
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat die Bedeutung von historischem Wissen und eines kritischen Umgangs mit Informationen angesichts der Zunahme von Desinformation betont. «Wir erleben ja, wie autoritäre und extremistische Kräfte versuchen, die Deutungshoheit über die Geschichte zu gewinnen und das kollektive Gedächtnis zu manipulieren», sagte er bei der Verleihung der Preise seines diesjährigen Geschichtswettbewerbs.
Diese Kräfte betrieben Desinformation, verbreiteten Deep Fakes über die sozialen Medien, vernebelten die Grenze zwischen Wahrheit und Lüge. «Und sie tun das mit dem Ziel, die eigenen Machtansprüche durchzusetzen, Unrecht und Krieg zu rechtfertigen, Vorurteile und Hass zu schüren», sagte Steinmeier.
Steinmeier kritisiert respektloses Verhalten in KZ-Gedenkstätten
«Wie tief ihr Gift bereits in unsere Gesellschaft eingesickert ist, das zeigt sich auf unerträgliche Weise, wenn sich heute ganze Schülergruppen oder Klassen bei Besuchen in KZ-Gedenkstätten respektlos verhalten, mit rechtsextremistischen Symbolen und Parolen provozieren und die Menschheitsverbrechen der Nationalsozialisten umdeuten, verharmlosen oder leugnen.»
Die mit je 2.500 Euro dotierten ersten Bundespreise gingen an Schülerinnen und Schüler des Romain-Rolland-Gymnasiums in Dresden, der Gymnasien Buckhorn und Altona in Hamburg, des Wilhelm-Hittorf-Gymnasiums in Münster und des Bismarck-Gymnasiums in Karlsruhe. Außerdem wurden 15 zweite und 30 dritte Bundespreise verliehen.
Große Beteiligung an diesjährigem Geschichtswettbewerb
Der jährliche Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten stand diesmal unter dem Motto «Bis hierhin und nicht weiter!? Grenzen in der Geschichte». Nach Angaben der Körber Stiftung, die den Wettbewerb im Auftrag des Bundespräsidenten organisiert, beteiligten sich in diesem Jahr 6.720 Kinder und Jugendliche daran. Sie reichten 2.289 Beiträge ein. Damit sei diese Runde des Wettbewerbs die erfolgreichste seit 30 Jahren gewesen.
Die fünf ersten Preisträger befassten sich mit der deutsch-tschechischen Grenze, dem zu Flüssigkristallen forschenden Physiker Otto Lehmann, dem jüdischen Ghetto Hongkew in Shanghai und mit Annaliese Teetz, die 1955 als erste deutsche Frau das Kapitänspatent erwarb und gegen die Benachteiligung von Frauen in der Seefahrt kämpfte. Eine Schülergruppe entwickelte ein historisches Brettspiel.
«Oft spielen dabei die eigene Familiengeschichte und persönliche Grenzerfahrungen eine tragende Rolle»
«Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer setzten sich in ihren Beiträgen mit der ehemaligen, innerdeutschen Grenze auseinander. Oft spielen dabei die eigene Familiengeschichte und persönliche Grenzerfahrungen eine tragende Rolle. Spurensuchen zur eigenen Familie führten die jungen Forschenden aber beispielsweise auch nach Ungarn, Südkorea oder in südamerikanische Länder», so heißt es in einer Pressemitteilung.
Und weiter: «Die eingereichten Arbeiten zeigen in beeindruckender Vielfalt: Grenzen sind mehr als Linien auf der Landkarte, sie tauchen ebenso in gesellschaftlichen, politischen und räumlichen Strukturen auf. Dabei wirken sie nicht nur als Barrieren oder Hindernisse, sondern auch als Räume der Begegnung, des Schutzes oder der Überwindung. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben eindrucksvoll gezeigt, wie vielschichtig das Thema „Grenzen“ ist – und wie sehr es Vergangenheit und Gegenwart prägt.» News4teachers / mit Material der dpa









Wie sollten sich Kinder ein verantwortungsvolles Geschichtsbewusstsein aneignen, wenn diese nicht einmal fließend lesen können? Herr Steinmeier liegt richtig mit seiner Beschreibung der derzeitigen Situation. Es fehlt an Haltung und an Bildung, um resistent gegenüber der populistischen Agenda der Rassisten zu sein. Wer nicht fließend lesen kann, der kann auch kein abstraktes Denken entwickeln, weil das Handwerkzeug fehlt, sich eigenständig Wissen anzueignen.
Empathie und Respekt lassen sich auch unabhängig der Lesefähigkeit aneignen.
Ja, Lesen kann hier ein großer Verstärker sein, die gesichert rechtsextreme AfD zeigt aber auch auf, dass trotzdem jehlicher Anstand komplett ausbleiben kann :/
Schulen haben die Aufgabe beides zu vermitteln.
Diesbezüglich stimme ich Ihnen uneingeschränkt zu!
In der Sache richtig und begrüßenswert!
Alledings “«Wie tief ihr Gift bereits in unsere Gesellschaft eingesickert ist, das zeigt sich auf unerträgliche Weise, wenn sich heute ganze Schülergruppen oder Klassen bei Besuchen in KZ-Gedenkstätten respektlos verhalten, mit rechtsextremistischen Symbolen und Parolen provozieren und die Menschheitsverbrechen der Nationalsozialisten umdeuten, verharmlosen oder leugnen.»”
Ganz schon hart, alle Taucher*inen über einen Kamm zu scheren. 😛
Der Hintergrund ist erklärungsbedürftig: https://www.news4teachers.de/2025/08/gericht-allen-ernstes-white-power-gruss-von-schueler-in-auschwitz-war-womoeglich-tauchergruss/
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Eben. Es ging ja vor Gericht darum, dass die betroffenen Schüler – die allesamt keine Taucher sind – auf der jüdischen Gedenkstätte einen Tauchergruß machten.
In diesem Sinne sollte sich Herr Steinmeier eher auf die gesichert rechtsextreme AfD beziehen und die Prüfung deren Verbots anregen, anstatt eine fruchtlose Diskussion über Taucher:innen fortzusetzen 😉
“Steinmeier empört sich über Schüler, die in KZ-Gedenkstätten provozieren”
Na, das wird’s ja bringen…….
Provokation erfolgreich.
Und konsequenzlos …
Wie bitter.
Zum Glück gibt es noch sehr viele, aber deutlich leisere und nicht-provokante Schülys!
Und, welche Exekutivbefugnisse verorten Sie beim Bundespräsidenten?
Ich empöre mich über die Schüler, ja – und über die unwürdige Farce des Herrn Steinmeier als Bundespräsident, der moraltriefend die eigne moralische Ziellosigkeit nicht verbergen kann.
“Wir erleben ja, wie autoritäre und extremistische Kräfte versuchen, die Deutungshoheit über die Geschichte zu gewinnen und das kollektive Gedächtnis zu manipulieren.”
Jaja, megakryptisch, was er da wohl meint (augenroll)
Da hätte der Bundespräsident bei der Verleihung des letzten Deutschen Schulpreises direkt die Vertreter der Ernst-Reuter-Schule Karlsruhe dazu befragen können, deren Schüler haben in einer KZ-Gedenkstätte (!) schamlos den sog. “Hitlergruß” gezeigt. Die Öffentlichkeit erfuhr davon durch die Lokalpresse:
https://bnn.de/karlsruhe/karlsruhe-stadt/waldstadt/internet-reagiert-auf-hitlergruss-von-karlsruher-schuelern-in-kz
Schade, dass eine Schule, die ihre offensichtlich insgesamt gute Arbeit gerne nach außen darstellt, nicht selbstkritisch mit solch schlimmen Entgleisungen umgeht.
War vielleicht nur ein Taucher-Handzeichen zum Auftauchen?
Im Ernst: Kann den Artikel leider nicht lesen, aber ich hoffe doch, dass Schule interne Maßnahmen ergriffen hat?
Offensichtlich durften die betroffenen bereits strafmündigen Schüler an der Ernst-Reuter-Schüler Karlsruhe bleiben, obwohl sie während einer offiziellen Schulveranstaltung in der KZ-Gedenkstätte die Opfer des Nationalsozialismus verhöhnten.
Eine Schulpreisschule!
Taucherhandzeichen verhöhnen niemanden, da haben Sie das Gerichtsurteil zum Fall missverstanden
Beim Lesen dieses Artikels stellte sich mir die Frage, weshalb es zu vermehrtem respektlosem Verhalten bei Besuchen in KZ-Gedenkstätten kommt? Entgegen Herrn Steinmeiers Vermutung, sehe ich ganz profane Gründe für dieses Verhalten, die ich von Erfahrungen meiner eigenen jugendlichen Kinder ableite und selbst bereits vor etwa 30 Jahren erlebte.
Ob es in meinem Bundesland Pflicht ist oder nur allgemein üblich, nach Dachau zu fahren, entzieht sich meiner Kenntnis. Auf alle Fälle ist es an der Schule meiner Kinder so, dass in der 9. Klasse der Besuch Jahr für Jahr durchgeführt wird. Für die Kinder bedeutet das 4 Stunden Anfahrt, 2 bis 3 Stunden Führung und anschließend die Rückfahrt. Von den Berichten meiner Kinder weiß ich, dass ihnen das Thema “3. Reich” nach Jahren der Thematisierung im Unterricht zum Hals heraus hängt. Ähnlich erging es mir selbst als Jugendlicher, obwohl mich das Thema bis heute sehr interessiert und ich mir weiterhin die Dokumentationen darüber ansehe.
Alleine diese Übersättigung führt meines Erachtens zu einer Gegenreaktion bei der Jugend, die sich dann in provokantem Verhalten äußern kann.
Hinzu kommt, dass sich die Schule zwar mit dem KZ-Besuch schmückt, er aber aufgrund des Lerndrucks in G12 und der Vielzahl von Praktika, Besuchen, etc. nur ein Ereignis unter vielen ist. Wenn dann die Lehrer es ebenfalls routiniert abhandeln, was den Kindern nicht verborgen beleibt, muss man sich nicht wundern.
Auch die Tatsache, dass es in schulnaher Umgebung (10 km!) eine kleine KZ-Gedenkstätte gibt, die weder besucht, noch im Unterricht angesprochen wird, zeigt den Kindern, dass der Dachau-Besuch eher plakativer Art ist. Da es weitere Gymnasien in der Umgebung gibt, die ähnlich handeln, muss ich leider davon ausgehen, dass die Erfahrungen meiner Kinder keine Einzelfälle sind.
Und mag Herr Steinmeier (Jg. 1956) das Thema noch mit seinen Eltern und Großeltern als Zeitzeugen ausgiebig besprochen haben, so hat die heutige Jugend altersbedingt keine Möglichkeit mehr, direkte familiäre Bezüge zu diesem Thema mit ihren Urgroßeltern zu besprechen. Es wird mehr und mehr Geschichte, die zweifelfrei nicht vergessen werden darf, aber vielleicht wäre in diesem Fall weniger auch mehr?!
Kann die Berichte nachvollziehen, war zu meiner Zeit auch so bzgl. Übersättigung mit dem Thema, aber da wurde in Dachau höchstens hinter vorgehaltener Hand mit schlechtem Gewissen was Unpassendes geflüstert und eben nicht bewusst provoziert oder völlig unangemessen für Selfies posiert… Ich denke, da liegt das Problem eher woanders…
Immerhin machen die Schulen in Ihrer Gegend diese wichtige Exkursion noch! Ich war völlig entsetzt, dass meine Kinder in der Schule weder Schindlers Liste schauen mussten, noch bei Exkursionen mal wirklich eindringlich mit dem Thema konfrontiert wurden. Alles eingestellt mittlerweile. Nicht mal der Geschichts-Lk meines Sohnes hat da was unternommen. Ja, es war definitiv nicht spaßig, aber bei uns hat es damals trotz der Übersättigung eindringlich nachgewirkt. Wir holen das jetzt bei unseren Kindern privat nach.