SARREGUEMINES. Frankreich steht unter Schock: In der Grenzstadt Sarreguemines (Saargemünd), nur rund 20 Kilometer von Saarbrücken entfernt, hat sich ein neunjähriges Mädchen das Leben genommen – offenbar, nachdem es über Monate hinweg in der Schule wegen seines Gewichts verspottet und ausgegrenzt wurde. Der Fall hat eine landesweite Debatte über Mobbing und die Verantwortung von Schulen ausgelöst.

Wie der Spiegel unter Berufung auf Polizeikreise berichtete, wurde die Leiche der Neunjährigen am vergangenen Samstag im Haus der Familie entdeckt. Sie habe einen Abschiedsbrief hinterlassen. Die Mutter gab laut der Nachrichtenagentur AFP an, ihre Tochter sei in der Schule „wegen ihres Gewichts gemobbt und verspottet“ worden. Nach Informationen der FAZ wurde das Mädchen, das in der Kleinstadt an der deutsch-französischen Grenze lebte, tot im Zimmer ihres Bruders gefunden.
Sie sei seit Beginn des Schuljahres immer wieder gehänselt worden – eine Klassenkameradin sagte dem Fernsehsender TF1: „Sie weinte jeden Tag. Sie sagte mir, dass sie es satt habe, dass sie es nicht mehr aushalte.“
Ein anderer Schüler berichtete der AFP, das Mädchen sei auch nach dem Unterricht von Mitschülern geärgert worden. Das Opfer habe kein Mobiltelefon besessen, ein Fall von Cybermobbing wird daher ausgeschlossen. Das Kind besuchte die fünfte Klasse der Grundschule Montagne Supérieure in Sarreguemines.
Reaktionen der Familie und der Schule
Die Familie steht unter Schock. Laut FAZ wussten die Eltern offenbar nichts von dem Ausmaß der seelischen Belastung. Zwei ältere Brüder der Verstorbenen räumten am Montag die Blumen und Kerzen weg, die Mitbürgerinnen und Mitbürger vor der Schule niedergelegt hatten, und ließen ein Schild anbringen: „Die Familie möchte nicht, dass Sie Blumen niederlegen.“
Die zuständige Schulbehörde Académie de Nancy-Metz teilte in einem Kommuniqué mit, die gesamte Bildungsgemeinschaft sei von dem Vorfall „zutiefst erschüttert“. Eine psychologische Anlaufstelle sei eingerichtet worden. Ob Lehrerinnen und Lehrer von dem Mobbing wussten oder es hätten erkennen müssen, ist Gegenstand der Ermittlungen. Staatsanwalt Olivier Glady erklärte gegenüber Medien, es gebe bislang keine Hinweise darauf, dass das Mädchen ihre Absicht angekündigt habe.
Laut der Zeitung Le Figaro soll die Schulaufsicht versucht haben, den Vater davon abzuhalten, eine Anzeige wegen unterlassener Hilfeleistung gegen das Lehrpersonal zu stellen.
Politische Reaktionen und gesellschaftlicher Kontext
Auch Frankreichs ehemaliger Regierungschef und Bildungsminister Gabriel Attal äußerte sich zu dem Tod des Mädchens. Er sprach öffentlich von der „Plage des Mobbings“ – einem „langsam brennenden Gift, das das Selbstvertrauen untergräbt und zum Schlimmsten führen kann“. Attal erinnerte daran, dass er als Bildungsminister den Kampf gegen Mobbing zur Priorität gemacht hatte. So hatte er sich dafür eingesetzt, dass künftig nicht mehr die Opfer, sondern die Täter die Schule wechseln müssen. Zudem führte seine Regierung nach dänischem Vorbild Empathiekurse ein, um Schülerinnen und Schüler für Mitgefühl und soziales Verhalten zu sensibilisieren.
Elle avait 9 ans.
Elle s’appelait Sarah.Elle a laissé une lettre à ses parents avant de mettre fin à ses jours à cause du harcèlement dont elle était victime à l’École.
Le harcèlement est un fléau, un poison lent qui ronge la confiance en soi et qui peut conduire au pire.… pic.twitter.com/NFKxWxOAGh
— Gabriel Attal (@GabrielAttal) October 13, 2025
Bereits im Jahr 2023 hatte die damalige Premierministerin Élisabeth Borne einen „unerbittlichen Kampf gegen Mobbing“ angekündigt. Dennoch zeigen aktuelle Zahlen, dass rund zehn Prozent aller Schülerinnen und Schüler in Frankreich regelmäßig Mobbing erleben. Mehrere Suizide von Jugendlichen, die zuvor über anhaltende Demütigungen geklagt hatten, hatten das Thema immer wieder in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt.
Ein Land in Trauer – und viele offene Fragen
Vor der Schule in Sarreguemines legten Bürgerinnen und Bürger weiße Rosen nieder – bis die Familie um Ruhe bat. In den sozialen Netzwerken kursieren Bilder, die das Mädchen lächelnd an seinem letzten Geburtstag zeigen. Ende November wäre sie zehn Jahre alt geworden. Die Ermittlungen dauern an. Der Staatsanwalt kündigte an, „mit großer Vorsicht“ vorzugehen. News4teachers
Wenn Sie daran denken, sich das Leben zu nehmen, versuchen Sie, mit anderen Menschen darüber zu sprechen. Es gibt eine Vielzahl von Hilfsangeboten, bei denen Sie – auch anonym – mit anderen Menschen über Ihre Gedanken sprechen können.
Das geht telefonisch, im Chat, per Mail oder persönlich.
Die Telefonseelsorge ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr erreichbar. Die Telefonnummern sind 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222.
Der Anruf bei der Telefonseelsorge ist nicht nur kostenfrei, er taucht auch nicht auf der Telefonrechnung auf, ebenso nicht im Einzelverbindungsnachweis.
Ebenfalls von der Telefonseelsorge kommt das Angebot eines Hilfe-Chats. Die Anmeldung erfolgt auf der Webseite der Telefonseelsorge. Den Chatraum kann man auch ohne vereinbarten Termin betreten, mit etwas Glück ist ein Berater frei. In jedem Fall klappt es mit einem gebuchten Termin.
Das dritte Angebot der Telefonseelsorge ist die Möglichkeit der E-Mail-Beratung. Auf der Seite der Telefonseelsorge melden Sie sich an und können Ihre Nachrichten schreiben und Antworten der Berater lesen. So taucht der E-Mail-Verkehr nicht in Ihren normalen Postfächern auf.
Frankreich: Regierung will nach Schüler-Suiziden scharf gegen Mobbing an Schulen vorgehen









Und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit werden die Mobber vornerum mit großen Augen schweigen und unter sich später hämisch feixen, dass das Mädchen endlich weg ist. Mit tatsächlicher Betroffenheit sollte da bitte kein Pädagoge rechnen, egal was Macron, die Schulen oder sonstwer unternimmt.
Wussten die Eltern vom Mobbing? Haben sie die Lehrer informiert und es passierte trotzdem nichts? Mobbing findet gezielt in unbeobachteten Bereichen statt, wodurch Lehrer es ohne Schuld übersehen können
Das stimmt leider. Und selbst wenn sie es mitbekommen, folgt meist eher ein Appell an die Resilienz der Gemobbten, statt sich die Mobber mal zur Brust zu nehmen. Im Zweifelsfall wird deren Verhalten mit schwerer Kindheit entschuldigt und den Gemobbten in wohlmeinender Ignoranz empfohlen, sich ein dickeres Fell zuzulegen, nicht alles so ernst zu nehmen, auch mal “mitzulachen”, oder “einfach” weg zu gehen. Und dergleichen mehr. Sei es aus Bequemlichkeit, sei es aus Unwissenheit heraus, weil man als Lehrer (immer!) nur die Spitze des Eisbergs mitbekommt und die natürlich halb so wild findet.
Das wichtigste Lied zum Thema Mobbing ist meiner Meinung nach “Hero (Red Pill Version)” von Superchick. Dieses Lied sollte meiner Meinung nach verpflichtend im Musikunterricht behandelt werden.
Das “Gegenlied” ist dann wohl “Kinder an die Macht”!? Nein, im Ernst, warum nicht ein deutschsprachiges Lied für deutschsprachige Kinder (wenn es um hierzulande geht)?
Weil mir kein deutsches Lied bekannt ist, das das Thema Mobbing mit solcher Klarheit und ungeschönt behandelt.
Gibt es garantiert. Nur wird es Sie sicherlich nicht überzeugen, weil Sie ja das andere so toll finden.
Ich bin offen. Nennen Sie mir Beispiele.
Wenn ich mal wieder “übernehmen” darf, das macht ja keinen Sinn, dann sucht man und googelt und Sie sagen am Ende, nein, das andere ist besser und alles war umsonst. Ich habe auf die Schnelle bei Google eingegeben “Lied gegen Mobbing Deutsch”. Die ersten zwei Ergebnisse sind:
https://www.youtube.com/watch?v=kTzwMCaSReQ
https://www.youtube.com/watch?v=y5zB4yLrWrw
Und? Ihr’s ist besser? (Natürlich dürfen Sie Ihr’s besser finden.)
…weil Englisch weiterhin einen Weltsprachenstatus inne hat, über wesentlich mehr Ausdrücke als die deutsche Sprache verfügen kann und es selbst hierzulande nicht schadet, sich zumindest mit einer zweiten Sprache zu beschäftigen.
Gibt es in Ihrem Sprachjargon auch “Fürlieder” ?
Die folgende Frage ist nicht als Provokation, sondern völlig aufrichtig gemeint: Was versprechen Sie sich davon konkret?
Ich will Ihnen mal meine Sichtweise schildern. Vielleicht basiert die trotz vieler persönlicher Erfahrungswerte aus meiner und meiner Kinder Schulzeit, ja auf falschen Prämissen:
Mobber wissen ganz genau, was sie tun. Es ist nicht fehlende Einsicht, die sie daran hindert, andere zu peinigen, um selbst die Oberhand zu behalten. Es ist so, als wüssten sie nicht, was ihre Taten beim Opfer anrichten. Im Gegenteil. Sie wissen es sehr genau. Es ist sogar ihr Ziel. Sonst würden sie bei ihren perfiden Aktionen nicht so peinlich genau darauf achten, dass das Schulpersonal nichts mitbekommt und somit auch nichts nachweisen kann.
Nimmt man solche Texte, wie den von Ihnen genannten, im Unterricht durch, in der Hoffnung, dadurch Mobbing zu stoppen oder einzudämmen, offenbart das seitens der Lehrer eine fast rührend naive Weltsicht, dass alles Fehlverhalten lediglich Unwissenheit entstammt und Kinder ja grundsätzlich eigentlich gute Menschen seien. Mobber lernen aus solchen Unterrichtseinheiten nur, welche die sozial erwünschten Antworten sind, wenn die Inhalte der Einheit abgefragt werden.
Desgleichen die Mitläufer. Mitläufer erkennen sich selbst meist nicht mal als Mitläufer und fühlen sich daher auch nicht inhaltlich angesprochen. Bei denen regiert eher die Angst, dass sie das nächste Opfer werden, wenn sie dem Mobber in die Quere kommen. Leider zu Recht.
“Das Thema durchnehmen” bringt nichts. Absolut gar nichts. Selbst wenn die Mobber sich auf dem Schulgelände noch zusammenreißen, lassen sie vor dem Schultor die Maske wieder fallen. Das Einzige, das meiner Ansicht nach hilft, sind harte Konsequenzen für die Mobber. Von Schulverweis bis Jugendamt, je nach Schwere. Dafür muss man sie aber erstmal erwischen. Siehe oben.
Meistens jedoch ist es ja bequemer, die Gemobbten lieb lächelnd von der Schule zu drängen und ihnen das auch noch als Fürsorge und Chance zu verkaufen. Und auch das wissen die Mobber.
Einige Ihrer Hinweise auf eine Mentalität von Mobbern finde ich nachvollziehbar, da ich sie ähnlich erlebte.
Als fast Pensionärin lasse ich mir zudem gern von Ihnen eine “rührende Naivität” bescheinigen, da wir offensichtlich komplett andere Herangehensweisen mit “Fehlverhalten von eigentlich schlechten Menschen” erlernt haben.
Annemaus hat übrigens nirgendwo behauptet, dass sie allein mit Liedertexten diese notwendigen Unterrichtseinheiten bestreiten will.
Hilfreich sind dazu regelmäßig (!) stattfindender Klassenrat, Prinzip Schutzengel oder Patenschaften, wöchentlich eigene Ziele formulieren, die im “Erfolgebuch” bestätigt werden könnten etc. – intensives, soziales Lernen schafft notwendige Veränderung .
Zudem braucht es eine Athmosphäre, die primär Vertrauen anstatt weitere Ängste fördert. Das hat weniger bis gar nichts mit “erwischen” zu tun. Zuständig ist dafür nicht “nur” das Schulpersonal. Möglichst alle direkt Beteiligten ins Boot holen, sie sollten gehört und mitbestimmen dürfen. Abstimmungen/Ergebnisse aus “den eigenen Reihen” wirken auf Mobber wesentlich effektiver als Texte von Unbekannten, wie die gute alte Schulordnung. Und ja, das kostet viel Zeit, welche es aber wert ist investiert zu werden. Mitgestaltete Veränderungen zu einem Klima, in dem angstfreies Lernen möglich wird, bereut garantiert niemand – im Gegenteil.
Schade, dass Ihren Erfahrungen nach “harte Konsequenzen” lediglich mit Schulverweisen und “absolut Nichtsbringen” verbunden sind. Ist vermutlich auch das Einfachste, frei nach dem Motto “Wanderpokal”, sollen andere Schulen sehen, wie sie klar kommen mit derart problematischen SuS. An derartigen Abschiebepraktiken klebt meines Erachtens nach meistens leider auch ein selbstausgestelltes Armutszeugnis .
Ich bin keine Lehrerin. War ich auch nie. Wollte ich auch niemals sein. Ich bin “nur” ehemalige gemobbte Schülerin und Mutter eines früher gemobbten Kindes. Und ja, aus beiden Perspektiven wäre mir lieber gewesen, wenn die Mobber hätten gehen müssen oder wenigstens irgendeine Strafe oder Wiedergutmachung auferlegt bekommen hätten. Stattdessen wurde an mein Wohlwollen gegenüber dem “armen Kind” appeliert. Gaslighting, Opferschutz und Wegducken sind an der Tagesordnung, und dem steht man ziemlich ohnmächtig gegenüber. Ich kann die Wut kaum beschreiben, die da in einem wächst. Den Vertrauensverlust. Die Gewissheit, dass das eigene Erlebte nicht wichtig ist, solange man schön friedlich bleibt. Das Gefühl, einfach nur verschaukelt und ruhiggestellt zu werden. Als Schüler und als Familie. Ich sage es ungerne, aber ansatzweise kann ich so manchen Amokläufer verstehen.
“Täterschutz”, nicht “Opferschutz”. Letzteres wäre zu schön, um wahr zu sein. Beim Opfer ist “Abschieben” komischerweise nämlich immer eine Option. Meistens sogar die von der Schule präferierte.
Oh, das ist schlimm. Und es wird so viel gemacht gegen Mobbing heutzutage. Da sage nochmal jemand “Kinder an die Macht”.