in einem solchen Fall künftig schneller und besser funktionieren können.

Niedersachsens Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Grüne) sagte laut Mitteilung: «Die ursächliche kriminelle Tat von Unbekannten, die nach unserer derzeitigen Kenntnis nicht mit den Abi-Prüfungen im Zusammenhang stand, ist auch für uns und die Schulen nicht vorhersehbar.» Man bereite sich auf verschiedene Szenarien vor. «Mit einem immer wieder angepassten und erprobten Notfallszenario konnten wir deshalb dennoch relativ schnell sicherstellen, dass die Prüfungen – wenn auch mit verspätetem Start – am vorgesehenen Prüfungstag geschrieben werden konnten.» Zudem habe man entschieden, dass Schülerinnen und Schülern die Option eingeräumt werde, einen Nachschreibtermin wählen zu können. Die Ministerin dankte den Schülerinnen und Schülern für die Nachsicht in dieser Situation. News4teachers / mit Material der dpa

Wegen Einbruch in Schule: Abituraufgaben nach Beginn der Prüfung ausgetauscht

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26 Kommentare
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Dil Uhlenspiegel
1 Monat zuvor

Ganz schwierige Sache, was macht man da? Man könnte die Verantwortung der Schulleitungen stärken und die stärken dann die der einzelnen Korrektur-LuL.

KARIN
1 Monat zuvor

Bei uns wurden Abiaufgaben im Tresor aufbewahrt!
Wie soll da was an Schüler vorab durchgesickert sein!
Verstehe ich nicht!
Oder wurde an dieser Schule die Abiprüfng, ausgedruckt in voller Anzahl, im Lehrerzimmer bereitgelegt???? So blöd ist doch keine Schule, deshalb hier noch einmal, wie sollen Schüler an die Aufgaben gekommen sein?

mama51
1 Monat zuvor
Antwortet  KARIN

Die Aufgaben waren im Tresor!!!!

JoS
1 Monat zuvor
Antwortet  KARIN

Der Tresor wurde aufgebrochen und die Aufgaben lagen am nächsten Morgen auf dem Hof oder vor der Schule auf dem Boden.

KARIN
1 Monat zuvor
Antwortet  JoS

Wo steht das, habe den Text 2 mal überflogen!

Lena Hauenstein
1 Monat zuvor
Antwortet  KARIN

Im im Text verlinkten Artikel, „Wegen Einbruch an Schule…:”.

447
1 Monat zuvor
Antwortet  KARIN

Wurde mehrfach im ÖRR-Radio berichtet, genau so wie JoS schreibt

KARIN
1 Monat zuvor
Antwortet  KARIN

Danke an alle Kommentatoren!
Auch ich habe es jetzt gefunden!

Unfassbar
1 Monat zuvor

Den Schülern wurde doch freiwilliges weiterschreiben oder der Nachtermin angeboten. Eine bessere Bewertung halte ich für nicht notwendig.

KARIN
1 Monat zuvor
Antwortet  Unfassbar

Genau!

JoS
1 Monat zuvor
Antwortet  Unfassbar

Offensichtlich wurde den Schüler*innen nicht überall gesagt, dass sie die Wahl haben. Dazu kommt, dass es definitiv eine Belastung für die Schüler*innen darstellt, teilweise stundenlang warten zu müssen. Und ganz unabhängig davon scheinen die Ersatzaufgaben nach Einschätzung einiger Politiklehrkräfte schon ein wenig anspruchsvoller zu sein, als die ursprünglichen Vorschläge. Aber das sind natürlich rein subjektive Ansichten, die ich nur aus dritter Hand habe.

Lena Hauenstein
1 Monat zuvor
Antwortet  JoS

Die sind eher pipifaxiger als der erste Satz war.

Canishine
1 Monat zuvor
Antwortet  Unfassbar

Als wir letztes Jahr in NRW bis in den Abend auf den Download der Abiturklausuren gewartet haben, hätte ich mir auch ein großes Eis gewünscht. Vielleicht hätte ich mit dem Fuß aufstampfen sollen …

Der Zauberlehrling
1 Monat zuvor

Diese Schüler sind sicherlich für ihr Leben traumatisiert.

Abiturzeugnisse mit 1,0 gleich ausgeben. Mit Maximalpunktzahl.

JoS
1 Monat zuvor

Polemik beiseite: Ich hätte mich auch geärgert, wenn sowas bei meinem Abitur passiert und ich stundenlang im Ungewissen gelassen worden wäre. Aber zum Glück gab’s da den Zentralabitur-Wahnsinn noch nicht.

Der Zauberlehrling
1 Monat zuvor
Antwortet  JoS

Ärgerlich – sicherlich. Belastend – sicherlich.

Aber der Landesschülerbeirat schließt sich da dem allgemeinen Konsens an, sofort und bei allem etwas zu fordern. Das finde ich mies und das fordert meine Polemik.

Aufgaben,die vorher bekannt werden, hängen nicht am „Zentral“ und nicht am „Abitur“. Das gab es früher sehr wohl auch schon.

Makkus
1 Monat zuvor

Sofort bei allem etwas fordern. Soso.
Ich erkenne hier Parallelen.
Vielleicht verhallt die Arbeit von Lehrern doch nicht und sie haben mehr Einfluss auf die Schülerschaft als sie denken.
Möglicherweise kann man in dieser Personengruppe den Lehrernachwuchs finden?!

JoS
1 Monat zuvor

Klar gab es das auch früher schon vereinzelt. Aber da hat ein Vorfall an einer Stelle nicht gleich zu Konsequenzen im ganzen Bundesland geführt.
Im Moment haben wir fast jedes Jahr Probleme:
https://mads.de/alle-jahre-wieder-die-groessten-pannen-beim-abitur-in-deutschland/

Und die Aufzählung im Artikel ist lange nicht vollständig.

Küstenfuchs
1 Monat zuvor

Wieso sollte man die Noten anheben? Dafür gibt es keinen sachlichen Grund. Man wird nicht jede klitzekleine Hürde im Leben aus dem Weg geräumt bekommen, wie es die offenbar in Watte gebetteten Kinder des Schülerrats (und sicher auch ein paar Helikoptereltern) es gerne hätten.

Katze
1 Monat zuvor
Antwortet  Küstenfuchs

Volle Zustimmung! Viele SuS in der Kursstufe sehnen „Hürden“ regelrecht herbei, um Noten-geschenke zu bekommen. Während der Chemie-Klausur drang Baustellenlärm durch die geöffneten Fenster. Die Raumtemperatur war zu hoch – hurra der Sommer kommt. Der Kollege hat im Vorfeld länger gefehlt und konnte uns nicht effektiv auf die Klausur vorbereiten. Die Noten müssen daher angepasst (angespaßt) werden. Langzeiterkrankungen von MINT-KuK werden bei bestimmten SuS regelrecht gefeiert. Eigeninitiative, das hochgepriesene Selbstorganisierte Lernen und Anstrengungen auf Schülerseite gehen ja gar nicht. Die Aufgabenstellung war nicht eindeutig bzw. hat uns völlig kognitiv überfordert – Argument kommt immer häufiger. Hä? Hochschulreife zum Nulltarif? – ist jetzt meine Frage. Die Klausur hat einen Durchschnitt von unter 5 Notenpunkten – na da lässt sich doch sicher zum Anpassen (Pampern) die Schulleitung ins Boot holen. Bei vielen SL klappt das auch.
Autorität (Authentizität) und fachliche Kompetenzen der KuK sind dabei doch völlig zweitrangig und können systematisch untergraben werden.

In Schülerräten versammeln sich scheinbar die besonders auf Leistung und Anstrengung orientierten Schülerpersönlichkeiten (Ironie).

Wen wundert der ausbleibende Run von Generation Z auf Lehramt eigentlich noch?

Galathea
1 Monat zuvor
Antwortet  Küstenfuchs

Man kann es ja mal versuchen…

Finagle
1 Monat zuvor

Nunja, wer kann es ihnen verübeln, auf dem heutigen Basar der Noten und Abschlüsse mit allen Mitten zu feilschen…