BERLIN. Die Bildungsministerkonferenz (BMK) – früher als KMK bekannt – hat einen aktualisierten Bericht zum Lehrereinstellungsbedarf und zum entsprechenden Angebot vorgelegt. Fazit: Die Lücke stellt die Länder auch künftig vor große Aufgaben. Die Differenz zwischen ausscheidenden und nachrückenden Lehrkräften summiert sich bis 2035 demnach auf knapp 50.000. Betroffen sind aber nicht alle Lehrämter gleichermaßen.
Kurz- und mittelfristig ist die Zahl der grundständig ausgebildeten Lehrkräfte, die auf dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, geringer als der Bedarf. Erst langfristig wird eine Entspannung erwartet. Dies geht aus der aktuellen Zusammenfassung der Modellrechnungen der Länder zum Einstellungsbedarf und Angebot an Lehrkräften für den Zeitraum 2024 bis 2035 hervor, den die Bildungsministerkonferenz vorgelegt hat. Positiv gewendet: Der Bericht weist auf die guten Einstellungschancen im Schulsystem hin, die angehende Lehrerinnen und Lehrer in den kommenden Jahren vorfinden werden.
Ergebnisse: Lehrkräftemangel herrscht insbesondere bei den Lehrämtern für alle oder einzelne Schularten des Sekundarbereichs I und bei den Lehrämtern für den Sekundarbereich II (berufliche Fächer) oder für die beruflichen Schulen. Bei den Lehrämtern der Grundschule sowie für die sonderpädagogischen Lehrämter ergibt sich lediglich im Zeitraum 2024 bis 2026 ein niedrigeres Angebot an Neuabsolvierenden als Personen zur Bedarfsdeckung benötigt werden – danach ergibt sich, vor allem aufgrund der gesunkenen Geburtenrate, eine Entspannung. Im Zeitraum 2024 bis 2035 stehen nahezu unverändert viele Neuabsolventen zur Verfügung – alles in allem also nicht genug.
„Die ‚Baby-Boomer-Generation‘ verlässt das Berufsleben, die nachrückende Generation ist viel kleiner“
In dem Bericht heißt es: „In der Summe der Berechnungen der einzelnen Länder stehen einem Einstellungsbedarf von 417.000 Lehrkräften in den Jahren 2024 bis 2035 lediglich 367.000 Neuabsolvierende des Vorbereitungsdienstes1 gegenüber, folglich ergibt sich rein rechnerisch eine Differenz in Höhe von 49.000 Personen. Eine derartige Differenz lässt allerdings keine Rückschlüsse auf die tatsächliche Lehrkräfteversorgung – insbesondere auch auf den tatsächlichen Lehrkräftemangel – zu. Dazu bedarf es der hier vorgelegten tieferen Detailanalyse (nach Jahresscheiben und einzelnen Lehrämtern). Das soll jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Situation der Lehrkräfteversorgung in einzelnen Ländern und einzelnen Lehramtsbereichen bereits heute besonders angespannt ist.“
Und weiter: „Die demografischen Ursachen schlagen sich dabei in zweierlei Form nieder: Einerseits verlässt die ‚Baby-Boomer-Generation‘ das Berufsleben, die nachrückende Generation ist viel kleiner. Dies wirkt sich spürbar auf das verfügbare Lehrkräfteangebot aus, da die Wettbewerbssituation um Fachkräfte auf dem Gesamtarbeitsmarkt steigt und weiter steigen wird. Andererseits sind – aktuell vor allem in der Primarstufe – nicht nur aufgrund wachsender Geburtenzahlen in den letzten Jahren (bis einschließlich 2021) steigende Schülerzahlen zu verzeichnen. Zudem sind insbesondere seit den Jahren 2015/16 und zuletzt seit dem Jahr 2022 aufgrund der Fluchtbewegung aus der Ukraine (aber auch zunehmend durch weitere Zuwanderungen) die Schülerzahlen deutlich gestiegen, was den Lehrkräftebedarf signifikant erhöht. Auch die über die Jahre entstandene ‚demografische Rendite‘ (z. B. durch zurückgehende Schülerzahlen), die in den Ländern in unterschiedlichem Umfang zu Standardverbesserungen (u. a. in den Bereichen Inklusion, Ganztagsangebot und Sprachfördermaßnahmen) genutzt wurde, hat den Lehrkräftebedarf bei nunmehr steigenden Schülerzahlen noch gesteigert. Hieraus ergibt sich insgesamt eine sehr herausfordernde Situation im Bereich der Lehrkräfteversorgung.“
In einer Pressemitteilung heißt es: „Um den prognostizierten Entwicklungen entgegenzuwirken, müssen die Länder tätig werden.“ Die Bildungsminister verweisen darauf, dass die KMK im Juni 2022 die Ständige Wissenschaftliche Kommission damit beauftragt habe, Empfehlungen zur Lehrkräftebildung und der Gesamtpersonalsituation an Schulen zu erarbeiten, auch mit dem Ziel, das Studium und den wichtigen Beruf der Lehrerinnen und Lehrer durch weitere Maßnahmen noch attraktiver zu machen. „Die vorhandenen Konzepte und Maßnahmen der Lehrkräftebildung und -gewinnung sollen auf den Prüfstand gestellt und auch neue Wege gedacht werden. Es geht darum, sowohl die Qualität als auch die Quantität der Lehrkräftebildung zu verbessern.“
Tatsächlich erschienen die Empfehlungen vor zwei Jahren – und sorgten für viel Wirbel. Kein Wunder: Sie sehen Mehrarbeit für Lehrkräfte, größere Klassen und Hybridunterricht vor (News4teachers berichtete).
„Die Länder haben viel unternommen, um die zweite Phase der Lehrerbildung attraktiver zu gestalten”
Im März vergangenen Jahres hat die KMK dann die Einführung von „Maßnahmen zur Gewinnung zusätzlicher Lehrkräfte und zur strukturellen Ergänzung der Lehrkräftebildung“ beschlossen, mit denen flexiblere Qualifizierungswege in den Lehrkräfteberuf ermöglicht und neue Zielgruppen gewonnen werden sollen (News4teachers berichtete auch darüber). Mit dem Beschluss „Gestaltung von zusätzlichen Wegen ins Lehramt“ schuf die KMK einen konkreten ländergemeinsamen Rahmen für die Gestaltung von Qualifizierungswegen zu Ein-Fach-Lehrkräften sowie die Einführung sogenannter Quereinstiegs-Masterstudiengänge und dualer Studiengänge.
„Die Länder haben viel unternommen, um die zweite Phase der Lehrerbildung attraktiver zu gestalten”, erklärt die Präsidentin der Bildungsministerkonferenz, Mecklenburg-Vorpommerns Bildungsministerin Simone Oldenburg (Linke). „Mit neuen Ausbildungswegen und einer verbesserten Ausbildung für Lehrkräfte im Seiteneinstieg setzen wir auf mehr Flexibilität in der zweiten Phase der Lehrerbildung, um in einem gemeinsam gesetzten Rahmen neue Zielgruppen für den Beruf zu erschließen.“ Ob das reicht? Wohl eher nicht. Oldenburg: Es müssten weiterhin „Anstrengungen unternommen werden, um die Lücke zwischen der Zahl der Absolventinnen und Absolventen, die die Hochschulen verlassen, und dem Bedarf an den Schulen zu schließen.“ News4teachers
Hier geht es zum aktuellen BMK-Bericht.
Lehrermangel bleibt auf hohem Niveau, Zahl der Abordnungen steigt
