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41 Stunden: Höhere Wochenarbeitszeit für Beamte (auch Lehrkräfte) sorgt für Protest

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BREMEN. Der rot-grün-rote Senat in Bremen hat den Entwurf für ein Gesetz beschlossen, das die Arbeitszeit von Beamtinnen und Beamten von 40 auf 41 Stunden pro Woche anheben soll – betroffen wären auch Lehrkräfte. Offiziell begründet die Landesregierung den Schritt mit der Haushaltsnotlage. Die Bildungsgewerkschaft GEW reagiert mit massiver Kritik und kündigt Widerstand an.

Noch ‚was drauf. (Symbolfoto) Foto: Shutterstock

Die Maßnahme ist Teil der Haushaltskonsolidierung: Durch die rechnerische Mehrarbeit sollen allein in der Stadt Bremen rund 260 Vollzeitstellen eingespart werden. Ausgenommen bleiben schwerbehinderte Beschäftigte, für die weiterhin die 40-Stunden-Woche gilt. Unverändert bleiben die Deputate, also die Zahl der zu erteilenden Unterrichtsstunden – Lehrkräfte sollen schlicht mehr Präsenzzeit in der Schule leisten.

Der Gesetzesentwurf geht nun in die Stellungnahmephase der Gewerkschaften. Anschließend soll er erneut im Senat beraten und im November oder Dezember in der Bürgerschaft beschlossen werden.

„Reine Sparmaßnahmen auf Kosten des Personals“

Von den Gewerkschaften kommt scharfe Kritik. „Die geplante Erhöhung der Präsenzzeit und die Abschaffung der Unterrichtsermäßigung aus Altersgründen sind reine Sparmaßnahmen auf Kosten des Personals und verschärfen die Lage“, erklärte GEW-Landessprecher Fabian Kinz.

Landessprecherin Ramona Seeger warnte: „Die Sparpläne des Senats würden zu weiterer Belastung, zu höheren Krankenständen und damit zu weniger Qualität und mehr Unterrichtsausfall führen. Das macht Bremen nicht attraktiv für die dringend benötigten Pädagog*innen.“

Darüber hinaus kritisierte Kinz die geplante Einstellung der bezahlten praxisintegrierten Ausbildung (PIA) für Erzieher*innen: „Der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung an Grundschulen beginnt im nächsten Schuljahr. Dafür brauchen wir sehr viele ausgebildete Erzieherinnen und Erzieher.“

5.000 Schulbeschäftigte demonstrieren – „Es reicht. Entlastung jetzt!“

Am 3. September kam es bereits zu einem eindrucksvollen Signal aus den Schulen: 5.000 Schulbeschäftigte versammelten sich zunächst in Halle 7 der Bremer Messe, dann zogen sie mit Transparenten zum Rathaus. „Es reicht. Entlastung jetzt!“, forderten sie und übergaben Resolutionen gegen die Pläne direkt an den Senat. Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) blieb dem Protest fern, sein Sprecher Christian Dohle nahm die Forderungen unter lautem Protest entgegen.

„Wir kümmern uns um Bildung. Aber wer kümmert sich um uns?“, fragte GEW-Personalrat Frank Zylinski. GEW-Personalrätin Denise Robinson ergänzte: „Die riesige Beteiligung der Kolleg:innen an der PV zeigt, dass es eine kollektive Überbelastung gibt.“

Tarifrunde als nächste Kampffront

Die Gewerkschaft bereitet ihre Mitglieder bereits auf den nächsten Schritt vor: die im Winter anstehende Tarifrunde im Öffentlichen Dienst. „Eure Arbeit, die Ihr tagtäglich unter diesen Umständen leistet, ist mehr Wert denn je. Und genau das müssen wir den Arbeitgebern sagen, wenn wir in der anstehenden Tarifrunde für bessere Arbeitsbedingungen kämpfen!“, erklärte Seeger. Kinz rief die Beschäftigten dazu auf, sich noch stärker zu organisieren: „Je stärker wir sind, je mehr wir verankert sind, desto mehr können wir erreichen!“

Hintergrund: Arbeitszeit und Belastung

Laut Studien liegt die tatsächliche Arbeitszeit von Lehrkräften schon jetzt deutlich über der bisherigen 40-Stunden-Woche. Bremen will ab 2026 ein Pilotprojekt starten, das die tatsächliche Arbeitszeit wissenschaftlich erfasst – eine Folge der Vorgaben des Europäischen Gerichtshofs und des Bundesarbeitsgerichts zur systematischen Arbeitszeiterfassung. Ein vollständiger Evaluationsbericht wird allerdings erst für Anfang 2028 erwartet.

Bis dahin dürfte die Debatte weiter an Schärfe gewinnen: Für die GEW sind die Pläne des Senats das Gegenteil von Entlastung – ein „Brandbeschleuniger“ für die ohnehin angespannte Lage an den Schulen. News4teachers 

Bildungssenatorin startet Pilotprojekt zur Arbeitszeiterfassung an Schulen – und zur Ablösung des Deputatsmodells

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31 COMMENTS

  1. Da haben wir das Gegenstück zur Vorgriffsstunde in Sachsen-Anhalt, was ja nicht rechtens war. Da wird dann eben einfach die Wochenstundenzeit erhöht. Und Beamte haben ja gerne auf ihr Streikrecht verzichtet.

    • Tja, und da die angestellten Lehrer laut TV-L den Beamten bezüglich der Arbeitszeit gleichgestellt sind, geht die Schere zwischen der Arbeitszeit normaler Angestellter und angestellter Lehrer noch weiter auseinander.
      Dankeschön an die den TVL verhandelnden Gewerkschaften!

      • Das werden die Gewerkschaften NIEMALS tun…
        Eine Hand wäscht die andere und das ist sicherlich die rote Linie des AG.

    • Ist schon ein Unterschied, ob die Politik ALLE Beamten zur Mehrarbeit verpflichtet oder einfach nur die Gruppe der „faulen Säcker“ unter dem Beifall der Öffentlichkeit herausgreift…

  2. Wenn ich etwas erhöhe, dann muss das ja auch gemessen werden. Oder übersehe ich da etwas, dass die heilige Kultusbürokratie sieht?

    • Das siehst du aber jetzt etwas kleinlich. Alle Beamten arbeiten eine Stunde mehr, also geben die Beamten eine Stunde mehr Unterricht. Dass das mehr als eine Stunde Mehrarbeit ist, kann man im Kultusministerium nicht verstehen

    • Damit ist schon für den Fall vorgesorgt, dass bei der Arbeitszeiterfassung eine „ungünstige“ Diskrepanz zwischen Schein und Sein herauskommt. Vielleicht noch besser auf 45 Stunden aufstocken?

      • Genau das war mein erster Gedanke!
        … vorsorglich die Arbeitszeit erhöhen, bevor das mit dem Messen losgeht.
        Mal schauen, ob das eine Blaupause für weitere Bundesländer wird .. ich rechne mit allem – v.a. mit dem Schlimmsten – dann kann man nicht so enttäuscht werden.

  3. Dass angestellte Lehrkräfte 41 Stunden arbeiten müssen, ist ein Skandal und zeigt, wie schwach die Gewerkschaften sind bzw. wie wenig sie sich um die eigentlichen Themen kümmern.

    • …und wieder wer, der Gewerkschaft mit einer Art von starkem, unbekümmerten Goldesel verwechselt. Darf ich fragen, ob und in welcher Gewerkschaft Sie mitwirken ?

    • Nicht unbedingt, sie vertreten leider die Interessen aller Lehrkräfte – die mehrheitlich verbeamtet sind, da kann eben auf die angestellten Lehrkräfte keine Rücksicht genommen werden. Schließlich sllen doch alle gleichbehandelt werden:(
      Interessant wäre es zu sehen, was passieren würde, wenn der §44 TV-L auf alle Landesbeschäftigten im Angestelltenstatus übertragen würde.

  4. Es wäre interessant zu erfahren, wie sich derartige Arbeitszeiterhöhungen auf die Produktivität der Betroffenen auswirken.
    Doch in diesem speziellen Fall kann es dazu logischerweise noch keine Untersuchungen geben, und zu anderen Fällen finde ich keine:

    Warum bloß?

  5. völlig entgegengesetzt zu anderen Branchen
    IGM 35
    manche Forma 32
    Redakteur 36
    Angestellte 38/39

    die Schere geht sehr weit auseinander, auch wenn du bedenkst, dass die 35 Stunden Woche alleine eine 4-Tage Woche darstellt.

    Tolle Homeoffice und workaway-Möglichkeiten überhaupt noch nicht einbezogen!

    • In letzter Zeit mal Nachricjten gelesen?
      Es brechen neue (alte) düstere Zeiten an und Arbeit wird ein begehrtes Gut.
      Der Arbwitsmarkt ist bald nicht mehr als ein untergehenden Stern.

      • Trifft sich doch prima, schließlich müssen die Arbeitslosen und die vielen Transferleistungen doch verwaltet werden. Da wiehert der amtsschimmel doch freudig und verweist auf die vielen nicht besetzten Planstellen.

  6. In Baden Württemberg ist die 41 Stunden Woche für Lehrer doch schon lange umgesetzt
    Auch für Polizisten
    Mein Vater hat jahrelang vor seinem Ruhestand 41 Stunden gearbeitet

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