Wie sich die Politik den Einsatz von KI im Unterricht vorstellt – Schulbehörde legt Leitlinien für Lehrkräfte vor

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HAMBURG. Künstliche Intelligenz durchdringt immer mehr Bereiche des Lebens – auch Schulen. Wie dort mit KI umgegangen werden soll, hat Hamburgs Schulbehörde nun in Leitlinien zusammengefasst. Die sollen für Lehrkräfte anschaulich machen, welche Einsatzmöglichkeiten sich die Politik im Unterricht vorstellt.

Guten Morgen, Frau Lehrerin… Illustration: Shutterstock

Hamburgs Schulbehörde hat Leitlinien für den Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) an den Schulen der Hansestadt vorgelegt. Entwickelt worden seien diese von der Kompetenzstelle KI des Landesinstituts für Lehrerbildung und Schulentwicklung Hamburg, von der Behörde selbst und dem Artificial Intelligence Center Hamburg, wie die Verwaltung mitteilte. Die «Leitlinien für den Einsatz von KI-Systemen in Schule und Unterricht» drehen sich um den lernförderlichen Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Unterricht, rechtliche Aspekte sowie um Fragen des Datenschutzes.

«Ich möchte alle Lehrkräfte dazu ermutigen, KI-Anwendungen im Unterricht zu erproben und zu reflektieren, um die Schülerinnen und Schüler zu einem kritischen und kompetenten Umgang mit KI zu befähigen», sagt Schulsenatorin Ksenija Bekeris (SPD). Sie hoffe, dass die Leitlinien als hilfreiches Instrument für die pädagogische Arbeit betrachtet würden. Bekeris betont: «Die Leitlinien wurden aufgrund der dynamischen Entwicklungen bewusst nicht als PDF oder Druckerzeugnis veröffentlicht, sondern ausschließlich digital.» So könnten Änderungen rasch aktualisiert und die Leitlinien sukzessive um Praxisbeispiele, Anwendungsmöglichkeiten und weitere Materialien für die Lehrkräfte ergänzt werden.

«Durch den gezielten und lernfördernden Einsatz von KI-Modellen können die Sprach-, Schreib- und Beurteilungskompetenzen der Schülerinnen und Schüler erweitert werden»

«Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz kann dazu beitragen, den Lernprozess der Schülerinnen und Schüler zu fördern», so heißt es darin. «Durch den gezielten und lernfördernden Einsatz von KI-Modellen können die Sprach-, Schreib- und Beurteilungskompetenzen der Schülerinnen und Schüler erweitert werden, indem bspw. die KI-generierten Daten, wie Texte, Bilder, Videos, Musik, etc. auf verschiedene Aspekte hin untersucht werden, etwa auf ihre Richtigkeit, Konsistenz und Machart. Ferner können sie als Ausgangspunkt für die Arbeit an sachlicher Richtigkeit und Argumentation genutzt werden.»

Und sonst? «Zudem können KI-Modelle individuelle Hilfestellungen während des Lernprozesses bieten, das sogenannte „Scaffolding“. Dies kann z.B. in Form von Unterstützung bei der Bearbeitung von Texten, der Vereinfachung oder Übersetzung von Texten während einer Internetrecherche, oder der Erläuterung von Sachverhalten durch Beispiele und Analogien geschehen.»

Darüber hinaus bestehe das Potenzial, KI-Modelle für die Erstellung von Übungsmaterial zu nutzen. «So können beispielsweise die Schülerinnen und Schüler selbst oder die Lehrkräfte Selbsttests erstellen, um zu überprüfen, ob die Inhalte eines Textes richtig wiedergeben werden können. Diese Tests können als Lückentexte, Multiple-Choice-Tests oder Fragen mit Antwortvorschlägen gestaltet sein und dienen zur Wiederholung und Übung. Sie können in Lernmanagementsysteme eingefügt und als Übungsmöglichkeit zur Verfügung gestellt werden.»

Der Einsatz von KI ermögliche auch ein «jederzeit verfügbares und zeitnahes formatives Feedback». Hierbei sei es allerdings wichtig, dass die Schülerinnen und Schüler verstehen, dass diese Rückmeldungen zur Justierung des Lernprozesses und nicht zur Leistungsbewertung dienen. Deshalb gelte: «Für dieses Feedback sind transparente und nachvollziehbare Bewertungskriterien notwendig, die es den Lernenden ermöglichen, mit dem Ergebnis sinnvoll weiterzuarbeiten.»

Andererseits: Wie müssen Aufgaben gestaltet werden, damit die Eigenleistung der Schülerinnen und Schüler sichtbar bleibt? Dazu heißt es: «Um Lern- und Leistungsaufgaben weiterzuentwickeln und weniger anfällig für den alleinigen Einsatz von KI zu machen, sollten bestehende Formate zur Überprüfung von Lernleistungen kombiniert werden. Für Projekt- oder Facharbeiten kann dies zum Beispiel bedeuten, von Schülerinnen und Schüler selbst gestaltete, individuelle, auf die spezifische Unterrichtssituation zugeschnittene Rechercheaufträge zu integrieren. Die Begleitung des Arbeitsprozesses gewinnt auch hier an Bedeutung, und im Gespräch mit den Lernenden wird deutlich, inwieweit sie sich mit den Inhalten auseinandergesetzt haben. Durch abschließende Präsentationen und Besprechungen der Arbeit wird sichergestellt, dass die Leistung selbstständig erbracht wurde und KI-gestützte Textpassagen als solche gekennzeichnet sind.»

Der rechtliche Teil der Leitlinien befasst sich unter anderem mit der Frage, wie bei Prüfungen mit einem nicht erlaubten Einsatz von KI-Anwendungen umgegangen werden sollte. Hier bleibt alles beim Alten – theoretisch jedenfalls: «Sollten Täuschungshandlungen oder andere Unregelmäßigkeiten auftreten, richten sich die Verfahren nach den Grundsätzen der Leistungsbewertung und den entsprechenden Schul- oder Prüfungsordnungen.»

Die «Leitlinien für den Einsatz von KI-Systemen in Schule und Unterricht» sind unter www.li.hamburg.de/ki abrufbar.

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DieHoffnungstirbtzuletzt
2 Monate zuvor

In der Theorie ist das sehr leicht zu beschreiben und wasserdicht zu machen.
„Durch abschließende Präsentationen und Besprechungen der Arbeit wird sichergestellt, dass die Leistung selbstständig erbracht wurde und KI-gestützte Textpassagen als solche gekennzeichnet sind.“ In der Praxis sind unsere Prüfungsformate noch nicht wirklich tauglich den Einsatz von KI zu erkennen und zu ahnden. Ich spreche für die Mittelschulen in Bayern und von der Projektprüfung und den mündlichen Prüfungen in Deutsch für den MSA.
Von den übergeordneten Stellen kommt wie immer bisher nix und die Prüfungen starten nach den Oster bzw nach den Pfingstferien. Es war ja bisher schon nicht ganz einfach eine gut geklaute Internetrecherche von der Eigenleistung zu unterscheiden und entsprechend zu bewerten. Jetzt müssten die Prüfungen in der Schule mit Internet aber ohne KI stattfinden. Unser Chef hat daran aber keinerlei Interesse, da ja jetzt die Prüfungsergebnisse besser werden…Auch dieses Problem wird sicher wieder sehr individuell gelöst werden, was die Prüfungsergebnisse noch weniger vergleichbar macht als bisher. Und die Firmen wundern sich dann über die Diskrepanz von Noten und Kompetenzen der Schüler. Bin sehr gespannt auf die nächsten 10 Jahre…Bleibt gesund. LG

Kosack
2 Monate zuvor

«Die Leitlinien wurden aufgrund der dynamischen Entwicklungen bewusst nicht als PDF oder Druckerzeugnis veröffentlicht, sondern ausschließlich digital.» Das ist genau mein Humor. Hätten sie mal die KI gefragt, die hätte ihnen gesagt, dass PDFs DIGITAL sind!!!!

Die Wirtschaft setzt immer mehr auf künstliche Intelligenz, weil es mit der natürlichen Intelligenz immer weiter steil bergab geht.

Der Zauberlehrling
2 Monate zuvor
Antwortet  Kosack

Sind PDFs nicht analog? So wie mit Röhren im Verstärker.

Schade, dass nicht der 1. April ist.

Ein Zeichen von Fachkräftemangel, mehr nicht.

Rainer Zufall
2 Monate zuvor
Antwortet  Kosack

Beziehen Sie sich auf Nokia, Schlecker, die Bankenkrise, Schummel-Software von VW, das Scheitern der deutschen Solar-Industrie, Galeria Kaufhof, das Unvermögen der deutschen Autoindustrie, Elektroautos zu bauen oder die teils grottenschlechten und aus der Zeit gefallenen Ausbildungsbedingungen?

vhh
2 Monate zuvor

In NRW sind Facharbeiten als Ersatz einer Klausur Teil der schriftlichen Note. Ergo ist eine mündliche Präsentation als Bewertungskriterium nicht erlaubt. Wäre es anders, würde auch ein Referat mit längerer Vorbereitungszeit reichen.
Nach einer ziemlich guten Fortbildung zu KI-Anwendungen (nicht nur im Schulkontext) und deren Möglichkeiten (sofern man bezahlt) bekommt diese Handreichung von mir das Label ‚bei Erscheinen schon veraltet‘.

Rainer Zufall
2 Monate zuvor

Was zum Geier soll das??
Die KI soll kritisch kennengelernt werden, ihre Fehler (noch) erkannt, aber gleichzeitig ihre Datenbank als Quizgrundlage genutzt werden?

Schüler*innen sollen (noch) an Bildern erkennen, was echt ist und was nicht? Guter Zeitvertreib, ich persönlich würde aber eher eine KI auf diese stumpfe Arbeit abrichten.

Die Kinder HABEN NICHT DAS WISSEN, um KI zu hinterfragen. Die werden den Mist unverdaut wiederkäuen, so wie wir es zuvor mit (grauenhaft schlechten) Wikipedia-Präsentationen taten. Hyperlink löschen 😉

Was Produktivität und Neuschöpfung betrifft, habe ich – bei Schulen – noch nichts gesehen

Mika
2 Monate zuvor

Ich verstehe zwei Dinge nicht ganz:
Erstens:
Die Schüler sollen mittels LI-Anwendung Selbsttests erstellen, ob sie einen Text richtig erfasst haben? Fragezeichen in meinen Augen: Alles, was Sprachmodelle derzeit von sich geben, ist aufgrund der möglicherweise eingeschränkten Datentrainingsbasis zu hinterfragen. Wie soll ein Lernender (und noch nicht Wissender) entscheiden, ob ihm das KI-Modell Gülle erzählt oder nicht?
Zweitens:
„ Durch abschließende Präsentationen und Besprechungen der Arbeit wird sichergestellt, dass die Leistung selbstständig erbracht wurde und KI-gestützte Textpassagen als solche gekennzeichnet sind.“
Und zwar genau wie? Wie erkenne ich das? Wie unterscheide ich KI-generierte Textpassagen von Eigenleistung? Wer von sich behauptet, dies fehlerfrei zu können, ist ein Schwafler. Es gibt derzeit auch noch keine Tools, die dies rechtssicher leisten können.

Chefdenker
2 Monate zuvor
Antwortet  Mika

Ich empfehle Chatpdf, da können PDF Dateien hochgeladen werden und die antworten der KI bezieht ausschließlich auf diesen Text. Daraus kann man durchaus brauchbare multiple choice Fragen erstellen.

Mika
2 Monate zuvor
Antwortet  Chefdenker

Als Arbeitsmittel für Lehrer: ja. Aber Frau Ministerin wurde mit „ So können beispielsweise die Schülerinnen und Schüler selbst oder die Lehrkräfte Selbsttests erstellen, um zu überprüfen, ob die Inhalte eines Textes richtig wiedergeben werden können.“ zitiert. Und das halte ich in diesem Kontext für abstrus.

447
2 Monate zuvor

„Wird bewusst nicht als PDF, sondern digital herausgebracht“

„Kompetenzstelle KI des Landesinstituts für Lehrerbildung und Schulentwicklung Hamburg“

GENAU MEIN HUMOR! 🙂

Dil Uhlenspiegel
2 Monate zuvor

Bitte keine ausgedruckten PDFs einscannen, um sie mittels USB-Stick per Taube zu senden. Die KI hat noch Probleme mit dem Vogelcode. Danke.

Ihr General Intelligence Center

Canishine
2 Monate zuvor
Antwortet  Dil Uhlenspiegel

Die Taube bitte auch nicht einscannen.

Hysterican
2 Monate zuvor
Antwortet  Canishine

Und bitte auch nicht laminieren…

Canishine
2 Monate zuvor
Antwortet  Hysterican

Aber dann sind die Daten sicherer.

Dil Uhlenspiegel
2 Monate zuvor
Antwortet  Canishine

… vor Vogelcode, ja.

Mika
2 Monate zuvor
Antwortet  Canishine

Verdammt….

Hysterican
2 Monate zuvor

Ich würde mich sehr sehr freuen, wenn wir unsere SuS mit den Möglichkeiten analoger Intelligenz vertraut machen würden…und diese das ungeheure Potential darin erkennen würden.

Dieselbe Empfehlung würde ich auch gerne den Deppen in den KuMis geben … ich sehe mich sogar dazu in der Lage, denen das auf digitalem Weg per PDF zukommen zu lassen.

Aber wahrscheinlich lassen die es sich das vor Ort erst mal über ein Fax-Gerät zustellen und dann auf Thermopapier ausdrucken.

Rainer Zufall
2 Monate zuvor
Antwortet  Hysterican

Genial.
Ich hörte, Krankenhäuser beschweren sich über zu kranke Menschen und Feuerwehren über zu heiße Feuer…

Was ist Ihre Vorstellungen, Schüler*innen mit „analoger Intelligenz vertraut zu machen“?

Realist
2 Monate zuvor

«Die Leitlinien wurden aufgrund der dynamischen Entwicklungen bewusst nicht als PDF oder Druckerzeugnis veröffentlicht, sondern ausschließlich digital.»

Übersetzt: Wenn sich herausstellt, dass unsere „Leitlinien“ völliger Murks waren, brauchen wir nur die Interseite zu ändern, und keiner kann uns unser Unfähigkeit nachweisen!

Haben die sich wahrscheinlich von den Online-Medien abgeschaut…

Praxistipp: Zur eigenen Absicherung regelmäßig Screenshots machen!

Hysterican
2 Monate zuvor
Antwortet  Realist

Jepp, genau so!

447
2 Monate zuvor
Antwortet  Realist

Wahrscheinlich wird waybackmashine und screenshots dann zur russischen Hakertechnologie erklärt. 🙂
Oder zu Populusmus, weil screenshots nicht faktengecheckt sind. 🙂

Aber mal ernsthaft:
Wie traurig ist das eigentlich, dass da nicht nur Sie sofort den Gedanken hatten: „Ah, klar, so kann man jederzeit alles ummogeln und sich vermeintlich rausreden.“

Unabhängig davon, ob das überhaupt passiert.

Kevin
2 Monate zuvor

Immer mehr habe ich den Eindruck, dass das alles eine gigantische Werbeaktion ist. Denn natürlich wird nach der ersten kostenlosen Markteinführung jedes KI-Tool Geld kosten. Und wenn dann alle schon dran gewöhnt sind und es sowieso nicht mehr ohne KI geht, dann zahlt man jeden Preis.

Hysterican
2 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

Mit Logik haben diese Dinge überhaupt nix zu tun … es ist vielfach nur noch absurd, was alles in die Schulen gerödelt wird.

Der Zauberlehrling
2 Monate zuvor
Antwortet  Hysterican

Genau so ist es, da stimme ich zu.

Hauptsache es gibt einen Presseartikel.

Lisa
2 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

Jede Lehrkraft kostet Geld…..Aber doch nicht jeden Preis…..

Veränderung der Schule
2 Monate zuvor

Entlastung für Lehrpersonen.
Stunden hybrid abhalten.

Mika
2 Monate zuvor

Bitte erklären Sie: was verstehen Sie unter „Stunden hybrid abhalten“ und inwiefern entlastet dies die Lehrkräfte?
Danke, Mika

Dil Uhlenspiegel
2 Monate zuvor
Antwortet  Mika

In Stunde eins sind die SuS irgendwo, ich bin anderswo.
In Stunde zwei andersherum, also ich irgendwo und sie anderswo.
Macht in der Bilanz 0 LuL-Std. für zwei volle U.std. … it’s magic.

Rainer Zufall
2 Monate zuvor

Mein Problem mit der Sache: Kinder benutzen einen Taschenrechner nicht, um Mathe zu lernen, sondern um die Aufgaben zu lösen. Sie benutzten (vor tausend Jahren) Wikipedia, nicht zum Erlernen der Fakten, sondern um diese auf Plakate und in Arbeiten zu schreiben. Oft wusste ich… wussten sie nicht, wie zuverlässig diese Informationen waren.

Was sollen die Kinder mit KI machen? Vorsicht, es wird ihnen wahrscheinlich das Lernen abnehmen =/

Lena Hauenstein
2 Monate zuvor

Ich war im Herbst auf einer Erasmus+-Fortbildung zu KIs. Ich habe dann die Liste der dort benutzten Tools an den niedersächsischen Datenschutzbeauftragten geschickt, mit der Bitte, man möge mir verraten, welche ich mit den Lernenden einsetzen dürfte. Antwort: keine.

Keine weiteren Fragen.

Rainer Zufall
2 Monate zuvor
Antwortet  Lena Hauenstein

Wie wenig sich in Deutschland ohne die Panedmie getan hätte. Ich bin absolut pro Datenschutz, wünsche mir dann aber auch, dass die Länder datenschutzkonforme Apps in Auftrag geben

Dejott
2 Monate zuvor

Ich denke, eine Handreichung wird die Sache abschließend regeln.

Mika
2 Monate zuvor
Antwortet  Dejott

Aber sie muss laminiert sein!

Hans Malz
2 Monate zuvor
Antwortet  Dejott

„Die technischen Gegebenheiten sowie die zu erwartenden Konsequenzen bzgl. Datenschutz werden derzeit geprüft.“

Zum Datenschutz ist auf jeden Fall schon mal alle gesagt. Ich habe mich selten so gut informiert gefühlt.

Dil Uhlenspiegel
2 Monate zuvor
Antwortet  Hans Malz

Eben, am Technischen kann es nicht scheitern. Und Datenschutzkonsequenzen (für Verstöße?) prüft man. Grundsätzlich Hamburger immer von beiden Seiten anbraten.

wolfgang Endemann
2 Monate zuvor

Der kollektiven Dummheit als zeitgeistigem Phänomen entkommen auch Bildungspolitiker und Lehrer nicht. Robert Musil hat sich vor knapp 100 Jahren schon über das geniale Reitpferd lustig gemacht, er konnte noch nicht ahnen, daß heute Maschinen mit viel weniger Grund für intelligent gehalten werden. Von Maschinen lernen heißt siegen lernen? Die Rechen-, eigentlich präziser Sortiermaschinen werden maßlos überschätzt – naja, in der Blüte des mechanischen Zeitalters hat man auch schon keine Grenzen des Machbaren mehr gesehen.
Ist den für Bildung zuständigen Experten nicht klar, daß die datenverarbeitenden (und -kreierenden) Maschinen nur über eine wenn auch pedantische Ordnungsfähigkeit verfügen, eine „bürokratische“ Intelligenz; wenn man da überhaupt von Intelligenz reden will, denn meistens verbindet sich mit dem Wort eine verstehende, begreifende, kreative Intelligenz. Nein, ich unterschlage nicht die Mustererkennung, das ist schon etwas mehr als Mechanik, aber es sind Muster ohne Bedeutung.
Freilich können Maschinen Routinen trainieren, vielleicht besser als menschliche Lehrkräfte, denn sie haben eine Engelsgeduld. Da können sie sinnvoll eingesetzt werden. Und der alltagspraktische Nutzen von Routinen sollte nicht unterschätzt werden. Selbstverständlich sollte jeder Mensch das elementare Rechnen beherrschen, zB das kleine 1×1. Nicht schlecht auch das große 1×1 und die Algorithmen der schriftlichen Durchführung der elementaren Rechenoperationen mit vielstelligen Zahlen. Aber wer darin die Substanz des Mathematikunterrichts sieht, hat von Mathematik nichts verstanden. Ich halte nichts von der bequemen Haltung, Mathematik sei etwas für das Gymnasium, die Grundschule könne sich aufs Einüben von Rechenroutinen beschränken. Das elementare mathematische Verstehenlernen ist nicht schwieriger als das elementare Rechnenlernen oder der Spracherwerb, und gerade für schwache Schüler wichtiger als das verniedlichend 1×1 genannte. Man sollte also nicht nur die Algorithmen lernen, sondern auch, warum sie funktionieren. Besser als Auswendiglernen, was 19·27 ist, ist den Weg finden: 19·27 = 2·10·27 – 27, wichtig das Überschlagrechnen lernen, eine schöne kompetitive Frage an die Schüler: was fehlt zur Million in der Zahl 619027. Solche Aufgaben kann zwar der Computer mühelos produzieren, aber er kann die Kinder nicht hinführen zum geschickten Umgang mit Zahlen, zum das Rechnen überschießenden Verständnis für die Wunderwelt der mathematischen Zeichen, zu Proportionalität, Kommutativität, usw.
Ich weiß ja nicht, ob wir nerds brauchen, aber sicher nicht als Regelfall einer erfolgreich abgeschlossenen Schulbildung. Übrigens, da ich schon Musil erwähnt hatte: sein Mathematiker ist ein Alleskönner, ein Routinier, der den Sinn seines Können verloren hat. (hübsch nachzulesen im Kapitel 13 des MoE, wenn man mir diesen bildungsbürgerlichen faux pas erlaubt)
Wenn man einen Nagel einschlagen will, holt man nicht den Presslufthammer. Der Computer ist ein unentbehrliches Instrument der avancierten Wissenschaft. Sie braucht die Fähigkeit der gigantisch gesteigerten Rechengeschwindigkeit und das unerbittliche Gedächtnis der Maschinen, die Fähigkeit, mit dem Quasiunendlichen umzugehen. Und wir nutzen gerne die daraus gezogenen Kenntnisse und Fähigkeiten im Alltag, es wäre jedoch absurd, würden wir darüber die viel wichtigeren Fähigkeiten zur Bewältigung der einfachen und substantiellen Probleme des Alltags verlernen. Wenn wir die Dinge im Kleinen, im Prinzip verstanden haben, können wir die Maschinen sinnvoll einsetzen, wenn nicht, entmündigen wir uns.

GriasDi
2 Monate zuvor

Gibt es schon Dienstaccounts für solche KI-Anwendungen?

Realist
2 Monate zuvor
Antwortet  GriasDi

Das wird so lange wie bei dienstlichen E-Mail-Adressen dauern (E-Mail hatte sich ab den 80er-Jahren weltweit durchgesetzt)…

Dil Uhlenspiegel
2 Monate zuvor
Antwortet  Realist

Dafür hat meine Dienst-Mail aber keine Anhänge-Vorschau. Man hat evtl. die Einführung der neuen Technik doch zu sehr überstürzt?

Dil Uhlenspiegel
2 Monate zuvor
Antwortet  GriasDi

Nur auf Privatgeräten.

Rainer Zufall
2 Monate zuvor
Antwortet  GriasDi

Ich hoffe niemals für DIESE! XD

Wenn Sie sich gruseln wollen, schauen Sie sich mal die Arbeitsbedingungen der Trainer*innen an und/ oder den Umgang mit geistigen Eigentum